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Fermiverteilung

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Die Fermi-Verteilung gibt an, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Fermion eine Energie E zu gegebener Temperatur T hat. Die Fermi-Verteilung ist dabei nur für ein System aus nicht miteinander wechselwirkenden Fermionen gültig. Sie ergibt sich aus der Fermi-Dirac-Statistik und ist nach dem italienischen Physiker Enrico Fermi benannt.

In einem System der Temperatur T lautet die Fermi-Verteilung W(E) wie folgt:

W(E) = \frac{1}{\exp{\left(\frac{E-\mu}{k_BT}\right)}+1}

Dabei ist das chemische Potenzial μ im wesentlichen durch die Teilchenzahl im System festgelegt. In der Fermi-Dirac-Statistik ist für μ auch die Bezeichnung Fermi-Energie EF (oder \varepsilon_F) üblich, welche am absoluten Temperaturnullpunkt auch als Fermi-Niveau bezeichnet wird. Um die Besetzungswahrscheinlichkeit eines Energieniveaus – z. B. für Elektronen in einem Metall – zu berechnen, muss die Fermi-Verteilung mit der Zustandsdichte D(E) multipliziert werden.

Fermi-Verteilung am absoluten Temperaturnullpunkt

Bild:FermiT0.gif
Fermiverteilung für T = 0 K

Das Pauli-Prinzip besagt, dass Fermionen nicht in allen Quantenzahlen übereinstimmen dürfen. Dies hat zur Folge, dass auch am absoluten Temperaturnullpunkt Fermionen in angeregten Energiezuständen sitzen müssen. Anschaulich lässt sich das mit Vorstellung eines Fermi-Sees verstehen: Jedes hinzugefügte Fermion besetzt den tiefstmöglichen Energiezustand, welcher noch nicht von einem anderen Fermion besetzt ist. Die Fermi-Verteilung hat bei T=0\,K also eine scharfe Kante bei einer Energie, deren Höhe von der Anzahl der Fermionen in dem betrachteten System abhängt und als Fermi-Kante oder Fermi-Energie Ef bezeichnet wird. Ganz wichtig ist hierbei, dass die Fermi-Verteilung nur eine Wahrscheinlichkeit angibt, mit der ein Zustand besetzt wird. Ob der Zustand auch besetzt wird, hängt davon ab, ob ein entsprechender Zustand existiert. Bei einem Halbleiter existiert zur Fermi-Energie kein erlaubter Zustand, er kann nicht besetzt werden (verbotene Zone).

Für die Temperatur Null Kelvin (T = 0 K) gilt (siehe Abbildung rechts):

  • Alle Zustände unter der Fermi-Energie Ef sind mit Fermionen besetzt, da für E < Ef gilt: W(E) = 1, d. h. Wahrscheinlichkeit, ein Fermion anzutreffen ist Eins.
  • Zustände oberhalb der Fermi-Energie sind nicht von Fermionen besetzt, da für E > Ef gilt: W(E) = 0, die Wahrscheinlichkeit ein Fermion anzutreffen also Null ist.
  • Das elektrochemische Potenzial des Systems entspricht der Fermi-Energie.

Die Temperatur, bei der die thermische Energie kBT der Fermi-Energie entspräche, wird als Fermi-Temperatur TF bezeichnet. Diese Begriffsbildung dient nur dem Charakterisieren einer Temperaturskala (s. u.) und hat nichts mit der realen Temperatur der Fermionen zu tun.

Fermi-Verteilung bei endlichen Temperaturen

Bild:FermiT1200.gif
Fermiverteilung für T = 1.200 K

Bei endlichen Temperaturen (T > 0 K; siehe Abbildung links) werden auch Zustände oberhalb der Fermi-Energie Ef mit Fermionen besetzt, dafür bleiben gleich viele Zustände unterhalb der Fermi-Energie leer. Die Fermi-Verteilung lässt sich dabei im Bereich für sehr hohe Energien  E \gg E_f – ebenso wie die Bose-Einstein-Verteilung für Bosonen – durch die Boltzmann-Verteilung

W(E)\approx \exp{\left(-\frac{E}{k_BT}\right)}

nähern.

Ist die Temperatur größer als die Fermi-Temperatur, so sind alle Fermionen angeregt und obige Näherung gilt für den gesamten Energiebereich. In Metallen liegt die Fermi-Energie jedoch in der Größenordnung einiger Elektronenvolt entsprechend einer Fermi-Temperatur von ungefähr 10.000 K. Dies hat zur Folge, dass auch bei Zimmertemperatur der Einfluss der Temperatur vernachlässigbar ist, bzw. nur störungstheoretisch berücksichtigt werden muss. In diesem Fall spricht man von einem entarteten Elektronengas.

Bedeutung

In Festkörpern kann die Fermi-Verteilung mittels Experimenten, die die elektronische Besetzungsdichte messen, sehr gut beobachtet und ausgewertet werden. Mit solchen Studien lässt sich das Auflösungsvermögen einer Messapparatur bestimmen, indem man den Verlauf der Fermi-Verteilung bei einer bestimmten Temperatur misst und mit der Fermi-Verteilung vergleicht.

Genauso verringert die Fermi-Verteilung das Auflösungsvermögen bei endlichen Temperaturen. Unter der Annahme, dass sich die Fermi-Verteilung bei einer bestimmten Temperatur als die Faltung einer Stufenfunktion und einer Gauß-Verteilung einer bestimmten Breite näherungsweise beschreiben lässt, entsprechen 1 K etwa 0,34 meV. Das Auflösungsvermögen einer Apparatur, die Effekte misst, bei denen die Verteilung der Elektronen in unmittelbarer Umgebung der Fermi-Energie eine Rolle spielt, ist bei Raumtemperatur somit auf 100 meV begrenzt.

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