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Harmonischer Oszillator (Quantenmechanik)
Aus Kefk.
Der harmonische Oszillator in der Quantenmechanik, auch quantenharmonischer Oszillator, beschreibt - analog zum harmonischen Oszillator in der klassischen Physik - das Verhalten eines Teilchens (hier beschrieben durch eine Wellenfunktion) in einem harmonischen Potential.
Ein Beispiel der klassischen Physik ist ein Massenpunkt an einer Feder. Dieser Massenpunkt, welcher sich in einem harmonischen Potential
befindet, erfährt eine, der Auslenkung aus der Ruhelage proportionale, Rückstellkraft:
, wobei k die Federkonstante ist.
Der quantenharmonische Oszillator ist ein wichtiges Modellsystem der Physik, da es eines der wenigen geschlossen (also ohne Näherungen und numerische Methoden) lösbaren Systeme der Quantenmechanik ist. Mit ihm können einen Reihe physikalischer Sachverhalte näherungsweise beschrieben werden:
- In der Molekülphysik erlaubt er eine Näherung der Bindungsverhältnisse zwischen Atomen und ermöglicht so z. B. eine Vorhersage über Schwingungsspektren. Dies lässt sich verdeutlichen, indem eine Bindung durch zwei über eine Feder (harmonisches Potential) miteinander verbundende Massepunkte (die Atome), die gegeneinander schwingen, dargestellt wird:
- Die lineare Rückstellkraft F(x) einer solchen Feder führt auf ein harmonisches Potential V(x) (proportional x2) und somit auf den harmonischen Oszillator. In realen Molekülen sieht das Potential etwas anders aus, aber der harmonische Oszillator ist, zumindest für niedrige Schwingungsenergien, eine gute Näherung.
- Ein weiteres Beispiel ist die Torsionsschwingung des Ethylenmoleküls, die in der folgenden Zeichnung dargestellt ist:
- Dabei verdrillt sich sozusagen die Doppelbindung und jeweils zwei Wasserstoff-Atome schwingen drehend gegeneinander.
- In der modernen Atomphysik werden zu untersuchende Atome und Ionen in optischen Fallen bzw. Ionenfallen gefangen und gekühlt, um z. B. bei Messungen eine höhere Auflösung zu erhalten. Außerdem kann man in solchen Fallen neue Zustände der Materie untersuchen (z. B. Bose-Einstein-Kondensate, Fermi-Kondensate). Solche Fallen weisen ein, in erster Näherung, parabolisches Potential auf. Somit können Teilchen in diesen Fallen ebenfalls mit dem Modell des quantenmechanischen harmonischen Oszillators beschrieben werden.
- In der Festkörperphysik beschreibt das Einstein-Modell (nach Albert Einstein) eine Methode, um den Beitrag der Gitterschwingungen (Phononen) zur Wärmekapazität eines kristallinen Festkörpers zu berechnen. Grundlage ist die Beschreibung des Festkörpers als aus N quantenharmonische Oszillatoren bestehend, die jeweils in drei Richtungen unabhängig schwingen können.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
Im Jahr 1900 entwickelte Max Planck eine Formel zur Beschreibung der gemessenen Frequenzverteilung der von einem Schwarzkörper emittierten Strahlung, wobei er von der Annahme ausging, dass der schwarze Körper aus Oszillatoren mit diskreten Energieniveaus besteht[1].
Über die geschichtliche Entwicklung der Quantenmechanik, siehe Hauptartikel Quantenmechanik - Geschichte
Einführung
Die klassische Hamilton-Funktion für ein Teilchen mit der Masse m in einem harmonischen Potential
mit
, wobei ω die Eigenfrequenz des harmonischen Oszillators ist, lautet:
Die Hamilton-Funktion beschreibt hier die Gesamtenergie des Systems, also die Summe aus kinetischer Energie (erster Term) und potentieller Energie (zweiter Term).
Nun werden der Ort
und der Impuls
durch die entsprechenden quantenmechanischen Operatoren ersetzt (Korrespondenzprinzip):
- Ortsoperator:
und
- Impulsoperator:
bezeichnet den Nabla-Operator. Der letzte Teil der Ausdrücke ist jeweils die Ortsdarstellung der Operatoren. Damit geht die klassische Hamilton-Funktion in den Hamilton-Operator in der Ortsdarstellung über:
Im eindimensionalen Fall reduziert sich der Nabla-Operators
auf die partielle Ableitung nach x:
. Im Folgenden wird zunächst nur der eindimensionale Fall betrachtet.
