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Finanzskandal
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Der Sammelbegriff Finanzskandal beinhaltet eine Vielzahl von rechtswidrigen oder undurchsichtigen Vorgängen von Wirtschaftskriminalität. Die Spannbreite der Vorgänge reicht von verspäteten Buchungen bei Überweisungen, Überschuldung, Insiderhandel über Bestechung bis hin zu vorsätzlichem Betrug. Von dieser Art Missbrauch betroffen sind alle privaten, geschäftlichen, gemeinnützigen und öffentlichen Verwaltungsebenen, die das Finanzwesen oder die wirtschaftliche Verfügungsgewalt betreffen. Die Geschichte zeigt, dass die Folgen ebenso weitreichend sein können. Von der Entlassung einzelner Personen, über nationale Regierungskrisen bis hin zum internationalen Börsencrash.
Unter Umständen führt ein Finanzskandal zum Verlust des investierten Kapitals oder zur ungerechtfertigten Bereicherung einzelner Personen. Nicht selten begründet sich ein Finanzskandal mit mangelndem Wissen oder mangelnder Aufsicht der beteiligten Personen, zum Teil auch in Ermangelung entsprechender Gesetze.
- B2A Business-To-Administration z.B. Bestechung von Politikern, Vorteilsnahme im Amt.
- B2B Business-To-Business z.B. Betrug an Großinvestoren bei Firmenübernahmen
- B2I Business-To-Investor z.B. Betrug an Kleininvestoren bei Aktienneuemissionen
Inhaltsverzeichnis |
Bekannte Skandale
Namensliste
- Ivan F. Boesky; Wurde 1986 wegen verbotener Insidergeschäfte zu drei Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von 100 Millionen Dollar verurteilt.
- Barbara Knoflach, 2004, in Verbindung mit Ereignissen um die SEB Immoinvest
- Carsten Straush, GAMAG, Derivate Handel, Das BaFin stellte die GAMAG in 05.2004 unter Abwicklung
- Abdurrahman Wahid, Indonesien, Absetzung 23. Juli 2001
- Alexander Schalck-Golodkowski, DDR, Devisenjongleur
- Bernard Cornfeld, USA auch Bernie Cornfeld genannt. In Verbindung mit Ereignissen um die Investors Overseas Services
- Bernard J. Ebbers vgl. en:Bernard Ebbers USA, MCI Worldcom, Bilanzmanipulation von 11 Milliarden USD
- Bernard Tapie, Frankreich
- Dieter Behring, Schweiz, 08.2004, Hedgefondshandel
Finanzskandale mit z. Zt. unbekannten Status
- A. Stavisky-Skandal, Frankreich, 1933/34, Der Russe A. Stavisky betrog Hunderttausende von Kleinsparern, Innenpolitische Folgen: Versuch des Regierungssturzs
- BerlinJet, Deutschland, Fluggesellschaft
- Expo 98, Portugal, Ausstellung, Verlust von 700 Millionen Mark, Quelle: Die Zeit 1999
Gründungsfinanzierungsskandal
Ein Gründungsfinanzierungsskandal zeichnet sich dadurch aus, dass die Versprechen bezüglich des Unternehmensziels oder der Gewinnerwartung bei Unternehmensgründung oder dem Markteintritt im Verlauf des späteren Geschäftsbetriebs nicht eingehalten werden. Unwissenheit, Fehlkalkulationen und Fehleinschätzungen bilden die Grundlage für die spätere Insolvenz. Nicht selten wird der Konkurs der Firma aber auch durch Handlungen der Geschäftsleitung und den Griff nach dem letzten Strohhalm hinausgezögert. Dabei werden teilweise Gesetze überschritten und es entsteht noch größerer Schaden.
