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Hörgerät

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Ein Hörgerät dient dazu, Hörverluste bei Schwerhörigen auszugleichen.

Bild:Hoergeraet analog 050609.jpg
analoges Hinter-dem-Ohr-Gerät

Es ist ein sehr wichtiges Hilfsmittel zur sozialen Eingliederung von Hörgeschädigten. An Hörgeräte dürfen aber auch nicht zu hohe Erwartungen gestellt werden: Einerseits fühlt sich nur ein Mensch, der „von Natur aus“ gut hört, auch in Gruppensituationen wohl; und Hörgeräte können, trotz laufender Verbesserung der Technik, den Verlust des ursprünglichen Hörvermögens nicht vollständig ausgleichen oder gar das ursprüngliche Hörvermögen wieder herstellen.

Die Wechselwirkungen zwischen der Hörgerätetechnik und dem Höreindruck sind ein Arbeitsfeld der Audiologie. Die Auswahl, Anpassung und Einstellung von Hörgeräten ist Aufgabe von Hörgeräteakustikern.

Inhaltsverzeichnis

Typen

Hinter-dem-Ohr-Geräte

Bild:Hoergeraet HDO.jpg
Ein Hinter-dem-Ohr-Gerät

Diese Hörgeräte werden „hinter dem Ohr“ getragen, dafür wird neben dem Hörgerät noch eine nach Maß angefertigte Otoplastik (Ohrpassstück) mit einem Schallschlauch benötigt. HdO-Geräte sind in der Lage, Hörschäden am vielfältigsten zu versorgen. Da bei HdO-Geräten mehr Platz für die Elektronik zur Verfügung steht, können bei diesen Geräten vielfältige technische Optionen sowie hohe Verstärkungsleistungen realisiert werden.

Bei starken Hörschäden wird durch den großen Abstand vom Hörgerätemikrofon zum Schallaustritt nahe am Trommelfell eine höhere Verstärkung möglich, da sich dadurch die Rückkopplungsanfälligkeit verringert. Die akustische Rückkopplung führt zu einem lästigen Pfeifen, das bei nicht passendem Ohrpassstück auftritt oder bei schlecht angepassten Geräten auch schon geschehen kann, wenn der Hörgeräteträger mit dem Hörgerät einer Wand zugewendet ist.

Bei leichten Hörschäden besteht die Möglichkeit, den Gehörgang möglichst offen zu halten. Dieses wird erreicht, indem die Otoplastik mit einer Belüftungsbohrung (Venting) versehen wird, die einen Druckausgleich möglich macht. Je nach Verstärkungsbedarf können unterschiedliche Durchmesser zur Anwendung kommen, da aufgrund der individuellen Rückkopplungsneigung Zugeständnisse an den Durchmesser der Bohrung eingegangen werden müssen.

Für den Träger entsteht dadurch generell ein angenehmeres Hörgefühl, da bei größeren Durchmessern der selbst erzeugte Körperschall, der sogenannte „osteo-tympanale Knochenschall“, nicht mehr an der dem Trommelfell zugewandten Seite der Otoplastik reflektiert wird. Durch diese Reflexionen entsteht ein unangenehmes dumpfes Hörgefühl, da eben dieser tieffrequente Körperschall nicht über den offenen Gehörgang „abfließen“ kann und somit verstärkt wird. Hierzu zählen der Grundton der eigenen Stimme sowie Kau- und Schluckgeräusche.

In den letzten Jahren ist diese „offene Versorgung“ durch Einführung spezieller Mini-HdO-Geräte mit extrem kleiner Schlauchhalterung groß in Mode gekommen. Diese Spezialgeräte ermöglichen neben der erwähnten Offenheit auch eine besonders unauffällige kosmetische Hörgeräteversorgung. Aufgrund von Schallreflexionen bei besonders gekrümmten Gehörgängen ist jedoch auch hier - trotz digitaler Rückkopplungs-Manager - in manchen Fällen eine rückkopplungsfreie Anpassung nicht möglich, weshalb dann die Anfertigung einer Maßotoplastik mit definierter Zusatzbohrung sinnvoll erscheint.

