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Geschichte Burkina Fasos
Aus Kefk.
Die Geschichte Burkina Fasos ist geprägt von der ethnischen Vielfalt des Territoriums und der mittelalterlichen Staatenbildung vor allem der Mossi, deren Reiche bis zur Ankunft der Franzosen am Ende des 19. Jahrhunderts Bestand hatten und der folgenden Kolonisation durch Frankreich. In den ersten Jahrzehnten des seit 1960 unabhängigen Staates (bis 1984 Obervolta) kam es durch zahlreiche Putsche zu politischer Instabilität und der Revolution des Thomas Sankara. Seit 1991 ist unter Blaise Compaoré eine neue Ära angebrochen, die sich in zunehmender Demokratisierung ausdrückt.
Vor- und Frühgeschichte
Archäologische Funde auf burkinischem Territorium beweisen eine Siedlungsgeschichte, die mindestens vor 14.000 Jahren begann. Die frühen Bewohner waren Jäger und Sammler, von denen 1973 zahlreiche Artefakte, wie zum Beispiel Meißel und Schaber, gefunden wurden. Um etwa 3600 v. Chr. bis 2600 v. Chr. machten sie sich sesshaft, begannen mit Ackerbau und dem Anlegen von festen Siedlungen. Vor etwa 3500 Jahren begannen die Menschen mit der Nutzung von Eisen und Keramik, Grabbeilagen lassen auf ein sich entwickelndes spirituelles Bewusstsein schließen. Vor etwa 3000 Jahren bauten die Menschen bei Tin-Akoff Perlhirse an.
Fundstellen von frühzeitlichen Artefakten sind vor allem in der Gegend der Pics de Sindou im Südwesten und am Mare d'Oursi im Norden des Landes.
Es konnten Felsmalereien mit Darstellungen von Eidechsen, Schildkröten, Pferden und Antilopen entdeckt werden. Besonders die gegend um Markoye im Sahel ist reich an Felszeichnungen.
Präkoloniale Ära
Einige der heute in Burkina Faso lebenden Ethnien, zum Beispiel die Dogon, waren schon zum Ende des ersten Jahrtausends nach Christus auf dem heutigen Gebiet ansässig und in autonomen Gemeinschaften organisiert. Um das 12. Jahrhundert begann die Zeit der großen Wanderungen, die nach und nach die ethnischen Gruppen aus Ghana oder Mali ins Land brachten, die bis heute die burkinische Bevölkerung ausmachen.
Reiche der Mossi
Im 15. Jahrhundert zogen die Mossi aus dem Norden des heutigen Ghana in den Norden, was ihrer Mythologie nach folgendermaßen stattfand; Prinzessin Yennenga zog, um sich dem Einfluss ihrer Familie zu entziehen in Richtung Norden und bekam mit dem Jäger Rialé einen Sohn namens Ouédraogo, der in der Folge aus dem von seinen Eltern gegründeten Dorf, das Reich Tenkodogo schuf, das älteste der Mossireiche. In diesem streng hierarchisch strukturierten Staat lag die Basis für die Macht der Mossiherrscher in den folgenden Jahrhunderten. Ouédraogos Sohn Oubri zog später weiter in Richtung Westen und stieß auf das Siedlungsgebiet der Nyonyonsé. Er eroberte deren Hauptstadt Kombentinga und gründete Wogodogo, das spätere Ouagadougou. Er ernannte sich zum Moogho Naba, dem Herrscher über die Mossi und begründete damit die Dynastie von Oubritenga. Die Nyonyonsé assimilierten sich im laufe der Zeit mit den Mossi. Aus den Nachfolgern Oubris entstanden unzählige kleine Fürstentümer sowie das Reich Yatenga im Norden. Über Jahrhunderte konnten sich die Mossi behaupten und den Einfluss des Islam aus dem Norden abwehren. Erst 1785 trat der erste Moogho Naba zum Islam über, die traditionellen Glaubensvorstellungen und Bräuche wurden allerdings nicht aufgegeben. Die Mossireiche behielten ihre Macht und Bedeutung bis zur Ankunft der Franzosen Ende des 19. Jahrhunderts.
