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Ichschwäche

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Ich-Schwäche bezeichnet das Unvermögen des Ich,

  • sich den in Krisen und Konflikten ausgelösten Angst-, Schuld-, Scham- oder Minderwertigkeitsgefühlen zu stellen, so dass Konflikte verdrängt werden,
  • das Beherrschtwerden von Angst-, Schuld-, Scham- oder Minderwertigkeitsgefühlen, so dass Krisen und Konflikte unzureichend oder destruktiv gelöst werden und
  • den Mangel an kritisch geprüften Handlungsprinzipien, Normen, Werten, Lebenseinstellungen, weltanschaulichen Vorstellungen..., der es dem Ich kaum erlaubt, Krisen und Konflikte konstruktiv zu lösen.

Man spricht von einem schwachen Ich, wenn das Ich seiner Funktion, realitätsgerecht zwischen den Ansprüchen des Es, des Überich und des Sozialaußen zu vermitteln mit dem Ziel, psychische und soziale Konflikte konstruktiv zu lösen, nicht oder unzureichend nachkommt.

Inhaltsverzeichnis

Ursache von Ichschwäche

Ichschwäche entsteht dadurch,

  • dass das Überich rigide gebildet wurde (die sozialen Normen über massive Angst- und Schuldmechanismen internalisiert wurden),
  • dass das Ich persönlichkeitsverletzende Ereignisse nicht optimal konfliktauflösend auflösen konnte, sondern depressiv oder aggressiv verarbeitete,
  • nicht selbstkritisch nachgedacht wurde.

Ichschwäche und Abwehr

Eine ichschwache Persönlichkeit reagiert mittels Abwehr auf Krisen und Konflikte. „Abwehr“ bezeichnet Verhaltensmechanismen des schwachen Ich (z.B. die Verdrängung, die Projektion, die Rationalisierung), um Gefühle, Erkenntnisse, Situationen... zu meiden, die einen verunsichern, einem unerträglich oder unannehmbar erscheinen, weil sie Angst-, Schuld-, Scham oder Minderwertigkeitsgefühle auslösen. Beispiele für Abwehr:

  • "Ausweichen aus sozialen Beziehungen und Situationen, die konfliktträchtig sein können,
  • Vermeiden jeder Aktivität, die in Konflikte einmünden könnten,
  • Anlehnen an Fremdmeinungen und Fremdüberzeugungen" (Rupert Lay, Krisen und Konflikte, 276) ohne kritische Prüfung.

Eine solche Abwehr kann zu einem begrenzt sorgenfreien Leben führen. Öfter aber lassen sich abgewehrte Konflikte nicht so verschieben, sondern kehren wieder in ähnlicher oder anderer Form – mit meist destruktivem oder unzureichendem Konfliktlösungsverhalten.

Wenn Krisen und Konflikte nicht abgewehrt werden können, kommt es bei ichschwachen Persönlichkeiten oft zu unzureichenden oder destruktiven Konfliktlösungen. Die Folge unzureichender oder destruktiver Konfliktlösungen können eine Verstärkung destruktiver Gefühle sein: lange andauernde Gefühle der Niedergeschlagenheit (Resignation, Unlust, Depression...), der Angst (Schuldangst, Versagensangst, Ohnmachtsangst...) oder der Aggressivität (Ärger, Zorn, Neid, Wut, Hass...). Dieses Unglücklichsein und Unfreisein kann zu körperlichen oder psychischen Erkrankungen führen, zu Suchtverhalten, sozialer Verwahrlosung, kriminellen Taten...

Überwindung von Ichschwäche

Oft ist das Ich jedoch nur stark genug für kritische und selbstkritische Einsichten, aber es ist noch nicht stark genug, gemäß konfliktösenden Einsichten zu handeln. Zur Entstehung einer zureichenden Ichstärke siehe unter „Ichstärke“.

Ichschwäche und Neurose

Ursache von Neurosen

Ichschwäche ist die Ursache von Neurosen. >Neurose< bezeichnet ein Denk- oder Handlungsmuster (also Gefühl, Handlungs- und Denkweise, Reaktionsmuster...), das einem Menschen zwar einen gewissen Halt und Sinn zuspielt, das

  • ihn aber wegen seiner unrealistischen Anteile kindlich, abhängig und unselbständig hält, weil die damit verbundenen großen Angst-, Schuld, Scham oder Minderwertigkeitsgefühle einen Menschen fesseln und ihn unteroptimal ausstatten für die Lösung von Krisen und Konflikten
  • oder das ob seiner sozialen Unverträglichkeit zu Sozialkonflikten führt (Streit, Strafe).

Neurose und Zwangshandlungen

Neurosen können sich zu Zwangshandlungen auswachsen, wenn das Ich den neurotischen Konflikt noch nicht reflektieren und somit auflösen kann. So etwa bei Minderjährigen, die wiederholt z. B. Geld stehlen bei Familienangehörigen, Freunden..., obgleich sie deswegen mit Strafen belegt wurden. Oft wachsen sich solche Zwangshandlungen aus, ohne dass der zugrunde liegende neurotische Konflikt von den Handelnden erkannt worden wäre, wenn die Handelnden als Adoleszenten genügend soziale Erfahrungen machten, die sie ausreichend selbstbewusst werden ließ. "Selbstbewusstsein" heißt hier: ich weiß, dass ich etwas gut kann, welche Fähigkeiten ich habe, welche Fähigkeiten ich noch entwickeln will und welche Fähigkeits-Mängel ich bei mir als momentan unerreichbar akzeptiere.

Neurose und Psychose

Neurosen können sich zu Psychosen auswachsen, wenn sie die Person so destabilisieren, dass die übermächtigen Angst-, Schuld-, Scham- und Minderwertigkeitsgefühle, die das Ich überschwemmen, die Person handlungsunfähig, apathisch, stumm... machen.

Literatur

  • Rupert Lay, Krisen und Konflikte, Heyne Verlag 1981
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