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Geschichte Böhmens

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Inhaltsverzeichnis

Vor- und Frühgeschichte

Der älteste Beleg menschlicher Anwesenheit auf dem Gebiet Böhmens stammt aus der Zeit vor cca 1,87 Millionen Jahren (Fundstelle Beroun-Autobahn).[1] Als weitere Altpaläolithische Fundstellen sind Prag-Čakovice und Přezletice in Mittelböhmen oder Bečov in Nordböhmen zu nennen. Aus dem Mesolithikum existieren nur wenige Fundstellen, welche aber über das ganze Gebiet Böhmens verstreut liegen. Fachlich interessant ist eine mesolithische Besiedlung der Höhenlagen des Böhmerwalds um Horní Planá.[2]

Ab 5300 bis 4500 v. Chr. ist eine weitreichende neolithische Besiedlung Böhmens belegt. Wichtigste Linearbandkeramische Siedlungsstätten sind Bylany bei Kutná Hora, weiter Březno u Loun und Tušimice in Nordböhmen. Siedlungsstätten der zeitlich folgenden Stichbandkeramik sind Bylany bei Kutná Hora, das nahe gelegene Gräberfeld Miskovice, Plotiště nad Labem in Ostböhmen, Prag-Bubeneč oder der westböhmische Ort Vochov. In Pilsen-Křimice ist die Gruppe Oberlauterbach belegt.

Im Spätneolithikum (in Tschechien als eneolit bezeichnet und als eine selbstständige Periode zwischen 4500 - 2300 v. Chr. verstanden) sind Trichterbecherkulturen, die Kugelamphoren-Kultur und im Süden und Südwesten die Chamer Kultur anwesend. Am Ende des Zeitabschnitts (2900/2800 - 2300 v. Chr.) ist die Schnurkeramik mit mehreren großen Gräberfeldern in Nordböhmen und die Glockenbecherkultur vertreten.

In der Bronzezeit ist besonders die Aunjetitzer Kultur zu nennen. Es folgen Hügelgräberkulturen und die Lausitzer Kultur. In der Latenezeit entwickelt sich in Böhmen eine Besiedlung durch die Kelten mit den Oppiden Závist, Stradonice, Hrazany, Nevězice, Třísov und České Lhotice. Den Kelten folgten am Beginn des ersten Jahrhunderts nach Chr. germanische Stämme. Während der Völkerwanderungszeit wird nach archäologischen und historischen Quellen von einer Entvölkerung Böhmens gesprochen.[3] Um 550 wanderten Slawen von Osten her nach Böhmen ein, welche aus heutiger sicht den Übergang zum Frühmittelalter darstellen.

Mittelalter

658 starb Samo, ein fränkischer Kaufmann aus dem Senoner Land und der erste Herrscher der Slawen, dessen Name bekannt ist. Das Gebiet des so genannten Reiches von Samo, das in Wirklichkeit jedoch wohl nur eine Art Stammesbund war, umfasste die heutigen Gebiete Slowakei, Mähren, Niederösterreich, später wahrscheinlich auch Böhmen, die Lausitz (an der Elbe) und vorübergehend auch (das historische) Kärnten. Böhmen gehörte zum Einflussgebiet Kaiser Karls des Großen (768-814). Seine Bemühungen, das Land zu erobern begannen 805, als er mit drei Heeren versuchte, das Land zu besetzen. Das erste Heer, bestehend aus Schwaben und Bayern, marschierte bei Taus ein, das zweite und stärkste, durch Karl angeführt, über Eger und ein drittes, bestehend aus Franken und Sachsen sowie Nordslawen, von Norden. Die Hauptarmee versuchte über längere Zeit vergeblich, Kaaden zu erobern. Mit den restlichen zwei Armeen verband er sich schließlich in der Gegend von Saatz, Leitmeritz und Rakonitz. Die böhmischen Stämme waren dieser Übermacht weit unterlegen und zogen sich in der bevölkerungsarmen Gegend in tiefe Wälder zurück. Von dort griffen sie die Eindringlinge an. Bei einem dieser Kämpfe starb auch Bech, Anführer der Böhmen. Nach vierzig Tagen zog sich Karl der Große wegen des Mangels an Verpflegung aus dem geplünderten, verbrannten Land zurück. Ein zweites Mal griffen die Franken ein Jahr später das Land an. Vermutlich brachten diese Kriegszüge dem Kaiser keinen Gewinn, da nirgends erwähnt wird, dass sich ihm böhmische Fürsten ergeben haben oder zu Zahlungen verpflichtet wurden, Vielmehr wurden die Grenzen seit 808 gegen die Einfälle der Slawen zusätzlich gesichert.[4]

