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Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen

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Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen

Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (* 17. März 1622 in Gelnhausen; † 17. August 1676 in Renchen) war ein deutscher Schriftsteller.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Grimmelshausen wurde 1622 als Sohn eines protestantischen Bäckers und Gastwirts geboren. Er stammte aus einem verarmten Thüringer Adelsgeschlecht. (Sein Großvater hatte 1599 als Bäckermeister in Gelnhausen den Adel abgelegt, wohl weil er nicht zu seiner Profession passte, und nannte sich fortan Melchior Christoffel.) Er besuchte die Lateinschule, geriet aber schon als Dreizehnjähriger in die Wirren und Gräuel des Dreißigjährigen Krieges und musste Kriegsdienst leisten. In den Vierzigerjahren trat er zum katholischen Glauben über und lebte als Pferde- und Weinhändler in Gaisbach in Renchtal. 1662 wurde er Burgvogt auf der Ullenburg, 1667 Schultheiß im Dienste des Straßburger Bischofs Leopold Wilhelm von Österreich. Er starb 1676 in den Kriegswirren in Renchen.

In der Regel benutzte Grimmelshausen Pseudonyme, unter denen seine Werke veröffentlicht wurden. Meist handelt es sich um anagrammatische Umstellungen seines wahren Namens, wie etwa Samuel Greifenson von Hirschfeld, Seigneur Meßmahl, Michael Rehulin v. Sehmsdorf, German Schleifheim v. Sulsfort u. a. Erst in seinen späteren Lebensjahren scheint er als Schriftsteller aufgetreten, dann aber auch um so stärker tätig gewesen zu sein.

Werk

Grimmelshausens Hauptwerk ist der Roman Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch, d. h. die Beschreibung des Lebens eines seltsamen Vaganten, genannt Melchior Sternfels von Fuchshaim etc., der, sechs Bücher umfassend, 1668 in drei Ausgaben in Nürnberg erschien (verschleiernd war auf dem Titelblatt Mömpelgard als Erscheinungsort angegeben). Dieses erst in neuerer Zeit richtig gewürdigte Werk gilt als der lebensvollste Roman der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.

Tatsächlich ist diese Sichtweise eine Rückprojektion der Germanistik in eine Zeit, der sie noch heute weithin mit Unverständnis gegenübersteht. Begriffe wie „wirklich poetische Bedeutung“ und „Fülle echter Stimmung“ können dem Roman nicht gerecht werden, im Gegenteil verkennen sie den rhetorischen Charakter der Darstellung, die mit Versatzstücken aus der klassischen Literatur der Antike und des spanischen Picaro-Romans spielt. So wird der Kontrast der „Friedenssehnsucht“ in der „Seele“ des Helden mit dem blutigen Soldatenleben und wilden Abenteurertum, durch welches „Simplex“ hindurchgetrieben wird, als ergreifend gesehen. Ob dies auf authentischen Erlebnissen und echten Gefühlen beruht, muss bezweifelt werden. Vielmehr darf man davon ausgehen, dass Grimmelshausen bewusst für ein Lesepublikum schrieb, das seine Bücher kaufen sollte. Dazu bediente er sich der sprachlichen Klischees, mit denen sich der Leser identifizieren konnte. Dennoch zeichnet er wie vielleicht kein anderer Autor ein Bild des großen Kriegs sowie der verwilderten deutschen Gesellschaft nach dem Krieg, die er mit einem frischen Humor mischt. Gezeichnet wird die mentale Struktur der Zeitgenossen: sie sind derbe, rohe Menschen, die sich doch nach dem Idealen und Ewigen sehnen.

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Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (Bild von 1641, Authentizität nicht geklärt)

Von den späteren Ausgaben des Werks sind die von Adelbert von Keller für den Literarischen Verein in Stuttgart besorgte (1852-62, 4 Bde.), die von H. Kurz (in „Simplicianische Schriften“, Leipz. 1863-64; mit literarischen Einleitungen und Anmerkungen), von J. Tittmann (2. Aufl., das. 1877, 2 Bde.) und der von Kögel besorgte Neudruck (Halle 1880) hervorzuheben. Umarbeitungen erschienen von E. von Bülow (Leipzig 1836, nur die fünf ersten Bücher umfassend), Lauckhard (das. 1876) und E. H. Meyer (Brem. 1876).

Nicht so hoch wie der „Simplicissimus“ standen für die Germanisten Grimmelshausens übrige Erzählungen, die als Fortsetzung des kommerziell erfolgreichen Erstlings eingeschätzt werden müssen:

  • Trutz Simplex oder Lebensbeschreibung der Ertzbetrügerin und Landstörtzerin Courasche (1670 bei Felix Stratiot alias Eberhard Felßecker)
  • Der seltzame Springinsfeld (1670)
  • Das wunderbarliche Vogelnest (o. O. 1672)

Alle drei neu herausgegeben von Kurz in den Simplicianischen Schriften [siehe oben] und von Tittmann in Simplicianische Schriften (Leipzig 1877, 2 Bde.).

Ihnen reihen sich verschiedene Schriften satirischen Charakters an, wie

  • Schwarz und weiß oder die Satirische Pilgerin (1666)
  • Der teutsche Michel (1670)
  • Das Rathstübel Plutonis (1672)
  • Die verkehrte Welt (1673)

Neben diesen der volkstümlichen Richtung angehörigen Werken versuchte sich Grimmelshausen auch im breit-redseligen und galanten Kunstroman seiner Zeit:

  • Des vortrefflichen keuschen Josephs in Ägypten erbauliche Lebensbeschreibung (Nürnberg 1670)
  • Dietwalds und Amelindens anmutige Lieb- und Leidsbeschreibung (1670)
  • Des durchlauchtigen Prinzen Proximi und seiner ohnvergleichlichen Lympidä Liebesgeschichterzählung (1672)

Sie sind charakteristische Proben der aufgebauschten und leblosen Erzählungskunst jener Tage.

Eine Gesamtausgabe der Schriften Grimmelshausens erschien in Nürnberg 1683-1713 in 3 Teilen.

1879 wurde ihm in Renchen ein Denkmal in Form eines 6,5 m hohen Obelisken aus blaurotem Sandstein errichtet.

Siehe auch:

Literatur

  • Misia Sophia Doms: „Alkühmisten“ und „Decoctores“. Grimmelshausen und die Medizin seiner Zeit, Berlin u.a. 2006, ISBN 3-03910-949-9
  • Peter Heßelmann (Hrsg.): Grimmelshausen und Simplicissimus in Westfalen, Bern u.a. 2006, ISBN 3-03910-991-X

Werk- und Literaturverzeichnis

  • Gerhard Dünnhaupt: „Hans Jacob Christoph von Grimmelshausen“, in: Personalbibliographien zu den Drucken des Barock, Bd. 3. Stuttgart: Hiersemann 1991, S. 1825-51. ISBN 3-7772-9105-6

Reihe

  • Simpliciana: Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft. Herausgegeben von der Johann Jakob Christoph von Grimmelshausen-Gesellschaft (Münster, Westfalen)

Weblinks

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