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Gerben
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Schritte des Gerbprozesses
Folgende Schritte sind bei der handwerklichen oder industriellen Lederherstellung üblich, die urtümliche Lederherstellung bei Naturvölkern war ähnlich - im Rahmen der lokalen beziehungsweise historischen Möglichkeiten - organisiert.
Die Tierhaut
Sie besteht aus den drei Lagen Ober-, Leder- und Unterhaut. Ober- und Unterhaut werden mechanisch entfernt und die mittlere Lederhaut weiterverarbeitet. Diese besteht zu 1/3 aus Eiweiß (Kollagen) und Wasser. Die Gerbung soll verhindern, dass beim Trocknen die Strukturelemente des Kollagens (Fibrillen) durch die Oberflächenspannung des Wassers verkleben und die Lederhaut hornartig auftrocknet. Bei der Gerbung werden die Fibrillen von den Gerbstoffen durch Querverbindungen vernetzt.
Die Vorbereitung
Nach dem Häuten werden die Rohhäute zunächst getrimmt (beschnitten, zugeschnitten), damit werden Teile entfernt, die zur Lederherstellung nicht geeignet sind (wie z.B. Geschlechtsteile). Danach muss die Haut schnellstmöglich konserviert werden, um den organischen Verfall aufzuhalten und qualitative Schäden zu vermeiden. Dies geschieht meistens durch Salzen. In Regionen, wo die Entfernungen und die Lieferketten es zulassen, werden die Häute auch durch Kühlung kurzzeitkonserviert und damit auf Salz verzichtet. In manchen Regionen, in denen Salz knapp ist und es das Klima zulässt, werden Häute und Felle auch noch getrocknet.
Nach dem Transport durchläuft die Haut die Wasserwerkstatt, in deren Verlauf die nicht ledergebenden Bestandteile (Haare, Unterhautbindegewebe, Fett und unstrukturierte Eiweiße) entfernt werden. Das geschieht in zwei Stufen:
1. chemische Einwirkung (Weiche, Äscher ; Ziel: Hautaufschluss) Dabei wird Haut z. B. einige Wochen in den "Äscher" eingelegt. Im traditionellen Verfahren verwendete man dafür meist Kalkmilch. Meist geschieht der Prozess im hochalkalischen Bereich mit Sulfiden und/oder Enzymen.
2. mechanische Einwirkung (Entfleischen, Spalten, Streichen). Wenn die "Haarlässigkeit" einsetzt, wird die Haut enthaart (das Narben) und das aufgeweichte Gewebe abgeschabt. Bei diesem Schritt werden Oberhaut und Unterhaut entfernt, so dass schließlich nur noch die Lederhaut übrig bleibt.
In der industriellen Produktion werden die beiden Schritte oft verbunden. Die Häute werden in einem Behälter, der denen auf Betonmisch-Fahrzeugen ähnelt, mehrere Stunden umgewälzt. Danach ist die Haut fertig zum Gerben.
Wenn man ein weiches Leder herstellen möchte, wird die so genannte Blöße noch gebeizt.
Das eigentliche Gerben
Vor dem Gerben erfolgt meist der sogenannte Pickel, das ist ein Bad, bestehend aus Wasser, Salz und Säure, um die Haut sauerzustellen, und für den gleichmäßigen Gerbstofftransport durch die Haut zu sorgen. Danach kann mit der eigentlichen Gerbung begonnen werden. Dabei werden die Häute mit tierischen, mineralischen oder pflanzlichen Gerbstoffen behandelt und dadurch haltbar gemacht und in ihren technischen Eigenschaften verändert. Der einfachste Nachweis der Gerbung ist die Erhöhung der Schrumpfungstemperatur. Natives Eiweiß beginnt bei etwa 62 °C zu schrumpfen. Durch die Gerbung wird dieser Wert je nach Gerbart bis zu 100°C (Chromgerbung) erhöht. Man spricht dann von kochgarem Leder.
Der Gerbungsprozess besteht aus drei Phasen: dem Quellen des Kollagen, dem Eindringen und Durchdringen des Gerbextrakts und dessen Fixierung.
Bei der dominierenden Chromgerbung vernetzen basische Chrom-(III)-Komplexe benachbarte Fibrillen. Bei der pflanzlichen Gerbung werden die Fibrillen von Polyphenolen aus Blättern, Wurzeln und Früchten vernetzt. Bei der Fett- und Aldehydgerbung reagieren Aldehyde mit dem Kollagen. Außer bei der Altsämischgerbung (Fettgerbung) werden in allen Verfahren Kombinationen verschiedener Gerbstoffe verwendet. Bei der Neusämischgerbung werden aber heute auch Kombinationen von synthetischen Gerbstoffen und Tran verwendet.
