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Gradtagzahl
Aus Kefk.
Die Gradtagzahl (GTZ) nach VDI 2067 ist ein Maß für den Wärmebedarf eines Gebäudes während der Heizperiode mit der Einheit [Kd/a]. Sie stellt den Zusammenhang zwischen der gewünschten Raumtemperatur zu der Außenlufttemperatur dar. Es ist ein Hilfsmittel zu Bestimmung des Wärmebedarfes eines Wohnraumes.
Die Gradtagzahl (ortsabhängig) wird gemessen, sobald die Außentemperatur unter 15°C, der so genannten Heizgrenze liegt. Sie ist die Summe aus der Differenz einer angenommenen Rauminnentemperatur von 20°C und der jeweiligen durchschnittlichen Tagesaußentemperatur, die vom Deutschen Wetterdienst ermittelt wird.
| Gt20/15: | Gradtagzahl für einen Monat bei ti=20°C und Heizgrenze von 15°C |
| z: | Anzahl der Heiztage eines Monats |
| ti: | mittlere Raumtemperatur von 20°C |
| ta: | mittlere Außentemperatur eines Heiztages |
Inhaltsverzeichnis |
Heizgradtage
Sehr ähnlich werden die so genannten Heizgradtage nach VDI 3807 ermittelt, statt der Innentemperatur wird die Heizgrenze eingesetzt. Sie berücksichtigt interne Gewinne, z.B. durch Sonneneinstrahlung und Personen.
| G15: | Heizgradtage für einen Monat |
| z: | Anzahl der Heiztage eines Monats |
| thg: | Heizgrenze, hier 15°C |
| ta: | mittlere Außentemperatur eines Heiztages |
Beide Werte können ineinander überführt werden.
Anwendung
Gradtagzahlen werden immer dann in der Heizkostenabrechnung verwendet, wenn keine Messwerte vorliegen. Dabei kommen allerdings nicht die absoluten Werte zur Anwendung, sondern Tausendstel (Promille) bezogen auf ein Jahr. Laut VDI-Richtlinie 2067 sind das im Durchschnitt:
| im Monat | ‰ pro Tag | ‰ pro Monat |
|---|---|---|
| Januar | 5,484 | 170 |
| Februar | 5,357 | 150 |
| März | 4,194 | 130 |
| April | 2,667 | 80 |
| Mai | 1,290 | 40 |
| Juni | 0,444 | 40/3 |
| Juli | 0,430 | 40/3 |
| August | 0,430 | 40/3 |
| September | 1,000 | 30 |
| Oktober | 2,581 | 80 |
| November | 4,000 | 120 |
| Dezember | 5,161 | 160 |
Betragen die Heizkosten beispielsweise 625 Euro im Kalenderjahr, so entfallen davon 200 Euro auf die beiden ersten Monate des Jahres. (625 Euro x (170 + 150) / 1000 = 200 Euro)
Da sich neben der Lufttemperatur noch Wind, Luftfeuchtigkeit und Sonnenstrahlung auf die zum Heizen benötigte Energie auswirken, ist die Gradtagzahl nur zur groben Abschätzung geeignet.
Die Gradtagzahl für die Heizzeit ist die Summe der Differenzen zwischen der mittleren Raumtemperatur von 20 °C und den Tagesmitteln der Lufttemperatur über alle Heiztage zwischen dem 1. September und 31. Mai. Bei der Gradtagzahl der Heizperiode werden nur die Heiztage berücksichtigt, die innerhalb der Heizperiode liegen.