Im Osten bestand das Reich Gulmu der Gourmantché, die eng mit den Mossi verwandt sind und deren Ursprünge ebenfalls im Norden Ghanas liegen. Der legendäre Gründer des Reiches, Diaba Lumpo, soll mit Ouédraogo verwandt gewesen sein. Auch Gulmu war hierarchisch organisiert und konnte Angreifer (Fulbe, Hausa) abwehren.
Gwiriko und Kénédougou: Reiche im Westen
Im Westen existierte das Reich Kong der Dynastie der Ouattara. Tiéba Ouattara, erster König Kongs, eroberte Ende des 17. Jahrhunderts große Gebiete zwischen den Flüssen Comoé und Volta, die das Reich Gwiriko bilden sollten. Nach seinem Tod im Jahre 1729 versuchten seine Nachfolger die Lobi, Samo und Dogon zu erobern, scheiterten aber daran, was eine Schwächung des Reiches zur Folge hatte, die bis zur Ankunft der Franzosen nicht mehr überwunden wurde. 1825 entstand das Reich Kénédougou unter Führung der Traoré.
Fulbe und Tuareg im Norden
Im 15. Jahrhundert zogen die Fulbe aus dem Gebiet des heutigen Senegal in den heute burkinischen Sahel. Sie ließen sich überall dort in kleinen Gruppen nieder, wo ihre Rinderherden Wasser fanden. 1810 konnten die muslimischen Fulbe den Machtanspruch der Gourmantché abwehren und das Emirat Liptako als unabhängigen Staat mit der Hauptstadt Dori errichten. Westlich davon existierte das Emirat Djelgodji mit der Hauptstadt Djibo.
Aus dem Norden kommend und die Fulbe angreifend, wurden die Tuareg von diesen zurückgeschlagen und gründeten nördlich Liptakos ihr Reich Oudalan.
Französische Kolonialzeit
Beginn des europäischen Kolonialismus am Ende des 19. Jahrhunderts
Der erste Europäer, dem Kontakt mit den Bewohnern des heutigen Burkina Faso nachgewiesen werden kann, ist der deutsche Afrikaforscher Heinrich Barth. Während seiner Reise durch Nord- und Westafrika hielt er sich etwa eine Woche lang in Dori auf, der Hauptstadt des damaligen Fulbe-Emirats Liptako. Nach der Kongokonferenz 1884/1885 begannen Franzosen, Briten und Deutsche den Wettlauf, um das bis dahin noch isolierte Hinterland mit den Reichen der Mossi unter ihre Kontrolle zu bringen. Gottlob Krause, auf wissenschaftlicher Mission, besuchte am 24. September 1886 als erster Europäer Ouagadougou, wo er von der Prinzessin Baouré Sandwidi beherbergt wurde. 1894 versuchte Ernst von Carnap-Quernheimb von der deutschen Kolonie Togo aus, Ouagadougou zu erreichen. Er musste in Kombissiri umkehren, da ihm seine Boten vom Moogho Naaba die kategorische Ablehnung eines Besuchs in Ouagadougou überbracht hatten.
Der Brite George Ferguson besuchte Ouagadougou am 2. Juli 1894 von der südlich gelegenen britischen Kolonie Goldküste aus und schloss einen Protektorats- und Freundschaftsvertag mit dem Moogho Naba. Dies sorgte für Unmut bei den Franzosen, die seit 1887 versucht hatten, einen solchen Vertrag zu schließen. 1887 war Louis-Gustave Binger in Ouagadougou angekommen, und mit seinen Bemühungen ebenso erfolglos geblieben, wie nach ihm Spitzer und Crozat. Zuletzt war es Louis-Parfait Monteil gewesen, der 1890 vom Moogho Naaba aus Ouagadougou verwiesen wurde. Dem von den Franzosen vorgegebenen Wunsch nach Freundschaft wurde von den Mossi mit Misstrauen begegnet; sie hatten vielmehr den Eindruck, dass sie auf diese Weise erobert werden sollten.
