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Hackesche Höfe

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Bild:HackescheHöfe 4.png
Schema der Bebauung

Die Hackeschen Höfe liegen in der historischen Spandauer Vorstadt in Berlin-Mitte, unweit des so genannten Scheunenviertels, Sie bilden das größte geschlossene Hof-Areal Deutschlands und stehen unter Denkmalschutz.

Inhaltsverzeichnis

Das historische Umfeld

1672 wurde nördlich der Spree ein jüdischer Friedhof angelegt. Im selben Jahr befahl ein kurfürstlicher Erlass, alle Scheunen für Heu und Stroh vor die Stadtmauer zu verlegen, um die Brandgefahr im Stadtgebiet zu verringern. Beide Maßnahmen veränderten das Ackerbaugebiet unmittelbar vor den Berliner Befestigungsanlagen. Allmählich entwickelte sich ein neues Stadtviertel, die spätere Spandauer Vorstadt. Die Bezeichnung Scheunenviertel für einen Teil des Gebietes hat sich bis in die Gegenwart erhalten.

Friedrich der Große beauftragte 1750 seinen Stadtkommandanten Hans Christoph Graf von Hacke, einige Freiflächen des halb entwickelten Viertels bebauen zu lassen. Dabei entstand ein Marktplatz, der nach dem Grafen benannt wurde, der heutige Hackesche Markt. Im 19. Jahrhundert wurde das übervölkerte Scheunenviertel zum sozialen Problemfall, zum Armenhaus Berlins. In anderen Teilen der Spandauer Vorstadt hatte sich ein bürgerliches, vorwiegend jüdisches Milieu entwickelt. Zentrum der Berliner Jüdischen Gemeinde war die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße, die 1866 eingeweiht wurde. Nach 1933 zerstörten die Nationalsozialisten das vielfältige jüdische Leben und ermordeten 55 000 Berliner Juden.

Die wirtschaftliche Entwicklung der Spandauer Vorstadt verlief unter dem Einfluss der Konfektionsindustrie. Schon im 18. Jahrhundert hatten sich hier Textilmanufakturen niedergelassen. Im späten 19. Jahrhundert wurden in zahlreichen Fabriketagen oder in Heimarbeit Konfektionskleidung und Zubehör hergestellt. 1906, als die Hackeschen Höfe entstanden, war Berlin eine Metropole der Konfektion.

Der Bau der Hackeschen Höfe

Die Zusammenlegung mehrerer Grundstücke an der Rosenthaler Straße und der Sophienstraße ergab eine als Bauland nutzbare Fläche von 9200 m², mit Zugängen von beiden Straßen aus. 1905 ließen die Eigentümer die vorhandenen Altbauten abreißen und in den Jahren 1906/07 nach Plänen des Architekten und Bauunternehmers Kurt Berndt die größte Wohn- und Gewerbehof-Anlage Deutschlands errichten. Der Haupteingang führte durch ein Büro- und Geschäftshaus an der Rosenthaler Straße. Ein Quergebäude im ersten Hof war als Festsaaltrakt angelegt, im zweiten und dritten Hof befanden sich Gebäude mit Fabriketagen, tiefer im Blockinneren lagen mehrere Gebäudeflügel mit Wohnungen. Alle Baukörper zusammen bildeten acht Höfe. Die Verzahnung der verschiedenen Funktionen in dieser Form war seinerzeit einmalig. Kurz zuvor hatte Kurt Berndt ein ähnliches Projekt noch in traditioneller Anordnung gebaut: an der Straße ein Mietshaus, anschließend ein Wohnhof, erst dann reine Gewerbehöfe.

