Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.


Industrialisierung in der UdSSR

Aus Kefk.

Wechseln zu: Navigation, Suche
Bild:Kolkhoznitsa.jpg
«Der Arbeiter und die Bäuerin» von W. Muchina

Die Umsetzung der sozialistischen Industrialisierung in der UdSSR begann im Jahre 1928. Zuweilen wird der Begriff enger verstanden und bezieht sich ausschließlich auf den ersten Fünfjahresplan (Jahre 1928-1932). Erklärtes Ziel der sozialistischen Industrialisierung war die kurzfristige Umwandlung der bis dahin weitgehend agrar geprägten UdSSR in einen Industriestaat. Zu den Errungenschaften der sozialistischen Industrialisierung zählen in erster Linie die rapide Zunahme der Produktion in der Schwerindustrie und die anschließende massive Aufrüstung der Streitkräfte der UdSSR. Aus Sicht der sowjetischen Bevölkerung stellte die Industrialisierung eine Mobilisierung aller Kräfte ungaublichen Ausmaßes dar. In späterer Zeit diente die Geschichte der sozialistischen Industrialisierung als eine der wichtigsten ideologischen Säulen des sowjetischen Staates. Nach der Auflösung der Sowjetunion ist die Frage nach der geschichtlichen Bedeutung der Industrialisierung in der UdSSR zum Gegenstand heftiger ideologisch geprägter Diskussionen geworden. Insbesondere wird das deklarierte Ziel der Industrialisierung in der UdSSR hinterfragt, aber auch die Vertretbarkeit der zu ihrer Durchführung eingesetzten Mittel, vor allem im Hinblick auf den denkbaren Zusammenhang mit der Zwangskollektivierung und den Massenrepressionen.

Diskussionen in der Zeit der NÖP

Bis zu dem Jahre 1928 had die Führung der UdSSR eine relativ liberale ökonomische Politik durchgeführt, die man unter dem Namen NÖP (Neue Ökonomische Politik) kennt. Dies äuserte sich darin, dass solche Wirtschaftsbereiche wie die Schwerindustrie, der Transport, die Banken, der Groß- und der Internationalhandel unter vollständigen staatlichen Kontrolle standen, zugleich aber die Landwirtschaft, der Einzelhandel, der Dienstleistungsektor, die Nahrungsmittel- und die Leichtindustrie in privater Hand sich befanden. Die staatlichen Betriebe standen in einem echten Wettbewerb zueinander, und die Rolle ges Gosplans in dem Geschehen beschränkte sich auf die Erstellung von Prognosen, die allerdings die Richtung und den Umfang der staatlichen Investitionen bedingten.

Außenpolitisch befand sich die UdSSR in dieser Zeit in einer feindlichen Umgebung. Aus der Sicht der Führung der KPdSU(B) bestand eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit für einen neuen Krieg mit den kapitallistischen Staaten, was wiederum eine umfangreiche Umrüstung und Modernisierung der Sowjetischen Streitkräfte erforderte. Jedoch ein sofortiger Beginn mit der Modernisierung der Armee erschien auf Grund der Rückständigkeit und geringer Leistungsfähigkeit der sowjetischen Schwerindustrie als föllig unmöglich. Zugleich ließ die aktuelle Wachstumsrate in der Schwerindustrie keine große Hoffnung auf ein baldiges Einholen der Wirtschaften der führenden kapitallistischen Länder, die in den 20-er Jahren einen wirtschaftlichen Boom erlebten. Die Arbeitslosigkeit in den Städten ist zu einem ernsten Problem geworden. Nach der Ansicht der Staatsführung der Sowjetunion lag einer der wichtigsten Hemmfaktoren für das Wirtschaftswachstum in den Städten darin, dass die Nahrungsmittelversorgung der städtischen Befölkerung nicht ausreichend war, was wiederum an der fehlenden Bereitschaft der Bauern lag, genug Getreide zu niedrigen Preisen für die Stadtbefölkerung bereitzustellen.

Das Problem mit der nicht ausreichenden Nahrungsmittelversorgung der Städte hatte die sowjetische Führung mit Hilfe einer mit dem sozialistischen Konzept im Einklang stehenden geplanten Umverteilung der Ressourcen zwischen dem "Land" und der "Stadt" zu Gunsten der (Schwer)Industrie vor, zu lösen. Diese Pläne wurden auf dem XIV Parteitag der KPdSU(B) und dem III Volksdeputiertenkongress in dem Jahre 1925 beschlossen. Die Art und Weise, wie die Industrialisierungspläne in Realität umzusetzen wären, ist der Gegenstand einer heftigen Diskussion in den Führungskreisen der UdSSR in den Jahren 1926-1928 geworden. Die Vertreter der "genetischen Sicht" (W. Bazarow, W. Gromann, N. Kondratjew) plädierten dafür, dass der Industrialisierungsplan auf Basis der objektiv ermittelten Tendenzen der bestehenden Situation in der Wirtschaft aufgebaut werden soll. Anhänger der so genannten "teleologischen Sicht" (G. Krzhizhanowskij, W. Kuibyschew, S. Strumilin) sahen dagegen im Plan selbst ein wichtiges formendes und strukturierendes Werkzeug für die Weiterentwicklung der sowjetischen Volkswirtschaft, welches sich in erster Linie von den zu erreichenden Zielen leiten lassen sollte, für wessen Umsetzung allerdings durchaus eine sehr strenge Disziplin vonnöten wäre. Unter den führenden Parteifunktioneren der KPdSU vertrat vor allem Nikolai Bucharin die "evolutionäre Herangehensweise", der einflussreichste Vertreter der anderen Herangehensweise war Leo Trotzki, der auf einer forcierten Industrialisierung bestand. Der Generalsekretär der KPdSU(B) Josef Stalin teilte anfangs die "genetischen Sicht", änderte allerdings seine Position nach dem Parteiausschluss Trotzkis, was zu dem Sieg der "teleologischen Herangehensweise" führte.

Der erste Fünfjahresplan

Das vorrangige Ziel der Planwirtschaft bestand darin, das wirtschaftlichen und militärischen Potential der UdSSR mit dem maximal hohen Tempo steigen zu lassen. Insbesondere in der Anfangsphase erforderte es die Umverteilung der vorhandenen Ressourcen so weit wie es nur ging für die Durchführung der forcierten Industrialisierung. Über den ersten Fünfjahresplan (von 1. Oktober 1928 bis 1. Oktober 1933) wurde auf der XVI Konferenz der KPdSU(B) (April 1929) als über einen genau durchdachten realisierbaren Aufgabenkomplex berichtet. Gemäß dem ersten Fünfjahresplan wurden gleich nach seiner Bestätigung durch den V Volksdeputiertenkongress der UdSSR (Mai 1929) eine ganze Reihe ökonomischer, politischer, organisatorischer und ideologischen Maßnahmen durchgeführt, was der Industrialisierung den Status der wichtigsten Staatlichen Doktrine verlihen hat, und den Beginn der Epoche des "Großen Umbruches" angeläutet hat. Der Sowjetunion hatte viele schwierige Aufgaben zu beweltigen: Entwicklung von komplett neuen Wirtschaftszweigen, Steigerung von Produktionszahlen in beinahe allen Wirtschaftsbereichen, Aufnahme der Produktion von modernen Maschinen und Mechanismen.

Wikipedia
Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Industrialisierung_in_der_UdSSR, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
Persönliche Werkzeuge
Andere Sprachen