In den folgenden Jahren scheiterten die Franzosen mehrfach, von Dahomey aus mit Militärs nach Ouagadougou vorzudringen. Ein Jahr nach Fergusons Vertrag mit dem Moogho Naaba konnte Frankreich schließlich einen Protektoratsvertrag mit dem Herrscher von Gulmu, dem Nachbarreich der Gourmantché im Osten, abschließen. Franzosen und Deutsche zweifelten die Gültigkeit des britischen Vertrages an und die Franzosen unter Georges Destenave setzte nun alles daran, von Französisch-Sudan aus Ouagadougou zu erreichen. Auf dem Wege dorthin lag das Reich Yatenga, das von internen Machtstreitigkeiten geplagt war. Sowohl der König als auch seine Gegner baten 1894 Frankreich um militärische Hilfe im Konflikt um die Herrschaft über das Reich. Dies wurde abgelehnt, mit dem Hinweis, dass ohne abgeschlossene Bündnisverträge kein Eingreifen möglich sei. Gleichzeitig arbeitetet die Franzosen an ihren militärischen Plänen; die mission Destenave verließ am 28. April 1895 Bandiagara in Richtung Ouahigouya, der Hauptstadt Yatengas.
Eroberung und Kolonisierung durch die Franzosen um 1900
Destenave erreichte Ouahigouya am 12. Mai und traf mit Naaba Baoogho zusammen, dem Herrscher über Yatenga, der sich angesichts der wachsenden Popularität des Prinzen Bagaré, seinem ärgsten Widersacher, bedroht fühlte. Die franzosen stellten seine letzte Hoffnung dar. Vorgabe des Gouverneurs der Kolonie Französisch-Sudan an Destenave war es, sich durch das Machtgeflecht der Mossireiche zu navigieren und durch Protektoratsverträge das Recht zu erlangen, sich im Geltungsbereich niederzulassen. Nach tagelangen Verhandlungen sah sich Naaba Baogho gezwungen, am 18. Mai 1895 einen Proktektoratsvertrag zu unterzeichnen, mit dem er seine Macht abgab, und sein Reich den Franzosen unterstellte. Destenave weigerte sich, dem Naaba in seinem Kapf gegen die internen Gegner zu unterstützen. Zwei Tage nach Destenaves Auszug aus Ouahigouya kam Naaba Baogho bei Kämfen gegen Prinz Bagaré ums Leben, der daraufhin zum König des nun machtlosen Reiches ernannt wurde. Destenave setzte währenddessen seinen Marsch nach Ouagadougou fort. Von der Feindseligkeit der Bewohner Yakos gewarnt, ließ sich Destenave davon überzeugen, den Rückzug anzutreten, da ihm Informationen zugetragen wurden, dass der Moogho Naaba in Ouagadougou bereit war, die kleine Gruppe der Franzosen anzugreifen und zurückzudrängen. Destenave, ein vorhersehbares Desaster vermeiden suchend, kehrte nach Bandiagara zurück.
Das für die Kolonien zuständige Ministerium verstärkte nun seine Planungen, Ouagadougou militärisch endgültig zu unterwerfen und beauftragte Paul Voulet damit, eine Mission, die mission Voulet-Chanoine, Engländern und Deutschen zuvorzukommen und das Reich zu erobern. Den Großteil seiner Truppe bestand aus einheimischen Soldaten der Nachbarkolonien. Am 30. Juli 1896 verließ er Bandiagara mit dem Vorsatz, allen Widerstand blutig niederzuschlagen; so ließ er die Dörfer der Widerständler niederbrennen, das Vieh töten und die Felder verwüsten, womit er die Bevölkerung Hungersnöten aussetzte. Die Kolonne von Julien Chanoine war nun dazugestoßen und am 21. August begann der Marsch auf Ouagadougou. Die Kundschafter, die vorrausgeschicht worden waren, wurde vom Moogho Naaba verjagt. Einige Kilometer vor Ouagadougou griffen Reiter der Mossi am 1. September unter Führung des Kamsaoghin-Naaba die Franzosen an und beschossen sie unter anderem mit vergifteten Pfeilen. Voulet kämpfte sich mit Waffengewalt seiner besser ausgestatteten Soldaden bis Ouagadougou vor; die zusammengewürfelte Truppe der Mossi, deren Zahl mit 2000 bis 10.000 Mann vermutet wurde, war deutlich unterlegen. Auf Seiten der Franzosen waren einige Verletzte zu beklagen. Da sich der Moogho Naaba auf Anraten seiner Entourage aus der Stadt geflüchtet hatte, konnten die Franzosen, trotz des militärischen Erfolges der Eroberung von Ouagadougou, das Reich noch nicht politisch unterwerfen. Voulet hatte seine Zelte vor dem Palast des Moogho Naab aufgebaut, ließ des Nachts gesandte Späher der Mossi verjagen und Händler der Hausa zur Abschreckung auf dem Markt hinrichten. Am 7. September ließ der Moogho Naaba Ouagadougou von Reitern angreifen, unter dem Beschuss der Franzosen mussten sie sich aber zurückziehen. Der Widerstand war gescheitert, der Moogho Naaba gezwungen, in der britischen Kolonie Goldküste Zuflucht zu suchen.
