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II-V-I
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II-V-I (auch 2-5-1, gesprochen zwei-fünf-eins) ist eine Kurzformel für die häufigste und wesentlichste harmonische Verbindung im nicht-freien Jazz. Die römischen Zahlen suggerieren auf den Tönen der 2., 5. und 1. Stufe der verwendeten Tonleiter aufgebauten Akkorde.
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Verwendung in der Dur-Tonleiter
Die Standardkombination lautet auf der Dur-Tonleiter (mit Funktionsbezeichnung):
IIm7 - V7 - Imaj7
Das heißt also, der Moll-Septakkord der zweiten Stufe, der Dur-Septimakkord der 5. und den Dur-Akkord auf der ersten Stufe, meistens mit großer Septime. Angenommen, unser tonales Zentrum wäre C, dann bekäme man die Akkordfolge (changes):
Dm7 - G7 - Cmaj7 (Midi-File)
Verwendung in der Moll-Tonleiter
Die Akkordfolge II-V-I ist jedoch nicht nur auf die Dur-, sondern auch auf die Molltonleiter anwendbar. Gemäß dieser Molltonleiter lautet die Standardkombination dann:
IIm7b5 - Vm7 - Im
Der erste Akkord dieser Folge ist ein verminderter Akkord auf der zweiten Stufe. Die V. Stufe ist bei Natürlich Moll ein Moll-7 Akkord auf der V. Stufe. Der letzte, abschließende Akkord ist bei Natürlich Moll der Mollakkord der ersten Stufe. Hat man beispielsweise a-Moll als Grundtonart, so lautet die Akkordfolge bei natürlich Moll:
Hm7b5 - Em7 - Am
Bezug zur Quintfallsequenz
Man sieht, dass die Grundtöne dieser Akkordprogression dem Quintenzirkel entnommen sind bzw. Teilen einer Quintfallsequenz entsprechen:
... H - E - A - D - G - C - F - ...
Umgekehrt stellt die reine Quintfallsequenz wiederum fast ausschließlich eine II-V-I-Folge dar, wie zum Beispiel der Anfang von Autumn Leaves:
Dm7 - G7 - Cmaj7 - Fmaj7 - Hm7b5 - E7 - Am (Wiederholung) (in Dur) (in Moll) II. - V. - I. II. - V. - I
Praktische Anwendung
Typische Schluss-Kadenz
Man findet die II-V-I-Verbindung sehr häufig beim Abschluss eines Liedes oder Refrains.
Beispiele:
- and I (Dm7) think to myself: (G7) WHAT A WONDERFUL (C) WORLD
- Tell me (Em7) dear ARE YOU (A7) LONESOME TO- (D) NIGHT
- (Dm7) SUMMER FEELING (G7) with Bacardi (C) Rum
- (Am7) saying SOMETHING (D7) STUPID like I (G) love you
- DON'T (Am7) WORRY, (D7) BE (G) HAPPY
- It's (Em7) just another (A7) MANIC (D) MONDAY
- (Am7) Ich will zu- (D7) rück nach WESTER- (G) LAND
Jazz-Improvisation
II-V-I-Verbindungen und ihre melodische Ausstaffierung während der Improvisation, bzw. die Interpretation des Voicings beim Begleiten mittels Harmonieinstrument, gehören zum grundsätzlichen Handwerkszeug eines jeden Jazzmusikers, da, wie gesagt
- die harmonische Verbindung fast in jedem Standard vorkommt
- Solophrasen, die in einer Tonart über 2-5-1 beherrscht werden, üblicherweise auch transponiert in einer anderen Tonart gut klingen (vorausgesetzt, man stößt nicht an die Umfangsgrenzen des Instrumentes)
Manche Jazzstandards bestehen fast ausschließlich aus solchen Verbindungen, wie die Changes von "Tune-up" (Miles Davis) zeigen:
Bild:IIVI1.PNG Die Changes als MIDI-File (<2kB) zum Anhören (mit einer Wiederholung).
Dabei rasten die Harmonien jeweils im dritten Takt jeder Phrase in einem Zielklang ein, auf den sich die vorhergehenden Stufen beziehen. Die Zielklänge sind relativ weit voneinander entfernt: D-Dur besitzt 2 Kreuze, C-Dur kein Vorzeichen und B-Dur wiederum 2 Bes (siehe: Quintenzirkel). Zusammenhalt schafft hier aber, dass die Zielklänge am Anfang der nächsten Phrase "vermollt" werden und so als II. Stufe des nächsten Zielklanges verwendet werden können. Der einzige Klang, der aus diesem Schema ausbricht, ist der mit IV bezeichnete Es-Dur-Klang. (IV in Bezug auf das noch gültige B-Dur). Dieser Klang ist nötig, um innerhalb der vorliegenden 16 Takte wieder zum Ausgangspunkt zurückzufinden. Würde man das Modell weiterspinnen, käme man bei As-Dur an. Es-Dur an dieser Stelle bietet sich als Brücke zwischen B-Dur und e-Moll an, da Es-Dur wie gesagt die IV. Stufe von B ist, andererseits aber nur durch chromatische Veränderung von Akkordtönen (Es nach E; B nach H) zu e-Moll umfunktioniert werden kann. Die abschließende, schnellere Wendung im letzten Takt führt als herkömmlicher Turnaround wieder zum ersten Akkord des Stückes zurück.
Auch eine Abspaltung II-V wird gerne verwendet: Zum Beispiel verwenden die ersten sechs Takte von "Satin Doll" (Duke Ellington) nur diese Wendung. Dazu wartet der siebte Takt mit einer kleinen Überraschung auf, indem das direkt vorangehende II-V - Gebilde nicht erwartungsgemäß zu Ende gebracht wird. Erst der Turnaround im achten Takt ist eine vollständige II-V-I - Verbindung zur Wiederholung.
Oft findet man in Lehrbüchern Skalenmaterial als Grundlage für das melodische Solieren über 2-5-1er. In unserem Beispiel kann zum Einstieg in die Improvisation die Erkenntnis reichen, dass das gesamte Tonmaterial ohne Probleme aus der C-Dur-Tonleiter (Ionischer Modus) zu entnehmen ist. Auch mit der C-Dur Pentatonik kommt man hier sehr gut zurecht. Die Alterationen, die einer Melodielinie erst die richtige Würze geben, entstammen entweder den Blue Notes der Grundtonart, Tritonussubstitutionen oder Parallelverschiebungen der angegebenen Akkorde.
