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Friedrichstadt

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Bild:Disambig-dark.svg Dieser Artikel behandelt die schleswig-holsteinische Stadt Friedrichstadt, weitere Orte mit diesem Namen sind der historische Berliner Ortsteil Berlin-Friedrichstadt, der Dresdner Stadtteil Friedrichstadt, der Wittenberger Stadtteil Friedrichstadt und Düsseldorf-Friedrichstadt.
Wappen Deutschlandkarte
Bild:Friedrichstadt Wappen.png
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Nordfriesland
Amt: Friedrichstadt
Koordinaten: Koordinaten: 54° 22′ N, 9° 4′ O54° 22′ N, 9° 4′ O
Höhe: 2 m ü. NN
Fläche: 4,03 km²
Einwohner: 2496 (29. Sep. 2006)
Bevölkerungsdichte: 619 Einwohner je km²
Postleitzahl: 25840
Vorwahl: 04881
Kfz-Kennzeichen: NF
Gemeindeschlüssel: 01 0 54 033
Adresse der
Amtsverwaltung:
Am Markt 11
25840 Friedrichstadt
Webpräsenz:
Bürgermeister: Peter Hofmann
Lage der Stadt Friedrichstadt im Kreis Nordfriesland
Bild:Friedrichstadt in NF.PNG

Der Luftkurort und Stadtdenkmal Friedrichstadt (dänisch: Frederiksstad) liegt zwischen den Flüssen Eider und Treene im Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein. Die Stadt gehört dem Amt Friedrichstadt an.

Sie wurde 1621 durch den gottorfschen Herzog Friedrich III. gegründet. Sein Ziel war die Errichtung einer Handelsmetropole. Er holte dazu niederländische Bürger, besonders die dort verfolgten Remonstranten an den Ort und gewährte ihnen Religionsfreiheit. Als Folge dieser Maßnahme siedelten sich Mitglieder vieler anderer Religionsgemeinschaften in Friedrichstadt an, so dass der Ort als "Stadt der Toleranz" galt. Heute sind noch fünf Religionsgemeinschaften aktiv. Die Bauten der niederländischen Backsteinrenaissance und Grachten prägen das Stadtbild des heute vor allem vom Tourismus lebenden "Holländerstädtchens" mit knapp 2.500 Einwohnern.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Bild:Friedrichstadt blaue brücke.jpg
Brücke über den Westersielzug

Friedrichstadt liegt in der Eider-Treene-Niederung am Zufluss der Treene in die Eider. Bewohnbar wurde der in der Marsch gelegene Platz, an dem sich Friedrichstadt befindet, erst 1570, als Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorf hier die Treene durchdämmen ließ, so dass sie ihrem ursprünglichen Bett nicht mehr folgen konnte. Zwei Sielzüge mit Schleusen verbanden sie mit der Eider und das Gebiet um den Zusammenfluss wurde entwässert. Die Stadt liegt daher auf einer künstlichen Insel. Im Süden begrenzt die Eider das Stadtgebiet, im Norden die Treene, die Ost- und Westgrenze werden jeweils durch den Oster- und Westersielzug gebildet. Durch die Innenstadt selbst fließt der Mittelburggraben, (früher Mittelburgwall, von niederländisch burgval - Graben).

Heute ist Friedrichstadt nur noch durch eine Schleuse von der Eider getrennt. Die Gezeiten, die von der Nordsee kommend auch im Fluss herrschen, beeinflussen den Wasserstand innerhalb Friedrichstadts somit nicht. Vor Überflutung durch Sturmfluten ist die Stadt doppelt geschützt: zum einen durch die Eiderabdämmung vor Friedrichstadt, zum anderen durch das 1973 eingeweihte Eidersperrwerk, dass das Eindringen der Fluten bereits direkt an der Eidermündung verhindern soll.

Nächste größere Städte sind Husum im Norden, Heide im Süden sowie Rendsburg und Kiel im Osten.

Geschichte

Ehrgeizige Gründungspläne 1620/1624

Herzog Friedrich III. von Schleswig-Gottorf verfolgte ehrgeizige Pläne, unter anderem wollte er sein Land zum Mittelpunkt einer Handelslinie von Spanien über Rußland nach Ostindien aufwerten. Um einen starken Handelshafen an der Nordseeküste zu etablieren, wollte er Niederländer, damals die führenden Händler Europas, für eine Mitarbeit gewinnen. Sein Plan bestand darin, unter anderem den dort verfolgten Remonstranten Religionsfreiheit in einer Siedlung mit niederländischer Amtssprache innerhalb seines Herrschaftsgebiets zu gewähren.

