Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.
Intelligenztheorie
Aus Kefk.
Zu einer ausführlichen Darstellung des Intelligenzkonzeptes gelangt man unter Intelligenz.
Hier sollen die wichtigsten heute noch diskutierten Intelligenztheorien in der Differentiellen Psychologie vorgestellt werden.
Inhaltsverzeichnis |
Faktorielle Theorien
Faktorielle Theorien beruhen auf dem Verfahren der Faktorenanalyse. Dieses Verfahren ermöglicht - grob gesagt - die Zusammenfassung der Ergebnisse einer Vielzahl von Testaufgaben zu einer durch wenige Faktoren beschreibbaren Datenstruktur.
Zwei-Faktoren-Theorie von Spearman
Charles Spearman entwickelte mit Hilfe der des Generalfaktorenmodells der Faktorenanalyse seine Zwei-Faktoren-Theorie. Beim Generalfaktormodell wird aus den vorliegenden Testdaten ein einziger übergeordneter Faktor extrahiert. Auf diese Weise extrahierte Spearman einen Faktor für allgemeine Intelligenz, den g-Factor (g von general). Diesen Faktor beschrieb er als generellen, alle unterschiedlichen Leistungsbereiche beeinflussenden Intelligenzfaktor. Die Ausprägung dieser allgemeinen Intelligenz bestimme u.a. Verarbeitungsgeschwindigkeit, geistige Kapazität, intellektuelle Leistung - kurz: ob eine Person insgesamt eher ein `simple character´ oder ein `begabteres Genie´ ist. Neben diesem g-factor extrahierte Spearman noch eine Reihe von untergeordneten, spezifischen Intelligenzfaktoren, welche er als s-Factors (s von specific) bezeichnete. Diese sind dem g-factor hierarchisch untergeordnet und bereichsspezifische, voneinander unabhängige Faktoren. Sie bestimmen (jedoch wesentlich vom g-factor beeinflusst) die Leistung einer Person in bestimmten Bereichen - z.B. bei mathematischen Aufgaben, bei verbalen oder räumlichen Problemstellungen.
Cattells zwei Faktoren
Raymond Bernard Cattell identifizierte zwei Intelligenzfaktoren, die fluide (oder flüssige) und die kristalline Intelligenz. Die fluide Intelligenz ist angeboren bzw. vererbt und kann nicht durch die Umwelt beeinflusst werden. Zu ihr gehören beispielsweise die geistige Kapazität, die Auffassungsgabe, das generelle Verarbeitungsniveau. Die kristalline Intelligenz umfasst alle Fähigkeiten, die im Laufe des Lebens erlernt bzw. durch die Umwelt bestimmt werden. Natürlich wird die kristalline auch von der fluiden Intelligenz bestimmt. Sie umfasst sowohl explizites Wissen (semantisches und episodisches, wie z.B. Faktenwissen), als auch implizit Gelerntes (bestimmte Verhaltensweisen, Fahrradfahren, Rechnen etc.).
Primärfaktormodell von Thurstone
Louis Leon Thurstone verwarf die Vorstellung eines generellen, übergeordneten Intelligenzfaktors. Er betonte die bereichsspezifische Organisation der Intelligenz und sah diese als Zusammensetzung von verschiedenen Einzelfähigkeiten an. Durch sein faktorenanalytisches Vorgehen extrahierte er so sieben Primärfaktoren (primary mental abilities) der Intelligenz:
- S (space): räumlich-visuelle Aufgaben wie z.B mentales Rotieren von Objekten
- P (perceptual speed): Wahrnehmung von Objekten und Relation zwischen ihnen, z.B. Fortsetzung einer Reihe von Objekten
- N (numerical abiliy): rechnerisch-mathematische Fähigkeiten
- M (memory): Gedächtnisleistung, z.B. Fragen zu einer für kurze Zeit dargebotenen Szene beantworten
- R (reasoning): logisches Schlussfolgern
- W (word fluency): Wortflüssigkeit, z.B. Finden von Synonymen
- V (verbal relations): verbale Beziehung richtig verstehen und interpretieren
Eine oft gegen Thurstone vorgebrachte Kritik bezieht sich auf sein methodisches Vorgehen: Zur Extraktion seiner Faktoren verwendet er eine sogenannte oblique bzw. schiefwinklige Transformation. Diese hat zur Folge, dass die extrahierten Faktoren nicht gänzlich voneinander unabhängig sind - also schwach miteinander korrelieren. Tatsächlich besteht zwischen den sieben Primärfaktoren eine schwache positive Korrelation. Vertreter des Generalfaktorenmodells der Intelligenz sehen den Grund dieser Korrelation gemäß ihrer Theorie in einem übergeordneten, generellen Intelligenzfaktor (zur methodischen Interpretation der Korrelation siehe Partialkorrelation).
Guilfords tetraedisches Modell
Ein neuerer faktorieller Ansatz der Untersuchung der Intelligenz stammt von Joy Paul Guilford. Dieser unterscheidet drei Dimensionen der Intelligenz. Zum einen die Denkinhalte. Hier unterscheidet er vier Einteilungen - beispielsweise abstrakte oder figurale Denkinhalte. Die zweite Dimension stellen die Denkoperationen dar. Diese werden in fünf Abstufungen eingeteilt, z.B. Konvergenzvorgehen (die Konzentration auf einen spezifischen Lösungsansatz und die konsequente Weiterentwicklung dieses) oder Divergenzvorgehen (das Finden möglichst vieler verschiedener Lösungsmöglichkeiten und letztendlich die Wahl der besten). Die dritte Dimension wird durch die Denkresultate bestimmt. Diese werden in sechs Kategorien aufgeteilt, z.B. das Finden einer neuen, einzigartigen Lösung, das Finden von Kategorien oder Klassen oder die Übertragung der Lösung von einer auf eine andere Situation.
