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Jablonec nad Nisou

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Jablonec nad Nisou
Bild:Jablonec nad Nisou CoA CZ.gif
[[Bild:Czech Republic map modern.png
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|155px|Jablonec nad Nisou auf der Karte von Tschechien
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px|Jablonec nad Nisou]]
Jablonec nad Nisou
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Liberecký kraj
Bezirk: Jablonec nad Nisou
Fläche: 3139 ha
Geographische Lage: Koordinaten: 50° 43' N, 15° 10' O50° 43' N, 15° 10' O
Höhe: 475 m n.m.
Einwohner: 46140 (2. Oktober 2006)
Postleitzahl: 466 01
Struktur
Gemeindeart: Stadt
Ortsteile: 8
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Petr Tulpa
Adresse: Mírové náměstí 3100/19
467 51 Jablonec nad Nisou
Website: www.mestojablonec.cz
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Jablonec nad Nisou (deutsch Gablonz an der Neiße, Romani Jablonka) ist eine Stadt mit 44.571 Einwohnern (31. Dezember 2004) an der Lausitzer Neiße im nordöstlichen Böhmen, Tschechien. Das Katastralgebiet der Stadt beträgt 3 139 ha. Der Name leitet sich aus dem tschechischen Wort jabloň = Apfelbaum her.

Es ist die zweitgrößte Stadt des Liberecký kraj, die größte Stadt und Sitz von Okres Jablonec nad Nisou und ein wichtiger Industriestandort. Sie bildet das Verwaltungs-, Kultur- und Sportzentrum des Isergebirges (Jizerské Hory).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die erste schriftliche Erwähnung erfolgte im Jahr 1356. Nach der Vernichtung durch Gegner des böhmischen Königs Georg von Podiebrad im August 1496 verschwand die Siedlung völlig. Dauerhaft bewohnt wurde Gablonz erst seit dem 16. Jahrhundert, als die erste Glashütte in Grünwald (Mšeno) entstand. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Gablonz am 2. Mai 1643 erneut niedergebrannt; nach Kriegsende wurden die protestantischen Einwohner zwangsweise ausgewiesen. 1808 wurde Jablonec zum Marktflecken erhoben und im Jahr 1866 durch ein Dekret von König Franz Josef I. zur Stadt. Im Jahre 1868 wurde Gablonz zum Sitz des Bezirkshauptmanns. Der neue politische Bezirk Gablonz bestand aus den Gerichtsbezirken Tannwald und Gablonz.

Am 28. Oktober 1918 wurde die Unabhängigkeit der Tschechoslowakei ausgerufen. Gablonz wurde am frühen Morgen des 11. Dezember von Einheiten aus Mlada Boleslav besetzt. Die deutsche Volkswehr leistete keinen Widerstand. Nach Volkszählung 1930 waren 79,5% der Gablonzer deutsch, deutsch-jüdisch bzw. deutschsprachig und 16,5% tschechisch bzw. tschechischsprachig. Heute (nach Volkszählung 2001) sind 92,5% Tschechisch und 1,5% Deutsch.

Nach dem Münchner Abkommen vom 29. September 1938 wurde die Stadt an das nationalsozialistische Deutsche Reich angegliedert. Die meisten Juden der Stadt waren bereits im Sommer 1938 geflohen, die Verbliebenen wurden verfolgt und ab 1941/42 deportiert und ermordet. Der Gablonzer Rabbiner Dr. Georg Vida floh nach Turnau, wobei es ihm gelang, die Gablonzer Tora zu retten. Viele tschechischsprachige Gablonzer waren vor dem Nationalhass geflohen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die meisten deutschen Bewohner auf Grund der Beneš-Dekrete vertrieben. Nach 1945 gründeten einige vertriebene Deutsche den Stadtteil Neugablonz sowohl in Kaufbeuren in Bayern als auch in Enns in Oberösterreich, um dort die berühmte Glasindustrie (Gablonzer Bijouterie ) fortzuführen.

In der Stadtviertel Gablonz-Reinowitz gibt es ein "Haus der tschechisch-deutschen Verständigung" (Rieger-Haus). Ein Beweis für den Reichtum der Stadt ist eine Reihe bedeutender Bauten und Stadtviertel. Zu den interessantesten gehörten Jugendstilbauten und private Villen in der jetzigen Podhorská ulice (Gebirgsstraße) und 28. října (Josef-Pfeifer-Str.); prächtige Bauten des Funktionalismus der 1930er Jahre sind die Villa Schmelowsky, die Villa Hásek (Architekt Heinrich Lauterbach), die Villa Kantor (Adolf-Loos-Schueler Architekt Heinrich Kulka), das Rathaus (Architekt Karl Winter) und die Katholische Kirche am Gewerbe-Platz (Architekt Josef Zasche).