Die Schrödinger-Gleichung des Systems
Mit dem oben beschriebenen Hamilton-Operator erhält man die Eigenwertgleichung – (stationäre) Schrödinger-Gleichung – des harmonischen Oszillators.
,
in der Ortsdarstellung
Eigenschaften der Lösungen der Schrödinger-Gleichung
Eigenfunktionen
Die Eigenfunktionen
des harmonischen Oszillators ergeben sich durch Lösen der obigen Differentialgleichung. Es sind die hermiteschen Funktionen
.
Dabei sind Hn(x) die hermiteschen Polynome. Der Term
beschreibt den exponentielles Abfall außerhalb des Oszillatorpotentials.
Der Grundzustand n = 0 hat die Form einer Gauß-Kurve
.
Die obenstehende Grafik zeigt die ersten sechs Lösungen
. Neben den Wellenfunktionen ist auch deren Betragsquadrat dargestellt, welches die Aufenthaltswahrscheinlichkeit eines Teilchens im gegebenen harmonischen Potential angibt (rote Parabel in der linken Zeichnung).
Erlaubte Energieniveaus
Die Quantentheorie fordert, dass die physikalisch möglichen Zustände normierbare Lösungen der Schrödinger-Gleichung sind, d. h. im Hilbertraum liegen. Während die Differentialgleichung Lösungen für beliebige Energien hat, ergibt sich aus der Forderung nach Normierbarkeit
,
dass nur diskrete Energien
möglich sind, wobei n eine natürliche Zahl oder Null ist.
Nullpunktsenergie
- siehe Hauptartikel: Nullpunktsenergie
Das obige Ergebnis hat fundamentale Folgen: Der harmonische Oszillator kann nicht mehr beliebige Energiemengen aufnehmen, sondern nur ganzzahlige Vielfache von
. Der Zustand mit der niedrigsten Energie ist
.
Daraus folgt, dass ein Oszillator selbst am absoluten Temperaturnullpunkt
noch die Energie E0 besitzt. Dies äußert sich auch darin, dass die Aufenthaltswahrscheinlichkeit für n = 0 eine nicht-verschwindende Breite hat. Das Teilchen ist also nicht exakt bei x = 0 lokalisiert, wie man es von einem klassischen Oszillator erwarten würde. Diesen Sachverhalt nennt man auch Nullpunktsschwingung, bzw. Nullpunktsenergie.
Man kann diesen Sachverhalt auch mit der Heisenbergsche Unschärferelation beschreiben. Im klassischen Fall hat das oszillierende Teilchen die exakte Position x = 0 und den exakten Impuls p = 0. In der Quantenmechanik besitzt ein Teilchen keinen exakten Ort und keinen exakten Impuls. Die Standardabweichung beider Observablen ist über die Unschärferelation verknüpft. Daher kann der Ort und der Impuls des Teilchens nur bis zu einer gewissen Grenze gleichzeitig angegeben werden. Dies lässt sich als Art räumliche „Verschmierung“ beschreiben, welche eine kinetische Mindestenergie des Teilchens zur Folge hat.
Alternativer Lösungsweg: Operatormethode
Das Problem des harmonischen Oszillators in der Quantenmechanik lässt sich mithilfe der Methode der Erschaffungs -und Vernichtungsoperatoren behandeln. Sie wurde von Paul Dirac, basierend auf Arbeiten von Niels Bohr und Otto Wiener, entwickelt. Dieser Lösungsweg wird auch algebraische Methode genannt.
