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Feldeffekttransistor

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Feldeffekttransistoren oder FET (engl. field-effect transistor) sind eine Gruppe von unipolaren Transistoren, bei denen im Gegensatz zu den bipolaren Transistoren nur ein Ladungstyp am Stromtransport beteiligt ist – abhängig von der Bauart Elektronen oder Löcher bzw. Defektelektronen. Sie werden im Gegensatz zu den bipolaren Transistoren weitestgehend leistungs- bzw. verlustlos geschaltet. Die am weitesten verbreitete Art des Feldeffekttransistors ist der MOSFET (Metall-Oxid-Halbleiter FET).

Entdeckt wurde das Prinzip des Feldeffekttransistors Ende der 1920er Jahre von Dr. Julius Lilienfeld. Damals war es aber noch nicht möglich den FET in Serienproduktion herzustellen. Erst mit der Beherrschung der Silizium-Halbleitertechnologie in den 1960er Jahren gelangte er zur Serienreife.

Bild:Scheme of metal oxide semiconductor field-effect transistor.svg
Technologiequerschnitt eines Metall-Oxid-Schicht-Feldeffekttransistors
(hier: n-Kanal-MOSFET)

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die erste konkrete Beschreibung eines Bauelements mit Eigenschaften ähnlich denen einer Elektronenröhre geht auf Julius Edgar Lilienfeld im Jahre 1926/27 zurück. Zu dieser Zeit fehlten allerdings die notwendigen Technologien, diese Vorschläge zu realisieren [1]. In der Folgezeit finden sich ähnliche Versuche von Joseph Weber (1930), Holst und Geal (1936) und vor allem Hilsch und Pohl (1938), das Gitter der Elektronenröhren in Festkörpern, insbesondere in Kristallen nachzubauen, von denen jedoch auch keine Realisierungen bekannt sind.

Nachdem Lilienfeld 1928 daraufhin davon abweichend eine Konstruktion vorschlug und patentieren ließ, die dem heutigen IGFET sehr nahe kam, konstruierte der deutsche Physiker Oskar Heil 1934 den ersten Feldeffekttransistor, den er ebenfalls zum Patent anmeldete.

Auch die folgende Beschreibung des ersten JFETs mit einem p-n-Übergang als Steuerung durch Herbert Matare, Heinrich Welker und parallel dazu William B. Shockley und Walter H. Brattain erfolgte bereits 1945 und damit vor Erfindung des Bipolartransistors 1948. Wegen der raschen Fortschritte allerdings, die man mit diesen Transistoren machte und wegen der Tatsache, dass sich Feldeffekttransistoren mit den damaligen Technologien und dem damaligen Kenntnisstand noch nicht wirtschaftlich fertigen ließen, wurden Feldeffekttransistoren bis in die 1960er-Jahre nicht außerhalb von Laboratorien eingesetzt. Erst wegen auftretender Probleme mit den bipolaren Transistoren beschäftigte man sich ab ca. 1955 eingehender mit den Halbleiteroberflächen und entwickelte Fertigungsverfahren, die die Feldeffekttransistoren zur Serienreife brachten. Dazu zählt insbesondere die Planartechnik.

Funktionsweise

Im Gegensatz zu Bipolartransistoren (stromgesteuert) sind FETs spannungsgesteuerte Schaltungselemente, die dazu dienen, elektrischen Strom zu schalten oder zu verstärken. Sie funktionieren dabei als Halbleiter-Widerstand, dessen Querschnitt oder Dichte der Ladungsträger, und damit seine Leitfähigkeit, verändert werden kann. Dies geschieht durch eine quer zur Flussrichtung anliegende elektrische Spannung.

Der FET verfügt über drei Anschlüsse:

  • Source (engl. für „Zufluss“, „Quelle“)
  • Gate (engl. für „Tor“, „Gatter“)
  • Drain (engl. für „Abfluss“)

Beim MOSFET ist auch ein vierter Anschluss Bulk (Substrat) vorhanden. Dieser wird bei Einzeltransistoren bereits intern mit dem Source-Anschluss verbunden und nicht extra beschaltet.

