Groupware

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Als Groupware bzw. Gruppen-Software (auch kollaborative Software) bezeichnet man eine Software zur Unterstützung der Zusammenarbeit in einer Gruppe über zeitliche und/oder räumliche Distanz hinweg. Groupware ist die Umsetzung der theoretischen Grundlagen der computergestützten Gruppenarbeit (Computer Supported Cooperative Work, Abkürzung CSCW) in eine konkrete Anwendung. Gelegentlich werden auch Hardware-Komponenten zu einer Groupware hinzu gezählt.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff Groupware meist nur auf sehr spezielle Systeme für Videokonferenzen oder zur zeitgleichen Bearbeitung von Dokumenten („Shared Whiteboards“) angewandt, die Definition umfasst jedoch viel mehr:

Prominente Beispiele für Groupware sind E-Mail-Clients (vor allem solche mit zusätzlichen Funktionalitäten wie Kontaktverwaltung), Instant Messenger, Wikis, Workflow-Management-Systeme (zur Terminplanung) und Computerspiele, die über ein Netzwerk gespielt werden; weitere Beispielanwendungen finden sich unten.

Inhaltsverzeichnis

Systemeigenschaften

Ziel von Groupware ist stets die Unterstützung eines Gruppenprozesses, also die Erarbeitung eines Resultats oder die Transformation von Informationen von einem Anfangs- in einen Endzustand.

Groupware lässt sich nach verschiedenen Faktoren klassifizieren:

  • 3K-Modell.
    • Kommunikation. In welchem Ausmaß kommunizieren die Teilnehmer miteinander?
    • Koordination. In welchem Ausmaß werden Termine gemeinsam geplant?
    • Kooperation. In welchem Ausmaß wird auf das Erreichen eines gemeinsamen Zieles hin gearbeitet?
  • Ort. Findet die Zusammenarbeit an einem Ort (lokal, zum Beispiel Büro) oder über räumliche Distanz hinweg (verteilt, zum Beispiel zwischen Berlin und Hamburg) statt?
  • Zeit. Findet die Zusammenarbeit zeitgleich (synchron, zum Beispiel Videokonferenz) oder zeitversetzt (asynchron, zum Beispiel e-Mail) statt?
  • Steuerung der Kommunikation. Wird die Kommunikation bewusst vom Teilnehmer gesteuert (explizit, zum Beispiel einen Brief schreiben) oder sind keine ausgeprägten Handlungen notwendig (implizit, zum Beispiel Annahme eines Telefongesprächs)?
  • Struktur. Gibt die Groupware einen Ablaufplan vor (strukturiert, zum Beispiel eine Tagesordnung) oder nicht (unstrukturiert, zum Beispiel Brainstorming)?
  • Größe. Findet die Zusammenarbeit in einer großen (zum Beispiel Vorlesung) oder kleinen Gruppe (zum Beispiel Seminar) statt?

Zentrale Aspekte einer Groupware sind:

  • Awareness. Viele Systeme setzen eine oder mehrere Formen der Awareness (Gruppenerkenntnis) um, d. h. die Software ermittelt selbständig (implizit) Eingabedaten, um dem Benutzer Zeit und Arbeit abzunehmen.
  • What You See Is What I See (WYSIWIS). Das Prinzip beschreibt, welche Teile einer Anwendung bei verschiedenen Benutzern exakt gleich dargestellt werden.
  • Synchronisation und Konsistenzerhaltung. Die Wahrung eines einheitlichen Datenzustandes (Konsistenz) trotz gleichzeitiger Zugriffe auf das Datenmaterial, bzw. die Visualisierung von Konflikten, wo dies nicht möglich ist.
  • Floor-Control. Die Verwaltung der Systemressourcen: Welcher Teilnehmer darf gerade welche Ressource nutzen?
  • Session-Control. Die Verwaltung der Teilnehmer selbst: Wer darf der Gruppe beitreten, welche Rolle nimmt er an?

Architektur

Groupware ist ein verteiltes System, das die gemeinsame Bearbeitung einer Menge von Daten oder Dokumenten ermöglicht. Sie setzt daher stets eines der folgenden Konzepte um:

  • Zentrale Architektur. Alle Teilnehmer (Clients) sind mit einer zentralen Verwaltung (Server) verbunden, über die die gesamte Zusammenarbeit abgewickelt wird.
  • Peer-to-Peer-Architektur. Obwohl alle Teilnehmer über ein Netzwerk aus Servern miteinander verbunden sind, gibt es keine zentrale Verwaltungsinstanz wie in der zentralen Architektur.
  • Hybride Architektur. Die Peer-to-Peer-Architektur wird um einen zentralen Server ergänzt, der jedoch lediglich der Protokollierung dient.

Beispiele für Groupware-Applikationen

Ein Beispiel für eine Groupware-Applikation ist die so genannte PIM-Software (Personal Information Manager). Die Forschungsdisziplin, die sich mit der Untersuchung von Kooperationen mit Rechnerunterstützung beschäftigt, wird als Computer Supported Cooperative Work (CSCW) bezeichnet.

Der Umfang der Programme ist unterschiedlich. Bei den meisten sind Projektmanagement, E-Mail, Kalender und Notizbuchfunktionen enthalten. Viele Groupware-Produkte stellen kaum mehr als diese Funktionen zur Verfügung (PIM-Software). Andere Lösungen beinhalten wesentlich mehr als nur diese Basisfunktionalitäten.

Collaboration Software wird auch als wesentliche Komponente von ECM (Enterprise Content Management) betrachtet.

Bekannte Produkte, die als Groupware bezeichnet werden, sind Wikis, Lotus Notes von IBM, exchange4linux von Neuberger & Hughes, FirstClass, Groupwise von Novell, Citadel, OpenGroupware.org, Open-Xchange, Microsoft Exchange und Microsoft-SharePoint-Technologien. Der Lotus-Notes-Mitbegründer Ray Ozzie begann 1997 Groove zu entwickeln. Die zugehörige Firma wurde 2005 von Microsoft aufgekauft, und in die Ultimate- sowie die Enterprise Edition von Microsoft Office 2007 integriert.

Seit 2002 wird eine freien Groupware namens Kolab entwickelt. Kolab ist eine Server/Client-Lösung und wurde von der Firmen-Dreiergruppe Erfrakon, Intevation und Klarälvdalens Datakonsult AB zusammengestellt. Am 25. Juli 2003 wurde das Projekt der Unternehmen erfolgreich abgeschlossen. Es gibt einen KDE-Client und die Möglichkeiten, Outlook mit proprietären Plug-Ins als Client zu betreiben. Im Gegensatz zu den folgenden freien Lösungen bietet Kolab echte Clients, welche offline arbeiten können. Ein Jahr später wiederum auf dem Linuxtag 2003 wurde von der Firma Skyrix das gleichnamige Produkt nach dem Vorbild von OpenOffice.org unter dem Namen OpenGroupware.org als freie Software freigegeben. Weitere freie Software-Produkte sind eGroupWare, phpGroupWare und PHProjekt.

Siehe auch

Wikipedia
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