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Gesellschaftsberatung

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Gesellschaftsberatung ist ein Terminus, der meistens im Zusammenhang mit dem Begriff Politikberatung genannt wird und von diesem abzugrenzen ist. Gesellschaftsberatung ist Kommunikation. Diese Kommunikation kann zwischen zwei oder mehreren gleichberechtigten Partnern stattfinden. Wenn eine solche Kommunikationsbeziehung vorliegt, dann bedeutet dies, dass sich die Teilnehmer der Kommunikation entweder gegenseitig beraten, oder dass sie sich beratschlagen, indem sie in einen Diskurs über ein Problem eintreten (deliberation). Zumeist wird der Begriff der Beratung aber für ein asymmetrisches Kommunikationsverhältnis verwendet (consultation). Auf der einen Seite steht dabei der Berater und auf der anderen Seite der zu Beratende. Der Beratende hat gegenüber dem zu Beratenden einen Informationsvorsprung.

Definition

Für die Definition von Gesellschaftsberatung erscheint es sinnvoll, zunächst einmal an die gebräuchlichere Verwendung des Begriffs anzuknüpfen und von einer solchen asymmetrischen Beziehung auszugehen. Um eine solche Kommunikationsbeziehung zu analysieren, kann auf die sogenannte Lasswell-Formel zurückgegriffen werden.

„Wer“ sagt „was“ zu „wem“ durch „welchen Kanal“ mit „welchem Effekt“?

Zu wem wird bei der Gesellschaftsberatung etwas gesagt? Die Antwort darauf ist offensichtlich: die Gesellschaft ist Adressat der Beratung. Wer aber genau damit gemeint ist – die wahlberechtigten Bürger, die politisch aktiven Bürger, einzelne Organisationen der Zivilgesellschaft oder einzelne Segmente bzw. Gruppen der Gesellschaft – ist fraglich. Um die Gesellschaftsberatung von anderen Formen der Beratung abzugrenzen, die sich üblicher Weise an Partikularinteressen orientieren und einzelnen Akteuren dienen, sollte der Begriff der Gesellschaftsberatung für eine öffentliche Kommunikation reserviert bleiben, die sich prinzipiell an alle Bürger wendet und für alle Gesellschaftsmitglieder grundsätzlich ohne Beschränkung zugänglich ist.

Wer soll die Gesellschaft beraten? Die Gesellschaftsberatung sollte auf den Erkenntnissen (hochrangiger) unabhängiger Wissenschaftler beruhen, welche ihre wissenschaftlichen Ergebnisse selbst oder mit Hilfe professioneller Vermittler dem gesellschaftlichen Diskurs zur Verfügung stellen. Insbesondere durch den Verweis auf die Notwendigkeit der Vermittlung, wird die Problematik der Kommunikation zwischen Experten und Laien thematisiert. Hierbei handelt es sich zwar nicht um ein neues Problem, sondern um die klassische Aufgabe und Herausforderung des Wissenschaftsjournalismus. Wenn es das Ziel der Gesellschaftsberatung ist, relevante Informationen für die gesamte Gesellschaft bereitzustellen, dann ist für eine angemessene Beratung eine abgestufte Vermittlung – mit mehreren Stufen der Komplexitätsreduktion – notwendig.

Das „Was?“ der Gesellschaftsberatung. Inhaltlich geht es bei der Gesellschaftsberatung darum, die Zukunftsfragen der Gesellschaft klar und deutlich zu formulieren und die politisch Handelnden sowie die Öffentlichkeit bei der Suche nach Antworten unterstützen. Was die wichtigen Zukunftsfragen der Gesellschaft sind, lässt sich nicht ohne weiteres klären. Genannt werden Themenfelder wie: „Energie, Sozialstaat, Zuwanderung, Gesundheit, Umwelt und Verkehr“ sowie die „Beschleunigung des Wirklichkeitswandels, die demographische Entwicklung in unserer Gesellschaft, Klima, Erziehung, Staatsverdrossenheit und Familie.“1 Aus der Perspektive anderer Wissenschaftsdisziplinen, wäre diese Liste sicherlich zu ergänzen.

Die Effekte der Gesellschaftsberatung

Die tatsächlichen Effekte der Gesellschaftsberatung lassen sich nicht theoretisch bestimmen, sondern nur empirisch ermitteln. Die Ziele sind Benennung der Probleme (Agenda Setting) und Unterstützung der Gesellschaft bei der Suche nach Problemlösungen durch die Bereitstellung von Wissen!

