Jacob Paul von Gundling

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Jacob Paul Freiherr von Gundling (* 19. August 1673 in Hersbruck; † 11. April 1731 in Potsdam) war ein deutscher Historiker.

Er entstammte einer fränkischen Familie. Sein bereits 1689 verstorbener Vater Wolfgang Gundling war Pfarrer in Kirchensittenbach bei Nürnberg (St. Sebald). Die Familie floh vor marodierenden kaiserlichen Soldaten nach Hersbruck.

Gundling besuchte 1690-93 die Landesschule Pforta bei Naumburg. Er studierte Rechtswissenschaften und Geschichte an den Universitäten Altdorf, Helmstedt und Jena und begleitete 1699 den Nürnberger Patrizier Jacobus von Tetzell auf Reisen nach Holland und England. 1705 berief ihn König Friedrich I. zum Professor für Geschichte und Recht an die Berliner Ritterakademie und 1706 zum Historiker an das Oberheroldsamt.

Nach dem Tod des Königs und der Aufhebung der Ritterakademie ernannte ihn dessen Sohn, der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. 1713 zum Hofrat und zu seinem Zeitungsreferenten und Historiographen; doch glich die Rolle, die er am preußischen Hof spielte, da er sich im Tabakskollegium aufgrund seiner Eitelkeit in der Trunkenheit zu vielen rohen Scherzen missbrauchen ließ, mehr der eines Hofnarren. 1716 suchte sich Gundling seinem Elend durch die Flucht, zu seinem Bruder Nikolaus Hieronymus Gundling(ius), Professor und Gelehrter in Halle (Saale), zu entziehen, wurde aber wieder zurückgebracht. Das unerlaubte Entfernen vom Hof galt als Fahnenflucht.

Aufgrund der Demütigungen erlitt er Magengeschwüre, die er durch weiteren Alkoholkonsum zu betäuben suchte. Eine zweite Flucht führte ihn ins katholische Breslau, wo ihm ein Amt unter der Bedingung der Konvertierung zum Katholizismus angeboten wurde. Gundling lehnte ab und kehrte auf Druck des Soldatenkönigs nach Preußen zurück. 1718 heiratete er, gegen den Willen Friedrich Wilhelms I., Anne de Larrey.

Um den Gelehrtenstand zu verhöhnen, übertrug ihm der König mehrere hohe Hof- und Staatsämter, ernannte ihn zum Präsidenten der Preußischen Akademie der Wissenschaften und erhob ihn am 25. September 1724 in den Freiherrenstand. Gundling starb am 11. April 1731 in Potsdam. Er wurde in Bornstedt auf Veranlassung des Königs in einem bereits zu seinen Lebzeiten gefertigten Weinfass, gezogen von sechs Schweinen, begraben. Die evangelischen Geistlichen des Ortes verweigerten die Zeremonie, so das ein Hofprediger an ihre Stelle trat.

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Grabplatte Gundlings in Bornstedt mit dem Hasen als Symbol für Ängstlichkeit

Werk

Gundling führte eine systematische Quellenauswertung in die Geisteswissenschaften Preußens ein. Das Preußische Schulsystem und die Kartographierung von Preußen wurden durch J. P. von Gundling vorangetrieben. Er beeinflusste zudem die Innen- und Außenpolitik Friedrich Wilhelms I.


  • Leben und Thaten Churfürsten Friedrichs I., Halle, 1715
  • Auszug brandenburgischer Geschichten, Halle, 1722
  • Nachrichten vom Alterthume der Stadt Halle ,1715
  • Geschichte und Thaten Kaiser Heinrichs VII,1719
  • Geschichte und Thaten Kaiser Konrads IV aus dem Geschlechte der Herzöge von Schwaben, wie auch Kaiser Wilhelms aus dem Geschlechte der Grafen von Holland,1719
  • Geschichte und Thaten Kaiser Richards aus dem Geschlechte der Könige von England,1722
  • Leben und Thaten Friedrichs des Anderen,1731
  • Leben und Thaten Alberti Ursi,1731
  • Pommerscher und Brandenburgischer Atlas1724

Literatur

  • David Fassmann: Der gelehrte Narr oder gantz natürliche Abbildung solcher Gelehrten, die da vermeynen, alle Gelehrsamkeit und Wissenschafften verschlucket zu haben. Freyburg 1729
  • Gerhard Hartmann: Der arme Gundling. Roman. Selbstverlag 2001. ISBN 3-89811-693-X
  • Anton Balthasar König: Leben und Thaten Jakob Paul Freiherrn von Gundling : Königl. Preußischen Geheimen Krieges-Kammer-Ober-Apellations-und Kammergerichts Raths, wie auch Zeremonienmeisters und Präsidenten bei der Königl. Societät der Wissenschaften etc. eines höchst seltsamen und abenteuerlichen Mannes Berlin. 1795
  • Martin Stade: Der König und sein Narr. Aufbau-Verlag. Berlin. 1975.
  • Martin Sabrow: Herr und Hanswurst. Deutsche Verlags-Anstalt. Stuttgart München
  • Johann Michael von Loen: Der unglückliche Gelehrte am Hof. 1750
  • Roman Freiherr von Prochàzka: Meine 32 Ahnen und ihre Sippenkreise. Verlag Degener. Leipzig 1928
  • Roman Freiherr von Prochàzka. Archiv für Sippenforschung. 31. Jahrgang Heft 19, August 1965. S. 204-210

Weblinks

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