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Injunktion

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Injunktion beschreibt eine der grundlegenden Methoden der Naturwissenschaft. Um verwertbare Daten aus empirischen Experimenten zu erhalten, muss zunächst eine Injunktion im Sinne einer reproduzierbaren Verlaufsvorschrift entwickelt werden. Gewöhnlich sind im aktuellen wissenschaftlichen Paradigma die meisten dieser Vorschriften in der "Wissenschaftsgemeinde" so selbstverständlich, dass diese nicht mehr explizit für einen Versuchsaufbau erwähnt werden. Beispiele sind: "Wenn man Radiowellen erforschen will, braucht man entsprechende Empfangsgeräte"; "Wenn man Temperaturschwankungen angeben will, braucht man geeignete Termometer". Generell braucht jeder Wissenserwerb eine Basis in Form einer Handlungsanweisung oder sonstigen Voraussetzungen nach dem Schema: "Wenn ich das wissen will, muss ich jenes tun (bzw. getan haben)". Dadurch ist Wissen reproduzierbar und kommunizierbar. Injunktion als wissenschaftliche Methode wird vom Empirismus und den Wissenschaftsphilosophen Thomas Kuhn und Karl Popper beschrieben.

Anwendungen

Indem er Injunktionen beschreibt, die eine spirituelle Erfahrung ermöglichen, versucht Ken Wilber die Methoden des naturwissenschaftlichen Erkenntnisgewinns vom sinnlichen auf den geistig-spirituellen Bereich auszudehnen. Dadurch sollen spirituelle Erkenntnisse ebenso falsifizierbar, reproduzierbar und kommunizierbar werden wie sinnliche Erkenntnisse.

Die Beschreibung von expliziten Injunktionen kann auch zum Definieren von Begriffen verwendet werden, die sich einer abstrakten ein-dimensionalen Einordnung entziehen. So läßt sich bespielsweise die Farbe des Lichtes leicht anhand der Wellenlänge bestimmen, das Wettergeschehen an einem Ort kann aber nur mithilfe von vielen Injuktionen eindeutig bestimmt werden.

Bernhard Hassenstein führte diesen Begriff 1951 in der allgemeinen Biologie ein, um naturwissenschaftliche Bereiche, die nur schwer zu definieren sind, näher bestimmen zu können. Beispiele für solche Grenzbereiche aus der Biologie und Verhaltensforschung sind Pflanze, Tier oder angeborenes Verhalten. Die Bestimmung einer Injunktion erfolgt, indem man zunächst die Grenzen und Übergänge zu den Nachbarbegriffen genau beschreibt. Dann werden Experimente bzw. Verarbeitungsvorschriften definiert, mit deren Hilfe für jeden Einzelfall entschieden werden kann, ob der Begriff anwendbar ist oder nicht.

In der Logik von George Spencer-Brown wird durch die Injunktion Triff eine Unterscheidung (Draw a distinction) ein formales System geschaffen, welches auf einer einzigen grundlegenden Form aufbaut. Spencer-Browns Kalkül besteht aus Injunktionen, an die sich weitere anschließen. Spencer-Browns Logik beschreibt nicht, sondern startet damit, in dem sie sagt, was zu tun ist. Spencer-Brown stellt in seinen Laws of Form fest: "The primary form of mathematical communication ist not description, but injunction." (Seite 77)

Auch in der Managementphilosophie wird mit dem Begriff Injunktion die Möglichkeit beschrieben, mit der injunktiven Eigenschaft der Sprache Gegenpole gegen erstarrende Organsationsformen zu schaffen. Managementinnovationen entstehen in diesem Sinne konstruktiv, in dem man auf Performanz setzt.

Literatur

  • B. Hassenstein: Erklären und Verstehen in den Naturwissenschaften, in: Freiburger Dies Universitas, Bd. 14, 1967, S. 100-122
  • Spencer-Brown, George: Laws of Form, London, 1969
  • Weber, Winfried W.: Innovation durch Injunktion, Göttingen, 2005
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