Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.
Formatkrieg
Aus Kefk.
Ein Formatkrieg ist eine wirtschaftliche Auseinandersetzung zwischen den Anbietern von verschiedenen kommerziellen, nicht ohne weiteres kombinierbaren technischen Standard-Lösungen für ein gemeinsames Sachproblem. Viele Formatkriege enden sehr schnell mit dem Rückzug der meisten konkurrierenden Angebote.
- Der Schallplatten-Formatkrieg zwischen 331⁄3 UPM/30 cm LPs und 45 UPM/17cm "Singles" um 1948/49
- Der Videorekorder-Formatkrieg ("Video-Krieg") der späten 1970-er und frühen 1980-er Jahre.
- Der Quadrofonie-Formatkrieg in derselben Zeit.
- Während der frühen und mittleren 1980-er gab es einen Heimcomputer-Formatkrieg.
- Ein neuerer Formatkrieg ist der zwischen Microsoft Windows, Mac OS und Linux.
- SD, MMC, CompactFlash, Sony MemoryStick, XD und später auch zwischen RS-MMC, MicroSD, ... Speicherkarten
- Ein mehrheitlich entschärfter Formatkrieg zwischen DVD+R/RW und DVD-R/RW - wie auch DVD-RAM
- Ein sich ab 2005 anbahnender und bis heute andauernder Formatkrieg ist der zwischen Blu-ray Disc und HD-DVD.
Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem bekanntesten länger dauernden Formatkrieg, dem "Video-Krieg" der späten 1970er und frühen 1980er Jahre. Als die ersten Heim-Videorekorder auf den Markt kamen, gab es Auseinandersetzungen zwischen den unterschiedlichen Herstellern und Nutzern um das bessere Format. Die durchgängige gesellschaftliche Wahrnehmung jener Zeit wirkt bis heute bei der Beurteilung vergleichbarer Phänomene nach, wobei der Begriff Videokrieg zu Formatkrieg verallgemeinert wurde.
Inhaltsverzeichnis |
VHS (JVC), Betamax (Sony) oder Video 2000 (Philips)
VHS und Betamax erschienen etwa gleichzeitig am Markt, Video 2000 etwas später. VHS bot gegenüber den anderen Systemen eine schlechtere Bildqualität, andererseits längere Kassettenlaufzeiten und (anfangs) robustere Rekorder.
Das eigentliche Urpatent von Sony, welches das VHS-System überhaupt erst möglich machte, wurde von der Firma JVC erworben, da Sony seine eigene Erfindung als zu schlecht erachtete.
Wer sich die technischen Daten dieser drei konkurrierenden Videosysteme anschaut, wird schnell erkennen, dass Betamax die Nase vorne hatte, dicht gefolgt von Video 2000; das Schlusslicht gab VHS ab. Betamax lieferte die bessere Bildqualität, bot aber auch – so lange es noch Mono-Ton gab – die etwas schlechtere Tonqualität. Diese hing ganz einfach mit der relativ geringen Bandgeschwindigkeit des Betamax-Systems zusammen, da der Ton in Mono längs und nicht mit der Video-Schrägspur aufgezeichnet wird. Im übrigen sind auch die Betamax-Kassetten wesentlich kleiner und handlicher als bei VHS, der Nachteil von Betamax hierbei ist jedoch die niedrigere maximale Laufzeit (3:20 bei der L-750-Kassette für PAL-Systeme). Später konnte dann Sony als erster mit Stereo- und HiFi-Ton auftrumpfen, aber dies hatte lizenzrechtliche Gründe und lag nicht etwa daran, dass JVC technisch nicht dazu in der Lage gewesen wäre.
Marketing von JVC
Alle Firmen, die unter ihren eigenen Namen Videorecorder vertreiben wollten und weder Patente auf, noch Produktionskapazitäten für Videorecorder hatten, legten mit JVC lediglich ihr Firmen-Layout und eventuelle Besonderheiten fest und dann wurden vorerst alle Videorecorder, egal für welche Firma, unter deren jeweiligem Logo von JVC in Japan produziert. Verschiedene Firmen hatten auch neue Ideen, z.B. Frontlader gegenüber den ersten Topladern, oder Bildverbesserungssysteme. Dies hat dazu geführt, dass sich die VHS-Systeme am schnellsten weiterentwickelt haben.
Marketing von Sony
Die Firma Sony bestand dagegen bei seinen außerjapanischen Partnern darauf, dass diese eigene Produktionsstätten in jeweiligem Vertriebsland aufbauten, was naturgemäß lange Produktions-Anlaufzeiten schaffte. Unverständlich an der ganzen Sache war auch die Preispolitik, denn Sony bot mehr Leistung für weniger Geld. Wer 1979 einen Sony-Videorecorder kaufen wollte, musste oft suchen, dagegen gab es immer VHS-Recorder zu kaufen.