Bisher herrschte die Meinung, dass Böhmen im neunten Jahrhundert unter verschiedenen Stämmen, darunter den Doudlebs, Charvaten, Zlican, Litemeritzern aufgeteilt war, jeweils mit einer eigenen Geschichte und Kultur. Die neuere Geschichtsforschung geht davon aus, dass es sich dabei um Geschlechter handelte, die lediglich Verwalter der Bezirke waren. Vielmehr soll es zwei Herrenhäuser gegeben haben, die das Gebiet untereinander aufteilten, im Süden Böhmens die Slavnikiden und in Mittelböhmen die Přemysliden. [5]

835 befreite sich Böhmen endgültig aus dem Machtbereich von Großmähren und unterwarf sich freiwillig dem König des Ostfrankenreichs, Arnulf von Kärnten. Zusammen mit einem historisch nicht näher genannten Fürsten Vitislav und weiteren böhmischen Fürsten besuchte Spytihněv I. diesen im bayerischen Regensburg. [6] Er herrschte danach noch bis 915. Obwohl in den historischen Schriften kaum noch über ihn berichtet wird, geht die moderne Geschichtsforschung davon aus, dass er der Begründer des Staates der Přemysliden in Mittelböhmen war. [7] Eine offene Frage bleibt auch, ob und inwieweit die anderen Fürstenhäuser den christlichen Glauben angenommen haben. Da auf anderen Burgen und Festungen, außer denen der Přemysliden, keine Kirchenbauten nachgewiesen werden konnten, geht man heute davon aus, dass dies nicht der Fall war.[5]

Přemysliden

Hauptartikel: Přemysliden

Der erste historisch belegte Přemyslide ist Bořivoj I.. Sein Enkel Herzog Wenzel von Böhmen (tschechisch: Václav) wurde 935 von seinem Bruder Boleslav ermordet und später Schutzheiliger des Landes. 973 gab Kaiser Otto Böhmen ein eigenes Bistum mit Sitz in Prag (Praha). Bis dahin war Böhmen ein Teil des Bistums Regensburg. Spätestens ab dem 10. Jahrhundert lebte in Prag eine bedeutende deutsche und jüdische Gemeinschaft. 1003 eroberte Boleslaw I. von Polen für kurze Zeit Böhmen. 1038 fiel Břetislav I. von Böhmen in Polen ein. Im 12. Jahrhundert begann die intensive Besiedelung der bis dahin nur dünn bevölkerten oder noch siedlungsleeren Randgebiete durch deutsche Bauern und Bergleute. Auch in vielen Städten Innerböhmens lebten ab dem 12./13. Jahrhundert Deutsche und Tschechen zusammen.

Der spätere König Ottokar II. (Otakar) wurde 1251 Herzog von Österreich, 1261 auch Herzog der Steiermark, 1269 auch von Kärnten und Krain. Damit erreichte das přemyslidische Herrschaftsgebiet seine größte Ausdehnung. Da er den anderen Fürsten im Reich zu mächtig geworden war, wählten sie 1273 Rudolf I. von Habsburg zum König, der ihn 1278 in der Schlacht auf dem Marchfeld besiegte. 1296 wurde Wenzel II. König von Polen. Die böhmisch-polnische Personalunion endete bereits 1306. 1306 wurde sein Sohn Wenzel III. in Olmütz (Olomouc) ermordet. Dies ist das Ende der Přemyslidendynastie. Wenzels jüngste Schwester Elisabeth (Eliška) heiratete dann Johann von Luxemburg.

Luxemburger

Hauptartikel: Luxemburger

Mit König Johann (Jan) kam 1310 die Dynastie der Luxemburger auf den böhmischen Thron. 1347 wurde sein Sohn, der spätere Kaiser Karl IV. (Karel) König von Böhmen. Er gründete 1348 in Prag die nach ihm benannte Karlsuniversität als erste Universität auf dem Boden des Heiligen Römischen Reiches. Zu jener Zeit war die böhmische Hauptstadt das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Mitteleuropas. Das böhmische Königreich bildete das Zentrum der luxemburgischen Hausmacht und der imperialen Politik Karls IV. Benachbarte Territorien inkorporierte er zur Krone Böhmens. 1335 verzichtete Kasimir der Große von Polen auf Schlesien. Seit dem 14. Jahrhundert gehörten deshalb Schlesien, die Lausitzen und zeitweise auch Teile der im Norden der heutigen Oberpfalz liegenden Gebiete(sog. Neuböhmen) zum böhmischen Staatsverband. Karl IV. betrieb eine ausgleichende Nationalitätenpolitik: Er schützte und förderte die Deutschen in Böhmen, verlangte von ihnen aber, dass sie ihre Kinder zweisprachig deutsch und tschechisch erziehen. Zur Zeit seines Todes im Jahr 1378 erreichte die deutsche Besiedlung Böhmens ihren Höhepunkt. Schon ab dem späten 14. Jahrhundert ging die deutsche Sprache und Bevölkerung wieder zurück, bis die Hussitenkriege in den 1420er-Jahren dazu führten, dass die Deutschen in Innerböhmen teils vertrieben, teils massakriert und teilweise assimiliert wurden. Im Grenzgebiet und in Prag blieb die deutsche Besiedelung erhalten.