Voulet konnte in der Folge einen Protektoratsvertrag mit den damals als Gurunsi bezeichneten Ethnien im Süden abschließen, und drang bei seinen Vorgesetzten auf die Errichtung einer dauerhaften Garnison in Ouagadougou und die vollständige politische Unterwerfung. Diese wurde durch den Vertrag vom 20. Januar 1897 erreicht; der geflohene Moogho Naaba hatte ein Machtvakuum hinterlassen, das den Traditionen der Mossi zufolge geschlossen werden musste. Die übrigen Naabas in Ouagadougou unterwarfen sich mit dem Vertag den Franzosen und kürten einen neuen Moogho Naaba.
Die Grausamkeit Voulets zeigte sich auch später bei der Unterwerfung der Samo. 1904 wurden die eroberten Gebiete Teil der Kolonie Obersenegal und Niger.
Während des Ersten Weltkriegs kam es zu schweren Revolten, da sich die Bevölkerung gegen die Zwangsrekrutierungen durch die französische Armee aufzulehnen versuchte.
Gründung der Kolonie Obervolta 1919
1919 wurde eine neue, in sieben Kreise geteilte, Kolonie Obervolta mit dem Gouverneur Édouard Hesling an der Spitze geschaffen. Mit diesem Schritt wollte man die Migration in die britische Kolonie Goldküste eindämmen und den islamischen Einfluss aus dem Norden, der bei den Revolten der vorangegangegen Jahren eine Rolle gespielt hatte, von den den Mossi fernhalten, die – wenn überhaupt – den Islam nur locker praktizierten. Die auf drei Millionen Menschen geschätzte Bevölkerung galt den Franzosen als wirtschaftliches Potenzial; Zwangsarbeit und Zwangsmigration (vor allem in die Elfenbeinküste) veränderten das Leben Hunderttausender Menschen massiv. Zwangsarbeiter wurden zum Ausbau der Infrastruktur eingesetzt, den die Bevölkerung durch hohe Steuern und Abgaben finanzieren musste, da die Entwicklung der Kolonien ohne Hilfe des Mutterlandes funktionieren sollte. In jedem Dorf musste auf Gemeinschaftsfeldern Baumwolle angebaut werden.
Diese Politik der Kolonialverwaltung unter Hesling hatte nicht die erhofften Effekte; vielmehr verarmte die ländliche Bevölkerung und die Auswanderung in die Goldküste nahm wieder zu.
1926 wurden die Städte Ouagadougou und Bobo-Dioulasso als eigenständige communes gegründet, 1927 der Kreis Say an die Kolonie Niger angeschlossen. Vertreter der Kolonie im Conseil supérieur des colonies war Louis Proust. Wahlberechtigt waren nur Französische Staatsbürger, ihre Zahl betrug etwa 300, darunter auch einige senegalesischen Ursprungs.
