Gadebusch

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Bild:Disambig-dark.svg Dieser Artikel befasst sich mit der mecklenburgischen Stadt Gadebusch; für den pommerschen Historiker siehe: Thomas Heinrich Gadebusch
Wappen Deutschlandkarte
Bild:Gadebusch Wappen.PNG
Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Nordwestmecklenburg
Amt: Gadebusch
Koordinaten: Koordinaten: 53° 42′ N, 11° 7′ O53° 42′ N, 11° 7′ O
Höhe: 35 m ü. NN
Fläche: 47,65 km²
Einwohner: 5905 (29. Juni 2006)
Bevölkerungsdichte: 124 Einwohner je km²
Postleitzahl: 19205
Vorwahl: 03886
Kfz-Kennzeichen: NWM
Gemeindeschlüssel: 13 0 58 028
Adresse der
Stadtverwaltung:
Am Markt 1
19205 Gadebusch
Webpräsenz:
Bürgermeister: Ulrich Howest
Lage der Stadt Gadebusch im Landkreis Nordwestmecklenburg
Bild:Gadebusch in NWM.PNG

Gadebusch ist eine Stadt im Landkreis Nordwestmecklenburg, Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Sie ist Verwaltungssitz des Amtes Gadebusch, dem weitere sieben Gemeinden angehören.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Die Stadt liegt etwas unterhalb des Quellgebietes der Radegast, die über die Stepenitz und Trave in die Ostsee fließt. Sie befindet sich auf halbem Wege zwischen Lübeck und Schwerin. Im Gebiet der Stadt gibt es zwei Seen, direkt östlich des Stadtkerns der Burgsee mit einer Größe von fünf Hektar. Der Neddersee liegt nördlich der Stadt und südwestlich des Ortes Güstow. Der Neddersee hat eine Größe von 32 ha, liegt auf einer Höhe von 27 m ü. NN und wird von der Radegast durchflossen. Die Niederung der Radegast ist der tiefste Punkt des Stadtgebietes, der höchste liegt mit 76,5 m ü. NN westlich des Ortes Möllin an der Stadtgrenze zwischen dem Galgen- und dem Schäferberg. Direkt östlich neben dem Stadtkern von Gadebusch liegt ein 120 ha großes Mischwaldgebiet, welches als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist.

Nachbargemeinden

Nachbargemeinden sind Köchelstorf, Veelböken, Dragun, Lützow, Pokrent, Krembz, Roggendorf und Holdorf

Stadtgliederung

Zu Gadebusch gehören die Ortsteile

  • Buchholz
  • Dorf Ganzow
  • Güstow
  • Hof Ganzow
  • Möllin
  • Neubauhof
  • Reinhardtsdorf
  • Stresdorf
  • Wakenstädt

Die ehemaligen Ortsteile Jarmstorf und Amtsbauhof sind in der Kernstadt aufgegangen. Ganzow wurde erstmals 1194 urkundlich erwähnt; Dorf Ganzow und Hof Ganzow sind seit 1970 Ortsteile der Stadt Gadebusch.

Wappen

Blasonierung: „In Gold: rechts ein hersehender schwarzer Stierkopf mit goldener Krone, silbernen Hörnern, aufgerissenem Maul, ausgeschlagener roter Zunge, silbernen Zähnen und abgerissenem Halsfell, das bogenförmig ausgeschnitten ist und sieben Spitzen zeigt, links ein lindenartiger grüner Baum.“

Geschichte

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Schwedische Armee bei Gadebusch, 1712

Gadebusch wurde im Jahre 1194 erstmals als Kirchdorf Godebuz urkundlich erwähnt. Bereits im Jahr 1225 erhielt Gadebusch Stadtrechte verliehen und ist damit eine der ältesten Städte Mecklenburgs. Die Stadt lag strategisch günstig auf einem Hügel in einem Sumpf- und Seengebiet. Hier befand sich zuvor bereits ein slawischer Burgwall aus dem 8. Jahrhundert.

Von Beginn an hatte Gadebusch auch das Münzrecht. Besondere Bedeutung hatte die Gadebuscher Münze im 16. und 17. Jahrhundert.

Von 1570 bis ca. 1620 war Gadebusch eine Residenz der mecklenburgischen Herzöge.