Die Kanäle der Gesellschaftsberatung müssen die Übermittlung der relevanten Wissensbestände an die Gesellschaft ermöglichen. Da die ganze Gesellschaft erreicht werden soll, muss es sich um Massenmedien handeln. Für eine effektive Nutzung der Wissensbestände sollen diese in öffentlichen und leicht zugänglichen Datenbanken verfügbar gemacht werden, in denen eine schnelle, einfache und präzise Recherche durch alle Interessierten möglich ist. Der unverzichtbare Kanal der Gesellschaftsberatung wäre somit eine im Pull-Modus abrufbare öffentlich zugängliche Datenbank. Eine weitere notwendige Ergänzung des Medienarsenals zur Gesellschaftsberatung lässt sich aus der genannten Agenda Setting Funktion ableiten. Demnach gehört es auch zu den Aufgaben der Gesellschaftsberatung, die Gesellschaft auf wichtige Probleme aufmerksam zu machen. Dazu reichen Pull-Medien nicht aus. Die aktive Thematisierung von Problemen ist nur mit Hilfe von Push-Medien möglich. Wenn man Beratung als einen interaktiven Prozess versteht, bei dem der Beratende (auch) auf die Fragen derjenigen reagiert, die Wissen nachfragen und möglicherweise sogar erst auf deren Anfrage entsprechendes Wissen generiert, dann reicht eine im Pull-Modus abrufbare Datenbank nicht aus, dann müsste die Gesellschaftsberatung durch interaktive Medien, die eine mehrstufige Kommunikation zwischen den Partner ermöglichen, ergänzt werden.

Nach dem zuvor skizzierten Modell der asymmetrischen, administrativen Gesellschaftsberatung sind es (exzellente) Wissenschaftler, die die Gesellschaft beraten. Die Beratung erfordert nach diesem Modell die Lösung folgender Probleme:

  1. Wissenschaftler müssen für die Gesellschaftsberatung relevantes Wissen produzieren.
  2. Die Wissensbestände müssen so aufbereitet werden, dass Nichtexperten dieses Wissen nutzen können.
  3. Das Wissen muss auf geeigneten Wegen der Gesellschaft verfügbar gemacht werden.
  4. Es müssen Mittel etabliert werden, mit denen die Gesellschaft auf neue, gesellschaftlich relevante Probleme aufmerksam gemacht werden kann.

Ein solches Modell konzeptionalisiert die beratende Wissenschaft als homogene Instanz, die sich problemlos über die Relevanz und die Richtigkeit von wissenschaftlichen Ergebnissen und die Exzellenz von Wissenschaftlern einigen kann. Eine solche Sichtweise ist jedoch naiv und unrealistisch und muss von daher ergänzt werden. Gesellschaftsberatung ist demnach nicht primär als eine administrative Aufgabe der Wissenschaft zu konzipieren, durch die der Gesellschaft relevantes Wissen zur Verfügung gestellt werden soll, sondern vor allem als Prozess der Selbstberatung, bei dem theoretisch alle Bürger – tatsächlich aber wohl vor allem die in den unterschiedlichen Organisationen der Zivilgesellschaft engagierten Bürger – den gesellschaftlichen Diskurs führen und sich dafür das nötige Wissen, dass für eine aktive Gestaltung der Gesellschaft notwendig ist, eigenverantwortlich beschaffen. In einem solchen Modell steht die aktiv sich informierende und partizipierende Bürgerschaft im Mittelpunkt, die sich im offenen Diskurs über die gesellschaftlich relevanten Themen austauscht. Eine solche Konzeption setzt ein sehr hohes Maß an Medienkompetenz voraus. Nur wenn die Bürger über die notwendige Medienkompetenz verfügen, um in dem verwirrenden Angebotspluralismus der konkurrierenden Wissensangebote die geeigneten zu finden und auszuwählen, kann Gesellschaftsselbstberatung funktionieren. Im Rahmen dieses Konzepts wäre die zentrale Aufgabenstellung einer administrativen Gesellschaftsberatung die Vermittlung von Medienkompetenz.

Fußnoten

1 http://idw-online.de/pages/de/news71879

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