Die Vorgeschichte zu Video 2000
Philips war der Pionier in Sachen Heimvideosysteme gewesen; ihr 1972 eingeführtes VCR-System (Video Cassette Recorder) bot damals zwei übereinanderliegende Wickelkerne in einer kompakten quadratisch geformten Kassettengehäuse an, die eine Laufzeit von maximal 60 Minuten zuließ. Damit war das Format kleiner und praktischer als das damals übliche U-Matic-System von Sony, welches insbesondere in Schulen und Universitäten populär war. Tatsächlich konnte sich VCR nie richtig im Heimbereich etablieren. Mit dem Aufkommen des VHS-Systems in USA und Japan, wurde Philips gewahr, dass für den Heimbereich eine Laufzeit von rund 2 Stunden notwendig war, um
- den Konsumenten einen echten Mehrwert zu bieten (z.B. Aufzeichnen eines Spielfilms) und
- der Konkurrenz aus Japan identische Laufzeiten entgegen zu setzen.
So wurde durch das Herabsetzen der Bandgeschwindigkeit des VCR-Systems schließlich VCR-LP geboren. Da JVC aber 1978 bereits eine E-240 (in USA/Japan: T-240) mit einer Laufzeit von vier Stunden ankündigte, entwickelte Grundig aus einer Panikstimmung heraus das SVR-System (Super Video Recording), welches auch auf der VCR-Cassette aufbaute, aber die Bandgeschwindigkeit wiederum um die Hälfte reduzierte und somit eine Laufzeit von vier Stunden anbieten konnte. SVR plagte allerlei Kinderkrankheiten und etablierte sich nicht am Markt. Das Grundig-Management spielte damals mit dem Gedanken, sich der japanischen Konkurrenz geschlagen zu geben und eine VHS- oder Betamax-Lizenz zu beziehen, als der niederländische Partner mit einem konzeptionell neuen System aufwartete, welches dann als ein nicht vollständig ausgereiftes System auf den heiß umkämpften Markt geworfen wurde: Video 2000.
Akzeptanzprobleme von Video 2000
Die Folgen zeigten sich wenig später: Obwohl die Leistungsmerkmale von Video 2000 unbestritten zu den besten gehörten, war es die Reparaturanfälligkeit der Geräte, die legendär wurde. Eines der größten Übel war Bandsalat im Allgemeinen und Bandrisse durch Umspulen im Besonderen. Die Bildqualität hingegen konnte sich ohne weiteres mit der von Betamax messen, ebenso war der Ton besser als der von beiden anderen Systemen. Bemerkenswert ist auch die bis zu 8 Stunden betragende Spieldauer der Video2000-Kassette – nach 4 Stunden wurde sie einfach umgedreht und konnte weitere 4 Stunden bespielt werden. Das System kam auch zu spät auf den Markt, um den beiden anderen noch Paroli bieten zu können.
Ein weiterer wichtiger Punkt war zudem die Verfügbarkeit von Miet- und Kaufkassetten. Videotheken richteten ihr Angebot natürlich auf das am meisten verbreitete System aus, das war VHS. Und wie immer bei neuen Medien war auch hier die Sex- und Pornofilm-Industrie zuvorderst mit dabei. Der religiöse Philips-Konzern erlaubte jedoch keinen Vertrieb von Sexfilmen im Video2000-Format.
Kassetten- und Videorecorderpreise um 1980
Zwischen 1978 und 1982 kostete z.B. eine E240 VHS-Kassette umgerechnet etwa 27 bis 35 €, eine L195 Betamax-Kassette ca. 24 bis 27 € und eine Video-2000-Kassette 31 bis 40 €.
Abgesehen davon gab es kaum Kassetten mit den genannten Spielzeiten: Leicht verfügbar waren je nach System bei VHS die E180 (180 Min), bei Betamax die L500 (120 Min), und je 2x 180 Min bei Video-2000.
Zum Vergleich: Philips bot noch 1978 s/w-Spulenbänder mit einer Spieldauer von nur 30 Min. für sagenhafte DM 98,- (€ 50,-) an.
Bei den Videorecordern hielten sich fast alle Verkäufer (bis 1980) an die von den Herstellern empfohlenen Verkaufspreise. Diese lagen nicht unter € 1.500 (DM 2.950,-), meist sogar weit darüber.
Beispiel aus dem Quelle-Winterkatalog 1978/79
- Philips VCR Video-Kassetten-Rekorder N 1700 Long Play mit einer VC 30: DM 2.898,-
VC 30 (30 bzw. 65 Min.): DM 55,-
VC 60 (60 bzw. 130 Min.): DM 75,-
VC 70 (70 bzw. 150 Min.): DM 85,-
- AKAI VHS Video-Kassetten-Rekorder VS-9300: DM 2.989,-
E-60: DM 39,-
E-120: DM 55,-
E-180: DM 65,-
- AKAI Tragbare S/W-Video-Kassetten-Rekorder-Ausrüstung für Batterie- und Netzbetrieb Kamera mit 8fach-Zoom-Objektiv und elektronischem Monitorsucher, separates Aufzeichnungsgerät mit Schultergurt zu tragen; mit Netzteil/Ladegerät, zwei Akkus. Maximale Cassettenlänge: 30: DM 3.995,-
- AKAI Tragbare Farb-Video-Kassetten-Rekorder-Ausrüstung für Batterie- und Netzbetrieb Beschreibung wie beim S/W-Gerät, hier allerdings wird ein loses Spulenbandsystem verwendet (max. 30 Minuten): DM 13.900,-
Farb-Video-Bandspule (30 Min.): DM 49,50
| Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Formatkrieg, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. |
