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Feuerstahl

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Der Feuerstahl (auch Feuerschläger, veraltet: Feuereisen, Feuerschurf, Pinkeisen; engl. fire steel, frz. geläufig briquet à silex, selten briquet en acier; ital. acciarino; span. eslabón) ist ein unverzichtbarer Bestandteil des sogenannten Schlagfeuerzeuges. Solche Feuerzeuge bestehen immer aus drei Komponenten: Feuerstahl, Feuerschlagstein und Zunder.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Feuerstähle sind erstmals aus der späten vorrömischen Eisenzeit (2. Hälfte 2. Jahrhundert v. Chr.) in Europa nachgewiesen. Sie wurden geschmiedet und bestehen aus besonders kohlenstoffreichem so genanntem aufgekohlten Stahl. Bereits die frühesten Feuerstähle aus der vorrömischen Eisenzeit besaßen eine klassische Zweckform, die sich bis weit ins 20. Jahrhundert als Standardform gehalten hat. Sie bestehen aus einem rechteckigen Stahlband von rd. 20 mm Breite und rd. 5 mm Dicke, das an beiden Enden gleichgerichtet und gegenständig zu zwei Schlaufen (Arme) mit rd. 20 mm Durchmesser aufgebogen ist. Solche Stücke besitzen eine Gesamtlänge von rd. 60-70 mm bei einer Höhe von rd. 30 mm.

Für diese Form mit ihrer charakteristisch breiten Schlagfläche wurde von Jürgen Weiner der Begriff "Bandstahl" geprägt. Seit dem Frühmittelalter kam es, wahrscheinlich aus Gründen einer besseren Handhabung, zu einer wichtigen Änderung: Die breite Schlagfläche wurde zu Gunsten einer schmalen aufgegeben. Dazu war es lediglich notwendig, das Stahlband aus der Horizontalen in die Senkrechte zu positionieren, wodurch sich eine Schlagfläche ergab, die der Dicke des Stahlbandes von rd. 5 mm entsprach. Da jedoch das formale Grundprinzip der frühesten Stahle beibehalten wurde, bedeutete dies konsequent, dass die beiden Enden der Stahlschiene nun zu dünnen und spitz zulaufenden Armen ausgeschmiedet werden mussten. Die Arme sind schlaufenförmig nach einer Seite aufgebogen, zum Schienenrücken zurückgeführt und an den Spitzen eng gegenständig eingerollt. Zweiarmstahle mit schmaler Schlagfläche haben im Laufe der Zeit vielfältigste Modifizierungen der Form und auch der Dimensionen erfahren.

Schlagstahlfeuerzeuge waren die europäischen Standardfeuerzeuge von der vorrömischen Eisenzeit bis zur Neuzeit. Selbst nach der Markteinführung der echten Streichhölzer im Jahre 1827 wurden Schlagstahlfeuerzeuge in Europa noch bis weit ins 20. Jahrhundert vor allem im ländlichen Raum zum Feuermachen benutzt.

Verwendung

Der Feuerstahl wird gegen die scharfe Kante eines harten Gesteinstückes geschlagen, in aller Regel Feuerstein, wobei Funken entstehen. Diese Funken werden auf Zunder aus Baumschwamm (Zunderschwamm Fomes fomentarius L: Fr.) oder inkohltem Stoff (sog. Stoffzunder; engl. charred cloth; frz. étoupe) aufgefangen, der dadurch in Glut gesetzt wird. Bei Verwendung von Zunder aus Baumschwamm für ein Schlagstahlfeuerzeug war es unerlässlich, dass dieser chemisch durch Nitrierung (Tränken in Salpeterlösung) glimmfähig gemacht wurde.

Weblinks

Literatur

  • H.A. Brunner: Feuer und Feuerschlagmesser Stuttgart/Wien 1998
  • V. Cacciandra & A. Cesati: Fire Steels Turin 1996
  • P. De Sanctis & M. Fantoni: Gli Acciarini – Fire Steel. Itinerari d’immagini 38 Mailand 1991
  • E. Fehre: Brandstifter. Eine kleine Geschichte des Feuerzeugs. Führer des Niederrhein. Mus. für Volkskunde u. Kulturgesch. 42 Goch 2002
  • J. Hála: 1986: Archaic methods for lighting fire in the Carpathian Basin with special regard to the use of siliceous materials in: K.T. Biró (Org.) Internationale Konferenz über Silexgewinnung und Steinwerkzeug-Rohstoff Charakterisierung im Karpathenbecken. Budapest-Sümeg, 20-22 Mai 1986 (Seiten 323–342)
  • J. Ilkjær: Stichwort ‚Feuerzeug‘ in: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde 8 Berlin 1993 (Seiten 406–408)
  • Miller-Christy (i.e. Robert Miller): The Bryant and May Museum of Fire-Making Appliances. Catalogue of the Exhibits. Vol. 1 London 1926
  • B. Roussel, S. Rapior, C.-L. Masson & P. Boutié: l’Amadouvier. Grande et petite histoire d’un champion. Supplément hors-série des annales de la Soc. d’Horticulture et d’Histoire Naturelle de l’Hérault Montpellier 2002
  • B. Roussel & P. Boutié: La production du feu durant l’Antiquité classique in: Le Bulletin d’Ethno-Logique 2005 (Seiten 21-27)
  • B. Roussel & P. Boutié: La Grande Aventure du Feu. Histoire de l’allumage du feu des origines à nos jours Aix-en-Provence 2006
  • F. Seeberger: Zur Identifizierung von Feuerstählen in: Archäologisches Korrespondenzblatt 15 1985 (Seiten 257–259)
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  • H. Steuer: Stichwort ‚Feuerzeug‘ in: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde 8 Berlin 1993 (Seiten 402–406; 408–411)
  • S. Svoronos: Medieval Firesteels Houston/Texas 2004
  • J. Tinnes & J. Weiner: Ein römischer Feuerstahl aus Frixheim in: Archäologie im Rheinland 2003 Stuttgart 2004 (Seiten 124–125)
  • J. Weiner: Mit Stahl, Stein und Zunder. Die in Vergessenheit geratene Technik des Feuerschlagens in: Pulheimer Beiträge zur Geschichte und Heimatkunde 5 1981 (Seiten 13-18)
  • J. Weiner: "Gedum" – Feuerstahl oder multifunktionales Werkzeug früher Vorderladerschützen? in: Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift 37 1996 (Seiten 47-57)
  • J. Weiner: "Gedum" – Feuerstahl oder multifunktionales Werkzeug früher Vorderladerschützen. Ein Nachtrag in: Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift 40 1999 (Seiten 417–447)
  • J. Weiner: Monopol der Menschheit. Schwerpunktthema Feuer in: Archäologie in Deutschland, Heft 4 Stuttgart 2006 (Seiten 28-31)
  • J. Weiner: Feuerschlagsteine in: H. Floss (Hrsg.) Steinartefakte vom Altpaläolithikum bis zur Neuzeit Tübingen (in Vorb.)
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