Ungewöhnlich war auch das Konzept für den ersten Hof, der kulturell genutzt werden sollte und entsprechend gestaltet wurde. Hier, wie in verschiedenen anderen Aspekten, zeigte sich der Einfluss der um 1900 propagierten Lebensreformbewegung. Im Jahre 1905 hatte Berlin zwei Millionen Einwohner und galt als größte Mietskasernenstadt der Welt, die Tuberkulose als "Berliner Krankheit". Eigentümer und Architekt der Hackeschen Höfe wollten mit ihrer Anlage ein beispielhaftes Umfeld für modernes, gesünderes Wohnen und Arbeiten schaffen. Die Wohnhöfe lagen weitab vom Straßenlärm im Blockinneren und wurden nach Möglichkeit so angelegt, dass sie von benachbarten Grünanlagen - dem alten Jüdischen Friedhof von 1672 und dem Friedhof der evangelischen Sophiengemeinde - Sonnenlicht und Sauerstoff bekommen konnten. Zur Ausstattung der Höfe gehörten Grünpflanzen, ein großer Sandkasten, mehrere Brunnen. Die rund 80 Wohnungen hatten vielfach Balkone und durchweg Bäder, Innentoiletten und Zentralheizung.

Die baukünstlerische Gestaltung

Bild:Hackesche Höfe 2a.jpg
Fassade im 1. Hof, Ostseite
Bild:Hackesche Höfe 3a.jpg
Fassade im 1. Hof, Westseite

Der Berliner Architekt und Designer August Endell erhielt den Auftrag, die Hoffassaden und die Festsäle im ersten Hof zu gestalten. Seine bisherigen Arbeiten wurden dem Jugendstil zugeordnet (obwohl er selbst anderes beabsichtigt hatte). Vermutlich sollte er deshalb nicht auch die Außenfassade entwerfen - der Jugendstil entsprach nicht dem in Berlin vorherrschenden Geschmack, der von den ästhetischen Vorlieben des Kaiserhauses beeinflusst war. So entstand denn auch eine Straßenfassade mit allen Merkmalen des wilhelminischen Eklektizismus, eine überladene Mischung verschiedener Stilformen, mit neobarocker Dachlandschaft, ägyptischen Obelisken und antikisierenden Skulpturen.

Ganz anders die von Endell gestalteten Partien. August Endell hatte Philosophie und Psychologie studiert, er beschäftigte sich mit Wahrnehmungsproblemen und war bestrebt, seine theoretischen Erkenntnisse in Architektur und Kunsthandwerk umzusetzen. In seinen Schriften sprach er sich gegen Historismus und Eklektizismus aus. Seine ästhetische Leitvorstellung war die Umsetzung von Bewegung in Architektur und Dekor. Im ersten Hof der Hackeschen Höfe schuf er durch Form, Größe und Anordnung der Fenster und mit Hilfe farbiger Glasursteine zwei unterschiedliche Fassaden, die dem Hof die Anmutung eines kleinen, von verschiedenen Häusern gesäumten öffentlichen Platzes verleihen. Nach Osten hin sind die Farben Blau und Weiß, die Formen verweisen auf maurische Vorbilder. Die Westseite, vorwiegend in Brauntönen gehalten, erinnert an die damals hochmodernen Bauten Alfred Messels für die Warenhäuser des Wertheim-Konzerns.

Auch in den Innenräumen verfolgte Endell seine Idee des bewegten Raumes. Leidlich erhalten sind das Treppenhaus im linken Seitenflügel, ein Vestibül im rechten Seitenflügel und der einstöckige Festsaal im ersten Obergeschoss des Quergebäudes, der allerdings am wenigsten über Endells Absichten aussagt. Der große, zweigeschossige Festsaal war schon um 1930 zerstört worden. Hier hatte der Architekt durch eine spezifische Deckenkonstruktion, mit anschwellenden Pfeilern und dem wellenförmigen Abschluss des Deckengesimses seinen Vorstellungen am deutlichsten Ausdruck verliehen.

Die frühere Nutzung

In den Festsälen fanden zahlreiche Familien- und Vereinsfeiern statt, sie hatten damit eine wichtige Funktion für die bürgerlichen Bewohner des Stadtviertels. Besonderes Ereignis: "Der Neue Club", ein Zusammenschluss expressionistischer Dichter wurde hier gegründet. Für die Büro- und Gewerberäume entwickelte sich eine ausgesprochene Mischnutzung durch unterschiedlichste Firmen: eine Bankfiliale, Betriebe für Herrenkonfektion, Handschuhe, Pelzwaren, für Musikinstrumente, Metallwaren, Büromöbel, Großhandlungen für Mehl, Kaffee und Futtermittel und manches andere. Zeitweilige Mieter waren auch das Mädchenheim des Jüdischen Frauenbundes und die Jüdische Studentenmensa.