Von der Hussitenkriegen bis zum Frieden von Olmütz (1479)

Der 1369 in Hussinetz (Husinec) (daher auch sein Name Hus) in Südböhmen geborene religiöse Reformator Jan Hus wurde 1415 in Konstanz, während der Zeit des Konzils von 1414 bis 1418, als Ketzer durch Tod auf dem Scheiterhaufen verbrannt - ein Auslöser der Hussitenkriege. In den Hussitenkriegen entluden sich nationale, soziale und konfessionelle Spannungen mit großer Heftigkeit. Die blutigen Kriegszüge der Hussiten führten nach Bayern, Schlesien, Österreich, Brandenburg und bis an die Ostsee.

Endergebnis der Hussitenkriege war ein für die gemäßigten Utraquisten (ursprünglich: Kalixtiner) günstiger konfessioneller Kompromiss, die Stärkung des niederen Adels und der königlichen Städte. Endgültig beigelegt wurde der Konflikt zwischen den Utraquisten auf der einen Seite sowie dem Kaiser Friedrich III. und dem ungarischen König Matthias Corvinus auf der anderen Seite mit dem Frieden von Olmütz 1479. Am 25. April 1459 wurde der Vertrag von Eger geschlossen, welcher die Grenze zwischen Sachsen und Böhmen festlegte. Das vormals zahlenmäßig und wirtschaftlich starke deutschsprachige Stadtbürgertum war nicht zuletzt auch durch Enteignungen geschwächt worden. Ursache dafür war nicht allein der nationale Dissens, sondern vor allem die Tatsache, dass die deutschen Patrizier katholisch geblieben waren. Wirtschaftlich und kulturell fiel Böhmen, im 14. Jahrhundert noch eine der führenden Regionen Europas, für mehrere Generationen weit zurück.

Der böhmische Ständestaat unter den Jagiellonen und Habsburgern (1479-1620)

Hauptartikel: Jagiellonen

Die Stände Böhmens wählten den polnischen Jagiellonen (Vladislav 1471 zum König. Von seinem Vorgänger, dem Utraquisten Georg von Podiebrad (Jiří z Poděbrad), erbte er den Krieg gegen den Gegenkönig Matthias Corvinus, der im Gegensatz zu Vladislav II. (welcher auch Katholik war), nicht bereit war, die utraquistische Konfession landesrechtlich anzuerkennen. Mit dem Frieden von Olmütz wurde der Krieg 1479 beendet. Matthias konnte die böhmischen Nebenländer Mähren, Schlesien, Ober- und Niederlausitz behalten. Vladislav II. und Matthias durften den Titel "König von Böhmen" führen. Mit Matthias' Tod 1490 wurde Vladislav vertragsgemäß alleiniger König von Böhmen. Im Jahr 1500 wurde die nach dem König benannte Vladislavsche Landesordnung im Landtag verabschiedet. Sie sicherte den böhmischen Herren und Rittern weitgehende politische Mitspracherechte und gilt als älteste geschriebene Verfassung Böhmens.

Vladilav wurde 1512 von seinem dreijährigen Sohn Ludwig beerbt. Weil dieser 1526 ohne Nachkommen starb, wählten die Stände seinen Schwager Ferdinand I. von Habsburg zum böhmischen König.

1575 wurde auf Betreiben der protestantischen Stände die Confessio Bohemica verfasst. Sie sollte alle evangelischen Strömungen im Land unter einem theologischen Dach vereinen.

1618 rebellierten die evangelischen Stände gegen Kaiser Matthias. Der Prager Fenstersturz war der Auslöser für den Dreißigjährigen Krieg. Nach dem Tod des Kaisers im März 1619 sagten sich die Stände der böhmischen Länder von den Habsburgern los und schufen sich mit der Böhmischen Konföderation eine neue Verfassung. Danach wählten sie den Calvinisten Friedrich von der Pfalz zum König.

In der Schlacht am Weißen Berge (Bílá hora) am 8. November 1620 unterlagen die böhmischen Stände unter ihrem König Friedrich von der Pfalz den Truppen der katholischen Liga, die von dem Feldherren Johann Tserclaes Graf von Tilly angeführt wurden. Friedrich, der so genannte Winterkönig, musste aus Böhmen fliehen und Kaiser Ferdinand II. konnte seinen Anspruch auf die Krone Böhmens durchsetzen.