Friedrich setzte sich gegen Widerstände aus dem nahegelegenen Tönning, wo Händler die neue Konkurrenz fürchteten und von Friedrichs Mutter Augusta, die entschieden dagegen war, fremde Religionsgemeinschaften in das Land zu lassen, durch. Er erließ 1620 zwei Oktroy, die den Remonstranten Land, Religionsfreiheit, wirtschaftliche Privilegien, niederländische Amtssprache und eine Verwaltung nach dem Vorbild von Amsterdam und Leiden versicherten.

1621 wurde mit dem ersten Hausbau der Exulantensiedlung begonnen: der Grundstein für das Haus des mennonitischen Bauherrn Willem van den Hove kam am 21. September des Jahres in die Erde. Van den Hove vertrat den Herzog und war maßgeblich an der frühen Stadtgeschichte beteiligt, ab 1623 holte er weitere finanzkräftigere Mennoniten in die Stadt.

Sein ehemaliges Haus heißt noch heute "Alte Münze" - zwar erhielt Friedrichstadt nie das von Friedrich zugesagte Münzprivileg, klar war aber immer dass die eventuelle Münze in van den Hovens Haus eingerichtet würde. Durch den Dreißigjährigen Krieg, der seit 1626 auch Schleswig-Holstein stark in Mitleidenschaft zog, entwickelte sich die Siedlung nur langsam. 1630 konnten die Remonstranten ihren Glauben auch wieder in ihrer Heimat ausüben, so dass viele zurückkehrten.

1633 erhielt Friedrichstadt das Stadtrecht, trotz schlechter wirtschaftlicher Entwicklung warb Friedrich weiter um Neubürger.

Sein Stellvertreter van den Hove musste die Stadt 1634 vollkommen verarmt verlassen, aufgrund der Stadtentwicklung war er.

Lange blieben die Niederländer die dominierende Bevölkerungsgruppe, was sich auch daran zeigt, dass der Rat bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts seine Protokolle in niederländisch verfasste.

Kriegsopfer: Dreißigjähriger Krieg bis Schleswigscher Krieg

Zentral auf dem Weg nach Eiderstedt gelegen, nahmen in den Kriegen des 17. und 18. Jahrhunderts immer wieder verschiedene Truppen die Stadt ein. Wallenstein plante, Friedrichstadt als Kriegshafen einzurichten, was jedoch daran scheiterte, dass er seine anvisierte Kriegsflotte nie aufbaute. Nachdem der dänische König 1715 die Gottorfsche Festung Tönning schleifte, entstanden kurzfristig Pläne in Friedrichstadt eine neue aufzubauen.

Ein anderer prominenter Flüchtling war der spätere fränzösische "Bürgerkönig" Ludwig Philipp, der 1796 auf der Flucht vor der französischen Revolution einige Monate unter dem Decknamen "De Vries" als Hauslehrer in der Stadt arbeitete.

Die durch den aufkommenden Nationalismus ausgelösten Konflikte in der Mitte des 19. Jahrhunderts sollten in der Stadt der religiösen Toleranz zu einer Tragödie führen. Bis zum Herbst 1850 hatte der Erste Schleswigsche Krieg um das Herzogtum Schleswig den Südwesten des Landes verschont. Nach der Schlacht von Idstedt am 25. Juli 1850 war der Krieg praktisch entschieden, und die verbliebenen schleswig-holsteinischen Truppenverbände zogen sich nach Holstein zurück. Vom 29. September bis zum 4. Oktober 1850 versuchten sie jedoch in einer letzten Kraftanstrengung, die mit dänischen Truppen belegte Stadt zurückzuerobern, was jedoch misslang. Durch die Bombardierung der Stadt kamen 31 Einwohner ums Leben oder wurden verletzt, 53 dänische Soldaten starben, 285 Häuser wurden zerstört, darunter das Rathaus und die Remonstrantenkirche. Das Stadtarchiv brannte nieder. Den Opfern ist heute ein Denkmal an der evangelischen Kirche gesetzt.

Preußen, die Zeit des Nationalsozialismus und danach

Bild:Wd b178.JPG
Pferdemarkt im Jahr 1895
Bild:Wd b181.JPG
Große Brücke im Jahr 1895

Im zweiten Krieg um Schleswig 1864 wurde Friedrichstadt kampflos besetzt. Das gesamte Herzogtum kam unter preußische Verwaltung und wurde 1867 Teil der einheitlichen Provinz Schleswig-Holstein. Im selben Jahr wurde ein Amtsgericht eingerichtet, das bis 1975 bestand. Zu diesem Zeitpunkt wurde Friedrichstadt der Region Stapelholm zugeordnet. Ein Relikt aus dieser Zeit ist die Bauernglocke, welche typisch für alle Stapelholmer Orte ist. Sie steht jetzt auf dem Platz vor der Jugendherberge.