- Cargolifter AG, Deutschland, Luftschiffbau, Gründung 1. September 1996 und Insolvenzverfahreneröffnung am 1. August 2002. Das Unternehmensziel wurde nie erreicht
- EMTV, Deutschland, Filmrechtehandel, Sanierung
- Panama Kanal, Panama, Wasserstraße, Bauzeit: 1. Januar 1880 bis 15. August 1914 inclusive Sanierung
- V Bird, Niederlande, Fluggesellschaft, 27. Oktober 2003 bis 8. Oktober 2004, Pleite am 15. Dezember 2004
- FlowTex, Bohrtechnologie, Schwerster Fall von Wirtschaftskriminalität in Deutschland, 1994 bis 1999
Bankenskandale
In Deutschland gehört eine Bank gewöhnlicherweise den Aktionären, Genossen oder der öffentlichen Hand. Diese haften auch bei Vergehen von Bankmitarbeitern. Größere Geldtransaktionen oder Beteiligungen werden im Regelfall durch den Vorstand vorgeschlagen und durch den Aufsichtsrat genehmigt, so daß eine umfassende Kontrolle auch in zeitlicher Hinsicht gewährleistet ist. Die Kundeneinlagen werden gewöhnlicherweise durch einen Einlagensicherungsfonds finanziell abgesichert, so daß im Schadensfall der Kunde seine Einlagen zurück erhält. Beispiele für Bankskandale:
- Banco Ambrosiano, Italien/ Vatikanstaat, Aufdeckung: 18. Juni 1982, Schadenssumme: 120 Millionen Dollar. Siehe auch: Roberto Calvi
- Berliner Bankenskandal, 2002, Siehe auch: Fondsskandale und Landesbank Berlin
- BCCI, 198x, USA. Bank. Der Langname für das Akronym lautet: Bank of Credit and Commerce International
Fondsskandale
In Deutschland wird ein Fonds im Regelfall von einer Kapitalanlagegesellschaft (KAG) aufgelegt. Diese KAG ist entsprechend dem KAGG die Tochter einer Bank. Anlaß für diese Konstruktion sind die Vorgänge um Bernard Cornfeld und der Investors Overseas Services-Pleite. Die Kundengelder sind, im Gegensatz zu den Spareinlagen bei einer Bank, nicht durch einen Einlagensicherungsfonds abgesichert. Das Kundengeld wird direkt am Markt zum Marktrisiko investiert. Dieses Risiko addiert sich zu dem Mitarbeiterrisiko der KAG (Fondsgesellschaft). Sie sitzen wesentlich näher an den Kundengeldern und eine relativ kleine Anzahl von Personen hat im Sekundentakt einen Zugriff auf einen relativ hohen Geldbestand. Aus diesem Grund wurde vom Gesetzgeber die spezielle KAG-Rechtsform gewählt, um die KAG-Geschäftsführer die besondere Verantwortung zu übertragen, damit diese im Zweifelsfall persönlich haftbar gemacht werden können. Fondsskandale haben daher eine ganz andere Qualität als Bankenskandale, die sich in kürzeren Zeiten und höheren Volumina bemerkbar machen. Die Vergehen in dieser Branche lassen sich mit Insiderhandel, Front-Running, Market-Timing oder ungerechtfertigten Provisionen beschreiben. Fast immer verfolgen Skandale in dieser Branche die Bereicherung der Täter.
Beispiele für Fondsskandale:
- Amvescap, USA. Die Muttergesellschaft von Invesco und AIM erhält im September 2004 eine Geldstrafe laut Welt.de von 450 Millionen Dollar wegen eines Market-Timing-Vergehens
- Bank of America und Fleet Boston, USA, 2004, müssen laut boerse.ard.de 675 Millionen USD Geldstrafe wegen eines Market Timing-Skandals zahlen.
- Canary Capital Partners, USA, 2004, Hedge-Fund, Laut NZZ Rückerstattung von 40 Mio. USD aus illegalen Profiten
- Investors Overseas Services Fonds von Bernard Cornfeld, USA, laut FAZ Schadenssumme: 3,5 Milliarden Mark
- Janus Capital Group, USA, 2004, Laut NZZ: Geldstrafe 225 Mio. USD
Bilanzskandale
- Ahold, Niederlande
- Adecco, Schweiz, Personalvermittler, 12.2004,
- Enron, USA, Energie, 2002,
- Fannie Mae, USA, Immobilien, 12.2004,
Bestechungen
- Amigo-Affäre, 1993
- Berliner Bankenskandal, 2002
- Flick-Affäre, 1982
- Neue-Heimat-Affäre, 1982
Sonstige Parteienskandale
Literatur
- Douglas Frantz: "Mr. Diamond : der Insider-Skandal von Wall Street". ("Levine & Co" dt.) List, München 1988. 378 S. ISBN 3-471-77541-2
- John Train: "Berühmte Pleiten : die schönsten Finanzskandale der Welt". Übersetzt aus dem US-Amerikanischen u. durch Beiträge. ergänzt von Fritz von Globig. Poller, Stuttgart 1986. ISBN 3-87959-258-6
Siehe auch
Bankenpleite, Börsencrash, Insiderhandel, Korruption, Wirtschaftskriminalität
Weblinks
- Erlebnisbäder, Einkaufzentren und Seniorenresidenzen: Subventionsbetrug und Geschlossene Immobilienfonds
- Bornpower: Skandale von Opus Dei, Organisation des Vatikan
- Creditreform: Aktuelle Analyse
- Kirchensteuern: Deutscher Orden
- Kirchensteuern: Erzbistum Berlin
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