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European Computer Driving Licence

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ECDL, die European Computer Driving Licence, auch "Europäischer Computer-Führerschein" genannt, ist ein international anerkanntes Zertifikat für Computerbenutzer. Der ECDL bescheinigt Wissen über Computer und Fertigkeiten, bestimmte weitverbreitete Standard-Computeranwendungen zu benutzen.

Inhaltsverzeichnis

ECDL-Institutionen

Der ECDL wird von 30 europäischen Gesellschaften für Informatik herausgegeben. Die internationale Koordination liegt in Händen der ECDL-Foundation in Dublin, einer Non-Profit-Organisation. Sie sorgt dafür, dass die jeweils aktuellen ECDL-Standards international eingehalten werden und betreibt die fortlaufende Weiterentwicklung des Zertifikats.

Quelle: DLGI Dienstleistungsgesellschaft für Informatik

In Deutschland ist die Dienstleistungsgesellschaft für Informatik (DLGI) mit Sitz im Bonner Wissenschaftszentrum die Akkreditierungsagentur, d. h. die zentrale und einzige Lizenzvergabestelle. Die DLGI meint von Beginn an Wert darauf gelegt zu haben, herstellerunabhängig zu sein. Es kann der ECDL seit August 2002 neben Microsoft Windows und Office auch für das Betriebssystem SuSE Linux und StarOffice abgelegt werden. Mittlerweile gibt es die ECDL-Modultests auch für Mozilla Firefox und Thunderbird. Seit Juni 2006 können alle Prüfungen zum ECDL auch auf der Apple-Plattform Mac OS X abgenommen werden.

In Österreich ist die Österreichische Computer Gesellschaft (OCG) mit Sitz in Wien die nationale Koordinationsstelle für Österreich. In der Schweiz ist die Schweizer Informatik Gesellschaft (SI) ECDL Lizenznehmerin. Als Koordinationsstelle operiert die ECDL Switzerland AG im Auftrag der SI.

Verbreitung

International ist das Zertifikat als ICDL (International Computer Driving Licence) in 146 Ländern eingeführt; es gibt den ECDL bzw. ICDL in 38 Sprachen. International gibt es 6 Millionen ECDL/ICDL-Kandidaten. Ca. 25 Millionen ECDL/ICDL-Tests wurden weltweit abgelegt.

In Deutschland haben seit 1997 fast 300.000 Kandidaten am ECDL-Programm teilgenommen.

Der ECDL wird in vielen Ausbildungsberufen und von einigen Hochschulen als Leistungsnachweis anerkannt. Im Frühjahr 2006 hat das Hessische Kultusministerium den ECDL für den Schulunterricht empfohlen. Das Bundesland Bremen will den ECDL als Abschlussniveau für alle Fachoberschulen einführen.

Mit dem Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus wurde im Januar 2007 ein Rahmenvertrag zur Erleichterung der Einführung des ECDL an Schulen geschlossen. Auch das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur Rheinland-Pfalz unterstützt nun als viertes Bundesland den Erwerb des ECDL für Schülerinnen und Schüler.

Die Deutsche Schule Lissabon bietet seit 2003 den ECDL für deutsche Schüler im Ausland an. Die Deutsche Schule Shanghai hat mit dem Schuljahr 2006/2007 als zweite deutsche Schule im Ausland den ECDL-Unterricht für Realschüler eingeführt, was eine Besonderheit darstellt, da es der einzige Ort außerhalb Europas ist, an dem die ECDL erworben werden kann.

In Irland haben bereits 6 % der Gesamtbevölkerung die ECDL erworben.

In Großbritannien absolvieren 1,3 Mio. Mitarbeiter des „National Health Service“ den ECDL. Eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung zeigt, dass sich danach die tägliche Arbeitszeit des Pflegepersonals am Computer um über dreißig Minuten verkürzt hat. Die Kosten für Training und Erwerb des ECDL haben sich dadurch schnell amortisiert.

Quelle: DLGI Dienstleistungsgesellschaft für Informatik

Module / Prüfungsbereiche

Der ECDL Core prüft 7 einander ergänzende Wissensgebiete, die Module (= Bauteile eines Lehrplans) genannt werden:

Darüberhinaus gibt es mittlerweile den ECDL Advanced, der in einer oder mehreren Standardapplikationen weiterführende Kenntnisse bescheinigt, die von IT-Nutzerbetreuern erwartet werden.

