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Fritz Stern

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Fritz Stern (* 2. Februar 1926 in Breslau) ist ein US-amerikanischer Historiker deutscher Herkunft.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Fritz Stern erhielt seinen Vornamen bei der Taufe nach seinem Paten, dem Chemiker Fritz Haber. Stern besuchte das Maria-Magdalenen-Gymnasium in Breslau. 1938 verließ die Familie Deutschland und wanderte in die USA aus. Stern studierte an der Columbia University in New York City, wo er seinen Bachelor- und Magister-Abschluss erhielt und promovierte. Von 1953 bis 1997 war er dort Professor. In den USA und in Deutschland ist er als angesehener Historiker weithin bekannt.

Seine Forschungsschwerpunkte sind die deutsche Geschichte und die Geschichtsschreibung. Er hat sich häufig auf die Entwicklung und den Aufstieg des Nationalsozialismus sowie seine Eigenschaften konzentriert. So publizierte er 1953 mit Kulturpessimismus als politische Gefahr eine frühe Auseinandersetzung mit Vorläufern des Nationalsozialismus anhand der kulturpessimistischen Literatur von Paul de Lagardes "Deutsche Schriften", Julius Langbehns "Rembrandt als Erzieher" und Arthur Moeller van den Brucks "Das Dritte Reich", dessen Bücher jeweils Bestseller in großen Kreisen des Bürgertums waren. [1]

In Deutschland seit Jahrzehnten als Gastprofessor tätig, hielt Fritz Stern 1987 als erster ausländischer Staatsbürger im Deutschen Bundestag die Festrede zum 17. Juni, wobei er alle Erwartungen auf eine Wiedervereinigungs-Rhetorik unterlief: der Arbeiteraufstand 1953 habe allein die bürgerlichen Freiheitsrechte zum Ziel gehabt. Gleichwohl überzeugte er 1990 Margaret Thatcher, dass man vor einem wiedererstarkenden Deutschland keine Angst zu haben brauche. Daraus sprach ein Vertrauen in die endgültige Westbindung unserer Republik, für die er selbst die Formel von der "zweiten Chance" fand. 1993 schließlich fungierte er für ein Jahr als Berater des amerikanischen Botschafters in Bonn, Richard Holbrooke.

Stern ist verheiratet mit der US-Verlegerin (Farrar, Straus and Giroux - Verlagsgruppe Holtzbrinck) und Autorin Elisabeth Sifton, der Tochter des Theologen Reinhold Niebuhr, dessen Eltern aus Deutschland in die USA einwanderten.

Werke (Auszug)

  • The Varieties of History: From Voltaire to the Present, 1970 (deutsch: Geschichte und Geschichtsschreibung)
    Eine Sammlung von Schriften und ein Überblick der Historiographie seit dem 18. Jahrhundert.
  • Gold and Iron, 1977 (deutsch: Gold und Eisen: Bismarck und sein Bankier Bleichröder)
    Dieses Buch handelt von dem Bankier Gerson Bleichröder und Otto von Bismarck. Bleichröder war ein vertrauter Freund des Eisernen Kanzlers. Stern untersucht die Entwicklung der unsicheren Beziehungen zwischen Juden und Nicht-Juden in Deutschland.
  • The Failure of Illiberalism (1973) und Dreams and Delusions (1987, erweiterte Ausgabe 1999) (deutsch: Der Traum vom Frieden und die Versuchung der Macht)
    Diese Werke sind Sammlungen von Essays und aufgezeichneten Reden zur deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.
  • Verspielte Größe. Essays zur deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts. München, C.H. Beck 1996
  • Das feine Schweigen. Historische Essays. München, C.H. Beck 1999
  • Der Traum vom Frieden und die Versuchung der Macht. Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert. Pantheon (Oktober 2006). ISBN: 3570550133 (dt. Übersetzung von Dreams and Delusions)

Auszeichnungen

1999 wurde er mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2004 mit der Leo-Baeck-Medaille ausgezeichnet.

Professor Stern sitzt im Senat der Deutschen Nationalstiftung, die 1993 unter anderem von Altbundeskanzler Helmut Schmidt gegründet wurde und der zu seinem engsten Freundeskreis gehört. Dazu zählte auch die inzwischen verstorbene Grande Dame des deutschen Journalismus, Marion Gräfin Dönhoff. 2005 verlieh ihm die Stiftung den Deutschen Nationalpreis.

2006 erhielt Stern eine der höchsten staatlichen Ehrungen Deutschlands, das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.[2]

Quellen

  1. Matthias Kamann in der Rezension Die geistigen Vorläufer des Nationalsozialismus zu Fritz Sterns Buch Kulturpessimismus als politische Gefahr. In: Deutschlandradio Kultur vom 23.12.2005. Siehe Weblinks
  2. Laudatio von Bundespräsident Horst Köhler, 28. September 2006

Weblinks


Wikipedia
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