Im-Ohr-Geräte

Bild:Hoergeraet CIC.jpg
Ein CIC-Im-Ohr-Gerät

Diese Hörgeräte werden „Im Ohr“ getragen. Die Elektronik des Hörgerätes ist dabei in eine individuell angefertigte Hohlschale eingearbeitet und wird in den Gehörgang eingeführt. IdO-Hörgeräte können im Gegensatz zu HdO-Geräten die anatomischen Vorteile des Außenohres nutzen.

Im-Ohr-Hörsysteme werden in folgende Unterarten gegliedert:

ITE: „In-The-Ear“ Das Gehäuse des Hörsystems füllt die Ohrmuschel (Concha) vollständig aus. Das System ist deutlich zu sehen. Aus kosmetischen Gründen kann die Oberfläche auch der Hautfarbe angepasst werden und/oder mit feinen Äderchen versehen werden.

ITC: „In-The-Canal“ Das Gehäuse des Hörsystems schließt mit dem vorderen Knubbel (Tragus) am Gehörgang ab. Die Ohrmuschel bleibt frei. Das System ist fast nicht zu sehen.

CIC: „Complete-In-Canal“ Das Gehäuse endet innerhalb des Gehörganges und ist dadurch von außen kaum zu sehen. Diese Geräte haben meistens einen Nylonzugfaden um das System wieder aus dem Gehörgang ziehen zu können. Dieses ist die kosmetisch unauffälligste Bauart.

Der Nachteil dieser Bauform ist die Lage im Gehörgang. Ein gewisser Durchmesser des Gehörgangs muss gegeben sein, damit die Bauteile des Gerätes Platz finden. Durch die oftmals geringe Gehörgerät-Größe bedingt, besteht vielfach keine oder nur geringe Belüftungsmöglichkeit (Venting), Schweiß- und Ohrenschmalzbildung wird oftmals begünstigt, was zu einer höheren Reparaturanfälligkeit führen kann.
Viele Im-Ohr-Geräteträger bemängeln durch die geringere Ventgröße ebenfalls eine unnatürliche eigene Stimme, abnorme Kaugeräusche und zu starke „Nebengeräusche“. Das Abfließen des Körperschalls ist kaum möglich.

Eine Im-Ohr-Geräte-Versorgung ist nur für leichte bis mittelgradige Hörverluste möglich, bei starken Hörschäden entstünde durch den geringen Abstand vom Hörgerätemikrofon zum Hörer schnell eine Rückkopplung. In diesem Fall wird eine „HdO“-Versorgung vorgezogen (s.o.)

Taschenhörgeräte

Eine heutzutage kaum noch verwendete Bauart sind Taschenhörgeräte. Diese wurden in den 1950er und -60er Jahren noch häufig genutzt, durch die Miniaturisierung der Bauteile wurden sie von den HdO- und IdO-Geräten vom Hörgerätemarkt verdrängt. Heute finden diese Geräte selten noch bei Menschen mit an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit oder Resthörigkeit Anwendung. Bei einem Taschengerät ist der Hörer an der Otoplastik angebracht. Dieser wird über ein dünnes Kabel mit dem Hörgerät verbunden. Ein Problem bei Taschengeräten ist das Rascheln der Kleidung am Gerät (Körperschall am Mikrofon).

Hörbrille

Eine Hörbrille ist eine Brille, in deren Bügeln die Hörgerätetechnik untergebracht ist, oder an deren Bügel ein Hörgerät montiert ist. Hinten am Bügel befinden sich oft die Otoplastik und das Batteriefach. Das erweist sich bei einem Defekt als Nachteil. Denn, muss die Brille zur Reparatur eingeschickt werden, fehlt dem Hörgeschädigten das Hörgerät. Ist das Hörgerät defekt, muss mit ihm auch gleichzeitig die Brille eingeschickt werden.

