Heiliger Geist
Aus Kefk
Der Heilige Geist, auch Paraklet genannt, ist in unterschiedlichsten Religionen das höchste Geistwesen.
Inhaltsverzeichnis |
Der Heilige Geist im Christentum
Im Neuen Testament wird der Heilige Geist als eine gegenwärtige Person aufgefasst, die Gott repräsentiert (der Geist Gottes, der Geist der Wahrheit, der Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit, der Geist Jesu). Nach christlicher Lehre hat die Jungfrau Maria ihren Sohn Jesus Christus durch den Heiligen Geist empfangen. Der Heilige Geist wird in Bezug auf neutestamentliche Beschreibungen durch eine Taube, Wasser oder durch Flammen symbolisiert. Im griechischen Neuen Testament erscheint der Begriff „Heiliger Geist“ (Hagion Pneuma) knapp 100 mal. Lukas hebt hervor, dass Jesus Lästerungen gegen sich selbst nicht als im selben Maße bedeutsam ansah wie solche gegen den Heiligen Geist (Lukas 12,10 LUT
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). Nach der Himmelfahrt Jesu wird der Heilige Geist als der von Jesus angekündigte Tröster zu Pfingsten in Gestalt feuriger Zungen auf die Jünger ausgegossen, die daraufhin in verschiedenen Sprachen predigen können (Apostelgeschichte 2,1-13 LUT
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). In den neutestamentlichen Briefen ist auch von verschiedenen anderen Gaben des Geistes die Rede.
Religionsgeschichtliche Parallelen
Zum Begriff des Heiligen Geistes bestehen Parallelen in anderen Religionen. Das Konzept „Hagion Pneuma“ findet sich in sehr ähnlicher Form bereits in griechischen und altindischen religiösen und philosophischen Abhandlungen, die früher als das Neue Testament verfasst worden sind.
In der Geschichte der christlichen Mission sind oft Elemente des christlichen Glaubens mit inhaltlich ähnlichen Glaubensvorstellungen anderer Religionen konfrontiert, in diesem Licht neu verstanden und miteinander kombiniert worden. Manche Forscher vertreten die Ansicht, dies sei mit der christlichen Vorstellung vom Heiligen Geist und dem Urgeist Fimbultyr der nordischen Mythologie geschehen. Eine ursprüngliche religionsgeschichtliche Abhängigkeit der beiden Vorstellungen ist jedoch nicht belegbar.
Das schamanische Pantheon kennt bei manchen Völkern ebenfalls höchste Geistwesen, denen alle anderen geistigen Entitäten untergeordnet sind. Dies ist aber bei den verschiedenen nord- und zentralasiatischen Völkern nicht durchgängig der Fall.
Der Heilige Geist in den Konfessionen
Der Heilige Geist im Christentum ist eine der drei Personen oder Hypostasen Gottes (siehe Dreifaltigkeit: Gott-Vater, Gott-Sohn, Gott-Heiliger-Geist) und wird auch als dritte Person des Dreieinigen bzw. Dreifaltigen Gottes bezeichnet. Heilig ist im Sinne von göttlich gebraucht. In den Konfessionen ist die Sichtweise über den Heiligen Geist unterschiedlich und wird von Nicht-Trinitariern nicht mit der dritten Person nummeriert. Der Heilige Geist wird jedoch in allen Konfessionen als solcher akzeptiert.
Es gibt zahlreiche traditionelle Hymnen, in denen der Heilige Geist direkt angeredet wird, beispielsweise „Nunc, Sancte, nobis Spiritus“ von Ambrosius von Mailand, Komm, o Geist der Heiligkeit (Pfingstsequenz aus dem Messbuch), Komm, Schöpfergeist oder „Veni Creator Spiritus“ von Rabanus Maurus, „Zieh ein zu deinen Toren“ von Paul Gerhardt, Weihe an den Hl. Geist (nach Pius X.), oder Heiliger Geist, der Sieg ist Dein (von Pius XI.). Im lateinamerikanischen Katholizismus ist es darüber hinaus seit rund 30 Jahren eine Tradition, in Tageszeitungen ein Dankgebet an den Espíritu Santo zu schalten. Im Gegensatz zu den Westkirchen sind in den orthodoxen Kirchen liturgische Gebete zum Heiligen Geist im Gebrauch.
