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Fiat 1300
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Die Entwicklung
Bereits kurz nach der Präsentation des Fiat 1200 Gran Luce 1957 begannen die Vorbereitungen, den Nachfolger zu konstruieren. Klare Zielvorgabe für die Einordnung in die zukünftige Modellpalette war, dass er sich zwischen dem 1100 und den 1800/2100 zu positionieren hatte. Daher begann man mit der Entwicklung eines Fahrzeugs, dass die Wirtschaftlichkeit des kleinen und den Komfort des großen Wagens miteinander kombinieren sollte. Es entstanden die Modelle 116C.000 und 115C.000, die unter dem Namen Fiat 1300/1500 kommerzialisiert wurden. Beide waren bis auf den Motor baugleich.
Die Entwicklung sah eine für italienische Verhältnisse der damaligen Zeit ungewöhliche Testphase. 19 Prototypen absolvierten vor der Markteinführung 1,5 Millionen Testkilometer. Mit Erfolg: Das im April 1961 präsentierte Fahrzeug galt auch weit über seine Produktionszeit hinaus als technisch sehr robust.
Die Gestaltungsmerkmale
Die Karosserie
Das Bleckkleid war Paradebeispiel für eine gelungene Mischung aus charakteristisch-funktionalem und ästhetischen Design. Betrachtet man das Fahrzeug von der Seite, so sind Vorder- und Hinterwagen annäherend gleich groß, so das der Wagen fast symmetrisch ist. Gestaltet war das Auto in der damals modernen Trapez-Form, leicht verspielt, und stilistisch an die des damals stark beachteten Chevrolet Corvair angelehnt. Insbesondere drei Merkmale fanden sich hier wieder: das ca. 5 cm an der Heckscheibe überhängende Dach, die in eine ovale Metallblende eingefassten Doppelscheinwerfer und die in Hüfthöhe umlaufende Karosseriekante. Trotz dieser hochbordigen Form wirkte der Wagen keinesfalls pummelig. Es gab nur eine viertürige Version. Die beliebteste Farbe war weiß. Die selbsttragende Korosserie hatte die Abmessungen 4030mm x 1545mm x 1420mm.
Der Innenraum
Der Mittelklasse-Fiat war um 20 cm kürzer als der zeitgenössische Stufenheck-VW Typ 3, verfügte aber über einen 10 cm größeren Innenraum. Er war durch die vier serienmäßigen Türen bequem zu erreichen und fünf Personen fanden ohne Probleme Platz. Bedingt durch eine deutliche Wölbung des Dachs fanden auch große Personen auf den hinteren Plätzen genug Kopffreiheit. Das Gestühl gab es in Stoff oder wahlweise - gegen 100.- DM Aufpreis - in Skai. Zeitgenössische Autotester bemängelten jedoch die mangelnde Verschleissfestigkeit der Polsterstoffvarianten.
Das Armaturenbrett war serienmäßig außergewöhnlich umfassend ausgestattet: Kontrollleuchten für die Blinker (in der ersten Serie noch für die rechte und linke Seite getrennt) Öldruck, Handbremse und Fernlicht. Neben der analogen Tankuhr gab es sogar eine ergänzende rote Warnlampe. Diese Ausstattung konnten viele Konkurrenten nicht mal gegen Aufpreis bieten. Ein damals als besonders elegant wirkender Bandtacho komplettierte das Arrangement. Das Lenkrad zierte ein Hupring, die Gangwahl erfolgte per Lenkradschaltung. In der Mitte des Armaturenbretts war ein fest eingebauter Deckel mit großem Fiat-Emblem montiert, der im Falle eines Radio-Einbaus verschwand. Ein goldener Typenschriftzug fand sich auf der Klappe des Handschuhfachs.
Die Technik
Der Motor entwickelte 60 PS/DIN bzw. 70 PS/SAE (entspricht 44 kw) bei einem Gesamthubraum von 1295 ccm. Das Verhältnis Bohrung zu Hub betrug 72mm x 79,5mm. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 140 km/h. Die Gangwahl erfolgte über ein vollsychronisiertes 4-Gang-Getriebe. Die Vorderachse besaß eine Einzelrad-Aufhängung mit doppelten Querlenkern, während es sich bei der Hinterachse um eine Starrachse mit Halbelliptik-Federn handelte. Sowohl vorn wie auch hinter erfolgte die Dämpfung über Teleskop-Stossdämpfer.
Der 1300 und der deutsche Markt
Bei der Premiere in Deutschland auf der IAA 1961 galten beide Ausführungen als nicht zu unterschätzende Konkurrenz z. B. für die neue Klasse von BMW. Der Preis von 7.100 DM für den 1300 fand große Beachtung. Folgerichtig war in der darauffolgenden Zeit der Wagen das beliebteste Importauto bei uns und mehreren anderen Ländern der Erde.
In zeitgenössischen Tests in unserer Fachpresse schnitt der Fait 1300 immer überduchschnittlich gut ab. Sogar noch im April 1966 belegte er einen zweiten Platz, nicht zuletzt wegen seiner hohen Sicherheit und seinem unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis.