In der Kommunalreform 1869 wurde Friedrichstadt, das wie alle Städte des Landes bis dahin außerhalb der Ämter und Landschaften gestanden hatte, dem neu geschaffenen Kreis Schleswig zugeordnet, dessen westlichste Spitze es bildete.

Jahrzehnte später fand der Nationalsozialismus auch in Friedrichstadt seine Anhänger. In der Reichspogromnacht verhafteten SA-Männer einen Teil von ihrer jüdischen Mitbürger und lieferten sie in das KZ Sachsenhausen ein. Weitere Juden flüchteten nach Hamburg, viele von ihnen kamen von dort aus ins Konzentrationslager. [1] Die Einwohnerstruktur änderte sich nach 1945 noch einmal erheblich durch Heimatvertriebene aus dem ehemals deutschen Gebieten. Bei der Kreisreform 1970 wurde Friedrichstadt nicht Teil des Kreis Schleswig-Flensburg, sondern kam mit den Gemeinden Seeth, Drage sowie dem ehemaligen Kreis Eiderstedt an den Kreis Nordfriesland.

Religion

Bild:Remonstrantenkirche.jpg
Turm der Remonstrantenkirche

Neben den bereits zur Stadtgründung angesiedelten Remonstranten, heute die einzige Remonstranten-Kirchengemeinde Deutschlands, zog Friedrichs Politik Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften an, die sich in Friedrichstadt ein freies Leben erhofften.

Die von den Stadtgründern angeworbenen Mennoniten haben noch heute eine aktive Gemeinde.

Als nächstes gewährte Friedrich am 24. Februar 1624 römisch-katholischen Christen eine eingeschränkte Religionsfreiheit, da er für seine Pläne auf das Wohlwollen Spaniens gegenüber der Siedlung angewiesen war. Die katholische Gemeinde ist damit die älteste katholische Gemeinde Schleswig-Holsteins seit der Reformation. Sie durften eine Kirche bauen, diese aber keinen Turm haben, Gottesdienste durften sie nicht in der Öffentlichkeit feiern. Von 1627 bis 1638 betreuten Dominikaner die Gemeinde, 1646 zogen jesuitische Missionare aus Belgien in die Stadt. Die katholische Gemeinde blieb immer eine der kleineren in Friedrichstadt, ihre höchste Mitgliederzahl erreichte sie um 1750 mit 120 Mitgliedern. Überregional bedeutsam war sie unter anderem, weil sie eine von nur vier an der gesamten Westküste Schleswigs und Holsteins war. Innerkirchlich gab diese Gemeinde wichtige liturgische Anstöße. Hier wurde zum ersten Mal die Messe in der Landessprache und nicht in dem bis dahin üblichen Latein gefeiert. Trotz ihrer Bedeutung als römisch-katholisches Zentrum des Gottorfer Herzogtums wurde die Zahl der Mitglieder immer weniger. Erst mit den Heimatvertriebenen 1945 kam nach 1750 wieder eine nennenswerte Anzahl von Katholiken in die Stadt. Die katholische Gemeinde gilt aufgrund ihrer frühen Neugründung nach der Reformation als katholische Mutterpfarrei an Schleswig-Holsteins Westküste. Die Gemeinde mit ihren etwa 80 (Jahr: 2003) Mitgliedern [2] hat keine eigene Kirche mehr, ist aber noch im religiösen Leben aktiv.

Friedrichs Versuche, spanische Sepharden anzusiedeln, scheiterten am Widerstand des spanischen Königs. 1675 gelang es jedoch, deutsche Juden anzuwerben. Die Gemeinde umfasste 1850 500 Mitglieder und war zeitweise die zweitgrößte Religionsgemeinschaft in Friedrichstadt, die bis zu einem Fünftel der Friedrichstädter Bevölkerung stellte. Die jüdische Gemeinde war eine der größten Schleswig-Holsteins und des dänischen Gesamtstaats. Durch abwandernde Gemeindemitglieder sank die Zahl der Juden bis 1933 auf 32 Mitglieder. Mit dem Nationalsozialismus wurde die Gemeinde zerstört. Heute erinnern nur noch zwei Friedhöfe und Gebäude der historischen Synagoge an die Juden.

