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Fichenskandal

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Der sogenannte Fichenskandal [ˈfiʃən-] (oder auch Fichenaffäre) ist eine Episode der neueren Schweizer Geschichte. Die Fiche ist der französische Name für Karteikarte (vgl. Microfiche).

Ende der 1980er Jahre wurde enthüllt, dass die Bundesbehörden der Schweiz und auch die kantonalen Polizeibehörden rund 900.000 Einwohner der Schweiz mehr oder weniger aktiv beobachteten und über diese Einwohner Fichen anlegten (mehr als 700.000 Personen und Organisationen waren betroffen, laut offiziellen Archiven [1]). Bei der damaligen Einwohnerzahl von rund 6.500.000 Menschen sind das mehr als 10 Prozent. Ziel der Beobachtungen waren vor allem linksstehende Politiker und Mitglieder von Gewerkschaften. Mit der Fichierung sollte angeblich erreicht werden, dass die Schweiz vor kommunistischen Subversiven geschützt werde. Die Aufdeckung des Fichenskandals führte zu einem weitreichenden Aufschrei. Das Vertrauen in den Staat war erschüttert.

Zahlreiche Bürger reichten Gesuche ein, um die Herausgabe der persönlichen Fichen bzw. Akten zu erreichen. Sie trugen das auffällige Merkmal, dass die Erwähnung von Drittpersonen mit schwarzem Filzstift überdeckt wurde, um die Identität der Spitzel geheimzuhalten.

Im Skandal spielte der rechtsstehende Politiker Ernst Cincera eine herausragende Rolle. Er begann früh mit dem Anlegen einer eigenen Kartei, welche als Vorläufer der später staatlich organisierten Überwachung gilt.

In diesem Zusammenhang fanden sich auch Hinweise auf eine Schweizerische Zigeuner-Registratur. Dass diese angelegt wurde, wird heute deshalb nicht mehr bestritten. Da jedoch bisher sämtliche Recherchen von Historikern (z. B. im Rahmen der sog. Bergier-Kommission (Unabhängige Expertenkommission Schweiz - Zweiter Weltkrieg)) nur Einzelbelege in verstreuten Archivbeständen zutage fördern konnten und die Behörden sich zu diesem Thema ausschweigen, bleibt unklar, ob diese Registratur vernichtet wurde oder nach wie vor in Gebrauch ist.

Inhaltsverzeichnis

Siehe auch

Quellen

  1. Bundesarchiv - Fichenskandal

Literatur

  • Schweiz. Parlamentarische Untersuchungskommission (EJPD): Bericht der Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) vom 22. November 1989: Vorkommnisse im EJPD. Bern 1989
  • Schweiz. Parlamentarische Untersuchungskommission (EJPD): Ergaenzungsbericht der Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) vom 29. Mai 1990: Vorkommnisse im EJPD. Bern 1990
  • Engeler, Urs Paul: Grosser Bruder Schweiz: wie aus wilden Demokraten überwachte Bürger wurden: die Geschichte der politischen Polizei. Weltwoche-ABC-Verlag, Zürich 1990.
  • Komitee Schluss mit dem Schnüffelstaat (Red.: Jürg Frischknecht und Liliane Studer: Schnüffelstaat Schweiz: hundert Jahre sind genug. Limmat Verlag, Zürich 1990.
  • Georg Sonderegger, Christian Dütschler: Ein PUK-Bericht erschüttert die Schweiz. Der Fichenskandal. In: Heinz Looser et al. (Hrsgg.): Die Schweiz und ihre Skandale. Limmat Verlag, Zürich 1995

Weblinks

Wikipedia
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