Knochenleitungshörgeräte

Bei besonderen Erkrankungen des Ohres wird auf Knochenleitungshörsysteme zurückgegriffen. (Ein Extremfall wäre z. B. ein nicht vorhandener Gehörgang bei ansonsten normalem Aufbau des Gehöres.)
Ein Knochenleitungshörgerät wandelt Schallsignale in Vibrationsschwingungen um.
Der Hörer dieser Geräte, überträgt diese Vibrationen auf den Knochen hinter dem Ohr (Mastoid). Über den Schädelknochen wird das gesamte Mittel- und Innenohr in Schwingung versetzt und der Schwerhörige kann diese Schwingungen als gehörte Informationen wahrnehmen. Üblicherweise werden Knochenleitungshörgeräte in Brillenbügeln eingebaut. Ferner gibt es die Möglichkeit ein Taschenhörgerät mit einem Knochenleitungshörer zu tragen, der an einem Kopfbügel oder Stirnband befestigt wird.
Eine weitere Variante der Knochenleitungshörgeräte sind knochenverankerte Geräte. Der HNO-Arzt implantiert hierbei eine Titanschraube im Schädelknochen. Das Hörgerät wird auf dieser Schraube befestigt (BAHA = Bone Anchored Hearing Aid).

Tinnitusmasker, Tinnitusnoiser, tinnitus-retraining-instrument

Gerade in den letzten zehn Jahren hat die Tinnitusbehandlung in der Hörgeräteakustik durch die Entwicklung neuer Geräte an Bedeutung gewonnen. Ein Tinnitusmasker, der sich optisch nicht unbedingt von einem Hörgerät unterscheidet, sendet ein in Frequenzbereich und Pegel fest definiertes Rauschen aus, das zum Zwecke der besseren Verträglichkeit des quälenden Tinnitusgeräusches dem betroffenen Ohr zugeführt wird. Bei normalhörenden Patienten wird eine offene Anpassung des Gerätes durchgeführt. (Zuvor ist es Aufgabe des Hörakustikers, eine Frequenz- und Pegelanalyse des Ohrgeräusches mit Hilfe des Patienten zu erstellen und das Rauschen des Gerätes dahingehend zu justieren.) Technisch gibt es zwischen Tinnitusmasker und Tinnitusnoiser keinen Unterschied; die Behandlungsstrategien unterscheiden sich jedoch grundlegend. Während ein Tinnitusmasker derart eingestellt wird, dass das Geräterauschen das vorhandene Ohrgeräusch gewaltsam überdeckt (was jedoch schwerwiegende Folgen in Zeiten der Nichtbenutzung haben kann), wird ein Tinnitusnoiser nur auf einen gleichwertig hohen Pegel eingestellt, so dass das betroffene Ohr beide Rauscharten gleichermaßen wahrnimmt. Hierdurch soll die vormals dominante Rolle des Tinnitus geschwächt werden; er wird - anders als beim Masking - zwar nicht übertönt, aber in seiner Bedeutung geschwächt. Die natürliche Filterfunktion des Ohres bzw. des Hörzentrums wird hierbei gefördert. Die Noiser-Behandlung erfordert eine zusätzliche psychologische Therapierung in Kliniken. Ein neuer Ansatz ist der Ausgleich mit Hilfe von schwachen Hörgeräten, da durch das Verstärken von Umweltgeräuschen die Filterfunktion des Hörzentrums noch besser angeregt wird.

Technik

Bild:HDO.jpg
Ein Hörgeräteschema
1a Mikrofon nach vorne gerichtet

1b Mikrofon nach hinten gerichtet

2 Hörer (Lautsprecher des Hörgerätes)

3 Sprachprozessor (Hier wird das Signal digitalisiert, aufgearbeitet verstärkt und dann wieder analoggewandelt)

4 Ein-Ausschaltknopf (Dieser Knopf dient zum Auschalten und Einschalten sowie auf die T-Spule zu schalten)

5 Batteriefach (Bei dem Beispiel kann eine Batterie der Grösse 10 Verwendet werden. Diese Batterie ist etwa 2 Wochen lang haltbar.)

6 Programmwahlschalter. Hier können verschiedene Hörprogramme ausgewählt werden. z.B für normales Hören und in lauter Umgebung

7 Induktionsspule (auch T-Spule genannt, damit kann man diverse Signale direkt in das Hörgerät leiten.)

8 Hörwinkel

9 Schlauch zum Verbinden des Ohrpassstück mit dem Hörgerät

10 Orthoplastik Ohrpastück, wird speziell für den Patienten angepasst.

11 Oeffnung für den Schall (Hier werden die töne diekt an das Trommelfell geleitet.

12 Lüftungsbohrung. Damit wird das Tragen für den Patienten angenehmer. Die grösse der möglichen Bohrung hängt von Hörverlust des Patienten ab.