Der ECDL Advanced prüft 4 Module:

Quelle: DLGI Dienstleistungsgesellschaft für Informatik

Anspruchsniveau des ECDL

Der Lehrplan des ECDL (Syllabus) wird von den Fachexperten der 146 angeschlossenen Länder regelmäßig aktualisiert. Derzeit ist die neue Version 5.0 in Vorbereitung. Die Inhalte sind wie beim Autoführerschein auch orientiert an dem, was für die grundlegende Bedienung des Gerätes, hier des Computers, erforderlich ist. Der Syllabus definiert somit die vierte Kernkompetenz, die heute jeder neben Lesen, Schreiben und Rechnen beherrschen muß. Der ECDL ist kein Zertifikat für IT-Spezialisten, kein "Rennfahrerkurs", sondern ein Breitenzertifikat, zu dem nach einheitlichem Standard weltweit einheitliche Prüfungen abgenommen werden, die sich eng am ECDL-Lehrplan (dem Syllabus) orientieren. Aus der hohen Warte einzelner IT-Experten wird teilweise pauschal kritisiert, die Prüfungen zu ECDL seien zu leicht. Dieses pauschal und ohne Verständnis für die Anforderungen einer breiten informatischen Bildung formulierte Urteil entbehrt schon formallogisch der Korrektheit, denn Aussagen wie "zu leicht" müssen immer den Maßstab angeben, auf den sie sich beziehen. Der Maßstab an dem sich die Prüfungen des ECDL orientieren ist die breite informatische Grundbildung. Dass die Prüfungen dafür genau passend sind, hat eine ganz unabhängige Studie der Universität Oldenburg belegt (s.u.) gezeigt. Testpersonen, die in einem ECDL-Test gut abschnitten, konnten auch praktische Aufgaben am Computer besser lösen als Testpersonen, die nicht über die Kenntnisse und Fertigkeiten verfügten, die der ECDL-Syllabus definiert und die ECDL-Prüfungen abprüfen.

Bedeutung für die Personalauswahl

Der ECDL-Standard ist inzwischen das in Deutschland bekannteste und am weitesten verbreitete Zertifikat für Computer-Anwender und bei Unternehmen anerkannt. Der Wert eines einheitlichen und gesicherten Leitungsstandes im Bereich der IT-Grundbildung wird zunehmend gesehen. Auch große Unternehmen wie die Victoria Versicherung, Axel Springer, Wismut AG, Degussa, Clariant, B. Braun Melsungen, Deutsche Telekom, Grundig, Bayer, sowie Organisationen wie die Bundeswehr, um nur einige zu nennen, haben ihn eingeführt, vielfach ist er dort Standard für die Auszubildenden. Heraeus beispielsweise hat sogar einen eigenen ECDL-Award für Auszubildende gestiftet. Teilweise wird Schülern an Berufsschulen wie an der Radko-Stöckl-Schule in Melsungen und am Berufsschulzentrum in Radebeul der ECDL sogar von der Industrie finanziert. Eine Erhebung aus den Jahren 2002 - 2003 (veröffentlicht 2004) hat noch eher eine Zurückhaltung der Unternehmen gegenüber Zertifikaten ermittelt, die nunmehr mit der nicht mehr übersehbaren Bedeutung der informatischen Grundbildung für jeden Arbeitsplatz offenbar überwunden ist. Die Universität Oldenburg kam damals noch in einer Studie zu folgender Schlussfolgerung:

  • Der Nachweis vorhandener IT-Kompetenzen über Zertifikate spielt [...] für Personalverantwortliche bei der Auswahl von Bewerbern kaum eine Rolle.[1]

Die Sicht von Personalverantwortlichen faßt das Institut zusammen:

  • Die Bedeutung von Zertifikaten bei der Personalauswahl ist sehr gering.
  • Die Personalmanager kennen i. d. R. keine IT-Zertifikate und sind an diesem Thema auch nicht interessiert.[1]

Zertifikate in einer Bewerbungsmappe würden wenig beachtet[1], auf EDV-Zertifikate würde kein Wert gelegt[1], als abschließendes Zitat zur Illustration von Standpunkten Personalverantwortlicher nennt die Studie: „Bei einer Bewerbung auf eine Führungsposition wirkt ein ECDL-Zertifikat eher befremdlich.[1]


Die ECDL-Prüfungen und ihr testtheoretischer Hintergrund

ECDL-Prüfungen werden ausschließlich von Prüfungscentren abgenommen, die von der jeweiligen nationalen ECDL Organisation akkreditiert sind. In Deutschland ist die DLGI in Bonn als Tochter der Gesellschaft für Informatik (GI) für die Akkreditierung von ECDL-Prüfungscentern zuständig.