Böhmen als Teil der Habsburgermonarchie (1620-1918)

Auf die Schlacht am Weißen Berge folgte die in der älteren nationaltschechischen Historiographie als temno "Dunkelheit" bezeichnete Zeit. Kaiser Ferdinand II. unterdrückte alle Nicht-Katholiken. Einige Führer des böhmischen Aufstands wurden hingerichtet, die Mehrheit des böhmischen protestantischen Adels wurde enteignet und musste das Land verlassen. Die Güter wurden an katholische Adlige aus anderen Teilen des Habsburgerreiches vergeben. Ein Teil des böhmischen Adels konvertierte auch zum Katholizismus. Sukzessive wurde Deutsch zur vorherrschenden Verwaltungssprache.

Die Habsburgerin Maria Theresia war von 1740 bis zu ihrem Tode 1780 Erzherzogin von Österreich und Königin Ungarns und Böhmens. Unter ihrem Sohn Joseph II. wurde 1781 wurde die Leibeigenschaft aufgehoben.

20. Jahrhundert

Hauptartikel: Geschichte der Tschechoslowakei, Geschichte Tschechiens

Die Volkszählung am 31. Dezember 1900 zeigte 63 Prozent Tschechen und 36 Prozent Deutsche in Böhmen. Am 28. Oktober 1918 wurde die Tschechoslowakische Republik gegründet. Die Geschichte Tschechiens behandelt den weiteren Verlauf der Geschichte Böhmens.

Literatur

  • Karel Sklenář - Zuzana Sklenářová - Miloslav Slabina: 2002, Encyklopedie Pravěku v Čechách, na Moravě a ve Slezsku. Libri, Praha. ISBN 80-7277-115-9
  • Josef Žemlička: 1997. Čechy v době knížecí (1034-1198). Nakladatelství Lidové noviny, Praha. ISBN 80-7106-196-4
  • Bernd Rill: 2006. Böhmen und Mähren - Geschichte im Herzen Mitteleuropas. ISBN 3-938047-17-8
  • Richard Friedental: 1977. Ketzer und Rebell, Jan Hus und das Jahrhundert der Revolutionskriege. DTV, ISBN 3-423-01235-8.
  • Jan Frolík, Marie Bláhová, Naďa Profantová: 1999. Velké dějiny zemí Koruny české. Bd. 1, Paseka, Praha. ISBN 80-7185-265-1
  • Vratislav Vaníček: 2000. Velké dějiny zemí Koruny české. Bd. 2, Paseka, Praha. ISBN 80-7185-273-2
  • Vratislav Vaníček: 2002. Velké dějiny zemí Koruny české. Bd. 3, Paseka, Praha. ISBN 80-7185-433-6
  • Lenka Bobková: 2003. Velké dějiny zemí Koruny české. Bd. 4a, Paseka, Praha. ISBN 80-7185-501-4
  • Milena Bartlová, Lenka Bobková: 2003. Velké dějiny zemí Koruny české. Bd. 4b, Paseka, Praha. ISBN 80-7185-551-0
  • Petr Čornej: 2000. Velké dějiny zemí Koruny české. Bd. 5, Paseka, Praha. ISBN 80-7185-296-1
  • Petr Vorel: 2005. Velké dějiny zemí Koruny české. Bd. 7, Paseka, Praha. ISBN 80-7185-648-7
  • Jan P. Kučera, Jiří Kaše, Pavel Bělina: 2001. Velké dějiny zemí Koruny české. Bd. 10, Paseka, Praha. ISBN 80-7185-384-4
  • František Palacký: Dějiny národu českého v Čechách a v Moravě, Nachdruck der Ausgabe aus 1907, ISBN 80-7190-552-6
  • Petr Hora-Hořejš: 1995 - 2007. Toulky českou minulostí, Bd. 1-11


Weblinks

Weiterführende Artikel

Quellen

  1. Fridrich, J. - Vencl, S. 1994: Investigations into the Palaeolithic and Mesolithic, 1969-1993. In: 25 years of arch. research in Bohemia, Památky archeologické - Supplementa 1, 11-22
  2. Vencl, S. 1989: Mezolitické osídlení na Šumavě, Archeologické rozhledy 41, 481-501 a 593
  3. Měřínský, Z. 2002: České země od příchodu Slovanů po Velkou Moravu. Libri, Praha. ISBN 80-7277-103-5, S. 16ff
  4. František Palacký: Dějiny národa českého
  5. . a b Michal Lutovský, Zdeněk Petráň: Slavníkovci
  6. Magnae Moraviae fontes historii I
  7. Jiří Sláma: Střední Čechy v raném středověku
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