13 Audioeingang Hier können diekt Audioquellen wie Walkman, Telefone, Mikrolinksysteme angeschlossen werden.

14 Programmiereingang Ueber diesen Anschluss wird das Hörgerät vom Akustiker programmiert.


Generell besteht jedes Hörgerät aus einem Mikrofon, einem analogen oder digitalen Verstärker und schließlich einem „Lautsprecher“, der über einen Schlauch bzw. ein Röhrchen die Schallsignale an das Ohr übermittelt.

Die Stromversorgung der Geräte erfolgt über Hörgerätebatterien, in der Regel Zink-Luft Knopfzellen-Batterien. Eine solche Hörgerätebatterie hält - abhängig von der eingebauten Elektronik und der benötigten Verstärkung - etwa drei Tage bis vier Wochen.

Technische Problemfelder bei Hörgeräten sind vor allem das Richtungshören, das Verstehen von Sprache bei Hintergrund-Geräuschen und das Benutzen von Telefonen in Verbindung mit Hörgeräten.

Das Richtungshören konnte vor allem durch die Kombination mehrerer Richtmikrofone verbessert werden. Dabei fängt mindestens ein Mikrofon Geräusche von vorn auf und mindestens ein weiteres Mikrofon Geräusche von hinten. Die Verstärkerschaltung im Hörgerät kann dadurch erkennen, woher Geräusche kommen und (Umgebungs-)Geräusche von hinten gezielt dämpfen, während Geräusche von vorn verstärkt werden. Die Richtwirkung der Mikrofone wird in besonders hochwertigen digitalen Hörgeräten auf die Richtung des Sprachsignales fixiert, um das Sprachverstehen zusätzlich zu verbessern. Dieser Effekt funktioniert bereits innerhalb der vollen 180 Grad, während frühere, "starre" Richtmikrofone nur den Schall von vorn bevorzugten und den hinteren Bereich dämpften. Diese variablen Richtmikrofone arbeiten hier oft Hand in Hand mit digitalen Störschallunterdrückungs-Algorithmen, die das Verstehen von Sprache zusätzlich verbessern.

Um das Telefonieren zu erleichtern, haben viele Hörgeräte eine Telefonspule eingebaut. Seit 2005 gibt es auch Bluetooth-Adapter für Hörgeräte, wodurch das Telefonieren mit bluetoothfähigen (Mobil-)Telefonen erleichtert werden kann.

Digitale Hörgeräte

Die Signalverarbeitung und die Einstellung des Hörgerätes erfolgen ausschließlich digital.

Die digitale Technik benutzt Fourierfilter und besitzt in der einfachsten Variante 80 Frequenzkanäle, bei denen Amplitude und Phase eingestellt werden können.
So ist es möglich, den kombinierten Frequenzgang von Hörverlust, Mikrofon, Lautsprecher und Rückkopplung auszumessen und exakt zu kompensieren. 1 Megabyte on chip Flash Speicher ist Stand der Technik und erlaubt mehrere Hörprogramme. Wie bei analogen Geräten kann die Lautstärke manuell verstellt werden, zusätzlich kann dabei der Frequenzgang geändert werden.


Hochoptimierte integrierte Schaltkreise in CMOS Technologie und niedrige Betriebsspannungen erlauben lange Batterie-Laufzeiten.

Einige digitale Hörgeräte sind mit Funktechnologie ausgestattet, mit der bei einer beidohrigen (binauralen) Versorgung beide Hörgeräte miteinander kommunizieren und sich synchron abstimmen. Somit ist dann sichergestellt, dass beide Geräte immer gleich eingestellt sind, wenn z. B. auf einer Seite das Hörprogramm gewechselt oder die Lautstärke variiert wird. Auch die Steuerung sog. adaptiver Parameter, also Algorithmen zur Erkennung von Störgeräuschen oder die Anpassung der Charakteristik von Richtmikrofonen, wird in beiden Hörsystemen synchronisiert und erhöht damit die Lokalisationsfähigkeit.