Aufteilung Obervoltas unter den Nachbarkolonien 1932
Die französischen Herrscher lösten Obervolta 1932 wieder auf und teilten es unter den Nachbarkolonien Elfenbeinküste, Niger und Französisch-Sudan auf, da die Kolonie sich als nicht rentabel erwiesen hatte. Vor allem der bevölkerungsreiche Teil, der der Elfenbeinküste zugeschlagen wurde, sollte als Reservoir von Arbeitskräften dienen; durch den Wegfall der Grenze wurde der Einsatz der Obervoltaer in den Plantagen der Elfenbeinküste vereinfacht.
Der Bedeutungsverlust Ouagadougous wurde abgemildert, indem 1938 innerhalb der Elfenbeinküste die Region Oberelfenbeinküste geschaffen wurde, bestehend aus den ehemaligen obervoltaischen Kreisen mit Ouagadougou als Sitz eines Repräsentanten des Gouverneurs. Dies geschah unter der seit 1936 in Paris regierenden linken Front populaire, die die Kolonialpolitik humanisieren wolte. Unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs, an dem viele Afrikaner in der französischen Armee gekämpft hatten und ihr Leben der Befreiung Frankreichs opferten, kam es zu politischen Bewegungen in den Kolonien, die eine Emanzipierung von Frankreich forderten. Den Obervoltaern, deren Kolonie nun nicht mehr existierte, wurde die Bedeutung dieser Aufteilung unter diesem Eindruck bewusst; einer Emanzipierung von Frankreich würde die Wiederherstellung Obervoltas vorangehen müssen. Besonders der Moogho Naaba, als Oberhaupt der Mossi, kämpfte für dieses Ziel, waren die Mossi doch die dominierende Ethnie der Kolonie gewesen, die in ihrer geografischen Ausdehnung in der Tradition der Mossireiche stand.
Wiederherstellung von Obervolta 1947
1944 fand die Konferenz von Brazzaville statt, auf der die Neuordnung des französischen Kolonialreiches beschlossen wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde unter Charles de Gaulle die Union française gegründet. Die Kolonien, die mehr Rechte bekamen, wurden zu Überseedepartements ernannt und konnten Abgeordnete nach Paris entsenden. Die Wahlen im Jahre 1945 in der Elfenbeinküste, zu der Ouagadougou damals gehörte, wurden zum Ausgangspunkt des Kampfes für die Wiederherstellung Obervoltas in den Grenzen von 1932. Der Moogho Naaba hatte dazu die Partei Union pour la défense et les intérêts de la Haute-Volta (UDI-HV) gegründet, die gegen Félix Houphouët-Boigny antrat, verlor und sich daraufhin in Union voltaïque (UV) umbenannte. Mit der Wiederherstellung Obervoltas 1947 war der Kampf schließlich gewonnen, die „neue alte“ Kolonie konnte nun eine eigene Regionalversammlung wählen und Repräsentanten ins französische Parlament entsenden; dies waren Henri Guissou, Mamadou Ouédraogo und Nazi Boni von der UV, die die Rassemblement démocratique africain (RDA) auf den zweiten Platz verwies. Die RDA kämpfte für Gleichberechtigung der Afrikaner innerhalb der Union française, die Zusammenarbeit zwischen den Kolonien und kooperierte mit den in Paris mitregierenden Kommunisten.
Der seit 1948 amtierende Gouverneur Albert Moragues war damit beauftragt, die Unabhängigkeitsbestrebungen, vor allem die RDA zu bekämpfen. Ihre Anhänger wurden als „Träger des Kommunismus“ brutal behandelt, nachdem die Kommunistische Partei in Paris seit 1947 nicht mehr mitregierte. Die UV sollte als Gegengewicht zur RDA dienen und dominierte, unterstützt von den traditionellen Würdenträgern der Mossi, und der politischen Elite (darunter Joseph Conombo, Henri Guissou, Mamadou Ouédraogo, Philippe Zinda Kaboré, Nazi Boni) Obervolta bis zu Moragues Weggang nach Mali 1953. Der Niedergang der UV ging einher mit dem Aufstieg des antikolonialistisch eingestellten RDA unter Ali Barro, Dominique Kaboré sowie Djibril Tiémounou und führte zur Neugründung einer Vielzahl von Parteien; Parti social d’émancipation des masses africaines (PSEMA) unter Joseph Conombo und Henri Guissou sowie die Parti progressiste voltaïque (PPV) von Gérard Kango Ouédraogo, die im Juli 1956 mit dem Mouvement dorangiste eines ehemaligen französischen Militärs zum Mouvement démocratique voltaïque (MDV) fusionierte. Die RDA orientierte sich nach der ideologischen Spaltung der nationalen Sektionen 1950 an Houphouët-Boigny.
