Gedanke
Aus Kefk
Ein Gedanke ist ein unmittelbares Sinngebilde des Denkens. Die sprachliche Form des Gedankens ist der Aussagesatz.
Insofern sich Gedanken aus Denkoperationen, also aus psychischen Akten ergeben, finden sie die Aufmerksamkeit der kognitiven Psychologie; insofern sie sich auf Sachverhalte richten, befasst sich die Logik mit ihnen.
In dieser Hinsicht bezeichnet der Gedanke ein Ergebnis, Produkt des Denkprozesses in Form eines Urteils oder eines Begriffs, der im idealen Fall das Allgemeine in der Masse der Einzeldinge widerspiegelt, das Wesentliche, Gesetzmäßige in der Vielfalt der Erscheinungen der den Menschen umgebenden Welt fixiert.
„Gedanke“ und „Tat“ werden einander gelegentlich gegenüber gestellt. Viele Philosophen betonen aber, dass Gedanken in Wechselwirkung mit den gesammelten Kenntnissen im Laufe der praktischen und wissenschaftlichen Tätigkeit zur Umgestaltung der Wirklichkeit führen können.
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Ein Beispiel
Der Gedanke bzw. die Aussage "Morgen wird es regnen" kann auf verschiedene Weise zustande gekommen sein:
- Jemand hat eine meteorologische Prognose erstellt.
- Jemand ist wetterfühlig.
- Jemand hat ein Orakel befragt.
- Jemand trifft eine willkürliche Vorraussage.
Für einen Ratsuchenden ist es gewiss von einigem Wert, zu erfahren, wie sein Auskunftgeber auf den Gedanken gekommen ist, den er ihm mitgeteilt hat. Davon wird er nämlich dessen Glaubwürdigkeit abhängig machen. Ob allerdings die Aussage nicht nur glaubwürdig, sondern auch gültig, sprich: wahr ist, erfährt er nicht auf diesem Weg, sondern nur dadurch, dass er sie am morgigen Geschehen überprüft, also daran, ob es dann tatsächlich regnet. Unter Umständen muss sich dann sogar der Meteorologe dem Kaffeesatzleser geschlagen geben.
Bei einem Gedanken ist also zwischen seiner Genesis und seiner Geltung zu unterscheiden. Beides kann interessant sein, beides sind annehmbare Perspektiven - aber es ist eben zweierlei. Missachtet man diese Differenz, dann setzt man die eine oder andere Hinsicht absolut. Derart einseitige Positionen sind:
- der Rationalismus (Ausschluss der Genesis),
- der Psychologismus (Ausschluss der Geltung).
Philosophiegeschichtliches
Les Pensées ("die Gedanken") von Blaise Pascal (1623-1663) gehören zu den meistgelesenen philosophischen Texten der europäischen Geistesgeschichte. Es handelt sich um eine von Ausgabe von Notizen aus dem Nachlass des Autors.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hat Immanuel Kant sich durch David Hume aus dem "dogmatischen Schlummer" wecken lassen und den Rationalismus "kritisch" gewendet. Dies führte zum transzendentalen Idealismus.
Um 1900 hat Edmund Husserl sich durch Franz Brentano und Gottlob Frege von seiner psychologistischen "Reduktion" abbringen lassen und den intentionalen Sinn des Gedankens deutlicher hervorgehoben. Dies führte zur transzendentalen Phänomenologie.
Siehe auch Idee, Reflexion (Philosophie)
Zitate
| Wiktionary: Gedanke – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen |
- Die Seele hat die Farbe deiner Gedanken. - Marc Aurel
- Gedanken sind die Schatten unserer Empfindungen - immer dunkler, leerer, einfacher als diese. - Friedrich Nietzsche
- Kein Gedanke ist immun gegen seine Kommunikation, und es genügt bereits, ihn an falscher Stelle und in falschem Einverständnis zu sagen, um seine Wahrheit zu unterhöhlen. - Theodor W. Adorno (Minima Moralia)
- Meine Gedankenwelt, das heißt die Gesamtheit S aller Dinge, welche Gegenstand meines Denkens sein können, ist unendlich. - Richard Dedekind
- Versuchen Sie das einmal: stellen Sie sich die Aufgabe, nicht an einen weißen Bären zu denken, und Sie werden sehen, der Verwünschte wird Ihnen in einemfort einfallen. - Fjodor M. Dostojewski
Siehe auch
- Die Gedanken sind frei - Volkslied
Literatur
- Franz Brentano († 1917): Psychologie vom empirischen Standpunkt
- Gottlob Frege (1918): Der Gedanke, in: Ders., Logische Untersuchungen (Hrsg. Günther Patzig), ISBN 3-525-33518-0 (Kleine Vandenhoeck-Reihe)
- David Hume (1748): Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand
- Edmund Husserl (1901): Logische Untersuchungen
- Immanuel Kant (1781): Kritik der reinen Vernunft
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