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Industrial Workers of the World
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Die Industrial Workers of the World (IWW, deren Mitglieder oft auch als Wobblies bezeichnet werden) ist eine weltweite Gewerkschaft, die gegenwärtig jedoch kaum Einfluss außerhalb der USA, Kanadas und Australiens hat. In Großbritannien, der größten Regionalstruktur in Europa, zählt die IWW im Jahr 2006 etwa 180 Mitglieder. In Deutschland existieren vereinzelte IWW-Gruppen, so in Frankfurt am Main und Köln.
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Geschichte
Die Industrial Workers Of The World blicken auf "eine lange, angriffslustige Geschichte" (Wall Street Journal) [1]. Gegründet auf einem Kongress am 27. Juni 1905 in Chicago von Delegierten verschiedener Einzelgewerkschaften, Sozialisten und militanten Arbeiterführern, in Anwesenheit bekannter Aktivisten wie Mother Jones und Big Bill Haywood, unterschied sich diese Gewerkschaft in zwei Punkten wesentlich von den bis dahin verbreiteten Organisationen:
Zum einen organisierte sie insbesondere die von der traditionellen Arbeiterbewegung vernachlässigten gesellschaftlichen Gruppen: Frauen, ungelernte Arbeiter, Wanderarbeiter, Asiaten und Afroamerikaner; zum anderen sah die IWW Direkte Aktionen stets als wichtiges Mittel im Arbeitskampf.
Die Gewerkschaft spielte in den USA anfang des 20. Jahrhunderts eine einflussreiche bis maßgebliche Rolle bei zahlreichen spektakulären Streiks. Zunehmende Repression während und nach dem Ersten Weltkrieg sowie ein wachsender Einfluss der Kommunistischen Partei der USA ließen sie ab Mitte der 1920er nach mehreren Spaltungen marginal werden. Auf ihrem organisatorischen Höhepunkt 1923 hatte die IWW 100.000 Mitglieder. Am Ende der 1950er Jahre waren weniger als 100 Mitglieder in der Organisation verblieben.
Einen erneuten - wenn auch zunächst bescheidenen - Aufschwung nahm die IWW in den USA nach den Jugend- und Studentenrevolten ab 1967, eine zweite Welle folgte ab 1986, als die Auswirkungen der Politik der Reagan-Regierung auf die arbeitende Bevölkerung zu einer Wiederentdeckung der sozialen Frage durch die Linke führte. Heute hat die IWW weltweit etwa 2.000 Mitglieder; die Zahlen scheinen - nach eigenen Angaben - langsam aber kontinuierlich zu steigen.
Als eine historische Vorläuferin der IWW im deutschsprachigen Raum kann die rätekommunistische Allgemeine Arbeiter-Union Deutschlands der 1920er Jahre gelten.
Texte und Aktionen wie legendäre Streiks aus der Blütephase der Wobblies Anfang des 20. Jh. wurden zudem ab den 1970er Jahren durch Publikationen einiger vom Operaismus inspirierter Zeitschriften wie der Karlsruher Stadtzeitung und Wildcat innerhalb der undogmatischen Linken verbreitet, ohne dass allerdings die organisatorischen Vorstellungen der IWW dabei besondere Beachtung gefunden hätten.
Die Starbucks-Kampagne
In den USA gelang der IWW seit 2004 ein Organisierungserfolg in einem Bereich, der bislang als gewerkschaftsfern und schwer organisierbar galt. So haben sich bis zum Herbst 2006 die Arbeiter von sechs Filialen der weltweit größten Kaffee-Haus-Kette Starbucks in New York City der IWW Starbucks Workers Union angeschlossen. Der IWW Starbucks Workers Union gelang es nach eigenen Angaben, mehrere Erfolge zu erringen, darunter Lohnerhöhungen um fast 25 % sowie Verbesserungen beim Arbeitsschutz und eine Erhöhung der garantierten Wochenstunden.