Die Prüfungen werden in vielen Ländern internetgestützt am Rechner abgenommen (in Deutschland ausschließlich). Aufsicht führen Testleiter, die in die Prüfungsrichtlinien und das Prüfungssystem eingewiesen sind. Eine Modulprüfung (es sind 4 bzw. 7, siehe oben) hat derzeit 36 Fragen, die in 35 Minuten beantwortet werden müssen. Mindestpunktzahl für das Bestehen ist 75%. Die Prüfungen werden von Testexperten entwickelt und validiert. Grundlegendes Gütekriterium ist neben der Reliabilität die Contentvalidität, d.h. hier die Übereinstimmung dessen was der Test misst mit dem, was der ECDL-Lehrplan (Syllabus) an Kenntnissen und Fertigkeiten fordert. Dabei muss nach den Vorgaben der ECDL Foundation/Dublin vorgegangen werden, die im so genannten Characteristic Test Template (CTT) formuliert sind.

Dies ist die Umsetzungsvorschrift, die im Einzelnen festlegt, wie die Tests zu erstellen sind. Insbesondere wird die Taxonomiestufe bestimmt, das heißt die kognitive Komplexität der geistigen Leistung, die mit einer Frage abgeprüft wird, also etwa Wissen, Verstehen oder Anwendung. Syllabus und CTT sind die einheitlichen Vorgaben für alle derzeit 146 Länderorganisationen des ECDL. Sie stellen sicher, dass die Anforderungen der ECDL-Prüfungen weltweit einheitlich sind. Entsprechend dem Ziel des ECDL, kein theoretisches Informatikwissen, sondern praktische Handhabungsfertigkeiten beim Umgang der Standardsoftware zu vermitteln, im Sinne einer breiten IT-Grundbildung, sind auch die Fragen entsprechend anwendungsbezogen. Dazu gehört auch die ganz nüchterne Kenntnis der Menüs, Icons und Programmstrukturen, denn dies allein ermöglicht ein effizientes und zeitsparendes Arbeiten mit der Software, das die Möglichkeiten der Programme wirklich nutzt (Beispiel: vielfach wird umständlich neu formatiert, statt die schnelle Möglichkeit zu nutzen, die die Funktion „Format übertragen“ bietet).

Bereits die gestaltpsychologische Kreativitätsforschung der 20er Jahre des 20ten Jahrhunderts hat klar gemacht, dass Kreativität nicht im luftleeren Raum entstehen kann, es ist die intelligente Anwendung und Neukombination von Wissen und Fertigkeiten, die bereits gewusst bzw. beherrscht werden müssen. Eine Studie der Universität Oldenburg hat dies bezogen auf den ECDL bestätigt und kommt mit sorgfältig angelegten empirischen Untersuchung zu folgendem Ergebnis: „Es lässt sich somit zusammenfassend feststellen, dass die Ergebnisse von komplexen Handlungsanforderungen in unserer Untersuchung praktisch ausschließlich auf kleinteiligen Fertigkeiten beruhten, wie sie im Rahmen der ECDL-Tests erfasst werden“ (s.u.). Wie beim Autoführerschein auch, wenn man von einer Automarke auf eine andere umsteigt, ist die Transferleistung von einem Programm auf ein anderes gut zu bewältigen, hat man einmal die grundlegenden Programmstrukturen und Funktionen verstanden, wie sie mit dem ECDL vermittelt werden.

Die Ergebnisse der Oldenburgstudie seien im folgenden wegen des allgemeinen Interesses noch ausführlicher zitiert: „Im Rahmen der ZeNIT Studie der Universität Oldenburg wurde diese Behauptung empirisch anhand einer quasi-experimentellen Untersuchung untersucht: 44 Versuchspersonen (vorwiegend Studierende der Diplomstudiengänge Pädagogik und Psychologie) bearbeiteten zwei für sie neuartige, komplexe Textverarbeitungsaufgaben. Bei der einen Aufgabe sollten sie mithilfe von Word ein touristisches Prospekt für einen Ort oder eine Stadt ihrer Wahl erstellen. Die andere Aufgabe bestand darin, eine Reihe von vorgegebenen Rechnungen für die Teilnehmer eines Seminars zu erstellen. Die besondere Schwierigkeit dieser Aufgabe bestand darin, dass die Versuchspersonen hierzu nicht Word sondern ein ihnen bislang nicht bekanntes Textverarbeitungssystem (OpenOffice.org Writer) verwenden sollten. (…) Die Ergebnisse der beiden komplexen Aufgaben wurden nach einem zuvor festgelegten Beurteilungsraster hinsichtlich ihrer inhaltlichen und formalen Gestaltung beurteilt. Unterschiedliche Formen der Erfassung von IT-Kompetenz wurden nun dahingehend verglichen, ob sie in der Lage waren, das Ergebnis der komplexen Aufgaben vorherzusagen. Hierzu bearbeiteten die Versuchspersonen zunächst den ECDL-Word2000-Diagnosetest. Außerdem erstellten sie ein Portfolio mit Arbeitsproben als Beleg für ihre Word-Kenntnisse. Weiterhin beurteilten Sie ihre eigene Textverarbeitskompetenz.