Die Steuerung bzw. Verstärkung des Stromflusses zwischen Drain und Source geschieht durch gezieltes Vergrößern und Verkleinern leitender und nichtleitender Gebiete des Halbleitermaterials (Substrat). Das im Vorfeld p- und n-dotierte Halbleitermaterial wird dabei durch die angelegte Spannung bzw. das dadurch entstehende elektrische Feld entweder verarmt oder mit Ladungsträgern angereichert.

Der entscheidende schaltungstechnische Unterschied zum bipolaren Transistor besteht in der bei niedrigen Frequenzen praktisch leistungslosen Ansteuerung des FET, es wird lediglich eine Steuerspannung benötigt.

Ein weiterer Unterschied ist der Ladungstransport in dem unipolaren Source-Drain-Kanal. Diese Tatsache ermöglicht prinzipiell einen inversen Betrieb des FET, d. h. Drain und Source können vertauscht werden. Allerdings trifft dies nur auf sehr wenige FETs zu, weil die meisten Typen sowohl unsymmetrisch aufgebaut als auch die Anschlüsse Bulk und Source intern verbunden haben.

Zudem kann der unipolare Kanal als bidirektionaler Widerstand benutzt werden und somit nicht nur Gleich-, sondern auch Wechselströme beeinflussen, was z. B. bei Dämpfungsschaltungen (Abschwächer, Muting) genutzt wird.

Je nach Art des FET kommen unterschiedliche Effekte zum Einsatz, um die Leitfähigkeit der Gebiete zu steuern.

JFET

Hauptartikel JFET

Beim Junction- oder Sperrschicht-Feldeffekttransistor (JFET oder SFET) wird der Stromfluss durch den zwischen Drain und Source liegenden Stromkanal mithilfe einer Sperrschicht (vgl. p-n-Übergang) zwischen Gate und dem Kanal gesteuert. Dies ist möglich, da die Ausdehnung der Sperrschicht, also die Größe der Zone, die den entgegengesetzten Leitungstyp des Kanalmaterial besitzt, von der Gatespannung abhängig ist (siehe auch Verarmung).



MISFET

Bild:Scheme of n-metal oxide semiconductor field-effect transistor with channel de.svg
Schema eines n-Kanal-MOSFET (mit bereits ausgebildetem, leitendem Kanal zwischen Source und Drain)

Hauptartikel MOSFET

Bei einem MISFET wird eine Metall-Isolator-Halbleiter-Struktur dazu genutzt, mittels Inversion einen leitenden Kanal zwischen Source und Drain herzustellen. Dabei werden mit steigender Spannung UGB zwischen Gate und Bulk bzw. Substrat zuerst die Defektelektronen, die vormaligen Majoritätsladungsträger verdrängt und es bildet sich durch Ladungsträger-Verarmung ein nichtleitendes Gebiet. Steigt die Spannung weiter, kommt es zur Inversion, das p-dotierte Substrat wird unterhalb des Gates n-leitend und bildet einen Kanal zwischen Source und Drain, dessen Majoritätsladungsträger nun Elektronen sind.

Auf diese Weise steuert die Spannung zwischen Gate und Bulk den Stromfluss zwischen Source und Drain.

Aus technologischen Gründen hat sich hier die Werkstoffkombination Siliziumdioxid-Silizium als die meisteingesetzte Variante durchgesetzt. Aus diesem Grund wird anstatt von MISFET meist der Begriff MOSFET genutzt.



