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Hessischer Dialekt
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Unter dem prototypischen Hessischen Dialekt versteht man heute ungenauerweise meist das Südhessische des Rhein-Main-Gebiets, ein rheinfränkischer Mischdialekt, der heute unter Dialektologen und Sprachwissenschaftlern als Neuhessisch diskutiert wird.Im historischen Kernland Hessens - im Großraum um Fritzlar und Marburg - spricht man jedoch ganz andere rheinfränkische Dialekte. Im Regierungsbezirk Kassel wird Niederhessisch, im Regierungsbezirk Gießen bis hinunter nach Bad Homburg und Gelnhausen wird in Varianten Mittelhessisch und in der Umgebung von Fulda wird Osthessisch gesprochen.
Im niederhessischen Sprachgebiet haben die Mundarten viele Gemeinsamkeiten mit den angrenzenden ostfränkischen und westthüringischen Dialekten. Nordwestlich von Kassel verläuft zudem die Sprachgrenze zum niederdeutschen Sprachraum.
Besonders stark zu der verbreiteten Annahme, die Dialekte Südhessens seien "das Hessische" schlechthin, hat wohl u. a. die ausgeprägte humoristische Tradition Südhessens in den Medien (s. u.) beigetragen. In der Vergangenheit entwickelte sich - ungeachtet der Darmstädter Lokalposse Datterich von Ernst Elias Niebergall (siehe Link unten "Hessische Spielgemeinschaft") im 19. Jahrhundert oder des Mainzer Mundartstücks "Der fröhliche Weinberg" von Carl Zuckmayer - diese im Fasching, im Volkstheater (z. B. im Frankfurter Volkstheater von Liesel Christ und Lia Wöhr) und in der Dialektliteratur (z.B. Friedrich und Adolf Stoltze).
Ganz anders heute die modernen südhessischen Mundart-Autoren Kurt Sigel, Ernst Schildger oder Fritz Ullrich (Frankfurter Rundschau), nicht zuletzt die Autoren Rudolf Krämer-Badoni (Deutschland – Deine Hessen) und Herbert Heckmann. In den 1960er und 1970er Jahren kommen volkstümlichen Fernsehsendungen und - aus lokaler Kleinkunst entstandenes Entertainment - hinzu, wie Heinz Schenks "Der blaue Bock" oder die legendären "Hesselbachs" mit Wolf Schmidt und Liesel Christ.
Literarisch bedeutsam für das moderne hessische Volkstheater der Gegenwart werden jedoch der Bühnenautor, Regisseur und Schauspieler Wolfgang Deichsel mit seinen Moliere-Bearbeitungen im Frankfurter Dialekt (TAT, Schauspiel Frankfurt), wie auch die Schauspieler und Kabarettisten Michael Quast, Matthias Beltz und Walter Renneisen.
In jüngerer Zeit bestimmten Gruppen wie "Saure Gummern" (Ried-Blues), die Rockband "Rodgau Monotones", die Trash-Comedy-Gruppen "Badesalz" und "Mundstuhl", sowie die Komiker Bodo Bach und "Maddin", aber auch der Kabarettist Urban Priol aus dem an der bayrischen Grenze zu Südhessen liegenden unterfränkischen Aschaffenburg sowie Rainer Bange aus Hanau die Dialektszene im südhessischen Raum.
Im weitesten Sinne kann man hier auch die Rap-Gruppe "Rödelheim Hartreim Projekt" einreihen (obwohl hier eher ein hessisch-hochdeutsches "Missingsch" verwendet wird). Die dabei vorgetragenen Dialekte sind überwiegend Frankfurterisch und auch Südhessisch, deren Mundarten im Frankfurter, Wiesbadener, Offenbacher und Darmstädter Raum gesprochen werden, bzw. rheinfränkisch eingefärbtes Hochdeutsch.
Anders bei den neuen mittelhessischen Mundart-Gruppen Gruppe Odermennig Hessisches Hinterland im Landkreis Marburg-Biedenkopf und der Gruppe "Fäägmeel" [1] (Landkreis Gießen). Deren Texte, Lieder und Stücke entsprechen weitestgehend noch den regionalen Basisdialekten Mittel- und Oberhessens, wenn auch diese Dialekte in einem sich entwickelnden Neuhessisch entlang der wirtschaftlichen Verkehrsbeziehungen (spöttisch "RMV-Hessisch") im Süden aufgehen.
Die aufgrund der wirtschaftlichen Stärke der südhessischen Region das Sprach- und Kulturempfinden des Rhein-Main-Raumes stärker betonende Programmgestaltung des Hessischen Rundfunks ist wohl als mit ursächlich für die fortdauernde Popularisierung der im übrigen Deutschland verbreiteten Fehleinschätzung des Rheinfränkischen als gesamthessischen Dialekt anzuführen.
Als drastisches Beispiel hierfür wäre die mehrteilige Fernsehproduktion des Hessischen Rundfunks "Der Winter, der ein Sommer war" [2] zu nennen. In dem in Kassel angesiedelte Fernsehfilm wird in einer Nebenrolle Hochdeutsch mit niederhessischem Anklang gesprochen, ansonsten bedienen sich in Dialektpassagen die Darsteller der gänzlich ortsfremden südhessischen Mundart.
Weiterführende Informationen zur Dialektverbreitung in Hessen und Sprachproben sind bei der Arbeitsstelle Sprache in Hessen und über den Deutschen Sprachatlas, beide angesiedelt an der Philipps-Universität Marburg, zu erhalten.
Siehe auch
Literatur
- Hans Friebertshäuser: "Das hessische Dialektbuch", Verlag C.H.Beck, München 1987, ISBN 3-406-32317-0
- Hans Sarkowicz, Ulrich Sonnenschein (Hrsg), "Die großen Hessen", Insel Verlag, Frankfurt/M-Leipzig 1996 (HR-Produktion).
Weblinks
- Dialekte in Hessen (inkl. Sprachproben)
- Bembelsänger, Dibbegugger, Ossenköppe. Dialekt und regionale Identität in Hessen (HR)
- Mundartgruppe KORK aus Ruttershausen(inkl. Liedproben)
- Mittelhessische Textwerkstatt
- Mittelhessisches Wörterlexikon und Uhtznamen
- Leber - Die Hessenwerkstatt, website von Jürgen Leber, "dem Asterix sein Hessischlehrer"
- Übersetzungmaschine für die hessische Mundart
- Hessische Spielgemeinschaft, Darmstädter Mundart (Datterich)
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