Die Leistung der Digitaltechnik steigt stetig, und so werden inzwischen sogenannte nichtlineare Techniken angewendet:

Eine Schädigung des Resthörvermögens wird wie folgt verhindert: Bei einer lauten Umgebung wird die Verstärkung automatisch zurückgefahren („AGC-Schaltung“). Verschiedene Schaltungen überwachen den eingehenden und den aus dem Hörgeräteverstärker ausgehenden Pegel und regeln ab einer gewissen (vom Akustiker einstellbaren) Regelschwelle die Verstärkung oder den Ausgangspegel zurück. Dieses ist erforderlich, da das hörgeschädigte Innenohr fast immer lautheitsempfindlich ist (sog. Recruitment). Die Rückkopplungs-Kompensation kann sich automatisch einer wechselnden Kopfbedeckung anpassen. Da nicht ermittelt werden kann, ob das Signal, das am Mikrofon ankommt, von einer fremden Schallquelle, oder vom eigenen Lautsprecher stammt, ist es sicher besser anzunehmen, dass ein endlicher Teil vom Lautsprecher stammt.

Die Psychoakustik zeigt, dass niederfrequente Töne höherfrequente Töne überlagern und dass das Innenohr ein kontinuierliches Spektrum in ein Linienspektrum mit Linien gewisser Breite zerlegt. Damit funktioniert es ähnlich einem Radio, das die verschiedenen Frequenzen verschiedenen Sendern zuordnet. Eine Schallquelle die nur eine Frequenz aussendet, klingt wie Piepen (wie Tinnitus).
Auch wenn wir hauptsächlich von anderen Schallquellen umgeben sind, funktioniert dieses Prinzip so gut, dass es auch in „voll-digitalen“ Hörgeräten genutzt wird.

Um eine Schallquelle zu orten, braucht man mindestens zwei Mikrofone und ermittelt die relative Phase des Schalls. Da eine breitbandige Funkverbindung durch den Kopf des Trägers zu viel Strom kostet, besitzen einige digitale Hörgeräte zwei Mikrofone pro Gerät. Beim menschlichen Ohr führt die Phase zu Interferenzeffekten in der Ohrmuschel und am Kopf. Das Innenohr misst dann nur noch die Amplituden. Bei Hörgeräten geht die Phase nicht verloren, es ist aber zu beachten, das digitale Geräte den Schall erst für ein paar Millisekunden aufzeichnen, dann bearbeiten und danach an das Ohr weiterleiten, d.h. ein gutes digitales Hörgerät sollte eine möglichst geringe Durchlaufverzögerung (wenige Millisekunden)besitzen, um annähernd räumliches Hören zu ermöglichen. Zur Veranschaulichung: eine Durchlaufverzögerung von einer Millisekunde entspricht einem Schallweg von 33 cm oder bereits einer vollen Wellenlänge bei 1000 Hz Tönen, so dass man sich leicht vorstellen kann, dass insbesondere bei einohriger Versorgung ein Richtungshören erschwert, wenn nicht unmöglich ist. Bei analogen Geräten ist diese Problematik weniger ausgeprägt, Phasenverzerrungen ergeben sich hier durch die Verstärkungsregelung (AGC).

Fortschrittliche Hörgeräte erkennen, dem Verhalten des Hörnervs nachgeahmt, Rauschen und Windgeräusche an einem breiten, kontrastarmen Spektrum, und fahren die Verstärkung herunter. Musik, insbesondere klassische Musik, unterscheidet sich stark vom Rauschen, erkennbar durch scharfe Spitzen im Frequenzspektrum. Vom Hörgerät wird ein Programm mit linearem Frequenzgang, viel Dynamik und omnidirektionalen Empfang gewählt. Sprache wird am Dynamik-Umfang im Sekundenbereich erkannt, und ein Hör-Programm mit unterdrückten Bässen, starker Dynamik-Kompression und Ausrichtung auf den Sprecher − oder bei mehreren Sprechern auf den Sprecher vor einem − wird gewählt.