Es gibt drei Arten der Gerbstoffverbindung mit der Haut, die Ionenbindung (bei Gerbsalzen) , die Wasserstoffbrückenbindung (bei pflanzlichen Gerbstoffen) und die Einlagerung (Überschuss) der Gerbmittel.
Im klassischen Verfahren der Alt-Grubengerbung mit rein pflanzlichen Gerbstoffen und einer Gerbzeit von mehr als 12 Monaten im Farbengang, das die natürlichste Art der Ledergerbung darstellt, entstehen hochwertige Bodenleder mit extrem langer Haltbarkeit.
Nach Abschluss der Gerbung werden die Leder dann je nach Verwendungszweck nachgegerbt, gewaschen, gefärbt und gefettet. Nach der Trocknung kann zur Steigerung der Gebrauchsfähigkeit noch eine Oberflächenbehandlung mit Zurichtmitteln erfolgen.
Gerbverfahren
Bei der pflanzlichen Gerberei (vegetabile Gerbung, Lohgerberei) werden Eichen- oder Fichtenrinden, Auszüge aus Quebracho-, Kastanien- oder Eichenholz, Mimosa-, Sumach- und andere Holz- bzw. Rindengerbstoffe eingesetzt. Aus dieser Nutzung entstanden die Lohwälder. Die pflanzlichen Gerbmittel werden in einer Lohmühle gemahlen. Der verwendete Sud wird auch Brühe oder Extrakt genannt. Bei der Mineralgerbung werden Chrom- (Chromgerberei) und Alaungerbung (Weißgerberei) unterschieden.
Allgemein unterscheidet man drei Arten der Gerberei, die wiederum in Unterarten zerfallen:
- Lohgerberei oder Rotgerberei (mit pflanzlichen Stoffen)
- Sämischgerberei (mit tierischen Stoffen)
- Mineralgerberei (mit mineralischen Stoffen):
- die Weißgerberei
- die eigentliche Weißgerberei (Alaun und Kochsalz)
- die ungarische Weißgerberei (Alaun und Kochsalz, Fett)
- die französische, Erlanger oder Glacégerberei (Alaun, Kochsalz, Mehl, Eidotter)
- die Pelzgerberei
- die Chromgerberei
- Einbadverfahren
- Zweibadverfahren
- die Eisengerberei (konnte sich in der Praxis nicht durchsetzen)
- die Weißgerberei
Geschichte
In früheren Jahrhunderten war die Gerberei eine gesellschaftlich nicht sehr anerkannte und gefährliche Arbeit. Der Umgang mit der faulenden Haut und den (giftigen) Chemikalien setzte erstens extremen Gestank frei und zweitens konnte man sich leicht mit Milzbrand und anderen Krankheiten infizieren. Ein Arbeiter, der Milzbrand überlebt hatte, war sehr wertvoll und genoß eine bessere Behandlung durch seinen Arbeitgeber. Insgesamt waren Gerber aber eher, was man im indischen Kastensystem Unberührbare nennt. Einen Eindruck davon kann man in "Das Parfum" von Patrick Süskind gewinnen.
Museen
- Lohgerbermuseum Dippoldiswalde
- Gerberei-Museum Enger
- Museum für Gerberei- und Stadtgeschichte Hirschberg
- Gerbereimuseum Malmö
- Gerberei Bremer aus Moers im Niederrheinischen Freilichtmuseum
- Gerbereimuseum in Calw
- Weißgerbermuseum Doberlug-Kirchhain
- Leder- und Gerbermuseum in Mülheim an der Ruhr
- Gerbereimuseum in Weida
Literatur
- Moog, Gerhard E.: Der Gerber. Handbuch für die Lederherstellung, Ulmer (Eugen), Stuttgart, 2005, ISBN 3800112280.
- Helmut Ottiger, Ursula Reeb: Gerben : Leder und Felle, Ulmer (Eugen), 2004, ISBN 3800146517.
- Süskind, Patrick: Das Parfüm, Diogenes Verlag, 46. Auflage, 2000, ISBN 3257228007.
Siehe auch
Weblinks Museen
- Museum in Enger
- Lohgerbermuseum Dippoldiswalde
- Weißgerbermuseum Doberlug-Kirchhain
- Leder- und Gerbermuseum Mülheim an der Ruhr
Weblink zur Lederherstellung
Skriptum zur Technologie der Lederherstellung der Höheren Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt für Chemische Industrie in Wien Chemie des Leders und des Gerbprozesses
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