Die Gradtagzahl eines Tages ist die Differenz zwischen Innenlufttemperatur von 20 °C und der mittleren Außenluft-Tagestemperatur. Die Gradtagzahl eines Monats ist die Summe der Temperaturdifferenzen über den Monat. Die Gradtagzahl wird aber erst ab der Heizgrenze von 15 °C Außentemperatur (=AT) ermittelt. Folgende Tabelle stellt einige (Tages)Beispielwerte dar:
| AT [°C] | GTZ [1] |
|---|---|
| >15 | 0 |
| 10 | 10 |
| 5 | 15 |
| − 5 | 25 |
Die Gradtagzahl wird zur Abschätzung des Heizenergiebedarfs eines Gebäudes an einem bestimmten Standort verwendet und dient darüberhinaus zur Normierung (=Klimabereinigung) von Heizenergieverbräuchen. Mittels folgender Formel kann ein bestimmter Heizenergieverbrauch (HEVspez) klimabereinigt als HEVnorm angegeben werden:
, wobei die GTZnorm den langjährigen Mittelwert für den betrachteten Zeitraum angibt.
Somit kann man sehen, ob sich verändernde Verbräuche klimatische Ursachen haben (strenger Winter) oder aber vom veränderten Heizverhalten der Nutzer stammen.
Berechnung der Gradtagzahl für einen Monat
Es wird angenommen, dass die Heizgrenztemperatur 15 Grad beträgt und die Innenraumtemperatur 20 Grad sein soll. Die Heizgrenztemperatur und die Innentemperatur können variiert werden. Für einzelne Tage (z.B. 29. April) muss bei keine Gradtagszahl berechnet werden, da der Tag im mittel wärmer als die Heizgrenztemperatur von 15 Grad war.
| Datum | Tagesmitteltemperatur in °C | Gradtagszahl |
| 01. April 2000 | 5,5 | 14,5 |
| 02. April 2000 | 8,0 | 12,0 |
| 03. April 2000 | 10,7 | 9,3 |
| 04. April 2000 | 8,2 | 11,8 |
| 05. April 2000 | 4,6 | 15,4 |
| 06. April 2000 | 5,0 | 15,0 |
| 07. April 2000 | 5,1 | 14,9 |
| 08. April 2000 | 4,7 | 15,3 |
| 09. April 2000 | 5,4 | 14,6 |
| 10. April 2000 | 5,8 | 14,2 |
| 11. April 2000 | 6,9 | 13,1 |
| 12. April 2000 | 6,2 | 13,8 |
| 13. April 2000 | 7,5 | 12,5 |
| 14. April 2000 | 7,4 | 12,6 |
| 15. April 2000 | 10,7 | 9,3 |
| 16. April 2000 | 9,8 | 10,2 |
| 17. April 2000 | 14,0 | 6,0 |
| 18. April 2000 | 14,2 | 5,8 |
| 19. April 2000 | 13,7 | 6,3 |
| 20. April 2000 | 14,2 | 5,8 |
| 21. April 2000 | 16,9 | 0,0 |
| 22. April 2000 | 19,6 | 0,0 |
| 23. April 2000 | 21,4 | 0,0 |
| 24. April 2000 | 16,5 | 0,0 |
| 25. April 2000 | 11,0 | 9,0 |
| 26. April 2000 | 15,4 | 0,0 |
| 27. April 2000 | 19,2 | 0,0 |
| 28. April 2000 | 20,2 | 0,0 |
| 29. April 2000 | 21,2 | 0,0 |
| 30. April 2000 | 19,6 | 0,0 |
| April insgesamt | 241,4 |
Für die Berechnung der Gradzahltemperatur wird daher die mittlere Temperatur pro Tag an einem Standort benötigt (Siehe Weblinks).
Siehe auch
- Wachstumsgradtag bei Pflanzen
Weblinks
- Deutschlandkarte mit Gradzahltagen des Deutschen Wetterdienstes
- Gradtagszahlen in Deutschland (Institut für Wohnen, Darmstadt) Beinhaltet auch die mittleren Werte pro Wetterstation zwischen 1977 und 2005.
- Tageswerte der Klimadaten verschiedener Wetterstationen in Deutschland. Quelle: Deutscher Wetterdienst