Digital-Programmierbare Analog-Hörgeräte

Die Signalverarbeitung ist analog, lediglich die Einstellung des Hörgerätes findet digital (in der Regel über eine Programmierschnittstelle mit einem PC, in Einzelfällen mit herstellerspezifischen Programmiergeräten) statt.
Diese Technik erlaubt auch die Verwendung von Richtmikrofon, automatischer oder manueller Lautstärke-Regelung, automatische oder manuelle Hörprogrammwahl, Fernbedienung, u. a. Der Hauptvorteil dieser Technologie gegenüber den analogen Hörgeräten ist es, dass sich eine theoretisch unbegrenzte Anzahl von virtuellen Stellern im System unterbringen lassen. Damit wird die Anpassgenauigkeit an den individuellen Hörverlust des Trägers erhöht. Mit dieser Technik konnten Anfang der neunziger Jahre erstmals mehrere – voneinander getrennte – Verstärkerkanäle auf einer übersichtlichen Plattform eingestellt werden.
Funktionen wie Störlärmerkennung und -auslöschung oder Spracherkennung sind damit aber noch nicht umsetzbar. Da die Entwicklung volldigitaler Hörgeräte mit unterschiedlich vielen Leistungsmerkmalen in verschiedenen Preiskategorien immer weiter fortschreitet, verlieren digital-programmierbare Hörgeräteverstärker heute immer mehr an Bedeutung.

Volldigitale Hörgeräte mit Trimmern

Diese speziell in der unteren Mittelklasse befindlichen Hörgeräte besitzen eine volldigitale Signalverarbeitung. Jedoch erfolgen Frequenz- und Dynamikanpassung nicht über den PC, sondern - wie bei reinen Analog-Geräten - über Trimmer (Potentiometer-Schrauben) im Gerät. Hierdurch ist eine computerunabhängige Einstellung des Hörgerätes an jedem Ort möglich. Bei diesen Geräten sind meistens eine passive Tieftonblende und eine Ausgangsbegrenzung als Trimmer vorhanden. (Aufgrund der Gehäusegröße können maximal vier Trimmer angeordnet werden. Vergleichsweise sind bei programmierbaren Digitalgeräten bis zu mehrere hundert Button-Funktionen in der Software enthalten.) Störschallunterdrückungs- oder Musikerkennungs-Algorithmen sind bei diesen digitalen Hörgeräteverstärkern nicht realisiert.

Analoge Hörgeräte

Die Signalverarbeitung und die Einstellung des Hörgerätes sind analog. D. h. die Einstellung wird meistens mit einem Miniatur-Schraubendreher vorgenommen. Auch hier gibt es Merkmale wie Richtmikrofone, automatische oder manuelle Lautstärke-Regelung. Bereits heute haben etliche Hersteller die Produktion analoger Hörgeräte aufgegeben. Sie werden in gleicher Preislage zusehends durch die digitalen Trimmergeräte ersetzt.

Einige Hörgeräte sind mit einem Funkempfänger für die sogenannte FM-Anlage ausgerüstet. Dabei kann dem Gesprächspartner ein Ansteckmikrofon und ein tragbarer Sender übergeben werden, um so bei lärmiger Umgebung, schlechter Akustik oder größerer Entfernung z.B. im Hörsaal/Unterrichtsraum die Sprache selektiv übertragen zu können.