Im Großen Nordischen Krieg trafen 1712 Dänemark und Schweden in der Schlacht bei Gadebusch (auch Schlacht von Wakenstädt) aufeinander.

Der Zweite Weltkrieg verlief für die Stadt glimpflich. Es fielen lediglich zwei Bomben, ohne nennswerte Schäden anzurichten. Als am 2. Mai 1945 die British Army auf dem Weg nach Lübeck Gadebusch passierte, kam es zu einem Scharmützel mit Anhängern des Naziregimes. Am 13. November 1945 wurde in Gadebusch das Barber-Ljaschtschenko-Abkommen zur Grenzbereinigung zwischen Mecklenburg und Schleswig-Holstein unterzeichnet.

Am 25. Juli 1952 wurde aus dem Westteil des ehemaligen Landkreises Schwerin und kleinen Gebieten des Landkreises Schönberg der Kreis Gadebusch gebildet. Er gehörte dem neu gebildeten Bezirk Schwerin an. Der Kreis kam am 3. Oktober 1990 in das neu gegründete Bundesland Mecklenburg-Vorpommern innerhalb des Beitrittsgebietes zur Bundesrepublik Deutschland. Am 12. Juni 1994 wurde der Kreis aufgelöst und ging im Landkreis Nordwestmecklenburg auf. Als Kreisstadt erhielt Gadebusch verstärkt Verwaltungsfunktionen.

Ab 1991 wurde der historische Stadtkern mit dem Rathaus und der Burg auch im Rahmen der Städtebauförderung gründlich saniert.

Bauwerke

Stadtkirche

Bild:Rathaus Gadebusch.jpg
Rathaus und Kirche

Die Stadtkirche St. Jakob und St. Dionysius, mit deren Bau ca. 1210 begonnen wurde, ist eine der ältesten Hallenkirchen der Backsteingotik im Nordwesten Mecklenburgs und gehört zu den bedeutendsten Kirchenbauten Norddeutschlands. Sie wurde als dreischiffige Hallenkirche angelegt. Der Turm wurde am Anfang des 14. Jahrhunderts errichtet. Der Chor, der ebenfalls dreischiffig, mit stark erhöhtem Mittelschiff, errichtet wurde und die nördlichen Kapellenanbauten stammen vom Anfang des 15. Jahrhunderts. Der Triumphbogen ist leicht spitzbogig und etwas breiter als das Mittelschiff. Das rundbogige Südportal wird durch Säulen mit ornamentierten Backsteinkapitellen geschmückt. Die Marienkapelle an der Nordseite des Langhauses wurde 1420 von der schwedischen Königin Agnes gestiftet. 1955 wurde das Kirchenschiff restauriert. Dabei wurde die ursprüngliche Bemalung aus der Mitte des 13. Jahrhunderts freigelegt. Eine reiche mittelalterliche Ornementik mit Tierdarstellungen und eine Christopherusdarstellung. Bei dieser Instandsetzung wurden auch Einbauten von 1842 entfernt, im Chor sind sie noch erhalten. Der Altar ist neugotisch mit einem Gemälde eines Karl Georg Christian Schuhmacher.

Wertvollstes Kunstwerk im Innern ist die bronzene Fünte (Taufkessel) aus dem Jahre 1450. Diese wurde in Gusstechnik gefertigt. Der Taufkessel ist mit elf ausdrucksstarken Reliefs verziert, die 21 Szenen der Passion Christi, so wie den Stifter Hinrich Koppelmann zeigen. Der Kessel wird von drei knienden Engelsfiguren getragen. Die Kanzel ist von 1607 und ist mit Schnitzereien (Christus und vier Evangelisten) verziert. Zur Inneneinrichtung gehören weiter ein großes Tafelbild aus dem 16. Jahrhundert, welches Mitglieder der schwedischen Familie zeigt, Kronleuchter aus Messing von 1582 und mehrere Wandleuchter aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Mehrere interessante Grabsteine sind in der Kirche zu sehen.

Rathaus

Das Rathaus am Marktplatz wurde um 1340 erbaut. Erst im Jahr 1618 wurde der jetzige Hauptgiebel mit Gerichtslaube errichtet.

