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Gau (Landschaft)

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Der Gau (althochdeutsch Gouwe, Gouwi (= Landschaft), lateinisch Pago), war die Bezeichnung für einen stammesmäßig und landschaftlich geschlossenen Siedlungsraum der Germanen und Wenden.

Gau entspricht dem englischen Begriff Shire, der heute noch für die englischen Grafschaften (wird heute in der Regel mit Grafschaft übersetzt) gebräuchlich ist.

Inhaltsverzeichnis

Gau im Altertum

Im Land der Germanen bezeichnete der Gau einen selbstverwalteten freien Bezirk mit natürlichen Grenzen entlang von Wasserläufen. Mit eigenen Führern, die von der Bevölkerung gewählt wurden und eigener Gerichtsbarkeit (im Mittelalter noch als "Gogerichte" genannt). Nach der Niederwerfung der Bevölkerung durch Karl den Großen wurde dieses Gauprinzip abgelöst von dem Grafschaftsprinzip. Der neue Zentralherrscher setzte Grafen als seine Stellvertreter vor Ort ein.

(Einführung "Römischen Rechts" -Zentrale Herrschaft und zentrale Gerichtsbarkeit)

Gau im Mittelalter

Im Fränkischen Reich bezeichnete der Gau im Wesentlichen den Amtsbezirk eines Grafen (grafio), des so genannten Gaugrafen. Dieser war gleichzeitig oberster Richter und Führer eines Heerbanns. Dem Gau zugeordnet waren Zentmarken oder Hundertschaften, die oft durch Zentgrafen verwaltet wurden. Im Zentgrafengericht fungierten diese als Schöffen.

Siehe auch: Liste mittelalterlicher Gaue.

Heutige Anwendung

Wegen des Sprachgebrauchs im Hitlerdeutschland (Reichsgau) wird die Bezeichnung Gau heute nicht mehr in der öffentlichen Verwaltung Deutschlands benutzt. Turnerbünde, Trachtenverbände, Schützenbünde (zum Beispiel bei „Gaumeisterschaften“), zum Teil Pfadfinderbünde und der ADAC gliedern sich jedoch in Gaue.

In Österreich hat der Österreichische Turnerbund (ÖTB) teilweise eine Gliederung in Turngaue. Die Bezirke von Salzburg heißen zwar offiziell nach ihrem Hauptort, umgangssprachlich werden sie aber oft nach ihrer alten Bezeichnung Gaue genannt.

Landschaften

In deutschsprachigen Regionen hat sich Gau als Teil von Bezeichnungen für Landschaften erhalten:

Etymologie

Die Bezeichnung der Gau, ohne Umlaut, für eine bestimmte Landschaft ist eine Historikerbildung des 17.-19. Jahrhunderts, die durch ihre Aufnahme in den Wortschatz des Dritten Reiches in Misskredit geriet. In den deutschen Mundarten und somit auch in der Namensüberlieferung ist nur das Gäu, oder seltener die Gäu, gebräuchlich. Der Umlaut erklärt sich durch den alten Lokativ (Ortsfall), ahd. gewi "im Gau". Über die Etymologie des Wortes germanisch *gawja- "Gau" wurde intensiv gearbeitet, ohne dass eine abschließende Deutung, die alle anderen Vorschläge überzeugend widerlegen würde, vorgelegt werden konnte. Das Wort ist im Gotischen, im Althochdeutschen, im Altfriesischen und im Altenglischen als Neutrum bezeugt. Lange Zeit wurde es aus germanisch *ga-agwia "das am Wasser gelegene (Land)" mit einer Bedeutungserweiterung "Offenlandschaft, Ackerbaugegend, Siedlungslandschaft" gedeutet. Gegenwärtig stehen zwei neue Vorschläge zur Diskussion. 1: die Herleitung von der indoeuropäischen Wurzel *ghew- "gähnen, klaffen", was durch Bedeutungserweiterung zu "freier Raum, Gegend, Landschaft" geworden wäre; 2. die Rückführung auf urgermanisch *ga-aw-ja "Gesamtheit der Wohnungen/Dörfer" als Kollektivum zu germanisch *awja "Wohnung, Dorf" mit einer althochdeutschen Ableitung inouwa f. "Wohnung, Wohnsitz". Ein Entscheid zwischen diesen beiden Vorschlägen scheint zurzeit nicht möglich.

Siehe auch

Weblinks

Wikipedia
Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Gau_%28Landschaft%29, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
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