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Friedrich von Bodelschwingh der Ältere
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Friedrich von Bodelschwingh, später auch Friedrich von Bodelschwingh der Ältere (* 6. März 1831 in Tecklenburg; † 2. April 1910 in Bielefeld-Bethel) war Pastor und Theologe in Deutschland. Er arbeitete in der Inneren Mission.
Leben
Seine Eltern Charlotte und Ernst von Bodelschwingh entstammten einer alten westfälischen Adelsfamilie. Sein Vater war preußischer Finanzminister in Berlin. Durch dessen Kontakte zum Haus Hohenzollern wurde Friedrich als Kind zu Spielgefährten des späteren Kaisers Friedrich III. ausgewählt - vielleicht mit der Grund dafür, dass Friedrich von Bodelschwingh Zeit seines Lebens Monarchist blieb.
Friedrich von Bodelschwingh wollte erst Bergmann werden, machte aber nach dem Abitur eine Ausbildung zum Landwirt. Er wurde Verwalter eines modernen Gutshofes in Pommern, wo er zum ersten Mal mit der Not der landlosen Bevölkerung konfrontiert wurde.
Sein Wunsch, Menschen zu helfen, wuchs, und er wollte in die Mission gehen. Seinen Eltern überredeten ihn jedoch, zunächst Theologie zu studieren. Er studierte in Basel, Erlangen und Berlin und wurde 1863 Pfarrer.
Seine erste Gemeinde war die Evangelischen Mission unter den Deutschen in Paris. In der französischen Hauptstadt lebten damals rund 80.000 deutsche Auswanderer, die ihren Lebensunterhalt als Tagelöhner (z.B. als Gassenkehrer) verdienten. Von Bodelschwingh sammelte in Deutschland Spenden zum Bau einer Kirche und einer Schule auf dem Montmartre. Als seine Frau Ida nach der Geburt des ersten Kindes an Wochenbettdepression erkrankte, zog die Familie auf Anraten der Ärzte zurück nach Deutschland. Von Bodelschwingh nahm eine Pfarrstelle in Dellwig bei Unna an. 1869 starben innerhalb von zwei Wochen seine vier Kinder an Diphtherie. Bis 1877 bekam das Paar noch einmal vier Kinder.
1872 wurde er Leiter der 1867 gegründeten Evangelischen Heil- und Pflegeanstalt für Epileptische bei Bielefeld. Die von ihm 1874 in Bethel (hebräisch: Haus Gottes) umbenannte Anstalt (inzwischen V. Bodelschwinghsche Anstalten Bethel) machte er zusammen mit dem Mutterhaus Sarepta und dem Bruderhaus Nazareth zu einer der bedeutendsten Einrichtungen der Inneren Mission. Bodelschwingh nahm sich nicht nur der psychisch Kranken, sondern auch der Brüder von der Landstraße an, für die er nach seinem Motto Arbeit statt Almosen Arbeiterkolonien gründete und als Abgeordneter des preußischen Landtags 1903 das Wanderarbeitsstättengesetz durchsetzte. Er war Gründungsmitglied des 1884 in Leben gerufenen Evangelischen Kirchenbauvereins.
1885 wurde durch Pastor von Bodelschwingh in Bielefeld die erste deutsche Bausparkasse, die Bausparkasse für Jedermann, gegründet. In den 1890er Jahren gründete er in Norddorf auf der Nordseeinsel Amrum eine Reihe von Hospizen, in denen Menschen in christlich geprägter Umgebung Urlaub machen konnten.
Friedrich von Bodelschwingh erdachte mehrere für seine Zeit ungewöhnliche und kreative Konzepte, um a) an Spenden zu gelangen und b) den Bedürftigen Arbeit zu verschaffen. So gründete er die Brockensammlung, eine Altkleidersammlung, die noch heute existiert. Bethel-Bewohner fanden und finden so Arbeit beim Sammeln, Sortieren und Ausbessern der Kleidung, die dann verkauft wird. Durch seine guten Beziehungen zu Kirchenleitungen und staatlichen Behörden hatte von Bodelschwingh auch keine Mühe, an Genehmigungen für Kirchenkollekten und Haussammlungen zu kommen. Zu den bekanntesten Einrichtungen gehört die 1906 ins Leben gerufene Briefmarkensammelstelle.
Von Bodelschwingh hatte freundschaftlichen Kontakt mit dem Theologen Prof. Dr. Ernst von Dobschütz und dessen Mutter.
Als er am 2. April 1910 starb, übernahm sein Sohn Friedrich von Bodelschwingh (Pastor Fritz) die Leitung der nunmehr Bodelschwinghschen Anstalten.
Rezeption
Aus heutiger Sicht betrieb von Bodelschwingh professionelles Fundraising, indem er sich nicht nur um einige große, sondern um viele kleine Spenden bemühte und indem er versuchte, durch Dankesbriefe eine Beziehung zu den Spendern aufzubauen, um Einmalspender zu dauerhaften Förderern zu machen. Auch betrieb von Bodelschwingh Lobbyismus, um staatliche Förderungen für seine Einrichtungen zu begünstigen. Theodor Heuss nannte von Bodelschwingh daher „den genialsten Bettler, den Deutschland je gesehen hat“.
Die Deutsche Bundespost ehrte Friedrich von Bodelschwingh den Älteren 1951 mit einer Wohlfahrtsmarke aus der Serie Helfer der Menschheit.
Siehe auch:
Weblinks
- Literatur von und über Friedrich von Bodelschwingh der Ältere im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Eintrag (mit Literaturangaben) im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon (BBKL)
- Biographie
- Homepage von Bethel
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bodelschwingh, Friedrich von |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Pastor und Theologe, Pfarrer |
| GEBURTSDATUM | 6. März 1831 |
| GEBURTSORT | Tecklenburg |
| STERBEDATUM | 2. April 1910 |
| STERBEORT | Bethel |
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