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Gebärde

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Das Wort Gebärde hat im allgemeinen Sprachgebrauch mehrere, teils vermischte Bedeutungen:

  1. für emotional geprägte nonverbale Kommunikation - beispielsweise er macht eine entsetzte Gebärde
  2. als Synonym für Geste beziehungsweise als Unterstützung der Sprache,
  3. im Sinn von Zeichen - beispielsweise Fingeralphabet, Ziffern deuten, oder Finger auf den Mund - und
  4. für erlernte Gebärden, vor allem bei der Gebärdensprache oder der gebärdenunterstützten Kommunikation (GuK).

Das Gebärdenspiel (ein Gestus) ist im Theater und in der Rhetorik der Ausdruck für die Körpersprache [1].

Inhaltsverzeichnis

Unklare Begriffe?

Erste systematische Untersuchungen zu (4) finden sich etwa bei Abbé de l'Epée (siehe auch Geschichte der Gehörlosen/Teil II), der wie Descartes die Sprache als Zeichensystem ansah, das daher mit Gebärde-"Zeichen" kombinierbar ist. Durch die Beobachtung "natürlicher" Gebärden (beziehungsweise Gesten) gelangte er über grammatikalische Ergänzungen zu den sog. "methodischen Gebärden".

Waren der Aspekt (4) im vorstehenden Sinn gut erforscht und wegen der Gehörlosen klar definiert ist, trifft dies für (1) bis (3) weniger zu. Hier vermischt unsere Alltagssprache sowohl bewusste mit spontanen Äußerungen Hand-, Kopf- und Körperbewegungen, als auch Gesten mit Mimik, Ausdruck und Gestikulation. Allerdings sind dabei die Übergänge in unserem Sprachempfinden fließend.

Klar ist immerhin, dass alle diese nonverbalen Äußerungen zur Körpersprache zählen, deren Bedeutung seit einiger Zeit auf verstärktes Interesse stößt.

Gibt es unmissverständliche Gebärden?

"Angeborene" und erlernte Gebärden

Wie zahlreiche Untersuchungen ergeben, findet kaum ein Viertel der Kommunikation ausschließlich durch Worte statt. Der große Rest läuft nonverbal. Obwohl Körpersprache - im besonderen die spontane Mimik - weniger missverständlich als Sprache sein kann, brauchen wir aber Worte, um klar gewordene Missverständnisse zu bereinigen.

Wieweit Gesten und Gebärden unmissverständlich sind oder sein können, müsste sich am ehesten bei tauben Menschen im selben Kulturkreis, aber anderem Sprachgebiet untersuchen lassen.


Offene(?) Fragen zu Systematik und Sprechen in Gebärden

Die o.a. (beziehungsweise verdeckten) Fragen haben auch mit der nun 200-jährigen Diskussion zu tun, welche Sprache die Gehörlosen lernen "sollen":

  • Jene der Hörenden (die Lautsprache), die sie nur bruchstückhaft verstehen, oder
  • ihre "eigene" Gebärdensprache, welche die Allgemeinheit nicht oder kaum versteht?

Darüber hinaus wäre für uns Alle interessant,

  • ob und wie sich für Hörende die Verständlichkeit von Gesten und Gebärden trainieren und steigern lässt,
  • und ob "kommunikative Bewegungen" insbesondere der Arme und Hände nicht nur unsere Sprache begleiten, sondern manchmal auch ersetzen könnten.

Die reine Gestik kennt Unterteilungen wie

  • lexikalisierte Gesten - Symbole analog den Wörter einer Sprache (beispielsweise das Deuten von "Geld" mit den Fingern)
  • Zeige-Gesten wie "nach rechts" usw. (siehe auch: Deixis)
  • ikonische Gesten, die etwas nachahmen oder Verteilungen und Formen von gegenständen darstellen.

Ob sich eine ähnliche Systematik für alle Gebärden oder gar das gesamte körpersprachliche Repertoire treffen lässt, und ob sie zum Absenken von möglichen Missverständnissen beitragen kann, wäre ein interessantes Thema nicht nur für Gehörlose, sondern für die ganze Gesellschaft.

Gebärden und Gesten können nicht nur Konkretes darstellen, sondern auch als Metaphern dienen und Abstraktes darstellen. Forscher sehen darin eine Möglichkeit, mentale Prozesse besser zu verstehen. Denn nonverbal lassen sich manche Denkstrukturen, besonders aber bildhafte Vorstellungen viel unmittelbarer darstellen als mit der Sprache.

Siehe auch

Encounter, Geschichte der Gebärdensprache, Lautsprachbegleitendes Gebärden, Verhaltensforschung

Links und Literatur

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