Deutsche Lutheraner und dänische Lutheraner kamen dazu. Sie bilden noch heute Gemeinden. Die deutsch-lutherische Gemeinde wuchs schnell zur größten Gemeinde in der Stadt heran, war aber im Vergleich zu Remonstranten oder Mennoniten vergleichsweise arm. Sie war für Kirchenbau und -erhaltung auf wiederholte Spenden des Gottorfer Herzogs angewiesen. Ihren eigenen Kirchbau konnte die Gemeinde erst 1643, also 22 Jahre nach Stadtgründung in Angriff nehmen konnte. Beide Gemeinden existieren noch.

Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften folgten, konnten sich aber oft nur kurz in der Stadt halten.

Die Gemeinschaft der aus der Schweiz kommenden Socinianer verwies Christian Albrecht 1663 nach gerade einmal 18 Monate wieder außerhalb des Landes. Ein Großteil der Gemeindemitglieder folgte seiner Aufforderung, andere traten der remonstrantischen Kirche bei.

Die Friedrichstädter Quäker bildeten eine der ältesten Gemeinden Deutschlands. Auf Anregung des zeitweise dort anwesenden William Penn entstand von 1677 bis 1678 das erste deutsche Gebetshaus dieser Glaubensrichtung. Gemeinde wie Gebetshaus selbst überstanden die Zeiten nicht. Der letzte Quäker in Friedrichstadt ist für 1727 dokumentiert, 1850 wurde das Gebetshaus im Krieg zerstört.[3]

Die schwedischen Separatisten mussten Schweden nach dem Bruch mit der schwedischen Staatskirche verlassen und kamen nach längerer Wanderung auch nach Friedrichstadt, wo sie allerdings nur von 1735 bis 1737 nachweisbar sind.

Die Zeugen Jeohovas siedelten während der Weimarer Republik und in der Zeit des Nationalsozialismus in Friedrichstadt, die Gemeinde überlebte aber die nationalsozialistische Verfolgung nicht.

Mormonen lebten seit den 1920ern bis in den 1950er in der Stadt, bevor sich ihre Spuren verlieren.

Politik

Von den 17 Sitzen in der Stadtvertretung hat die CDU seit der Kommunalwahl 2003 sieben Sitze inne, die SPD sechs, die Wählergemeinschaft FBV drei und der SSW einen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Stadtbild

Bild:Friedrichstadt mittelburgwallbrueck.jpg
Steinbrücke über den Mittelburgwall (neben dem Marktplatz).

Die Planstadt ist anhand eines Schachbrettmusters gestaltet. Der ältere, von der holländischen Backsteinrenaissance geprägte Teil der Stadt wird von einer Gracht namens Mittelburggraben durchzogen. Über sie führen drei Brücken, eine davon 1773 aus Feldsteinen gebaut. Eine weitere Gracht, die Norderburggracht, wurde bereits 1705 zugeschüttet. Die Wasserarme der Stadt bieten Lebensraum für unzählige Enten, deren Fütterung wegen der Überpopulation mittlerweile verboten wurde.

Die Häuser aus den Gründungstagen der Stadt sind mit aus Holland eingeführten Baumaterialien von holländischen Baumeistern gebaut. Eine umfassende Stadtsanierung in den 1970ern und 1980ern restaurierte viele dieser Gebäude.

Marktplatz

Bild:Friedrichstadt-markt2004.jpg
Häuserzeile am Markt

An der Westseite des Marktplatz befinden sich noch neun Treppengiebelhäuser aus Backstein, die in der Gründerzeit der Stadt entstanden sind. Auf der Mitte des Marktes steht ein kleines Brunnenhäuschen von 1879. Das von Heinrich Rohardt errichtete Gebäude ist mit vier plattdeutschen Sprüchen des Dichters Klaus Groth zum Thema Wasser verziert.

Bürgerhäuser

Bild:Friedrichstadtdoppelhaus.jpg
Doppelgiebelhaus in der Prinzenstraße

Durch die Beschießung von 1850 wurde ein Großteil des historischen Baubestandes vernichtet. Die danach errichteten Bauten fügen sich zwar stilistisch meist in das bereits bestehende ein und geben ein harmonisches Stadtbild, sind jedoch oft schlichter. Dennoch finden sich auch außerhalb des Marktes einige historische Bauten. Eines der größten Bürgerhäuser liegt am Ostersielzug 7. Das Gebäude der Backsteinrenaissance diente früher als remonstrantischer Gemeindesaal. Zwei bedeutende Häuser finden sich in der Prinzenstraße. Das „Paludanushaus“ von 1637 ist ein prachtvolles fünfachsiges Giebelhaus mit eindrucksvoller Rokokotür, das seit 1840 seinen Barockgiebel trägt. Kleiner ist das 1624 gebaute „Doppelgiebelhaus“ schräg gegenüber.