Unabhängigkeitsbestrebungen in den 1950er Jahren
In allen französischen Kolonien in Afrika wuchs der Wunsch nach mehr Selbstständigkeit; Die Unterdrückung und Bekämpfung der RDA sowie die Schwächung Frankreichs durch seine Niederlage in Indochina 1954 führten zu immer lauteren Forderungen nach Unabhängigkeit. 1956 begann eine erneute Umstruktierung des französischen Territorialbesitzes, die Wahlen am 31. März 1957 standen im Zeichen des neugeschaffenen Regierungsrates; die RDA konnte die Wahlen knapp gewinnen, Daniel Ouezzin Coulibaly wurde zum Ministerpräsidenten ernannt. Im Dezember stellte die Opposition einen Antrag gegen Ouezzin Coulibaly, der erfolgreich war und Maurice Yaméogo von der MDV auf den Posten des Premierministers brachte.
Während des Algerischen Unabhängigkeitskrieges kam in Frankreich wieder Charles de Gaulle an die Macht, wo 1958 die Fünfte Republik entstand. In Referenden konnten die Kolonien über ihre Unabhängigkeit abstimmen. Daniel Ouezzin Coulibaly von der obervoltaischen RDA befürwortete ein Verbleiben innerhalb der Communauté française, da er die Kolonie noch nicht reif für eine vollständige Selbstverwaltung sah. Auch Maurice Yaméogo sprach den Afrikanern die Befähigung zur Unabhängigkeit zu diesem Zeitpunkt ab, so sagte er, in Obervolta wisse man „noch nicht einmal eine Schachtel Streichhölzer zu produzieren“. Die obervoltaische RDA stand damit im Gegensatz zum gesamt-westafrikanischen Kongress, der in Cotonou stattgefunden hatte. Gérard Kango Ouédraogo bezeichnete die Unabhängigkeitsbefürworter als „Anti-Franzosen“.
Mit dem abgelehnten Unabhängigkeitsreferendum – kurz zuvor war Ouezzin Coulibaly in Paris verstorben – wurde Obervolta zu einer autonomen Republik, innerhalb der Communauté française mit Frankreich assoziiert. Obervolta schloss sich 1959 der Föderation Mali an, die aber nur kurz bestand hatte, und schließlich dem Conseil d'entente mit Niger, Dahome und der Elfenbeinküste.
Kango Ouédraogo und Conombo schlossen sich der RDA an während die Erfahrungen des unabhängigen Guinea, das 1958 als einzige Kolonie für die Unabhängigkeit gestimmt hatte und der Krieg Frankreichs in Algerien, den Wunsch nach Selbstständigkeit wachsen ließen. Guinea war als UNO-Mitglied auf dem internationalen Parkett anwesend und hatte Verträge mit den USA und der Sowjetunion abgeschlossen, was auch in Obervolta mit neidischem Blick verfolgt wurde. Schließlich erklärte auch de Gaulle die Kolonien für reif, in die Unabhängigkeit entlassen zu werden und so entstand am 5. August 1960 die Republik Obervolta.