Für diesen Lösungsweg definiert man zwei Operatoren
und
, die einem Oszillator jeweils ein Energiequant
entziehen oder hinzufügen. Man nennt sie deswegen Vernichtungs- und Erzeugungsoperator. Andere gebräuchliche Bezeichnungen sind Leiteroperatoren und Aufsteige-/Absteigeoperator. Die Notation
(siehe auch Bra-Ket-Notation) wird hierfür in die einfachere Schreibweise
überführt. Ein solcher Zustand heißt Fock-Zustand oder Besetzungszahlzustand, weil er die Anzahl n der Energiequanten im Oszillator angibt. Man definiert diese Operatoren so, dass sie folgende Beziehungen erfüllen:
und
Diese Formel macht die Namensgebung sofort plausibel, weil die Anwendung von
von einem höheren Energieniveau
in ein niedrigeres Niveau
führt und für
umgekehrt. Aus diesen Operatoren lässt sich noch der sog. Besetzungszahloperator
zusammensetzen, der die Anzahl der Energiequanten in einem Zustand (also die Zahl n) liefert:
Nun lässt sich der Hamilton-Operator mit diesen neuen Operatoren umschreiben, zu:
Die Operatoren
und
lassen sich durch die kanonischen Operatore
und
darstellen::
- Vernichtungsoperator:
- Erzeugungsoperator:
Zur Bestimmung der Eigenfunktionen kann man nun die Schrödingergleichung für den niedrigsten Zustand
explizit lösen (dies ist eine sehr einfache Differentialgleichung) und erhält so dessen Ortsdarstellung. Alle weiteren Zustände erhält man dann über rekursive die Anwendung des Erzeugungsoperators auf diesen Grundzustand:
Diese Methode ist ein sehr eleganter Weg den harmonischen Oszillator zu behandeln. Sie hat aber noch wesentlich weitreichendere Anwendungen. Stellt man sich etwa elektromagnetische Strahlung, aus Photonen zusammengesetzt vor, so kommt man leicht dazu für Photonen ebenfalls Erzeugungs- und Vernichtungsoperatoren aufzustellen. Tatsächlich lässt sich sogar zeigen, dass man das elektromagnetische Feld als Ansammlung von harmonischen Oszillatoren beschreiben kann. Dabei steht jeder Oszillator für eine Lichtwelle bestimmter Frequenz ω. Dabei gibt dann n die Anzahl der Photonen in dieser „Mode“ des Lichtfeldes an. Allgemein nennt man ein solches Vorgehen zweite Quantisierung.
klassischer Grenzfall
Im Grenzfall großer Quantenzahlen n geht die Aufenthaltswahrscheinlichkeit in die klassische Aufenthaltswahrscheinlichkeit über. Diese klassische Wahrscheinlichkeitsdichte ist proportional zur inversen Geschwindigkeit 1/v. Je kleiner diese Geschwindigkeit v des klassischen Teilchens im Potential ist, desto länger verweilt es an einem entsprechenden Ort. Die Geschwindigkeit kann man direkt aus dem Energiesatz ableiten. Die folgende Abbildung zeigt die klassische und die quantenmechanische Aufenthaltswahrscheinlichkeitsdichte. Je größer n wird, desto ähnlicher werden sich die Kurven:
Quasiklassische Zustände
Bringt man ein lokalisiertes Wellenpaket in ein harmonisches Potential (siehe Abbildung rechts), so verhält es sich, wie ein klassisches Teilchen in diesem Potential (daher quasiklassischer Zustand). Trifft es auf die Potentialränder, so wird es umdrehen und zurücklaufen. Effektiv führt es dann eine Schwingung im Potential aus.
Ein ganz ähnlicher Zustand wird erzeugt, wenn man ein zweiatomiges Molekül (z. B. Wasserstoff H2) mit Hilfe von intensiven Femtosekundenlasern anregt[2]. Oben wurde bereits erläutert, dass man für die Schwingung zweiatomiger Moleküle den harmonischen Oszillator als Näherung verwenden kann. In der folgenden Abbildung ist das Geschehen gezeigt:
Zunächst wird mit einem Laserpuls eine tiefliegende, schmale Wellenfunktion in einen höheren Energiezustand angehoben. Dort bleibt sie weiter lokalisiert und beginnt sich als „quasiklassischer Zustand“ im Potential zu bewegen. Zur Messung wird dann ein zweiter Puls eingestrahlt, der das Molekül ionisiert. Die Position der Wellenfunktion gibt den Abstand der Atome im Molekül an. Aus der kinetischen Energie der Bruchstücke kann auf diesen Abstand und die Form des Wellenpakets geschlossen werden.
Quellen
- Claude Cohen-Tannoudji, Bernard Diu, Franck Laloë, Franck: Quantenmechanik 1/2., 2. Auflage, Walter de Gruyter, Berlin - New York 1999
- J.J. Sakurai: Modern Quantum Mechanics., Addison Wesley
Links
- Vollständige Lösung des harmonischen Oszillators mit Hilfe der algebraischen Methode
- Darstellung der direkten Lösung des harmonischen Oszillators in der Ortsdarstellung
Einzelquellen
- ↑ M. Planck: Zur Theorie des Gesetzes der Energieverteilung im Normalspektrum, Verhandlungen der Deutschen physikalischen Gesellschaft 2(1900) Nr. 17, S. 237 - 245, Berlin (vorgetragen am 14.12.1900)
- ↑ Th. Ergler, A. Rudenko, B. Feuerstein, et.al.: Time-Resolved Imaging and Manipulation of H2 Fragmentation in Intense Laser Fields In: Phys. Rev. Lett. 95, 093001, 2005
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