Kostenübernahme

In der Bundesrepublik Deutschland beteiligen sich die gesetzlichen Krankenversicherungen an den Kosten für Hörgeräte mit einem gesetzlich geregelten Festbetrag (Seit dem 1. Januar 2005 bundesweit einheitlich 421,28 Euro für das 1. Hörgerät bei den RVO-Kassen (Knappschaft/BKK/AOK/IKK), 421,-- Euro bei den VdAk-Kassen (BEK/DAK/TK/Hamburg-Münchener/usw.), - allerdings nur in Verbindung mit der kompletten Versorgungspauschale, die eine Maßotoplastik und eine Reparaturpauschale enthält und bei 655,-- Euro liegt -, in Österreich 852 Euro). Trotzdem müssen für hochwertige volldigitale Hörgeräte die Restkosten als Eigenanteil getragen werden, da die Zuschüsse der Krankenkassen nur entsprechend einfache Systeme abdecken. In der Schweiz übernimmt die Invalidenversicherung (IV) die Kosten für Hörgeräte, allerdings nur nach gesundheitlichen und sozialen Abklärungen. In der Regel erhalten Personen, die bei Geburt hörgeschädigt sind oder es im jugendlichen Alter werden, die volle Kostenübernahme. Die Vergütung erfolgt nach Induktionsstufe. Die Indikationsstufe wird nach Hörvermögen, bzw. Sprachverständnis, Beruf, und soziale Notwendigkeit berechnet: Was in welcher Indikationsstufe übernommen wird, steht in der folgenden Tabelle:

Indikationsstufe monaural (ein Ohr) biaural (beide Ohren)
1 max. 1840.- max. 3160.- einfache Versorgung
2 max 2190.- max 3690.- komplexe Versorgung
3 max 2710.- max 4575.- sehr komplexe Versorgung

Quelle: http://www.schwerhoerigkeit.pop.ch

Die IV geht nach dem Motto, wir übernehmen das was umbedingt nötig ist. In den meisten Fällen nur eine Monaurale Hörversorgung (1 Hörgerät). Dazu werden auch die laufenden Beratungstermine und Anpassungen der HörgeräteakustikerIn seitens der IV vergütet. Dabei ist zu beachten das die Hörgerätepreise in der Schweiz viel höher sind als in Deutschland. Ein Hörgerät kostet in der Schweiz mind. 50 % bis 100 % mehr.

In Deutschland können neben den Krankenkassen auch andere Einrichtungen die Kosten für Hörgeräte ganz (oder teilweise) übernehmen. Für berufstätige Menschen können öffentliche Träger wie Arbeitsamt, Rentenversicherungsanstalt oder Landeswohlfahrtsverbände ein Hörgerät als Arbeitshilfsmittel bzw. zum Erhalt der Arbeitskraft und Teilhabe am Berufsleben finanzieren.

Die Versorgungsfestbeträge(weiter unten) decken also nicht nur das Hörgerät, sondern die Beratung, die Messungen für die vergleichende Anpassung UND die Nachsorge ab. Unter Nachsorge versteht man die Feineinstellung nach ca 6 Monaten(nach der Gewöhnung) und eventuelle Nachanpassungen nach ca 3 Jahren, da sich das Ohr vorraussichtlich verändert haben wird.

Anpassung

Der Hörgeräteakustiker oder der HNO-Arzt führt eine Gehörprüfung durch, wird eine Minderung der Hörfähigkeit festgestellt kann der Kunde mit Hörgeräten versorgt werden.
Die Indikationsstellung wird durch den HNO-Arzt vorgenommen.
Die Hörgeräteversorgung wird von einem ausgebildeten Hörgeräteakustiker oder Hörgeräteakustikermeister durchgeführt. Alternativ darf heute auch die Anpassung durch den HNO-Arzt im verkürzten Versorgungsweg durchgeführt werden.

Man muss die Anpassung bei Erwachsenen von der von Kleinkindern und Kindern unterscheiden. Während Erwachsene Rückmeldungen über ihren Höreindruck geben können, muss bei Kindern auf kleinste Verhaltens- und Bewegungsreaktionen geachtet werden.
Durch die Erstellung eines Audiogramms wird die Hörleistung des Patienten ohne Hörgerät und mit Hörgerät (Aufblähkurve bei Kindern, Freifeld-Sprachtest bei Erwachsenen) festgehalten. Eine Skalierung der subjektiven Hörempfindung ist nach heutigen Forschungsergebnissen jedoch die sinnvollste Art, die Anpassung von Hörgeräten zu überprüfen und weiter einzustellen. Hierbei werden dem Kunden verschiedene Klangbilder vorgespielt, die der Kunde bewerten muss. Eine Skalierung ist das Alife-Verfahren das durch die Firma Geers patentiert ist. A-Life ist ein Verfahren zur optimalen Konfiguration und Feineinstellung von Hörsystemen mit Hilfe von natürlichen Klangbeispielen aus dem täglichen Leben. Der Kunde bewertet die ihm vorgespielten Klangbilder nach Lautstärke, Klangfarbe, Sprachverständlichkeit, Rauschen, Verzerrungen und Angenehmheit.
So ist auch bei volldigitalen Hörtechniken eine optimale Einstellung möglich. Dieses war bis jetzt durch Ton und Sprachaudiogramm nicht möglich.