Unabhängigkeit Obervoltas
1960–1966 Maurice Yaméogo erster Präsident
Erster Präsident der neuen Republik Obervolta wurde Maurice Yaméogo, das Land am 20. September Mitglied der Vereinten Nationen. Die folgenden Jahre waren geprägt von der außenpolitischen Positionierung innerhalb Afrikas, zwischen moderaten Staaten und panafrikanistischen Kräften. Innenpolitisch wurde um ein Gleichgewicht zwischen moderner und traditioneller Macht gerungen. Die den traditionellen Chefs von den Franzosen gewährten Rechte wurden ihnen in der Folge wieder abgenommen. Die Partei Union démocratique voltaïque/Rassemblement démocratique africain (UDV/RDA) des Präsidenten war einzig zugelassene Partei, das Streikrecht wurde eingeschränkt, Oppositionelle zum Teil verhaftet. Niedrigere Subventionen Frankreichs, Misswirtschaft und der verschwenderische Regierungsstil brachten das Land an den Rande des Ruins und mobilisierten das Volk. Im Januar 1966 brachten ein Streik und Massenproteste Maurice Yaméogo zum Sturz und Sangoulé Lamizana an die Macht. Daran beteiligt waren Gewerkschaften und im Untergrund operierende Parteien, darunter die Mouvement de libération nationale (MLN) von Joseph Ki-Zerbo.
1966–1980 Militär- und Zivilherrschaft im Wechsel unter Sangoulé Lamizana
Zunächst wurde eine provisorische Militärregierung gebildet, die Verfassung außer Kraft gesetzt, das Parlament aufgelöst und alle politischen Parteien verboten. Ziel der neuen Machthaber war es, schnellstmöglich die wirtschaftliche Krise zu beenden. Die Staatsfinanzen wurden saniert, Beamte mussten finanzielle Einschnitte hinnehmen. 1969 konnte das Budgetdefizit eingedämmt werden. Obervolta bekam eine neue Verfassung, nach der ein Drittel der Ministerposten bis zum Ende der Übergangsphase 1970 an Militärangehörige zu vergeben waren,.
Aus den Wahlen vom Dezember 1970 ging die Rassemblement démocratique africain (RDA) von Gérard Kango Ouédraogo als Sieger hervor, der mit der Regierungsbildung beauftragt wurde. Der Parteisekretär Joseph Ouédraogo wurde Parlamentspräsident, die Parti du regroupement africain (PRA) an der Regierung beteiligt. Unstimmigkeiten innerhalb der Parteiführung der RDA brachten die Armee 1974 dazu, wieder die Macht zu übernehmen.
Die Gouvernement de renouveau national (Regierung der nationalen Erneuerung) hatte mit der Dürre, den Folgen der Ölkrise, dem Grenzkonflikt mit Mali und der Opposition der Gewerkschaften zu kämpfen. Diese forderten die Rückkehr zur verfassungsgemäßen Ordnung. Lamizana löste die Regierung schließlich auf und ernannte 1976 eine Übergangsregierung, die ein Jahr Bestand hatte und mit der Ausarbeitung einer neuen Verfassung beauftragt war. Diese sah eine Beschränkung auf drei Parteien und die Einsetzung einer Regierung der nationalen Einheit vor. Diese wurde 1977 eingesetzt und die Verfassung per Referendum angenommen.
1978 fanden Parlaments- und Präsidentschaftswahlen statt, bei denen Sangoulé Lamizana zum Präsidenten gewählt wurde. Premierminister wurde Joseph Conombo. Probleme mit den Gewerkschaften, und der "Streik der 50 Tage" führten schließlich zu einem weiteren Putsch und dem Sturz Lamizanas im Jahre 1980.
1980–1983 Zeit der Militärputsche; Präsidenten Saye Zerbo und Jean-Baptiste Ouédraogo
Mit dem Putsch wurde das Comité militaire pour le redressement national (CMRPN) geschaffen, Präsident wurde der ehemalige Außenminister Saye Zerbo. Die neue Staatsführung wandte sich zunächst den ländlichen Gebieten zu, verlor aber schnell an Popularität, wofür hauptsächlich Einschränkungen des Streikrechts und der Auswanderung verantwortlich waren. Es kam zu Konflikten innerhalb der Armee, Thomas Sankara erschien auf der politischen Bühne; für fünf Monate war er Staatssekretär für Information. Nach seiner Entlassung führt der Unmut unter den jungen Offizieren zum Staatsstreich. Zerbo wurde gestützt und ein Conseil du salut du peuple (CSP) geschaffen.