Bevölkerungsentwicklung

Jahr in Tsd. damaliges Stadtgebiet in Tsd. bezogen auf heutiges Gebiet
1830 3 n.n.
1869 7 13
1890 15 23
1910 30 43
1930 34 50
1950 23 33
1970 34 42
1991 46 46
2001 45 45

In: Dějiny obyvatelstva českých zemí (Geschichte der Bevölkerung der Böhmischen Länder), Mladá fronta, Prag 1996, S. 397, 398

Die erste Zahl ist die Bevölkerung im Stadtgebiet (Kataster) in der damaligen Zeit, die zweite Zahl im heutigen Gebiet (die Stadt ist gewachsen, einige Dörfer wurden eingemeindet).

Stadtgliederung

  • Jablonec nad Nisou (Gablonz an der Neiße)
  • Jablonecké Paseky (Bad Schlag)
  • Kokonín (Kukan)
  • Lukášov (Luxdorf)
  • Mšeno nad Nisou (Grünwald an der Neiße)
  • Proseč nad Nisou (Proschwitz an der Neiße)
  • Rýnovice (Reinowitz)
  • Vrkoslavice (Seidenschwanz)

Politik

Bürgermeister

  • ? - 1918 Adolph Heinrich Posselt
  • 1918-1934 Karl Richard Fischer (Nationalisten - DNAP)
  • 1934-1938 Oskar Petrowsky (SdP)
  • 1938-1942 Oswald Wondrak (NSDAP, 1942-45 als Strafe an der Front)
  • 1942-1945 (Mai) Karl Lehmann (NSDAP, als Stellvertreter)
  • 8. Mai 1945 - 21. Mai 1945 Karel Šimon (Demokrat)
  • 21. Mai 1945 - 1950 Karel Šilhán (Kommunist)

Städtepartnerschaften

Wirtschaft und Infrastruktur

Zunächst waren Industriebetriebe im Ort Glashütten angesiedelt. In der 2. Hälfte des 17. Jahrhundert entwickelte sich die Glasindustrie sehr schnell. Die Lage an der deutschen und polnischen Grenze macht deutlich, dass sich Jablonec auch als Handelsplatz eignet. Weiterer Aufstieg kam für die Stadt in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts mit dem Aufkommen der Bijouterie-Manufakturen. Heute ist neben diesem Industriezweig Jablonec ein ausgezeichneter Ausgangspunkt für touristische Aktivitäten im Isergebirge und Riesengebirge.

In der Bijouterie- und Glasherstellung sollen in Jablonec und Umgebung auch heute noch 11.000 Menschen beschäftigt sein, wobei die Produktion zu großen Teilen exportorientiert ist. Außer der Bijouterie- und Glasherstellung ist auch Maschinenbau, Möbelproduktion und holzverarbeitende Industrie vertreten.

In Jablonec ist auch das Münzhaus Bižuterie Česká mincovna (Bijouterie Tschechisches Münzhaus), das tschechische Kronen für das ganze Land produziert (wurde nach dem Zerfall der Tschechoslowakei gegründet, weil das tschechoslowakische Münzhaus im slowakischen Kremnica war). Wichtigste Firmen, Glasherstellung: Ecoglass, Preciosa, Ornela, Bižuterie Česká mincovna (Bijouterie Tschechisches Münzhaus), Glass Tomeš. Die Firmen Preciosa, Bižuterie Česká mincovna und Ornela haben sich zum Verband Bijou Terra zusammnengeschlossen, der die Exportgesellschaft Jablonex besitzt.

Die Firma Soliter produziert Metallschmuck.

Die Gesellschaft Jablotron produziert Alarmanlagen, Gartentechnik, Handys etc. Sie hat großes Aufsehen mit ihrem "größten Handy" der Welt" erregt. Das Gerät "JABLOTRON GDP 02 Grand" war ursprünglich für ältere Menschen gedacht, großes Interesse zeigten aber auch Regionen mit schlechter Festnetzversorgung.

Die Firma Lucas Varity produziert Autobremsen in Jablonec und Umgebung unter dem Namen TRW Automotive Aftermarket CZ LUCAS Autobrzdy (sie nutzt hierbei Anlagen der früheren Autobrzdy, später Ateso).