Im September 2006 expandierte die Starbucks Workers Union nach Chicago, wo sich die Arbeiter einer weiteren Filiale (am Logan Square) mehrheitlich als aktive Gewerkschaftsmitglieder zu erkennen gaben. Als Reaktion auf die Entlassungen von vier IWW-Mitgliedern durch Starbucks in New York City, denen nach IWW-Angaben eine gewerkschaftsfeindliche Absicht zu Grunde lag, riefen die Wobblies im August 2006 zum weltweiten Boykott von Starbucks auf, der das Ziel verfolgte, die Wiedereinstellung der gekündigten Kollegen zu erzwingen und das Unternehmen von weiteren Maßnahmen gegen gewerkschaftliche Organisierung abzuhalten .
Grundsätze
Die seit 1905 gültige Präambel der IWW-Statuten lautet:
Die arbeitende Klasse und die ausbeutende Klasse haben nichts gemeinsam. Es kann keinen Frieden geben, solange Hunger und Not unter Millionen der Arbeitenden zu finden ist und die wenigen, aus denen die ausbeutende Klasse besteht, alle guten Dinge des Lebens besitzen.
Zwischen diesen Klassen muss der Kampf weitergehen bis die Arbeiter der Welt sich als eine Klasse organisieren, die Erde und die Produktionsmittel in Besitz nehmen, und das Lohnsystem abgeschafft ist. Wir meinen, dass die Zentralisierung des Managements der Industrie in immer weniger Händen die Gewerkschaften unfähig machen, mit der immer größeren Macht der ausbeutenden Klasse mitzuhalten. Die Gewerkschaften fördern eine Lage, in der eine Gruppe von Arbeitern gegen eine andere Gruppe Arbeiter in der selben Industrie gegeneinander in Lohnkämpfen ausgespielt werden. Außerdem verleiten die Gewerkschaften die Arbeiter zu glauben, dass die arbeitende Klasse gemeinsame Interessen mit ihren Arbeitgebern haben. Diese Verhältnisse lassen sich ändern. Und das Interesse der arbeitenden Klasse kann nur von einer Organisation verteidigt werden, die so aufgebaut ist, dass alle Beschäftigten einer Industrie, oder wenn nötig, aller Industrien, aufhören zu arbeiten wann immer irgendwo ein Streik oder eine Aussperrung stattfindet. Ein Unrecht an einem ist ein Unrecht an allen.
Statt des konservativen Mottos: >Ein fairer Lohn für gute Arbeit< müssen wir auf unsere Fahne die revolutionäre Losung: >Abschaffung des Lohnsystems< schreiben.
Der historische Auftrag der Arbeiterklasse ist die Abschaffung des Kapitalismus. Die Lohnarbeiter müssen sich nicht nur für tägliche Kämpfe mit Kapitalisten organisieren, sondern auch für die Weiterführung der Produktion nachdem der Kapitalismus endlich überwunden ist. Indem wir uns industriell organisieren, formen wir die Strukturen der neuen Gesellschaft in der Schale der alten.
Philosophie
Die IWW repräsentiert einen eigenständigen Strang in der Ideen- und Organisationsgeschichte der Arbeiterbewegung, der als Unionismus bezeichnet wird. Sie sieht sich als die "One Big Union", ein Zusammenschluss der gesamten arbeitenden Klasse auf betrieblich/ökonomischer Basis. Wenngleich der Unionismus Elemente sowohl des Anarchismus als auch des revolutionären Syndikalismus in sich aufgenommen hat, zählten zu den Mitgliedern der IWW stets Arbeiterinnen und Arbeiter mit verschiedenen Weltanschauungen.
