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Hôpital Salpêtrière

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Das Nervenkrankenhaus Hôpital Salpêtrière in Paris war im 19. Jahrhundert die wohl bekannteste psychiatrische Anstalt Europas. Viele psychiatrische Fachausdrücke wurden hier geprägt.

Bild:Pr Charcot DSC09405.jpg
Charcot mit Blanche Wittman, der „Königin der Hysterikerinnen“


Das Hôpital Salpêtrière wurde auf Veranlassung Ludwig XIV. (1638-1715) zusammen mit dem Hôpital des Invalides als Krankenhaus gebaut. Der Name stammt von einer früheren Fabrik auf dem Gelände, in der Munitionspulver, das Salpeter enthielt, hergestellt wurde. Die Salpêtrière war ein gigantischer Moloch mitten in Paris mit bis zu 8.000 Patientinnen. Sie galt auch als das „größte Asyl Europas“, unter den Patienten herrschte eine strenge Hierarchie. Ganz unten, in „Les Loges des Folles“, vegetierten Alte, Bettlerinnen, Demente und chronisch Kranke im Dunkeln vor sich hin, ganz oben „paradierten die Stars“.

1795 übernahm der Psychiatrie-Reformer Philippe Pinel die Leitung der Klinik.

Für die öffentlich zur Schau gestellten Patientinnen - die mitunter auch perfekte Schauspielerinnen in ihrer Rolle „Hysterie“ waren - und ihre behandelnden Ärzte war eigens ein Amphitheater auf dem Gelände der Salpêtrière gebaut worden.

Die Salpêtrière war Ende des 19. Jahrhunderts ein Zentrum der „Frauenkrankheit“ Hysterie. Auch Sigmund Freud lehrte dort, er war kurze Zeit Assistent von Charcot (1825-1893, genannt „Napoleon der Hysterie“). Charcot soll eine Geliebte gehabt haben, eine Patientin namens Jane Avril, die später auch als Modell und Geliebte von Henri Toulouse-Lautrec gilt.

Inzwischen wurde das Hôpital Salpêtrière mit dem Hôpital Pitié zum „Hôpital Pitié-Salpêtrière“, einem Universitätskrankenhaus, zusammengeführt.

Literarisch verankert ist die Klinik im Roman „Das Buch von Blanche und Marie“ von Per Olov Enquist (2004, Stockholm). Heldin des Romans ist Blanche Wittman, die „Königin der Hysterikerinnen“. Sie wurde nach dem Tod von Charcot die Assistentin von Marie Curie, der zweifachen Nobelpreisträgerin (Physik 1903 und Chemie 1911).

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