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Hans Vaihinger
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Hans Vaihinger (* 25. September 1852 in Nehren bei Tübingen; † 18. Dezember 1933 in Halle/S.) war ein deutscher Philosoph und Kant-Forscher.
Vaihinger begründete 1904 die internationale Kant-Gesellschaft in Halle (Saale) und war Herausgeber der Kant-Studien. Sein Vermächtnis ist, für Kant eine Lesart in der Moderne gefunden zu haben.
Trotz aller Bemühungen um den deutschen Idealismus finden sich nicht nur in seinem eigenständigen Hauptwerk, der Philosophie des Als-Ob, Tendenzen, die Lebenspraxis suchen. Es scheint widersprüchlich, Vaihinger allein als Neukantianer einzuordnen, wobei sich in seinen Schriften auch Parallelen zum amerikanischen Pragmatismus entdecken lassen. Beispielsweise bei der Zeichenbildung durch Modelle, die er als "schematische" Fiktionen bezeichnete.
Die Ausgangsfrage in der Philosophie des Als-Ob lautet: "Wieso erreichen wir oft Richtiges mit bewußt falschen Annahmen": "Das menschliche Vorstellungsgebilde der Welt ist ein ungeheures Gewebe von Fiktionen voll logischer Widersprüche, d. h. von wissenschaftlichen Erdichtungen zu praktischen Zwecken bzw. von inadäquaten, subjektiven, bildlichen Vorstellungsweisen, deren Zusammentreffen mit der Wirklichkeit von vornherein ausgeschlossen ist" (Hans Vaihinger: Philosophie des Als Ob. 1911. S.14).
Das Ende der Erkenntnis sieht Vaihinger darin, Unbekanntes nicht mehr auf Bekanntes reduzieren zu können. Erkennen heißt bei Vaihinger Unbekanntes mit Bekanntem zu vergleichen. Atom, Gott und Seele erklärt Vaihinger als nützliche Fiktionen. Sie erlangen Bedeutung »als ob« sie wahr seien, auch wenn sie der Denkkonstruktion bewußt widersprechen. Nützliche Fiktionen erhalten ihre Legitimation durch den lebenspraktischen Zweck, damit sind sie für viele Bereiche unentbehrlich. Auf dem Umweg des Als-ob erreicht man das Gegebene, so lange bis ein kürzerer Weg durch ein neues Modell von Wirklichkeit gefunden wird. Weitgehend vereinbar ist die Philosophie des Als Ob auch mit dem Konstruktivismus, der auch keinen Anspruch auf "die" Wahrheit erhebt.
Wirkungsgeschichte
Das über achthundert Seiten starke Hauptwerk Vaihingers wurde in zwölf Sprachen, unter anderem auch ins Japanische, übersetzt und erschien auf deutsch bis 1938 in 10 Auflagen, darunter auch zwei gekürzte Volksausgaben und eine von Kultusminister Adolf Grimme in die Wege geleitete Schulausgabe für preußische Gymnasien. 2005 gründete sich das Als-Ob Institut in Halle/Saale, das die Ideen Vaihingers erforscht und Anwendungen der nützlichen Fiktionen untersucht, sammelt und erprobt. Erster Direktor und Gründer des Als-Ob-Instituts ist Gabriel Machemer.
Weblinks
- Literatur von und über Hans Vaihinger im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Eintrag (mit Literaturangaben) im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon (BBKL)
- Chronologie Hans Vaihinger (PDF)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Vaihinger, Hans |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Philosoph |
| GEBURTSDATUM | 1852 |
| GEBURTSORT | Nehren bei Tübingen |
| STERBEDATUM | 1933 |
| STERBEORT | Halle (Saale) |
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