Auffallendes Merkmal vieler Bauten sind die Hausmarken oder Gevelstene, oft farbig angemalte Reliefs über der Eingangstür, die einen Hinweis auf die ehemaligen Erbauer oder Bewohner geben und oft noch aus der Zeit der Stadtgründung stammen. Die älteste Hausmarke zeigt eine Taube mit Ölzweig und stammt von 1622.

Sakralbauten

Im Gegensatz zu den meisten anderen Städten befindet sich keine Kirche zentral am Marktplatz. Während die Kirchtürme von lutherischer und remonstrantischer Kirche noch heute die Silhouette der Stadt prägen, handelt es sich bei den anderen Sakralbauten um Gebäude, die nicht höher sind als ihre Nachbarschaft.

Der Saalbau der Remonstrantenkirche (wiedererrichtet 1852-1854) ist außen barock-spätklassizistisch, innen jedoch betont schlicht und enthält remonstrantischem Glauben folgend keinen Altar. Bis etwa 1885 wurde in ihr ausschließlich in niederländisch gepredigt, die Pfarrer sind weiterhin überwiegend Niederländer. Remonstrantische Gottesdienste finden heute monatlich statt, Predigtsprache ist deutsch, nur einzelne Teile wie das Vaterunser werden auf niederländisch gesprochen. Hinter der Kirche liegt der remonstrantische Friedhof, auf dem bis heute auch Katholiken ihre letzte Ruhe finden, während die Mennoniten 1708 einen eigenen Friedhof errichteten.

Bild:5 Giebelhaus.jpg
Die ehemalige katholische Kirche (ganz links) und das 5-Giebel-Haus am Fürstenburgwall (ganz rechts)

Die katholische Gemeinde zog innerhalb Friedrichstadts mehrmals um. Nachdem die Jesuiten 1646 in die Stadt kamen, fanden Gottesdienste im Fünfgiebelhaus statt. 1846 baute der Kopenhagener Architekt Friedrich Hetsch eine Kirche, die die Friedrichstädter jedoch schon 1849 aufgrund von Konstruktionsmängeln wieder abrissen: die Decke des Gebäudes war eingestürzt. 1854 folgte ein weiterer Kirchenneubau, in dem sich die Gemeinde bis 2003 befand.[4], die ehemalige katholische St. Knud-Kirche am Fürstenburgwall wurde am 31. Oktober 2003 profaniert. In der neugotischen Kirche ohne Turm findet nur noch einmal im Monat ein Wortgottesdienst statt. [5].

Im Gegensatz zu anderen profanierten Kirchengebäuden will das Erzbistum Hamburg die denkmalgeschützte Kirche aufgrund ihrer historischen Bedeutung auf jeden Fall erhalten. Am 5. Dezember 2005 beschloss ein vom Bischof ernanntes Kuratorium den Künstler Otmar Alt mit einer kompletten Neugestaltung der Kirche zu beauftragen. Alt sagte zu [6], bisher scheitert das Projekt aber daran, dass für die Sanierung und künstlerische Gestaltung eine sechsstellige Summe notwendig wäre. Heute noch kann man im Kirchenschiff sechs hölzerne Apostelfiguren aus dem 17. Jahrhundert, den Christuskörper von 1230 und die Kirchenbänke von 1760, die vorher in einer katholischen Kapelle standen, sehen. Der Corpus Christi am Altarkreuz soll als Strandgut aus dem Meer gerettet worden sein.

Bild:Friedrichstadt stchristoph innenraum.jpg
Innenraum der Sankt-Christopherus-Kirche mit Jürgen-Ovens-Altarbild.