Präsident wurde Jean-Baptiste Ouédraogo, die Staatsführung war gespalten zwischen den Kräften, die wieder eine verfassungsgemäße Ordnung herstellen wollten (zu ihnen gehörte Ouédraogo) und fortschrittlichen jungen Offizieren, die den Premierminister Sankara unterstützen. Die Krise verstärkte sich mit der Festnahme Sankaras und seiner Getreuen. Die Jugend der Hauptstadt protestierte und obwohl die gemäßigten Kräfte mit Haftentlassungen und Gegendemonstrationen reagierten, konnte die Spaltung des Militärs und die Schwächung des Staates nicht aufgehalten werden. Unter Führung des Offiziers Blaise Compaoré stürzte eine Gruppe von Soldaten aus Pô am 4. August 1983 den Präsidenten. Es folgte die Schaffung des Conseil national de la révolution (CNR).
Revolution 1983; Thomas Sankara Präsident
Dem Revolutionsrat (CNR) standen vier Personen vor; Thomas Sankara, Blaise Compaoré, Jean-Baptiste Lingani und Henri Zongo. Sankara war ein panafrikanisch-sozialistischer Revolutionär, der mit den traditionellen Auslandsbeziehungen brach, sich an Ghana, Libyen und Kuba orientierte und das Volk mobilisierte, um den Kampf gegen die Armut aus eigener Kraft anzugehen. Unterstützt wurde die neue Führung von verschiedenen kommunistischen Parteien und den im ganzen Land errichteten Comités de défense de la révolution (CDR). Sankara organisierte die administrative Verwaltung des Landes neu, verstaatlichte Grund und Boden und ließ Pläne zum Bau von Schulen, Brunnen und Stauseen sowie Massenimpfungen durchführen. Löhne wurden gesenkt und den Beamten strikte Sparmaßnahmen auferlegt.
Sankara wurde vor allem von der Jugend verehrt, benannte das Land 1984 in Burkina Faso um, das durch ihn internationale Bekanntheit erlangen konnte. Er brachte mit seinem Regierungsstil und dem Zwangscharakter seiner Pläne aber die traditionellen Eliten gegen sich auf und wurde 1987 von seinem engen Verbündeten Blaise Compaoré gestürzt und im Verlauf dieses Umsturzes erschossen. Diese réctification der Revolution von 1984 wurde von Compaoré damit begründet, dass Sankara die Ziele ebenjener zu verraten im Begriff war.
Ende 1985 war ein Streit mit dem Nachbarstaat Mali um den wenige Quadratkilometer großen Agacher-Streifen zum offenen Krieg eskaliert. Dieser Konflikt wurde jedoch bereits nach zehn Tagen eingestellt und schließlich durch einen von beiden Staaten akzeptierten Urteilsspruch des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag endgültig beigelegt.
Vierte Republik unter Blaise Compaoré
Neuer Präsident und Führer der Front populaire wurde Blaise Compaoré, der die politische Lage zu entspannen versuchte. Politische Gefangene wurden freigelassen und der Dialog zwischen den Akteuren der Gesellschaft aufgenommen. Die Beziehungen zu den traditionellen Chefs wurden wieder aufgenommen.
Mit den weltpolitischen Umwälzungen 1989/1991 kam auch Burkina Faso unter Druck, sich zu demokratisieren. 1991 wurde eine neue Verfassung angenommen, die ein Mehrparteiensystem einrichtete und die Vierte Republik schuf. Blaise Compaoré wurde in Wahlen, die von der Opposition boykottiert wurden, zum Präsidenten gewählt. 1998 kam es in Folge des Mordes am regierungskritischen Journalisten Norbert Zongo zu innenpolischen Spannungen. 2005 wurde Compaoré wiedergewählt; bei diesen Wahlen hatte zum ersten Mal die gesamte Opposition teilgenommen.
Siehe auch: Geschichte Afrikas
Literatur
- Yénouyaba Georges Madiéga, Oumarou Nao (Hrsg.): Burkina Faso. Cent ans d'histoire 1895–1995. Karthala, Paris 2003
- Al Hassan Wedraogo: Afrique : La marche forcée vers l’Indépendance In: Bendré. 23. Dezember 2005
Weblinks
- Überblick über die Geschichte auf der Website der Regierung (französisch)
- Site zur Geschichte Burkina Fasos (französisch)
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