Spezielle Feldeffekt-Transistoren

Es gibt folgende Feldeffekt-Transistor-Arten:

  • Sperrschicht-Feldeffekt-Transistor (JFET)
  • Schottky-Feldeffekt-Transistor (MESFET)
  • Metalloxidhalbleiter-Feldeffekt-Transistor (MOSFET)
  • High Electron Mobility Transistor (HEMT)
  • Ionen-Sensitiver Feldeffekt-Transistor (ISFET)
  • Organischer Feldeffekttransistor (OFET)

Typen und Schaltsymbole

Bild:Fet symb.png
Grundtypen von Feldeffekttransistoren

Neben den abgebildeten Symbolen sind auch noch weitere üblich. Insbesondere im anglikanischen Sprachraum werden die MOSFET-Typen durch einen Pfeil auf dem Source-Anschluss gekennzeichnet (vgl. z. B. [1]). Hierbei deutet der Pfeil die technische Stromrichtung im typischen Betriebszustand an, d. h. bei einem PMOS-Transistor (n-dotiertes Substrat, p-dotiertes Source und Drain, → pnp) zeigt der Pfeil vom Gate weg, bei einem NMOS-Transistor (p-dotiertes Substrat, n-dotiertes Source und Drain, → npn) zum Gate hin.


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Vor- und Nachteile gegenüber dem Bipolar-Transistor

Nachteile

  • geringere Steilheit als Bipolartransistoren
  • im Allgemeinen niedrigere Schaltgeschwindigkeiten als bipolare Transistoren
  • bei gleicher Chipfläche geringere Treiberfähigkeit
  • Empfindlichkeit gegenüber statischen Aufladungen (ESD) beim Handling (Transport, Handhabung und Montage)
  • Leistungs-MOSFET haben höhere Chipfläche als Bipolartransistoren, insbesondere bei höheren Sperrspannungen

Vorteile

  • stromlose Steuerung im statischen Bereich bzw. geringere Ansteuerleistung bei niedrigen Frequenzen
  • geringe Durchgangsverluste bzw. Spannungsabfall als Schalter insbesondere bei Typen für kleine Spannungen und hohe Ströme (automotive bzw. Automobilbereich)
  • höhere Integrationsdichte, niedrigere Maskenzahl -> geringere Kosten


Anhand dieser Liste ist zu sehen, dass Bipolar- sowie Feldeffekttransistoren entscheidende Nachteile gegenüber dem jeweils anderen Transistortypen besitzen, aus diesem Grund wurde 1984 auf Basis von MISFETs der Bipolartransistor mit isolierter Gateelektrode (engl. insulated-gate bipolar transistor, IGBT) entwickelt. Er kombiniert die Vorteile von Feldeffektransistor und Bipolartransistor.

Anwendungsgebiete

Der Einsatz der verschiedenen Bauformen der Feldeffekttransistoren ist vor allem abhängig von den Ansprüchen an Stabilität und Rauschverhalten. Grundsätzlich gibt es Feldeffekttranistoren für alle Einsatzgebiete, dabei werden jedoch die IGFETs eher in der Digitaltechnik eingesetzt, JFETs eher in der Hochfrequenztechnik [2].

Leistungs-MOSFET sind Bipolartransistoren hinsichtlich Schaltgeschwindigkeit und Verlusten insbesondere bei Spannungen bis ca. 500 V überlegen. Sie werden daher in Schaltnetzteilen und Schaltreglern eingesetzt. Aufgrund der damit möglichen hohen Schaltfrequenzen (bis ca. 1 MHz) lassen sich kleinere induktive Bauteile einsetzen.

Sog. „intelligente“ (mit integrierten Schutzschaltungen versehene) Leistungsschalter sind im Automotive-Bereich verbreitet.

Zur Anwendung als HF-Leistungsverstärker werden Bauformen mit speziellen Kennlinien und Gehäusen gefertigt

Klasse-D-Audioverstärker arbeiten mit MOSFET in den PWM-Schaltstufen.

Quellen

  1. Reinhold Paul, Feldeffekttransistoren - physikalische Grundlagen und Eigenschaften, 1972, Stuttgart, Verlag Berliner Union [u.a.], ISBN 3-4085-3050-5

Literatur

  • Johannes Lehmann, Feldeffekttransistoren kurz und bündig. Einführung in Wirkungsweise und Eigenschaften, November 1982, Würzburg, Vogel-Verlag, ISBN 3-8023-0066-1

Weblinks

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