Ferner existiert die evangelisch-lutherische St.-Christophorus-Kirche am Mittelburgwall, die auch den katholischen Christen Obdach gewährte und deren Gemeindesaal die Katholiken mitnutzen. Die Saalkirche nach niederländischem Vorbild stammt von 1643-1649, der Westturm von 1657, die barocke Turmhaube von 1762. Das Altargemälde von 1675 malte der Rembrandt-Schüler Jürgen Ovens, der Hofmaler von Friedrich III.. Es zeigt die Beweinung Christi. Ovens selbst stellte sich in einer Männergestalt oben links dar und fand 1678 seine Grabstätte in der Kirche. Die Kanzel fertigte Heinrich Ringerink um 1600. Der Überlieferung nach soll sie zusammen mit der Taufe und einer der Glocken aus bei der Burchardiflut untergegangenen Kirchen Alt-Nordstrands stammen. Die Verbindung zum Meer zeigt ein Votivschiff von 1738 mit der Aufschrift „Der löblichen Schifferzunft zur Ehre und dieser Kirche zur Zierde. Anno 1738.“ Die übrige Inneneinrichtung wurde aber bei einer Renovierung von 1763 stark verändert. Ihren Namen erhielt die Kirche erst 1989. Im Angedenken an die zahlreichen Touristen, die Friedrichstadt und die Kirche besuchen, benannte die Gemeinde sie nach St. Christophorus, dem Schutzheiligen der Reisenden.[7]

Bild:Friedrichstadt mennonitenkirche und alte boerse.jpg
Mennonitischer Friedhof vor Betsaal und der Rückseite der Alten Börse.

In der Alten Münze findet sich der Betsaal der Glaubensgemeinschaft der Mennoniten. Diesen nutzt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs auch die ev.-luth. dänische Gemeinde. Aus dem Inneren des Museums für Stadtgeschichte kann man in den Betsaal hineinsehen. Hinter dem Betsaal im Innenbereich des gesamten Häuserblocks liegt der mennonitische Friedhof, auf dem sich noch zahlreiche Grabsteine aus der frühen Phase der Stadtgeschichte befinden.

Die ehemalige Synagoge von 1845 wurde 1938 während der Reichspogromnacht in Teilen zerstört, 1941 in ein Wohnhaus umgewandelt. Sie dient seit einer aufwändigen Restaurierung 2003 als Kulturzentrum. In ihrem Inneren befindet sich eine Ausstellung über die Geschichte der jüdischen Gemeinde. Auf die ehemalige jüdische Schule und das ehemalige Rabbinat deutet nichts mehr hin, der alte Friedhof von 1677 wurde 1939 auf Druck der Stadtverwaltung hin aufgelöst, die meisten Grabsteine verschwanden spurlos. Der neuere jüdische Friedhof von 1888 überstand die Zeit des Nationalsozialismus und befindet sich noch immer an der Nordostecke des lutherischen Friedhofs außerhalb des ursprünglichen Stadtgebiets.

Museen

  • Museum für Friedrichstädter Geschichte (seit 1997 in der Alten Münze).
  • Puppen und Spielzeugmuseum
  • Tischlereimuseum Jacob Hansen

Sport

Bild:Friedrichstadt ruderclub.jpg
Klubhaus der Rudergesellschaft am Westersielzug

Die Turnhalle der Realschule, ein Fußballplatz, ein Freiluftschwimmbad sowie Treene, als auch die Eider dienen diversen Vereinen für ihre Betätigungsfelder, z.B.

  • der Schützengilde von 1690, dem ältesten noch bestehende Verein der Stadt. Sie organisiert das alle drei Jahre stattfindende Schützenfest.
  • den Reitergilden (Ringreitergilde v. 1812; Jungringreitergilde v. 1947), die der regionalen Sportart des Ringreitens nachgehen.
  • dem Segelclub Friedrichstadt, der bereits seit 1971 ein Optimisten-Trainingslager ausrichtet, an dem bis über 100 Kinder und Jugendliche aus Schleswig-Holstein das Segeln lernen und trainieren.
  • der Friedrichstädter Rudergesellschaft v. 1926, die immer wieder deutsche Meister stellen konnte.

Zusammen mit dem Drachenbootverein Schwerin veranstaltete die Rudergesellschaft anläßlich der Neueinweihung ihres Ruderhauses 2005 ein Drachenbootrennen, welches jetzt jährlich durchgeführt wird. Bei diesem Rennen steht allerdings der Spaß im Vordergrund, alle Mannschaften sind nicht professionelle Einheimische oder andere Interessierte.

