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Glyphe

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In der Typografie ist eine Glyphe die grafische Darstellung eines Schriftzeichens, zum Beispiel eines Buchstabens, eines Silbenzeichens, einer Ligatur oder eines Buchstabenteils. Die Glyphe bildet dabei in sich eine grafische Einheit.

Inhaltsverzeichnis

Zeichen und Glyphe

Die Glyphe ist die grafische Form eines Zeichens. Das Zeichen ist die abstrakte Idee eines Buchstabens oder eines anderen Schriftsymbols. Die Glyphe ist deren konkrete grafische Darstellung. Elektronische Texte wie dieser hier werden als abstrakte Zeichen (als Codes) gespeichert, und ihre Erscheinungsform hängt von der jeweils gewählten Schriftart ab. Dieser Gebrauch des Begriffpaares Zeichen - Glyphe ist vor allem durch die Unicode-Veröffentlichungen (siehe Weblink; englisch "Zeichen" = "character") geprägt. Es ist eine sprachunabhängige Begrifflichkeit. Diskussionswürdig ist die Frage, inwieweit die Begriffe auch unabhängig von einzelnen Schriftsystemen (lateinische Schrift, kyrillische Schrift usw.) zu verstehen sind.

Die parallele linguistische Begrifflichkeit Graphem - Graph bzw. Allograph ist dagegen sprachabhängig. Das heißt, hier geht es um die Formvarianten eines Zeichens/Buchstabens innerhalb einer Sprache. Das I ohne Punkt und das İ mit Punkt sind unterschiedliche Zeichen. (Beide Zeichen können als verschiedene Glyphen auftreten: kursiv, fett usw.) Im Türkischen sind es auch unterschiedliche Grapheme. Im Deutschen und vielen anderen Sprachen sind es aber Varianten desselben Graphems (Allographe).

In der Datenverarbeitung umfasst der vieldeutige englische Begriff „character“, in etwa „abstraktes Zeichen“, neben den Graphemen auch Leerzeichen, Steuer- und Formatierungszeichen, also sämtliche zur Textspeicherung, -verarbeitung und -darstellung notwendigen Zeichen, auch solche, denen keine Glyphe zugeordnet ist.

Ligaturen

Die Zeichenfolge fl kann sowohl durch zwei einzelne Glyphen jeweils für f und l als auch als Ligatur durch eine einzelne Glyphe dargestellt werden.

Die folgenden Zeichen sind als einzelne Glyphen ohne Ligatur dargestellt:

Bild:Keine ligaturen.png

Die gleichen Zeichen als Ligaturen dargestellt. Jede Ligatur dabei ist eine Glyphe:

Bild:Ligaturen.png

Im Spezialfall können zur Bildung der Ligaturglyphe auch einzelne Glyphen überlappend gesetzt sein.

Glyphenvarianten

Bild:Zapfino glyphe.gif
Glyphenvarianten des Buchstaben "a" in der Schrift "Zapfino"

Derselbe Buchstabe kann auch innerhalb einer Schriftart in verschiedenen Gestaltungsvarianten vorliegen. Johannes Gutenberg entwarf zur Darstellung der Zeichen seines Alphabets für den Bibeldruck etwa 290 verschiedene Schriftzeichen.

In vielen Zeichensystemen gibt es eine Vielzahl unbedingt notwendiger stellungsabhängiger Glyphenvarianten von Graphemen.

Bei der arabischen Schrift zum Beispiel gibt es mehrere Glyphen für einen Buchstaben, da das Aussehen der Buchstaben von benachbarten Buchstaben beeinflusst wird.

Das trifft auch auf das griechische Sigma zu, das am Wortende mit der Glyphe "ς", sonst aber als "σ" geschrieben wird, und in der Frakturschrift das lange und das runde s.

Unterschiedliche Buchstaben können aber auch durch dieselbe Glyphe dargestellt werden. In einigen Schriften sind zum Beispiel I (großes i) und l (kleines L) nicht zu unterscheiden.

Computer

Zur Zeichendefinition im Computer gehört ebenfalls die grafische Form (Glyphe) und die Kodierung (Zeichenzuordnung zur Zeichenposition). Ein und dieselbe Glyphe kann dabei für mehrere Zeichen verwendet werden. Zum Beispiel wurden auf alten Schreibmaschinen die Umlautzeichen ¨ auf eine extra Taste gelegt und bildeten so (zum Beispiel auf dem Typenrad) eine getrennte Glyphe. Zusammen mit den Zeichen a, o und u bildeten sie die Zeichen ä, ö und ü. Dieselbe Methode kann (intern) für die Zeichenkodierung in Computerprogrammen verwendet werden.

Bei der Speicherung von Text im Computer gibt es auch abstrakte Zeichen, denen keine Glyphen zugeordnet werden. Das einfachste Beispiel ist dabei das Leerzeichen. Ein weiteres Beispiel für ein sinntragendes abstraktes Zeichen ohne Glyphe findet sich bei mathematischen Formeln. beispielsweise ist "2a" eine Repräsentationsform von "2 * a". Bei der Kurzdarstellung denkt man sich ein Multiplikationszeichen dazu. Will man aber einen in der Kurzfassung repräsentierten Ausdruck mit einem Computer berechnen, braucht man zwischen "2" und "a" ein unsichtbares bzw. glyphenloses Multiplikationszeichen. Es ist als U+2062 im Unicode enthalten

Siehe auch

Weblinks

Wikipedia
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