Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.
Ilias
Aus Kefk.
| Bild:Disambig-dark.svg | Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen finden sich unter Ilias (Begriffsklärung). |
Die Ilias (altgriechisch Ιλιάς oder ΙΛΙΑΔΟΣ - Iliados, heute Ιλιάδα) gilt gemeinhin als das homerische Epos vom Trojanischen Krieg, jedoch ist der Krieg nur der vorausgesetzte Hintergrund für die Auseinandersetzung zwischen dem „Völkerfürsten“ Agamemnon und dem stärksten Mann des griechischen Heeres, Achilleus. Ihre menschlichen Vorzüge, aber auch Fehler werden in der Ilias dargestellt. Zentrales Thema der Ilias ist der verderbliche Zorn des Achilleus, der aufgrund seiner zeitweiligen Weigerung, am Kampf teilzunehmen, unzähligen Achaiern den Tod bringt. Ein zweiter Erzählstrang innerhalb der Gesänge ist der Kampf der Götter parallel zu dem auf dem Schlachtfeld. Athene stand dabei auf der Seite der Griechen, während Ares auf Seiten der Trojaner stand.
Das Epos gilt als das älteste (erhaltene) Werk der griechischen und damit der abendländischen Literatur. Seine Niederschrift wird in etwa auf die Zeit um 730 v. Chr. (die Diskussion gibt beiderseits 50 bis 100 Jahre Spielraum) datiert. Die ca. 20 Jahre, jedenfalls aber später entstandene Odyssee, die womöglich (auch dies ist nicht unumstritten) von einem anderen Dichter stammt, beschreibt die Rückkehr des Odysseus aus dem Trojanischen Krieg.
Inhaltsverzeichnis |
Inhalt
Die Ilias beginnt mit dem so genannten „Zorn des Achilleus“:
|
|
Deutsche Übersetzung nach Johann Heinrich Voß:
- Singe den Zorn, o Göttin, des Peleiaden Achilleus,
- Ihn, der entbrannt den Achaiern unnennbaren Jammer erregte,
- Und viel tapfere Seelen der Heldensöhne zum Aïs
- Sendete, aber sie selbst zum Raub darstellte den Hunden,
- Und dem Gevögel umher. So ward Zeus Wille vollendet:
- Seit dem Tag, als erst durch bitteren Zank sich entzweiten
- Atreus Sohn, der Herrscher des Volks, und der edle Achilleus.
Von dem aus der Sage bekannten zehnjährigen Krieg zwischen Griechen und Trojanern stellt Homer lediglich 51 Tage (und auch von diesen nur einige en Detail) dar:
Der stärkste achaiische Kriegsheld Achilleus und Agamemnon, der Heerführer der Achaier, geraten über die Sklavin Briseis in Streit, mit der Folge, dass Achilleus nicht mehr am Kampf teilnimmt. Die Trojaner unter ihrem Vorkämpfer Hektor nehmen diese Gelegenheit wahr und bedrängen die Achaier schwer. Achilleus gewährt seinem Freund Patroklos, an seiner Statt in den Kampf zu ziehen. Patroklos fällt von Hektors Hand. Daraufhin kommt es zum Zweikampf zwischen dem trauernden Achilleus und Hektor, in dem dieser fällt. Der Tod Hektors besiegelt das Schicksal Trojas; das Epos aber endet thematisch mit dem Ende des Grimms und dem einsetzenden Mitleid des Achilleus, der Hektors Vater Priamos den zuvor geschändeten Leichnam seines Sohnes endlich zur Bestattung zurück gibt.
Der homerische Held
Der homerische Heros zeichnet sich durch vier Charaktereigenschaften aus: aidós (Respekt und Rücksicht auf gesellschaftliche Stellung), éleos (Mitleid), kléos (Ruhm) und timé (Ehre). Des Weiteren ist er durch eine Vielzahl innerer und äußerer Kräfte beeinflusst und gelenkt. Ihm fehlt die Entscheidungsfreiheit, weil er einerseits göttlichem Lenken und dem Schicksal unterworfen, andererseits in gesellschaftliche Zwänge eingebunden ist. Seine Maxime lautet, immer der Beste zu sein und den anderen überlegen (aien aristeuein kai hypeirochon emmenai allon). Die Helden der Ilias sind Aristokraten. Ihr Verhalten wird von den niedrigeren Schichten nur vereinzelt kritisiert, z. B. durch den Soldaten Thersites im 2. Gesang. Ihre gesellschaftliche Stellung spiegelt sich im Kampfverhalten wieder. Sie möchten Ruhm und Ehre zu Lebzeiten erlangen, an ein Weiterleben nach dem Tod glaubten die Griechen nicht (siehe Hades). Dem Glanz der Heroen, die ihr Heldentum in Kämpfen ("Aristien") beweisen, steht das Elend der Unglücklichen gegenüber.
Charaktere als Ideale
Die dargestellten Charaktere können als Paradigmen für bestimmte Eigenschaften gesehen werden. Hektor als Verteidiger der Heimat, Helena als die Schöne.