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Friedrichstädter Festtage (immer letztes Juliwochenende Fr-So). Sie heben sich von anderen Veranstaltungen gleicher Art durch den Lampionkorso auf den Grachten ab. Hierbei bewerben sich diverse phantasievoll geschmückte Boote darum, durch eine Jury ausgezeichnet zu werden.
  • Ostereiermarkt, bei dem Künstler und Kunsthandwerker aus ganz Deutschland und den Nachbarländern ihre Arbeiten ausstellen und zum Verkauf anbieten

Wirtschaft und Verkehr

Wirtschaft damals

Beispielhaft für den Aufbau und Niedergang der Wirtschaft werden im folgenden der Schiffsbau und die Salzsiederei betrachtet. Es gab außerdem einige andere größere Betriebe wie eine Senffabrik, eine Säurefabrik und eine Knochenmehlfabrik, sowie diverse Gerbereien und Wäschemangeln.

Vermutlich hat es bereits um 1624 Schiffbau in Friedrichstadt gegeben, da die Stadt in diesem Jahr aus einer Verordnung genommen wurde, welche den Schiffverkauf außerhalb des Landes erst nach vierzehnjähriger Verwendung erlaubte.

1636 wurde die Aushebung eines Außenhafens abgeschlossen, der Bereich ist heute durch die Bundesstraße von dem Ortskern getrennt. Der WerftinhaberCornelis Cornelissen stellte 23. Nov. 1637 den Antrag, seine bestehende Werft an diesen Außendeich verlagern zu dürfen, damit er dort größere Schiffe bauen könne. Er war damit der erste der dortigen Werfteigner. Das die Werft in Friedrichstadt von größerer Bedeutung war, lässt sich auch aus dem Bedauern der Tönninger schließen, welche zwar durch konzentrierten Schiffsverkehr über die Eider und Nordsee gute Einnahmen hatten, aber feststellen mussten, ...aber es werden keine Schiffe hier gebaut und selbst fremde Fahrzeuge werden häufiger von hier (Tönning) nach Friedrichstadt geführt, um dort repariert zu werden. [8] Die Napoleonischen Kriege, besonders die 1806 errichtete Kontinentalsperre, während der der gesamte Schiffsverkehr in der Nordsee zum Erliegen kam, führten zu einem Niedergang des Schiffbaus. Zu diesem Zeitpunkt gab es wahrscheinlich vier Werften in Friedrichstadt. 1848 wurden die Werften im Krieg zerstört. Zumindest eine Werft sollte sich danach wieder ansiedeln, die, nachdem sie durch mehrere Eignerhände ging, 1912 schließlich ihre Pforten schloss. Auf dieser Werft wurden nachweislich Schiffe bis zu einer Größe von 25 Meter und mit bis zu 3 Masten gebaut.

Die Salzsiederei als Raffinade von Roh- zu Feinsalz ist bereits kurz nach der Stadtgründung nachzuweisen, sie wurde aber auf Grund von kollidierenden Privilegien schnell wieder aufgegeben. 1827 wurde die Salzsiederei wieder rentabel, sie war in der Zwischenzeit durch festgeschriebe Lieferanten nicht sinnvoll. Nach Einrichtung der ersten Siederei 1928 durch Nicolaus Jacob Stuhr entstanden in Friedrichstadt schließlich insgesamt drei solcher Betriebe. Stuhr wurde als Begründer des Salzsiedergewerbes in Schleswig-Holstein gefeiert, allerdings sah die Regierung um Einnahmen aus den Zöllen für die Einfuhr von Feinsalz gebracht, so dass 1939 die Zollgesetze geändert wurden. Für alle Salzarten wurde der Tarif gleich, und somit wurde dieses Gewerbe wieder unrentabel. [9]

Größter Arbeitgeber war bis Anfang des 21. Jahrhundert die Eidermühle, ein Getreide verarbeitender Betrieb, der jedoch in ein größeres, näher bei Hamburg gelegenes Werk zog.

Die Eisenbahnverbindung nach Schleswig durch die Schleswiger Kreisbahn wurde 1934 stillgelegt.

Wirtschaft heute

Der Tourismus stellt für die Stadt, die laut taz "auf jedem Meter ein Dutzend Fotomotive" bietet,[10] den überwiegenden Hauptwirtschaftszweig der Stadt dar. Grachtenfahrten zweier konkurrierender Bewerber sind in diesem Bereich ein ebenso beliebtes Angebot wie die auf 100 m² verteilte Minieisenbahnanlage namens „Modellbahn-Zauber“. Beide sind aufgrund ihrer Größe als private Wirtschaftsfaktoren im touristischen Bereich zu nennen.

Neben Hotels und Privatunterkünften bietet Friedrichstadt für seine Gäste einen Campingplatz und eine Jugendherberge. Im ehemaligen Versammlungshaus der Remonstranten ist Schleswig-Holsteins einzige Privatklinik für plastische Chirurgie untergebracht.