Das Ton und Sprachaudiogramm bildet den Ausgangspunkt für die Auswahl des Hörgerätetyps und die Einstellung des Hörgerätes. Für die Voreinstellung der Hörgeräte lassen sich aus dem Ton- und dem Sprachaudiogramm mittels verschiedener Rechenformeln grobe Richtwerte für frequenzabhängige und pegelabhängige Verstärkung und für den maximalen Ausgangsschalldruckpegel ermitteln (sog. Frequenzanpassung und Dynamikanpassung). Allerdings sind diese Werte nur als Grundeinstellung zu betrachten, da dem subjektiven Hörgefühl des Hörgeräteträgers Vorrang gewährt werden muss. - Als weitere Kontrollinstrumente verfügt der Hörgeräteakustiker noch über eine Messbox (mit verschiedenen Kupplern, die das Gehörgangsvolumen simulieren), die akustische Messungen an Hörgeräten durchführen kann; ferner gibt es eine sog. In-Situ-Messanlage, die mittels eines winzigen Schlauches eine „Vor-Ort“-Pegelmessung im Gehörgang vor dem Trommelfell des Hörgeräteträgers erlaubt. Dieses ist aufgrund verschiedener Gehörgangs-Volumina und unterschiedlicher Otoplastiken, die erhebliche frequenzabhängige Pegeländerungen hervorrufen, erforderlich.

Bei Kindern erfolgt die Anpassung im Freifeld mit der sogenannten Spielaudiometrie. Für Kinder bis etwa 14 Jahre sind nur HdO-Geräte geeignet, da ihr Gehörgang noch wächst. Die Kinder brauchen regelmäßig neue Ohrpassstücke, um ein Abdichten des wachsenden Gehörgangs zu gewährleisten. Die Kinder-Otoplastiken werden vorwiegend aus weichen Materialien gefertigt. Ein Herausfallen der Hörgeräte bei raschen Körperbewegungen (z. B. beim Herumtoben) ist mit weichen Materialien unwahrscheinlicher, da weiche Otoplastiken „anschmiegsamer“ sind. Außerdem ist die Verletzungsgefahr (Acryl-Otoplastik kann brechen) erheblich vermindert.

Das Hörgerät kann im Auslieferungszustand ab Hersteller meist nicht effektiv genutzt werden, sondern muss zunächst optimal eingestellt werden. Auch muss vor der Einstellung geklärt werden, wofür der Betroffene es nutzen möchte und was er für Ansprüche stellt. Es kann also sein, dass dasselbe Hörsystem beim direkten Preisvergleich bei dem einen mehr kostet, bei dem anderen weniger. Dies hängt mit den unterschiedlichen Qualifikationen des Akustikers zusammen. Oft ist es nicht mit einem Besuch getan um mit einem Hörgerät versorgt zu werden.

Siehe auch

Implantierbares Hörgerät für Innenohr-Schwerhörige - teilweise oder vollständig implantierbarer Hörverstärker, der keinen Schall, sondern Vibrationen erzeugt und im Mittelohr an ein Gehörknöchelchen angeschlossen wird (Mittelohr-Implantat).

Cochleaimplantat für Gehörlose oder fast Gehörlose - das „Hörgerät“, das bei abgestorbenen oder nicht vorhandenen Sinneshaaren, aber noch funktionierendem Hörnerv in der Gehörschnecke eingesetzt wird (Innenohr-Implantat). Es erzeugt ein elektrisches Signal, mit dem der Hörnerv gereizt wird.

Mikrowellenbasierte Voice-to-Skull-Geräte können als Hörhilfe dienen oder im Rahmen von Soundtherapie-Anwendungen als Hörerweiterung.

Weblinks

Wikipedia
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