Verkehr

Die Stadt ist über eine Straßenbahn der Verkehrsbetriebe Liberec mit Liberec verbunden, dorthin fahren auch Züge und Busse. Die Stadt verfügt auch über eine ausgezeichnete Autobahnverbindung mit Prag.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

  • Das neue Rathaus wurde 1931–1933 im funktionalistischen Stil nach Entwurf des Architekten K. Winter erbaut.
  • Das alte Rathaus, ein dreistöckiges Gebäude mit dem vierkantigem Turm, wurde 1867-1869 vom Reichenberger Baumeister Gustav Sachers erbaut.
  • Das Glas- und Bijouterie Museum im Jugendstil - das Gebäude gehörte ursprünglich der Exportfirma Zimmer & Schmidt. Heute ist es Sitz des Museums für Glas und Bijouterie. Seine Sammlungen enthalten Objekte zur Dokumentation der Geschichte der Glasmacherei, des Herstellung von Schmuck und Bijouterie, und neu auch der Medaillenkunst und Münzenprägerei, das alles in besonderer Hinsicht zur Entwicklung in Nordböhmen.
  • Die römisch-katholische Annenkirche, ein einschiffiges rechteckiges Barockobjekt mit polygonalem Presbyterium wurde 1685-1687 erbaut.
  • Das ehemalige Pfarramt ein Gebäude vom Anfang des 18. Jahrhunderts mit einer Neo-Renaissance-Fassade vom Ende des 19. Jahrhunderts. Bemerkenswert sind die Statue der hl. Maria vor der Kirche und ein etwa 1 m hohes Versöhnungskreuz an der Kirchwand von 1666.
Bild:Cz jablonec divadlo.jpg
Stadttheater Jablonec nad Nisou
  • Das Stadttheater (Mestské divadlo) wurde nach den Plänen der Wiener Theaterarchitekten Fellner und Helmer 1906-1907 grundrißgleich mit jenen in Gießen und Klagenfurt im Jugendstil erbaut.
  • Die römisch-katholische Herz Jesu Kirche ein dreischiffiges rechteckiges Ziegelobjekt mit einem Querschiff und einem vierkanigen Turm - wurde in den Jahren 1930 - 1931 erbaut. Autor des Entwurfes war ein Gablonzer Landsmann, der Architekt Josef Zasche.
  • Die evangelische Pfarrkirche, ein pseudogotisches einschiffiges Objekt mit einem rechteckigen Turm an der Vorderfront – erbaut 1892 vom Baumeister Arwed Thamerus.
  • Die altkatholische Kreuzkirche im Jugendstil in den Jahren 1900 - 1902 erbaut. Die Pläne stammen vom Gablonzer Architekten Josef Zasche.
  • Die Talsperre von Jablonec 1906 - 1909 im Gebiet der Gewässer der Neiße erbaut. Sie soll den regelmäßig sich wiederholenden Überschwemmungen vorbeugen. Die Talsperre liegt 513 m über dem Meeresspiegel und fasst 3 Millionen Kubikmeter Wasser. Dieses technische Baudenkmal ist ein attraktives Erholungsgebiet der Stadt.
  • Das Schützenhaus das Gebäude war Sitz des hiesigen Scharfschützenvereines, der im Jahr 1761 gegründet wurde. Das spätere Zentrum des Gablonzer Sport- und Kulturlebens wurde in den Jahren 1870 - 1771 erbaut.
  • Petřín dieses Ausflugsrestaurant (früher Niklkoppe genannt) mit einem 20 m hohen Aussichtsturm am Südrand der Stadt wurde im Jahr 1906 erbaut.
  • Galerie Belveder ein spätbarockes zweistöckiges Haus mit einem Mansarddach - gehört zu den ältesten Gebäuden der Stadt. Die erste Erwähnung finden wir aus dem Jahre 1773.
  • Nad Prosečí (Proschwitzer Kamm) ein beliebtes Ziel für Spaziergänge zwischen Jablonec und Liberec mit Baude und Aussichtsturm.
  • Černá Studnice (Schwarzbrunnwarte) ein Granit-Aussichtsturm mit Baude aus dem Jahr 1905 nach Entwurf des Gablonzer Architekten Hemmrich.
  • Die Neißequelle befindet sich im Gelände der Ortschaft Nová Ves nad Nisou (Neudorf), in der Nähe der Hauptstraße nach Lučany nad Nisou (Wiesenthal) .

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Im Ort wirkten

  • Richard Fleißner (1903-1989), Maler und Professor der Kunstgewerbeschule in Gablonz und in München
  • Rudolf Medek, Schriftsteller und Soldat, begann hier seine Offizierslaufbahn
  • Jan Železný (*1966), tschechischer Speerwerfer, dreimaliger Olympiasieger, startete eine Zeitlang für den Gablonzer Leichtathletikverein TJ Liaz

Weblinks



hsb:Jablonec nad Nisou
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