Verkehr

Lange war Friedrichstadt am besten über das Wasser erreichbar. Dort ist es noch möglich, von der Nordsee über die Eider und von der Ostsee über den Nord-Ostsee-Kanal und dann die Eider an die Häfen an Eider und Treene zu gelangen. Die Marschbahn HamburgWesterland führt durch Friedrichstadt, hält dort aber nur gelegentlich. Die Bundesstraßen B 5 und B 202 schließen den Ort an das deutsche Autobahnnetz an. Die B5 führt zur 25 Kilometer südlichen A 23 in Heide, die B202 zur 40 Kilometer östlichen A 7 in Rendsburg. Bei Friedrichstadt führt seit 1916 eine Brücke über die Eider, die die vorher 300 Jahre lang bestehende Fährverbindung ablöste.

Öffentliche Einrichtungen

In Friedrichstadt befinden sich drei Schulen:

Zum Besuch eines Gymnasiums begeben sich die Schüler in der Regel nach Husum

Sprache

In Friedrichstadt wird heute vor allem Hochdeutsch gesprochen. Dennoch gibt es noch Relikte der niederländischen Sprache. So haben sich noch einzelne niederländische Begriffe erhalten. Ein hier vor allem zu Silvester gegessenes Schmalzgebäck wird zum Beispiel Fudjes genannt. Frikadellen (Buletten) werden als Frikandellen (ndl. frikandel) bezeichnet.

Friedrichstadt befindet sich historisch an der Grenze zwischen niederdeutschem (in Dithmarschen und Stapelholm), dänischem (in den Goesharden) und friesischem (auf Eiderstedt) Sprachraum.

Niederdeutsch wird von vielen, vor allem älteren Menschen, gesprochen und gewinnt seit neuerem unter jüngeren Leuten wieder zunehmende Verbreitung. Dänisch wird ebenfalls gesprochen, besonders natürlich durch Bürger der dänischen Minderheit.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Söhne und Töchter der Stadt

Wappen

Das Friedrichstädter Wappen stammt von 1652 und stellt die beiden Flüsse Treene und Eider dar, die vom Nesselblatt des Hauses Holstein-Gottorf überlagert werden. Die Silberlinien um die Flüsse wurden 1986 ergänzt, um den Regeln der heraldischen Farbgebung gerecht zu werden.

Anmerkungen

  1. Bantelmann/Kuschert/Panten/Steensen: Geschichte Nordfrieslands, Heide 1995 S. 359ff.
  2. http://www.abendblatt.de/daten/2003/11/01/225176.html Hamburger Abendblatt, Meldung v. 01.11.2003
  3. Claus Bernet: "Quäkerhaus Friedrichstadt" in: Quäker. Zeitschrift der deutschen Freunde. Nr. 4 77. Jahrgang Juli-August 2003 S. 192
  4. Pfarrbrief d. Gemeinde Husum Seite 2
  5. Geschichte der Kirche St. Knud
  6. http://www.nordkirche.de/gemeinde/Friedrichstadt/St-Knud/470625e50004451fe9d4b177/1
  7. Michael Reiter: Kirchen am Meer. Kiel 2000, Lutherische Verlagsanstalt S. 40f.
  8. Herbert Karting, Segel von der Eider, Verlag H. M. Hauschild, Bremen, 1995, S. 12
  9. Mitteilungsblatt Nr. 5, Mitteilungsblätter d. Gesellschaft für Friedrichstädter Stadtgeschichte, 1973
  10. Esther Geißlinger: Kunst soll Kirchenbau retten. In: tageszeitung Nord-Ausgabe v. 23.10.2006

Literatur

  • Herbert Karting: Segel von der Eider, Verlag H. M. Hauschild, Bremen, 1995, ISBN 3-929 902-35-4
  • Jürgen Lafrenz: Friedrichstadt. In: Deutscher Städteatlas. Band II, 3 Teilband. Dortmund-Altenbeken 1979, ISBN 3-89115-314-7
  • Marie Elisabeth Rehn: Juden in Friedrichstadt. Die Vorstandsprotokolle einer israelitischen Gemeinde im Herzogtum Schleswig 1802–1860. Hartung-Gorre, Konstanz 2001, ISBN 3-89649-646-8 (Quellenedition des Protokollbuchs auch online: Volltext)
  • Christiane Thomsen: Friedrichstadt. Ein historischer Stadtbegleiter. Boyens, Heide 2001, ISBN 3-8042-1010-4

Weblinks

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wikt:
Wiktionary
Wiktionary: Friedrichstadt – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen
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