Es ergaben sich folgende Korrelationen zwischen den verschiedenen Methoden der IT-Kompetenzerfassung einerseits und dem Ergebnis der komplexen Aufgaben andererseits:

  • Bewertung des Arbeitsproben Portfolios: r=.242 (nicht signifikant)
  • Selbsteinschätzung Kompetenz: r=.563 (p<.001)
  • Alltagsperformanz-Skala: r=.598 (p<.001)
  • Word2000-Diagnosetest: r=.731 (p<.001)

Eine weitere Form der Kompetenzerfassung besteht durch die hier als Kriterium verwendeten komplexen Aufgaben selbst. Man kann versuchen, das Ergebnis der einen komplexen Aufgabe aus dem Ergebnis der anderen Aufgabe vorherzusagen: Die Korrelation zwischen den Resultaten der beiden Aufgaben betrug r=.233 (nicht signifikant). Partialisiert man das Ergebnis des Word2000-Diagnosetests aus dieser Korrelation heraus, ergibt sich r=.141 (nicht signifikant).

Der ECDL-Word2000-Diagnosetest besitzt somit unter den hier verglichenen fünf Methoden zur Erfassung von praktischer Handlungskompetenz mit einer Varianzaufklärung von über 53% die höchste Validität. Für die beiden betrachteten authentischen Erfassungsmethoden (Arbeitsproben-Portfolio und Komplexe Aufgabe) konnte hingegen keine von Null signifikant verschiedene Validität nachgewiesen werden. Insbesondere misslang der Versuch, aus dem Ergebnis einer der komplexen Aufgaben das Resultat der anderen Aufgabe vorherzusagen. Der schwache, aber nicht signifikante Zusammenhang zwischen den beiden Aufgaben beruhte offenbar ausschließlich auf Fertigkeiten, die auch im Word2000-Diagnosetest erfasst wurden, da der Zusammenhang vollends verschwand, wenn man das Ergebnis dieses Tests auspartialisierte“ Quelle: Durchführende Einrichtung des Projektes ZeNIT Carl von Ossietzky Universität Oldenburg Arbeitsbereich Weiterbildung 26111 Oldenburg

Pro

Der ECDL leistet eine wichtigen Beitrag zu Computergrundbildung und ist eine gelungene Definition der vierten Kernkompetenz neben Lesen, Schreiben und Rechnen, die heute jeder beherrschen muß, die Bedienung der Standard-Computersoftware. Die weltweit einheitlichen ECDL-Prüfungen bieten eine einheitlche Eichmarke für die Sicherstellung dieser vierten Kernkompetenz.

Kontra

Kritiker wenden sich u. a. gegen die Kleinschrittigkeit der Prüfungen. Es werde nicht geprüft, ob man ein Problem mit Hilfe beispielsweise der Tabellenkalkulation lösen könne, sondern vielmehr die Lesekompetenz beim Bearbeiten von Anweisungen. Kritisiert wird weiterhin, die Prüfung enthalte unsinnige Anweisungen wie "Markieren Sie den gesamten Text des Dokumentes und ändern Sie die Schriftart in ARIAL." In solch einem Fall wäre es statt dessen angebracht, die Formatvorlage zu ändern.

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Aus Sicht des Autors wird die Kritik oft ohne Kenntnis des testtheoretischen Hintergrundes (s.o) und auch leider ohne wirkliche Kenntnis der ECDL-Tests formuliert wie dieses Bespiel zeigt, denn: Im Rahmen des ECDL wird - wenn die Zufallsauswahl der Prüfungsfragen dies zulässt - beides abgeprüft, d. h. der Kandidat muss sowohl die Formatvorlage ändern können als auch das Aussehen von Text ändern können: Schriftart, Schriftgröße. Der ECDL-Syllabus (Lernzielkatalog) hat dafür separate Punkte. Den ECDL-Syllabus kann man bei der DLGI (Link siehe unten) oder bei den ECDL-Prüfungszentren erhalten.

Siehe auch

<imagemap>-Fehler: Bild ist ungültig oder nicht vorhanden Wikibooks: Computerführerschein – Lern- und Lehrmaterialien

Quellen


Weblinks

Wikipedia
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