Der so genannte Filioque-Streit, das heißt die Auseinandersetzung, ob der Heilige Geist
- vom Vater ausgeht und durch den Sohn der Welt gesendet wird, oder
- vom Vater und Sohn „als einem einzigen Prinzip“ ausgeht
war eine von verschiedenen Unstimmigkeiten, die zur Spaltung zwischen orthodoxer Kirche und römisch-katholischer Kirche führten. Die Westkirchen halten im Allgemeinen an dem filioque fest, betonen also, dass der Heilige Geist aus Gott Vater und Gott Sohn hervorgehe.
Die Römisch-katholische Kirche und die Orthodoxe Kirche kennen das Sakrament der Firmung oder Salbung. Darin empfängt der Firmling oder Gesalbte die sieben Gaben des Heiligen Geistes, welche dessen zwölf Früchte hervorrufen sollen. Im Katholizismus wird die Firmung gewöhnlich Jugendlichen von ca. 11-15 Jahren durch einen Bischof gespendet, in der Orthodoxie dagegen sofort nach der Taufe und auch durch den Priester. Die evangelische Konfirmation entstand aus diesem Ritual unter Verzicht auf die Salbung, wird aber nicht als Sakrament verstanden. Auch in der anglikanischen Kirche wird die Konfirmation durch den Bischof durch das Auflegen der Hände gespendet, damit der Firmling im Heiligen Geist gestärkt wird.
Einige christliche Konfessionen sprechen statt von Salbung oder Firmung von Versiegelung.
Außerdem feiern die Christen fast aller Kirchen 50 Tage nach Ostern Pfingsten als den Tag, an dem der Heilige Geist auf die Jünger Jesu ausgegossen wurde.
Judentum
Im Tanach (Altes Testament), den Heiligen Schriften des Judentums, bezeichnet der Heilige Geist (Ruach HaQodesh, wörtlich „Heiliger Atem“; Ruach JHWH - „Atem des Herrn“; Ruach HaElohim - „Gottesatem“; Ruchaká - „dein Atem“) die wirkmächtige Gegenwart Gottes im Leben der Menschen. Der Begriff ist insbesondere auf Israel und die Propheten bezogen; findet aber auch auf die ganze Schöpfung Anwendung.
Die Begriffskombination Ruach HaQodesh erscheint als Ruach Qodesho in den hebräischen Schriften nur zweimal: Jesaja 63,10.11 LUT
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und Psalm 51,13 LUT
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. Weitere Aussagen finden sich in den Spätschriften, vor allem in der Weisheitsliteratur, die allerdings im Judentum und den evangelischen Kirchen nicht als heilige Schriften gelten.
Die Kombination von ruach mit dem Gottesnamen oder der Gottesanrede ist häufig. Zu den bedeutsamsten Aussagen zählen Genesis 1,2 LUT
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und Psalm 104,30 LUT
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(dein Atem, ähnlich Elberfelder Übersetzung ELB
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- hingegen dein Geist in der Einheitsübersetzung EU
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); in Jesaja 63,14 LUT
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erscheint es gar unmittelbar neben Ruach Qodesho.
Literatur
- Werner H. Schmidt, Peter Schäfer, Klaus Berger, Wolf-Dieter Hauschild u.a.: Geist/Heiliger Geist/Geistesgaben I. Altes Testament II. Judentum III. Neues Testament IV. Dogmengeschichtlich V. Dogmatisch und ethisch VI. Praktisch-theologisch VII. Der philosophische Geistbegriff. In: Theologische Realenzyklopädie 12 (1984), S. 170-254 (umfassender wiss. Überblick)
- Daniel Munteanu, Der tröstende Geist der Liebe. Zu einer ökumenischen Lehre vom Heiligen Geist über die trinitarischen Theologien J. Moltmanns und D. Staniloaes, Neukirchen-Vluyn 2003
Siehe auch
- Gaben des Heiligen Geistes
- Charisma,
- Frucht des Heiligen Geistes
- Sünde wider den Heiligen Geist
- Salbung
- Orden vom heiligen Geist
Weblinks
-
<imagemap>-Fehler: Bild ist ungültig oder nicht vorhanden Commons: Holy Spirit – Bilder, Videos und/oder Audiodateien - Hermann Barth: Ich glaube an den Heiligen Geist
- Mitglieder des „Bundes der Freien Evangeliums Christengemeinden Deutschlands (FECG)“: Die Taufe im Heiligen Geist
- Herbert Frohnhofen (kath. FH Mainz): Aktuelle Literatur zum Heiligen Geist
- Ruach – Wind Gottes. Aus dem Rundbrief der jüdisch-messianischen Gemeinschaft
- Wolfgang Huber: Predigt im Festgottesdienst zum Pfingstsonntag in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche zu Berlin
- Bibelverse über den Heiligen Geistru-sib:Святой Дух
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