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Interaurale Signale

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Interaurale Signale sind die beiden Schallsignale, die durch die beiden Ohren des Menschen aufgenommen werden und durch den Unterschied zueinander geprägt sind; siehe: Jens Blauert.

Vom Gehirn werden speziell bei jedem Menschen (und bei allen beohrten Lebewesen) an den Ohren entstehende frequenzabhängige Pegeldifferenzen, also (Spektraldifferenzen) ILD und dem Ohrabstand entsprechende Laufzeitdifferenzen ITD ausgewertet. Diese aus dem englischen kommenden Abkürzungen bedeuten ILD = Interaural Level Difference und ITD = Interaural Time Difference und sind in der Tontechnik eingeführt. Dabei ist ITDmax = 0,63 ms, was sich aus den Abmessungen eines mittleren Kopfes ergibt. Für eine Tonaufnahme müssen diese Signale an einem binauralen = zweiohrigen Kunstkopf von Mikrofonen (Sensoren) hinter den (Kunst-) Ohrmuscheln hergestellt werden, die dann unbedingt über Kopfhörer abgehört werden müssen. Im englischsprachigen Raum heißt diese Kopfhörer-Stereofonie unverwechselbar Binaural "Recording and Reproduction". Dagegen wird unter "stereophony" dort allein die Lautsprecher-Stereofonie verstanden.

Im Gegensatz zu den speziell frequenzabhängigen interauralen Signalen (zwischen den Ohren) - auch beim natürlichen Hören - stehen die Interchannel-Signale (zwischen den Lautsprecher-Kanälen), die bei der üblichen Tonaufnahme als Stereo-Lautsprechersignale erzeugt werden. Diese Signale zwischen den Lautsprechern sind frequenzneutrale Pegeldifferenzen Δ L, sowie Laufzeitdifferenzen Δ t, die sich mit der Hörereignisrichtung brw. dem Schalleinfallswinkel ändern

Beide Verfahren stehen sich gegenüber und sind klar auseinanderzuhalten. Geschieht das nicht, dann gibt es hörbare Probleme: Kunstkopf-Aufnahmen, die über Stereo-Lautsprecher wiedergegeben werden und übliche Stereo-Mikrofonaufnahmen, die über Kopfhörer eingespielt werden, müssen ein in Klangfarbe und Richtungsabbildung verändertes falsches Klangbild liefern. Es ist müßig, eine Kompatibilität (Übereinstimmung) herbeizureden, die hierbei nicht vorhanden ist.

Es gibt zahlreiche Versuche mit Laufzeit-Übersprechkompensationen (Crosstalk Canceller) und Filterentzerrung, um Kunstkopfaufnahmen, wenn auch nur für einen relativ kleinen Abhörbereich, für Stereo-Lautsprecherwiedergabe anhörbar zu machen (Transaural-Stereo). Umgekehrt gibt es Versuche mit Laufzeit- und Filter-Entzerrung, um Stereo-Mikrofonaufnahmen auch für Kopfhörerwiedergabe anhörbar aufzubereiten, d.h. um besonders die "Im-Kopf-Lokalisation" zu beseitigen.

Nach der "Duplex-Theorie" von John William Strutt, 3. Baron Rayleigh (J. W. Strutt 1907) gehört zum "natürlichen Hören" beim Menschen die sehr vereinfachende Erkenntnis, dass die interauralen Laufzeitdifferenzen ITD bei Frequenzen unterhalb 800 Hz bei der Richtungslokalisation bedeutsam sind, während bei Frequenzen oberhalb von 1600 Hz mehr die interauralen Pegeldifferenzen ILD wirken.

Hier soll es mehr um die notwendige klare Unterscheidung zwischen "interauralen Signalen" und "Interchannel-Signalen gehen". Interaurale Signale (Ohrsignale) sind keine Interchannel-Signale (Lautsprechersignale).

Siehe auch

Interchannel-Signal | Mikrofon | Stereofonie | Lokalisation | Lokalisation (Akustik) | Lateralisation | Binaural |

Weblinks

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