Eine exakte Einschätzung wieviele Fahrzeuge vom Typ 1300 in Deutschland verkauft wurden, fällt heute schwierig, da die Zahlen meist zusammen mit seinem Schwestermodell - dem Fiat 1500 - erfaßt wurden. Bekannt ist, das beide zusammen monatlich auf zwischen 800 und 1.800 Neuzulassungen kame. Insgesamt dürften wir ca. 80.000 dieser italienischen "Gastarbeiter" bei uns freudig begrüßt haben.
Modellpflege
Der Erfolg führte zu einem Ausbau der Programmpalette. So wurde kurz nach der Präsentation auf dem Salon in Turin eine 5-türige Kombi-Version angeboten, die sich vor allem an Handwerker richtete und sich "Familiale" nannte. Die Heckklappe dieses Modells war ausreichend schmal geschnitten, so daß sich die Heckleuchten der Limousine auch hier nutzen ließen. 1964 folgten die in Italien üblichen Luxusmodelle, die mit in der Modellbezeichnung mit C gekennzeichnet wurden. Äusserlich unterschied sich der 1300 C vorne durch einen modifizierten Kühlergrill mit anderen Blinkern. Am Heck zeigten sich veränderte Heckleuchten und ein auf der Fahrerseite angebrachter seitlicher Tankstutzen, verteckt unter einer abschließbaren Klappe. Bei der Normalversion saß er unter offen dem linken Rücklicht. Außerdem gab es einen geringfügig verlängerten Randstand. Das Armaturerenbrett wurde optisch durch eine Aliminumblende aufgewertet. Technisch fielen vor allem der leicht stärkere Motor (65 PS/DIN bzw. 48 kw) sowie servounterstütze Bremsen, die später auch bei den Basis-Ausführungen eingesetzt wurden, ins Gewicht. Diese Luxusvarianten wurden nicht als Kombi angeboten.
Die Beliebtheit der 1300/1500 führte dazu, dass sich viele Karrosseriebauer Italiens mit Sondermodellen beschäftigten. Diese hatten aber in der Regel ausser dem Motor und der Plattform nicht viel mit dem Standardmodell gemein.
Das Ende
Der modische Geschmack überholte den Fiat 1300. Die "Neue Sachlichkeit" verlangte nach geraden, kubischen Formen. Für den italienischen Autobauer lag die logische Konsequenz daher im Fiat 124. Nach fünf Jahren Bauzeit wurde die Produktion der 1300er 1966 eingestellt. Insgesmt sind über 600.000 Einheiten der Reihe 1300/1500 entstanden. Ursprünglich mit dem Charakter eines Lückenbüßers behaftet, überzeugte letztlich doch die Mischung aus Familienauto, Sportlichkeit und zuverlässiger konventioneller Technik.
Heute ist das Auto fast in Vergessenheit geraten. Die Zeitschrift "Der Spiegel" glaubt, dass es hierfür zwei wesentliche Gründe gibt. Einerseits führt der Autor die nüchterne, am Hubraum orientierte Modellbezeichnung an, andererseits verschwanden die Autos relativ schnell bedingt durch heftigen Rostbefall von unseren Straßen. So waren bereits 1988 nur noch 519 gemeldete Autos beider Varianten dem Kraftfahrtbundesamt bekannt.
Quellen
Heiko Haupt: Geschrumpfte Straßenkreuzer, in: Der Spiegel, 5. Juni 2003
1901 - 1922 8 hp | 10/12 hp | 12/16 hp | 12/20 hp | 15/20 hp | 15/25 hp | 16/20 hp | 18/24 hp | 24/32 hp | 24/40 hp | 28/40 hp | 50/60 hp | 60 hp | Tipo 0 | Tipo 0 A | Tipo 1 | Tipo 1 bis | Tipo 1 A | Tipo 2 | Tipo 2 B | Tipo 3 | Tipo 3 A | Tipo 3 ter | Tipo 4 | Tipo 5 | Tipo 6 | Tipo 7 |
1919 - 1945 500 | 501 | 502 | 503 | 505 | 507 | 508 | 509 | 510 | 512 | 514 | 515 | 518 | 519 | 520 | 520 Superfiat | 521 | 522 | 524 | 525 | 527 | 1100 | 1500 | 2800
1945 - 2005 500 | 600 | 770 | 850 N | 850 Coupé | 850 Spider | 1100 | 1100 TV Trasformabile | 1200 Gran Luce | 1200 Granluce Trasformabile | 1300 | 1400 | 1500 | 1500 Cabriolet | 1600 S Cabriolet | 1800 | 1900 | 2100 | 2300 | 2300 S Coupé | 124 | 124 Coupé | 124 Spider | 125 | 126 | 127 | 128 | 130 | 130 Coupé | 131 Mirafiori | 132 | 133 | 147 | Argenta | Barchetta | Brava | Bravo | Cinquecento | Coupé | Dino | Duna | Marea | Regata | Ritmo | Tempra | Tipo | Uno | X1/9
Rennwagen und Prototypen 530 | 8V | Lombardi GP | Turbina
Nutzfahrzeuge: 238 | 242 | 850 T | 900 | Campagnola | Ducato | Fiorino | Marengo | Scudo | Talento | Strada
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