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Felix Graf von Luckner
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Felix Graf von Luckner (* 9. Juni 1881 in Dresden; † 13. April 1966 in Malmö) war ein deutscher Seeoffizier und Schriftsteller.
Inhaltsverzeichnis |
Leben vor dem Ersten Weltkrieg
Felix Alexander Nikolaus Graf von Luckner wurde am 9.Juni 1881 in Dresden geboren und wuchs bei seiner Großmutter in Halle/Saale auf. Luckner war der Urenkel von Nicolaus von Luckner, Marschall von Frankreich und Oberbefehlshaber der französischen Rheinarmee, der im 18. Jahrhundert vom dänischen König in den Grafenstand erhoben wurde. Mit 16 Jahren riss er von dort aus und heuerte auf dem russischen Segler „NIOBE“ unter dem Namen „Phylax Lüdecke“ an. 1903 erwarb er an der Navigationsschule Lübeck das Steuermannspatent, 1907 das Kapitänspatent an der Seefahrtschule Papenburg. 1910 heiratete er die Hamburgerin Petra Schultz. Nachdem er schon 1903 bis 1904 ein Jahr als Freiwilliger bei der Kaiserlichen Marine verbrachte, wird Luckner 1910 auf persönliche Weisung von Prinz Heinrich, dem Bruder von Wilhelm II. und Oberbefehlshaber der Marine, zum aktiven Offizier erhoben.
Der Seeteufel
Zu Ruhm gelangte von Luckner im Ersten Weltkrieg, als er als Kapitänleutnant und Kommandant des Hilfskreuzers „Seeadler“, eines motorisierten Segelschiffes, die englische Seeblockade durchbrach. Hierzu tarnte er das Schiff als norwegischen Frachter.
In seinem Buch Seeteufel beschreibt er das Aufbringen von 16 feindlichen Schiffen in einem Zeitraum von Dezember 1916 bis Dezember 1917.
Zur Zahl der Schiffe, die durch Luckner versenkt wurden, schwanken die Angaben zwischen 14 und 23. Im Verlauf dieser Aktionen kam nur ein einziger gegnerischer Seemann ums Leben.
Auch von Seiten der Kriegsgegner wurde Luckner wegen seiner menschlichen Kriegführung geachtet. Als sein Schiff aufgrund eines ungünstig gewählten Ankerplatzes auf einem Riff vor der Insel Mopelia im Pazifik verloren ging, geriet er in Kriegsgefangenschaft.
Seine Bereitschaft zu gewagten Unternehmungen auf See, unter anderem für die deutsche Marine, brachten ihm den Beinamen „Seeteufel“ ein.
Sein Leben nach dem Ersten Weltkrieg
Am 12. Mai 1921 wurde Luckner in die Freimaurerloge Zur goldenen Kugel (Große Landesloge) in Hamburg[1] aufgenommen.
Unter seinem Namen erschienen nach Kriegsende mehrere Bücher. Allerdings bediente er sich einiger Ghostwriter und nur zum Teil entstammen die Texte seiner Feder. Seeteufel war der Titel seines Hauptwerkes. Je nach politischer Lage passte er den Text entsprechend an. Der Graf nutzte seine Popularität, um auf Vortragsreisen in den USA die Amerikaner von den „wahren deutschen Patrioten“ zu überzeugen. Auf seinen Vortragsreisen besuchte er neben den Vereinigten Staaten eine große Zahl anderer Länder.
Luckners persönlichem Einsatz ist es zu verdanken, dass die Stadt Halle an der Saale bei ihrer Eroberung im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört wurde. Im April 1945 drohten die Amerikaner mit massiver Bombardierung Halles für den Fall, dass sich die Stadt nicht ergeben würde. Es gelang Luckner, sich zur US-Armee durchzuschlagen. Nach seiner Vorsprache beim Kommandeur der „Timberwolves“, der amerikanischen Einheit, die Halle erstürmen sollte, konnte er den deutschen Stadtkommandanten überzeugen, aus Halle abzuziehen. Dies geschah entgegen einem ausdrücklichen Führerbefehl, die Stadt „bis zum Letzten“ zu verteidigen. Die Deutschen Truppen zogen nach Süden ab und Halle wurde zur offenen Stadt. Bereits startbereite alliierte Bomberverbände blieben daraufhin am Boden. So konnte Luckner durch seine Verhandlungen die Zerstörung der Stadt verhindern. Luckner wurde dafür nach dem Krieg zum Ehrenoberst der 104. US-Division „Timberwolves“ ernannt.
