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Hans Flesch

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Hans Flesch (* 18. Dezember 1896 in Frankfurt am Main; verschollen im April 1945) war ein deutscher Rundfunkpionier. Er hat sich als Intendant und Hörspielautor einen Namen gemacht.

Leben

Hans Flesch wird als jüngstes Kind des Juristen, Politikers und Sozialreformers Karl Flesch in Frankfurt am Main geboren.1915 meldet er sich freiwillig zum Sanitätsdienst und kehrt 1918 schwer verwundet nach Frankfurt zurück. Er studiert in Heidelberg Medizin (Radiologie) und besucht einige Zeit die Schauspielschule in Frankfurt am Main. 1920 heiratet er Gabriele "Medi" Rottenberg, eine Tochter des Frankfurter Opernkapellmeisters Ludwig Rottenberg. Aus der Ehe gehen die beiden Kinder Ilse-Margot "Wuma" (* 26. August 1920) und Hans Karl Wilhelm (* 4. Mai 1924) hervor.

Nach seiner Promotion als Doktor der Medizin wird Hans Flesch am 1. April 1924 zum Künstlerischen Leiter der Südwestdeutschen Rundfunkdienst AG (SÜWRAG) in Frankfurt am Main berufen. Auf der Suche nach einer rundfunkoriginären Kunstform schreibt er Zauberei auf dem Sender, das erste deutschsprachige Hörspiel. Es nimmt spielerisch die Montagetechnik des Tonbandes vorweg, welche zu diesem Zeitpunkt technisch noch nicht möglich ist und wird am 24. Oktober 1924 live gesendet.

Nach kurzer Zeit gilt Hans Flesch als der fortschrittlichste aller deutschen Rundfunkleiter, unter seiner Leitung arbeiten für den Frankfurter Sender etwa Bertolt Brecht, Walter Benjamin, der junge Theodor W. Adorno oder Fleschs Freund und Schwager Paul Hindemith. Am 1. Juli 1929 wird Flesch als Intendant der Funkstunde AG nach Berlin berufen, wo er seine erfolgreiche Rundfunkarbeit fortsetzen kann. "Hans Flesch," schreibt der Medienwissenschaftler Hans-Jürgen Krug, "setzte sich wie kein anderer früh gegen das reine Live-Hörspiel und für die Verwendung des Tonbands in der Hörspielproduktion ein."

Im Rahmen einer "Rundfunkreform" unter Reichskanzler Franz von Papen wird das NSDAP-Mitglied Erich Scholz zum Rundfunkkommissar des Reichsinnenministers ernannt. Der Berliner Intendant Hans Flesch, als Vertreter eines modernen und bedingungslos demokratischen Rundfunks von den Nazis seit langem angefeindet, wird am 15. August 1932 entlassen. Wenige Monate nach Hitlers Machtergreifung wird Flesch im August 1933 mit anderen Vertretern des Weimarer "Systemrundfunks" inhaftiert, zunächst im Konzentrationslager Oranienburg, später im Gefängnis Berlin-Moabit (Untersuchungshaft).

1934 beginnt der „Reichs-Rundfunk-Prozeß“, ein vom neuen NS-Reichssendeleiter Eugen Hadamovsky initiierter Schauprozess gegen einige Spitzen des Weimarer Rundfunks. Der Prozess endet jedoch kläglich mit geringfügigen Haftstrafen, welche durch die Untersuchungshaftzeit bereits verbüßt waren, da den Beschuldigten selbst unter zweifelhaften juristischen Bedingungen keine Schuld bewiesen werden konnte. Eine spätere Revision wird von Joseph Goebbels Propagandaministerium verhindert, da Freisprüche drohen. Nach dem Rundfunkprozess 1935 darf der "Halbjude" Flesch weder künstlerisch noch als Arzt arbeiten und schlägt sich mit Gelegenheitsarbeiten durch. Seine Frau Gabriele muss mit Sekretariatsarbeiten die Familie ernähren.

Ab 1943 wird Hans Flesch zu Praxisvertretungen für Ärzte im Militärdienst zwangsverpflichtet. So kommt er nach Crossen an der Oder, wo er bis 1945 bleibt und zwei Arztpraxen verwaltet. Ende Januar 1945 wird die Zivilbevölkerung Crossens evakuiert, die Rote Armee marschiert auf Berlin. Hans Flesch, Kriegsfreiwilliger des ersten Weltkrieges, sieht das Elend verwundeter Soldaten. Statt sich als Zivilist nach Berlin in relative Sicherheit zu bringen, wendet er sich an die Wehrmacht und richtet in der "Hindenburg-Schule" in Crossen ein Militärlazarett ein. Als "Zivilarzt im Wehrmachtsgefolge" im Rang eines Bataillonsarztes leitet er dieses Lazarett und geht mit den hinter die Oder zurückweichenden deutschen Truppen Richtung Guben. Im März 1945 wird Flesch als Arzt an den Volkssturm überstellt, zwischen Guben und Berlin schreibt er am 1. April 1945 seinen letzten erhaltenen Brief, in dem er einen bevorstehenden Fronteinsatz erwähnt. Wenige Tage später ist Hans Flesch verschollen.

Im Sommer 1945 suchen zunächst die Engländer, später auch die Amerikaner im besetzten Berlin nach Hans Flesch. Die amerikanische Armee will in ihrem Sektor einen neuen Rundfunksender gründen, den späteren RIAS. Hans Flesch hätte sein erster Intendant werden sollen.

Literatur

  • Joachim-Felix Leonhard (Hrsg.): Programmgeschichte des Hörfunks in der Weimarer Republik, Bd 1. München: dtv, 1997. ISBN 3-423-04702-X
  • Hans-Jürgen Krug: Kleine Geschichte des Hörspiels. Konstanz: UVK, 2003. ISBN 3-89669-424-3
  • Armin H. Flesch: "Ein Zauber auf dem Sender – Die lange Nacht des Rundfunkpioniers Hans Flesch". Deutschlandfunk/DeutschlandRadio Berlin, 23./24. Oktober 2004.

Weblinks

Wikipedia
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