Schloss

Das Renaissanceschloss auf dem Schlossberg mit Terrakotten aus der Lübecker Werkstatt des Statius von Düren als typisches Beispiel norddeutscher Backsteinrenaissance wurde an der Stelle gebaut, an der bereits im 12. Jahrhundert eine Burg stand, einer Erhebung in der Nähe der Stadtmitte. Der Baumeister Christoph Haubitz erbaute es 1570 bis 1573 unter Herzog Johann Albrecht I. von Mecklenburg-Schwerin. Bei einer 1903 erfolgten Renovierung wurden unter anderem die halbrunden dreiteiligen Giebelabschlüsse des Treppenhauses wiederhergestellt und einzelne verlorene und zerstörte Terrakotten ersetzt.

Museen

Am 30. Juni 2006 wurde das mit viel ehrenamtlichen Engagement gestaltete Heimatmuseum in der ehemaligen Amtsscheune eröffnet.

Im Ortsteil Möllin befindet sich der gastronomisch bewirtschaftete Denkmalshof „Rauchhaus“, eine Außenstelle des Heimatmuseums.

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Gadebusch ist von jeher in erster Linie ein lokales Handels- und Dienstleistungszentrum. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein war Gadebusch eine Landstadt, in der die eigene Landwirtschaft von Bürgern und Ackerbürgern eine wichtige Rolle spielte.

Die Industrie spielte und spielt eine untergeordnete Rolle. Nach dem Bau der Eisenbahn konnten sich einige Unternehmen entwickeln. Um 1960 begann man mit dem Bau eines sogenannten Industriegebietes zwischen der Bahnstrecke und der Fernstraße nach Schwerin. Bis ca. 1990 bestanden in Gadebusch einige Betriebe der Lebensmittelindustrie (Molkerei, Großbäckerei, Teigwarenfabrik) sowie eine Schuhmanufaktur und Baubetriebe, die auch überörtlich, u.a. in Berlin tätig waren.

Die meisten dieser Unternehmen überstanden den wirtschaftlichen Umbruch 1990 nicht, aber es entstanden neue Unternehmen, u.a. der Fleischverarbeitung und ein Zulieferer der Autoindustrie.

Ein wesentlicher Teil der berufstätigen Bevölkerung pendelt nach Schwerin, Lübeck und Hamburg.

Verkehrsanbindung

Die Bundesstraßen 104 (Lübeck - Schwerin) und 208 (Wismar - Ratzeburg) kreuzen sich in der Stadt Gadebusch. Für die B 104 wurde in den 90er Jahren eine Umgehungsstraße gebaut. Die Ostseeautobahn A 20 ist 17 km entfernt (Anschluss Schönberg).

1897 eröffnete die Großherzoglich Mecklenburgische Friedrich-Franz-Eisenbahn die Bahnlinie von Schwerin nach Rehna über Gadebusch. Der Bahnhof entstand etwas außerhalb der Stadt. Auf der Strecke wurde knapp 100 Jahre auch Güterverkehr betrieben. Dessen Höhepunkt wurde um 1970 erreicht, als neben dem Güterbahnhof auch ein Gleisanschluss mehrerer Unternehmen im Industriegebiet bestand. Nach Gadebusch wurden Kohle, Baustoffe, Landmaschinen und Düngemittel transportiert, während vorwiegend landwirtschaftliche Erzeugnisse, wie Getreide, Zuckerrüben und Schlachtvieh abgefahren wurden

Die Bahnstrecke von Rehna bis Parchim wird heute im Personenverkehr durchgehend von der Mecklenburgbahn betrieben.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Personen, die mit Gadebusch in Verbindung gebracht werden

  • Agnes Karll (1868-1927), Reformerin der deutschen Krankenpflege, wurde im Familiengrab ihrer Eltern auf dem Gadebuscher Friedhof beerdigt.
  • Carl Theodor Körner (1791-1813), Schriftsteller und Freiheitskämpfer, gefallen in einem Forst bei Rosenow
  • Wolf Biermann (* 1936), deutscher Liedermacher. Er besuchte von 1953 bis 1955 die Schule mit Internat.

Städtepartnerschaften

Gadebusch unterhält mit folgenden Städten eine Städtepartnerschaft:

Literatur

  • Friedrich Schlie: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin. II. Band: Die Amtsgerichtsbezirke Wismar, Grevesmühlen, Rehna, Gadebusch und Schwerin. Schwerin 1898, Neudruck Schwerin 1992, S. 456 ff. ISBN 3910179061

Weblinks

Wikipedia
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