Kampf der Götter
Ein zweiter Erzählstrang behandelt die Kämpfe zwischen der Göttin Athene, die auf Seiten der Griechen stand, Apollon bei den Trojaner, sowie dem Gott Ares als Patron der Trojaner.
Im fünften Gesang verwundet Diomedes, mit Hilfe von Athene, Ares mit einer Lanze. Dieser flieht gedemütigt aus der Schlacht und kehrt zum Olymp zurück, wo er auf Geheiß des Zeus von Paiëon geheilt wird.
Auch andere Gottheiten sind vertreten, werden aber nur am Rande erwähnt und spielen keine tragende Rolle in der Handlung.
Die Götter stellen die äußeren Einflüsse (göttliche Lenkung und Schicksal) dar, denen der Held unterworfen ist.
Die Sprache
Die Ilias ist in Hexametern geschrieben und besteht aus 24 Gesängen. Sie ist in einem ionisch-äolischen Mischdialekt geschrieben, dessen Besonderheiten unkontrahierte Formen, Langformen und kurzvokalische Konjunktive sind. Jedoch finden sich auch bereits Attizismen, welche bei späteren Überarbeitungen eingefügt wurden, weil bereits im klassischen Griechenland Formen der epischen Kunstsprache unbekannt waren. Die damalige griechische Sprache ist noch nicht diejenige der klassischen Zeit, sondern viel altertümlicher: Die Unterscheidung von Haupt- und Nebensatz ist verschwommen, Konstruktionen enden teilweise in Anakoluthen. Die Ilias weist auch noch viele Formen auf, die sich im späteren attischen Dialekt anders darstellen.
Man geht gemeinhin davon aus, dass die heutige Version der Ilias die gleichsam "eingefrorene" Fassung eines alten, mündlich tradierten Heldengesanges ist. Inwiefern das Werk inhaltlich noch konkrete Erinnerungen an die ausgehende Bronzezeit bewahrt hat, ist hingegen seit langem in der Forschung umstritten.
Die „Ilias“ in der Neuzeit
Nach der Neuentdeckung Homers setzt im 17. Jahrhundert die analytische Betrachtung seiner Dichtung ein.
Nach den historischen Bezügen im Werk selbst und seiner Überlieferungsgeschichte muss die Handlung im 12. oder 13. Jahrhundert v. Chr. angesetzt werden. Die Philologie hat starke Indizien dafür gefunden, dass die Rahmenhandlung der Ilias durch Gesänge in Hexameter-Form von mykenischer Zeit bis in die Epoche Homers überliefert wurde. Homer hätte somit eine seinem Publikum bis in Details bekannte Geschichte in besonders gelungener Form und unter ungewöhnlichen Vorzeichen (Der Groll des Achilleus) dargeboten.
In letzter Zeit hat die seit langem währende Kontroverse um einen möglichen historischen Gehalt der Ilias (s. o.) aufgrund zahlreicher neu gefundener Indizien verstärkt Schlagzeilen gemacht. Archäologische Funde aus Mykene sind identisch mit Homers Beschreibung von Gegenständen, die man zu seinen Lebzeiten bereits nicht mehr verwendete. In der Ilias listete Homer zudem mit größter Genauigkeit die Schiffe auf, mit denen die Griechen nach Troja segelten. Er nannte sogar die Herkunft ihrer Besatzung (178 Ortsnamen). Viele dieser Ortschaften existierten zu Homers Lebenszeit nicht mehr und ließen sich auch nicht mehr genau lokalisieren. Ihre Existenz wurde jedoch u. a. auf einer Tontafel aus der Bronzezeit nachgewiesen, deren Schriftzeichen sich als eine Vorform des antiken Griechisch entpuppten; hier finden sich die Ortsnamen aus der Ilias wieder. Nicht alle Forscher schließen sich dieser Argumentation an - eine starke Strömung innerhalb der Geschichtswissenschaft geht weiterhin (in Anschluss an Moses I. Finley) davon aus, dass sich die homerischen Epen primär auf ihre Entstehungszeit im 9./8. Jahrhundert beziehen und nur wenige, historisch wertlose Erinnerungen an die mykenische Zeit bewahren. Der Ausgang der Debatte ist offen.
Die Ilias und ihre Bedeutung im Konflikt zwischen Griechen und Persern
Es ist bekannt, dass Solon einen Vers hat einschieben lassen (vermutlich, jedoch nicht mehr beweisbar, über Bestechung des Schreibers), um den Anspruch Athens auf die Insel Salamis zu stärken (siehe auch Seeschlachten um Salamis). Auch kann man die 'Tugenden' des Homer (s.o.) als eine Inspiration für die Bevölkerung betrachten (leichtere Identifikation).