Diese drei Dimensionen spannen also, bildlich dargestellt, ein dreidimensionales Koordinatenkreuz auf. In dieses kann man sich nun einen Quader denken, auf dessen drei sichtbaren Flächen in kleinen Rechtecken alle möglichen Kombinationen der drei Dimensionen dargestellt sind (darum tretaedisches Modell, da diese drei Flächen des Quaders bedeutend sind). Die 4x5x6 = 120 Kombinationen stellen nach Guilford jeweils einzelne Intelligenzbereiche dar. Vertretern diese Ansatzes ist es bis heute noch nicht vollständig gelungen, für jede Kombination passende Aufgaben zu finden (etwa 20 davon stehen noch aus).
Information Processing Theory
Die information-processing theory verwirft die Idee von grundlegenden Faktoren der Intelligenz. Sie befasst sich vielmehr mit den während der Informationsverarbeitung ablaufenden kognitiven Prozessen. Im Wesentlichen interessieren hier drei Fragen:
- Welche Art von kognitivem Prozess läuft ab?
- Wie akkurat wird dieser Prozess ausgeführt (also wie schnell, wie aufwändig etc.)?
- Welche mentale Repräsentation liegt diesem Prozess zugrunde (also denkt jemand gerade in Bildern, oder in abstakten Zahlen etc.)?
Sternbergs triarchisches Modell (Komponentenmodell)
Einer der wichtigsten Vertreter des information-processing-Ansatzes ist Robert Sternberg. Er postuliert in seinem triarchischen Modell drei Theorien:
- Kontexttheorie: Jeder Mensch verfügt über eine kulturspezifische bzw. umweltspezifische Intelligenz. Diese ermöglicht es ihm, sich in seine Umwelt zu integrieren, soziale Kontakte zu knüpfen und zu pflegen und kulturelle Normen mehr oder weniger zu befolgen.
- Zwei-Facetten-Theorie: Zur Untersuchung der Intelligenz ist es nicht nur nötig, die zugrunde liegenden Lösungsprozesse, die Durchführung und Ergebnisse zu erfassen. Zudem ist es wichtig, die Routine bzw. Automatisierung der Prozesse zu erfassen, da diese einen wichtigen Einfluss auf Akkuratesse und Ergebnis einer Lösungsstrategie hat.
- Komponententheorie: Sternberg unterscheidet fünf Komponenten von kognitiven Prozessen
- 1) Performanzkomponenten: Diese sind bereichspezifische Fähigkeiten bzw. Lösungsstrategien. Eine Rechenaufgabe erfordert z.B. eine abstrakt-mathematische Lösungsstrategie, eine Wortaufgabe hingegen eher verbale Fähigkeiten.
- 2) Metakomponente: Diese entspricht weitestgehend einer übergeordneten exekuiven Kontrolle. Sie entscheidet, welche Performanzkomponenten in einer bestimmten Situation zur Anwendung kommen.
- 3) Akquisitionskomponente: Hier wird auf das Speichern bzw. Enkodieren von Information Bezug genommen. Wie 4) entspricht diese Komponente einer Gedächtnisfunktion.
- 4) Retentionskomponente: Diese bezieht sich auf das Behalten und den Abruf von Information aus dem Gedächtnis.
- 5) Transfer-Komponente: Die letzte Komponente betrifft die Übertragung von Wissen bzw. Fertigkeiten, die in einer bestimmten Situation gelernt wurden, auf andere Problemstellungen und Situationen.
Ein weiterer Verdienst Sternbergs liegt in seiner Erweiterung des Intelligenzbegriffes. Intelligenz umfasst demnach Lernen aus Erfahrung, abstraktes Schlussfolgern, die Fähigkeit, sich einer ständig weiterentwickelnden und verändernden Umwelt anzupassen und die Motivation, überhaupt neues Wissen bzw. Fertigkeiten zu erlangen. Die ersten beiden Punkte werden bereits von verbreiteten Intelligenztests erfasst. Die letzten beiden Punkte finden bisher jedoch wenig bis keine Berücksichtigung bei der Erfassung von "Intelligenz".
Multiple Intelligenz nach Gardner
Auf Howard Gardner geht einer der jüngsten Theorien der Intelligenz zurück. Er vertritt die Ansicht, dass wir nicht eine, sondern mehrere voneinander unabhängige Intelligenzen - also eine multiple Intelligenz - besitzen. Dabei geht er nicht nur so weit, diese Intelligenzen in bereichsspezifische Einheiten (ähnlich einigen Faktortheorien) zu unterteilen, sondern verortet sie auch in vollkommen voneinander unabhängigen modulähnlichen Organisationsformen im Gehirn. Jeder Intelligenz soll ein eigener neuronaler `Schaltkreis´ im Gehirn zugrunde liegen. Beeinträchtigungen bzw. Verletzung der einen Intelligenz soll somit keinerlei Einfluss auf andere Intelligenzen haben.
Eine weitere Einteilung Gardner's der Intelligenz umfasst zwei Bereiche: Intrapersonale Intelligenz bezieht sich auf das Wissen über die eigene Person, die Interpretation eigener Gefühle und Verhaltensweisen, die Vorhersage eigenen Verhaltens etc. Interpersonale Intelligenz umfasst zwischenmenschliche Wissens- und Fertigkeitsanteile. Z.B. die Vorhersage des Verhaltens anderer Menschen, empathische Fähigkeiten, die Fähigkeit sich entsprechend den Erwartungen anderer zu verhalten etc.
Weblinks
| Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Intelligenztheorie, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. |