Als die amerikanischen Truppen später wieder abzogen und die Stadt an die Rote Armee übergaben, ging Luckner in den Westen, wo er weiter Vorträge hielt und Bücher veröffentlichte.
Graf von Luckner war berühmt dafür, bei seinen Auftritten Telefonbücher mit bloßen Händen zu zerreißen und Münzen mit den Fingern zu zerdrücken. Allerdings sollen dabei Tricks eine Rolle gespielt haben. Der Telefonbuchtrick basiert darauf, dass man das Telefonbuch vorher in einem Tiefkühlschrank tiefkühlt.
Seine Memoiren erreichten in den USA Auflagen von mehreren Millionen. Die Amerikaner verliehen dem schon vom Deutschen Reich hoch dekorierten Deutschen über 100 Ehrentitel; unter anderem war er Ehrenbürger San Franciscos.
Graf von Luckner starb im April 1966 in Malmö, wo er mit seiner schwedischen Frau Ingeborg Engeström gelebt hatte. Er wurde auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg beigesetzt.
Aufgrund seines abenteuerlichen Lebens (vgl. „Seeteufel“) war Luckner Ehrenmitglied des Nerother Wandervogels. Des Weiteren ist er der Namenspatron eines 1970 gegründeten Pfadfinderstammes aus Wuppertal.
Zum Anlass seines 125. Geburtstages wurde Luckner durch die Deutsche Post mit der Herausgabe einer Sonderganzsache gewürdigt. In Halle a.d. Saale und Kiel gab es zu diesem Anlass am 8. Juni 2006 Sonderstempel.
Am gleichen Tage veröffentlichte die Graf-Luckner-Gesellschaft eine limitierte Gedenkmedaille, die den Grafen zeigt.
Werke
- Aus dem Leben des „Seeteufels“. Briefe und Aufzeichnungen. Mitteldeutscher Verlag, Halle 2000, ISBN 3-89812-020-1
- Aus siebzig Lebensjahren. Koehler, Biberach/Riss 1955
- Ein Freibeuterleben. Wodni & Lindeke, Dresden 1938.
- Seeteufel. Abenteuer aus meinem Leben. Koehlers VG, Herford 2002, ISBN 3-782-20803-X
- Seeteufels Weltfahrt. Autobiographie. Ullstein, München 2003, ISBN 3-548-25768-2
Literatur
- James N. Bade: Von Luckner. A reassessment, Count Felix von Luckner in New Zealand and the South Pacific. 1917-1919 and 1938. Lang, Frankfurt/M. 2004, ISBN 3-631-52005-0.
- Robin Bromby: German Raiders of the South Seas. Doubleday, Sydney 1985, ISBN 0-86824-093-1.
- James Cowan: „The Pirate of the Pacific. German Naval Officer's daring Escape from his Prison Island and Recapture in Mid-Ocean“. In: The Wide World Magazine, July 1918, S. 253-260.
- E. H. Davis: „The Man Who Met Von Luckner. True story of an encounter with The Seeadler“. In: The World News, 25 June, 1938, S. 7 und 40-41.
- Norbert von Frankenstein: „Seeteufel“ Felix Graf Luckner. Wahrheit und Legende. DSV-Verlag, Hamburg 1997, ISBN 3-88412-282-7.
- Eleanor Fraser: „Count Felix von Luckner and the „Pinmore“. In: Sea Breezes 66. Jg. (1992), S. 772-776.
- Robert Gardiner (Hrsg.): Conway's all the world's fighting ships 1906-1921. Conway Maritime Press, London 1985, ISBN 0-85177-245-5.