Der Humor der Götter
Zwei Szenen aus dem ersten Buch der Ilias lassen den Olymp unter "unauslöschlichem Gelächter" (homerisches Gelächter) erbeben. In der ersten Szene versucht Hephaistos einen Streit seiner Eltern, Hera und Zeus, zu schlichten, indem er seiner Mutter gut zuredet, sie solle im Hinblick auf Zeus' Jähzorn nachgeben damit die Götter in Ruhe weiter speisen können. Anschließend nimmt er sich den Krug mit Nektar und schenkt den Göttern hinkend (Hephaistos hat seit seiner Kindheit ein lahmes Bein) ein, was unter diesen Gelächter hervorruft. Auch im achten Buch der Odyssee findet sich eine ähnliche humorvolle Szene.
Sonstiges
- Der Hirnforscher Julian Jaynes stützte sich bei seinen Ansichten über die Entstehung des menschlichen Bewusstseins auf Indizien aus der Ilias.
- Birgit Brandau, Hartmut Schickert, Peter Jablonka: Troia - wie es wirklich aussah. ISBN 3-492-04610-X (Rezension)
- Nach den in diesem Werk vorgestellten Untersuchungen und computergestützten Forschungsergebnissen ist das in der Ilias beschriebene Troia und seine Umgebung nahezu identisch mit dem Troja zu Lebzeiten Homers.
Bearbeitungen
Der Stoff der Ilias wurde in der Folge immer wieder aufgenommen und neu bearbeitet, vgl.:
- Georg Gotthart: Zerstoerung der grossen vnd vesten Koeniglichen Statt Troia oder Jlio (1598)
- Dan Simmons: Ilium und Olympos (Science Fiction/Fantasy) (2003-2005)
Siehe auch
Literatur
Werkausgaben
Die bekannteste Übersetzung des griechischen Originals stammt von Johann Heinrich Voss, der man das Alter – sie stammt aus dem Jahr 1793 – anmerkt. Sie ist wie das griechische Original in Hexametern abgefasst und lässt einiges an Genauigkeit vermissen, damit im Deutschen der Hexameter eingehalten werden kann. Andererseits muss man Voss zugute halten, dass er der deutschen Sprache damit den Hexameter geschenkt hat, und für die Ilias und die Odyssee so etwas wie eine eigene Sprache erfunden hat. Was die Genauigkeit der Details angeht, so lag er intuitiv bei vielem sehr richtig, wo später bspw. Schadewaldt wissenschaftlichen Fehlern aufgesessen ist:
- Homer: Ilias. Odyssee. Übers. v. Johann Heinrich Voss. Insel Taschenbuch. ISBN 3-458-32904-8 (online, online2)
Moderner ist die Übersetzung von Schadewaldt (1975). Sie ist in freien Versen abgefasst, also nicht in Hexametern. Schadewaldt hat aber (weitgehend) jeden Vers des griechischen Textes in einen deutschen Vers übersetzt. Außerdem gilt sie als leichter lesbar.
- Homer: Ilias. Odyssee. Wolfgang v. Schadewaldts neue Übertragung. Insel Verlag, Frankfurt (Main) 1975, 1988. ISBN 3-458-15875-8
- Homer: Ilias. Neue Übersetzung, Nachw. und Register von Roland Hampe 1979. (Übersetzung der Ilias in Hexametern.) ISBN 3-15-010290-1
- Homeri Opera. Tomus I/II, edidit T. W. Allen. Oxford 1902 (Originalausgabe, wissenschaftlicher Text)
- Tomus I. Ilias 1–12. ISBN 0-19-814528-4
- Tomus II. Ilias 13–24. ISBN 0-19-814529-2
Nacherzählungen
Da die Übersetzungen nur verständlich sind, wenn man mit der griech. Mythologie und Geschichte vertraut ist, hat es schon früh verschiedene Nacherzählungen gegeben, die die Geschichte allgemeinverständlich erzählen:
- Gustav Schwab: Troja. 1838. Insel, Frankfurt am Main - Leipzig 2004. (bekannteste Nacherz., beschränkt sich nicht auf den „Zorn des Achilleus“, sondern schildert auch die Vorgeschichte des Krieges und die Eroberung Trojas). ISBN 3-458-34717-8
- Franz Fühmann: Das hölzerne Pferd. Verlag Neues Leben, Berlin 1968, 1982. (erzählt Ilias und Odyssee in leicht verständlicher und trotzdem anspruchsvoller Sprache)
Weblinks
- Perseus Digital Library: Iliad (griech. Originaltext und engl. Übersetzungen)
- The Chicago Homer (Griech. und engl. Text mit vielfältigen Suchmöglichkeiten)
- DigBib.Org: Ilias (deutsche Übersetzung von Johann Heinrich Voss)
- Website von: Homers Ilias. Gesamtkommentar auf der Grundlage der Ausgabe von Ameis-Hentze-Cauer (1868–1913)
- Bryn Mawr Classical Review 2005.08.16: Joachim Latacz (ed.), Homers Ilias. Gesamtkommentar. Auf der Grundlage der Ausgabe von Ameis-Hentze-Cauer (1868-1913). Band: II Zweiter Gesang
- Singe den Zorn (interessante Verfilmung der Voßschen Versübersetzung am "Originalschauplatz" in Troia)
| Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Ilias, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. |