Schon in den 1920er Jahren begann eine Veränderung. Mit den Wirren und wirtschaftlichen Problemen nach dem Ersten Weltkrieg verließen viele Firmen die Höfe, kulturelle und öffentliche Aktivitäten ließen bald völlig nach. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurden weite Teile des Gebäudekomplexes vom Kaufhauskonzern DeFaKa (Deutsches-Familien-Kaufhaus) genutzt - das Vorderhaus als Firmenzentrale, der horizontal zweigeteilte große Festsaal als Betriebskantine und zahlreiche Gewerbeflächen als Lagerräume.

Die Sanierung

Bild:Hackesche Höfe 1a.jpg
Teil der Außenfassade, 2005

Jahrzehntelang wurden die Hackeschen Höfe vernachlässigt, die Festsäle baulich verunstaltet und zweckentfremdet genutzt, die Straßenfassade in den 1960er Jahren zerstört. Immerhin war es den Mietern um 1950 gelungen, die völlige Zerstörung der Fassaden im ersten Hof zu verhindern - eine wichtige Voraussetzung für die spätere denkmalgerechte Sanierung.

1951, bald nach Gründung der DDR, wurden die Hackeschen Höfe zu Volkseigentum erklärt, 1977 unter Denkmalschutz gestellt. 1991 konstituierte sich ein "Verein Gesellschaft zur Förderung urbanen Lebens - Hackesche Höfe e. V.". Das Bezirksamt Berlin-Mitte ließ eine Sozialstudie über den Komplex erstellen. Nachdem die Anlage 1993 an die Erben des früheren Besitzers zurückgegeben und 1994 an westdeutsche Unternehmer verkauft worden war, begann eine enge Zusammenarbeit zwischen Investoren, Denkmalschutzbehörde und der aus dem Verein hervorgegangenen Agentur für Kulturprojekte in der Stadtentwicklung "New Roses", die das Mischnutzungskonzept unter Erhalt der ansässigen Kulturstätten entwickelte und das neue Image definierte. Die sehr umfangreichen Sanierungsarbeiten - sie betrafen größere Um- und Ausbauten, denkmalpflegerische Aktivitäten und die gesamte Haustechnik - konnten 1997 beendet werden.

Das aktuelle Nutzungskonzept

Die Wohnhöfe werden abends geschlossen und garantieren auf diese Weise nächtliche Ruhe. Ausgedehnte Büroflächen, die an Stelle früherer Fabriketagen entstanden sind, werden überwiegend von Angehörigen kreativer Berufe wie Architekten, Internet-Designer, PR-Agenturen usw. genutzt. Beispielsweise lebt und arbeitet hier der bekannte Grafikdesigner und Typograf Wolfgang Beinert sowie der Intendant der Freien Volksbühne Berlin Frank Castorf; der größte Mieter ist die Heinrich-Böll-Stiftung. Die Ladengeschäfte, wie das der aus Kamerun stammenden Modedesignerin Arrey Kono, sollen Vielfalt vermitteln und sind deshalb relativ klein dimensioniert. Sie bieten Produkte an, die in den Höfen gestaltet, hergestellt oder weiterverarbeitet werden. Zum Angebot für Anwohner und Besucher gehören diverse gastronomische Einrichtungen, ein Programmkino und ein Varieté.

Seit Abschluss der Sanierung sind die Hackeschen Höfe einer der teuersten und bekanntesten Immobilien Berlins und eine vielbesuchte Sehenswürdigkeit, die offensichtlich auch auf die Entwicklung der näheren Umgebung anregend gewirkt hat.

Weblinks

<imagemap>-Fehler: Bild ist ungültig oder nicht vorhanden Commons: Hackesche Höfe – Bilder, Videos und/oder Audiodateien

Nachrichten aus Tageszeitungen:

Koordinaten: 52° 31' 27" N, 13° 24' 8" O

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