Die IWW lehnt sowohl die Führungsrolle einer Partei über die Arbeiterklasse und ihre Gewerkschaften ab, wie sie von Lenin und dessen Nachfolgern propagiert und praktiziert wurde, als auch eine betrieblich/parlamentarische Arbeitsteilung zwischen Gewerkschaften und Arbeiterparteien, wie sie die sozialdemokratisch geprägte deutschsprachige Arbeiterbewegung schon vor dem 1. Weltkrieg zur Regel machte. Nach Meinung der IWW tragen Parteien und ihre Ideologien eher zur Spaltung der arbeitenden Bevölkerung bei, als dass sie dieser irgendeinen Vorteil erbrächten. Gleichwohl ist es IWW-Mitgliedern frei gestellt einer Partei anzugehören, solange sie in dieser keine Funktionärsposition einnehmen.
Von anarcho-syndikalistischen Organisationen unterscheidet sich die IWW sowohl durch eine größere weltanschauliche Offenheit als auch im organisatorischen Aufbau durch eine weitaus weniger föderalistische, also zentralere Organisationsstruktur.
Bekannte Wobblies
Bekanntester lebender Wobbly ist der Linguist und (laut New York Times) "einflußreichste westliche Intellektuelle" Noam Chomsky. Das bei weitem prominenteste Mitglied der IWW im 20. Jh. war der Folksänger und Agitator Joe Hill, der 1915 in Salt Lake City hingerichtet wurde. Von ihm stammen zahlreiche Folksongs, die unter anderem im Little Red Songbook der IWW zusammengefasst sind.
Neben Joe Hill und Mother Jones zählen zu den bekannten Persönlichkeiten, die Mitglieder der IWW waren oder sind: Elizabeth Gurley Flynn, Joseph Ettor, Ben Fletcher,Ricardo Flores Magon, Ralph Chaplin, Big Bill Haywood, William E. Trautmann, Frank Little, Paul Mattick,Lucy Parsons, Louis Adamic, Gary Snyder, Carlos Cortez, Fred Thompson, Sam Dolgoff, Judi Bari und Utah Phillips.
Literatur
- Gisela Bock: Die andere Arbeiterbewegung in den USA von 1909-1922. Die IWW - The Industrial Workers of the World. Trikont Verlag, München 1976. ISBN 388167005X
- Paul Buhle, Nicole Schulman: WOBBLIES! A Graphic History of the Industrial Workers of the World. Verso, London 2005. ISBN 1-84467-525-4.
- Joyce L. Kornbluh: Rebel Voices. An IWW Anthology. Charles H. Kerr Publishing Company, Chicago 1988. ISBN 088286-120-4.
- Augustin Souchy: Schreckensherrschaft in Amerika. Impuls Verlag, Bremen 1977. ISBN 3-921833-03-5
- Louis Adamic: Dynamit. Geschichte der Klassenkampfs in den USA (1880-1930). Trikont Verlag, München 1974. ISBN 3-920385-66-7
- Daniel Guérin: Die amerikanische Arbeiterbewegung 1867-1967. Suhrkamp, Frankfurt 1970. ISSN 0422-5821
- Austin Lewis: Das militante Proletariat. Chicago 1911. (PDF)
- Daniel Rosenberg: Die IWW und die Organisierung asiatischer ArbeiterInnen im frühen 20. Jahrhundert. In: Labour History. Routledge, Basingstoke 36.1995,1. ISSN 0023-656x
- Jörg Auberg: Geschichte der IWW. Wobbly Rebell - die Geschichte der wiederentdeckten 'Schwarzen Katze'. in: Schwarzer Faden. Trotzdem-Verl., Grafenau 4.1987,26 u. 3.1988,28. ISSN 0722-8988.
Film
- The Wobblies (dt. Die Wobblies) Film von Stewart Bird und Deborah Shaffer, USA 1979. Länge ca. 89 Minuten. Der Film zeigt die Entwicklung der IWW von 1905 bis etwa 1930 anhand von Dokumentarischen Material und Interviews mit alten Mitgliedern der Gewerkschaft.
Weblinks
- Industrial Workers of the World
- IWW im deutschsprachigen Raum
- IWW Starbucks Workers Union
- (Eigen-)Bericht über eine Aktion der IWW Köln
- Wobblies im Aufwind (2004)
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