- Howard Henry: „The Sea Devil came Calling“. Count von Luckner and his visit to Aitutaki; August/September 1917. Sovereign Pacific Publishing Company, Auckland, 2001, ISBN 0-9582338-1-0.
- Edwin P. Hoyt: Sea Eagle. Tandem Books, London 1972 (US-Ausg. unter dem Titel „Count von Luckner. Knight of the Sea)
- Thomas Lowell: Count Luckner, the Sea Devil. Doubleday, Doran and Co, Garden City, N.Y. 1928.
- David McGill: Island of Secrets. Matiu, Somes Island in Wellington Harbour. Silver Owl Press, Wellington, 2001, ISBN 1-87722837-0.
- Matthias J. Maurer: Our Way to Halle. Der Marsch der Timberwölfe nach Halle. Fliegenkopf Verlag, Halle 2001, ISBN 3-930195-44-5.
- Henry Newbolt: History of the Great War Based on Official Documents. Naval Operations (Bd. 4). Longmans Green and Co., London 1928.
- W. Ruffell: „The Search for Von Luckner, Part 1“. In: The Volunteers. New Zealand Military Historical Journal Vol. 5, no. 5, S. 14-20.
- Carl Ruhen: The Sea Devil. The Controversial Cruise of the Nazi Emissary von Luckner to Australia and New Zealand in 1938. Kangaroo Press, Kenthurst, NSW 1988, ISBN 0-864-17178-1.
- Paul Tichener: The Von Luckner Incident. Lodestar Press, Auckl. 1978.
- John Walter: Die Piraten des Kaisers. Deutsche Handelsstörer 1914-1918. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1996, ISBN 3-613-01729-6.
- Vaughan Yarwood: The History Makers. Adventures in New Zealand Biography. Random House, Glenfield, Auckl. 2002, ISBN 1-86941-541-8.
- Wolfgang Knape: Felix Graf Luckner - Der Seeteufel aus Sachsen. Tauchaer Verlag, Taucha 1999, ISBN 3-89772-008-6.
- H.D. Schenk (Hrsg.): Graf Luckners "Seeadler", Das Kriegstagebuch einer berühmten Kaperfahrt, Carlsen Verlag, Hamburg 1999, ISBN 3-551-88480-3.
Felix Graf von Luckner Gesellschaft
In Halle (Saale) wurde am 29. März 2004 zur Förderung der Völkerverständigung die „Felix Graf von Luckner Gesellschaft e.V.“ gegründet, die sich zum Ziel gesetzt hat, das Werk und die Haltung Luckners zu Humanität und Völkerverständigung in der heutige Zeit fortzuführen. Auch an die Errichtung eines Denkmales sowie eines Museums für Graf Luckner wird gedacht. Bereits nach wenigen Monaten Vereinsgeschichte waren es bereits mehr als 100 Mitglieder aus 14 Nationen.
Verfilmung
Unter dem Titel Graf Luckner wurde im Rahmen einer französisch-deutschen Koproduktion zwischen 1973 und 1975 im deutschen Fernsehen (ARD) eine 39 Episoden lange Abenteuerserie ausgestrahlt, die Felix Graf von Luckner als Helden hatte. Der französische Titel lautete Les Aventures du Capitaine Lückner
Quellen
Weblinks
- Literatur von und über Felix Graf von Luckner im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Website der Luckner Gesellschaft, Halle, Deutschland
- Der Freibeuter des Kaisers - Artikel der PAZ
- Life as a prisoner of von Luckner, account by Carl Singer, captured on the Moa.
- What Really Happened to von Luckners' Seeadler in 1917?, James N. Bade, University of Auckland (PDF file).
- Record of his appearance on This is Your Life US television show, NBC, 4. November 1959.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Luckner, Felix von |
| ALTERNATIVNAMEN | Luckner, Felix Graf von |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Seefahrer und Schriftsteller |
| GEBURTSDATUM | 9. Juni 1881 |
| GEBURTSORT | Dresden |
| STERBEDATUM | 13. April 1966 |
| STERBEORT | Malmö |
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