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Farinelli
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Farinelli, eigentlich Carlo Broschi (* 24. Januar 1705 in Neapel; † 15. Juli 1782 in Bologna) war ein berühmter italienischer Sänger (Kastrat) des 18. Jahrhunderts.
Leben
Broschi war ein Neffe des Komponisten und Violinisten Cristiano Farinelli. Da er nicht der erste Schüler von Nicola Antonio Porpora war, musste er sich einen anderen Bühnennamen suchen, da der Altist Antonio Uberti bereits den Namen seines Lehrers angenommen hatte und sich Porporino nannte. Carlo Broschi entschied sich daher für die Brüder Farina, die als große Kenner und Liebhaber der Musik galten und bei denen er während seiner Ausbildungszeit bei Porpora öfter gesungen hatte.
Nachdem er für die Karriere eines Kastraten vorbereitet worden war, erwarb er als Schüler von Porpora eine Stimme von angeblich wunderbarer Schönheit und wurde überall in Süditalien als il ragazzo (der Junge) bekannt. 1722 hatte er seinen ersten Auftritt in der Oper Eumene seines Lehrers. Mit seiner Stimme übertraf er einen beliebten deutschen Trompeter sowohl im Halten und Schwellen eines Tones in erstaunlicher Länge, als auch in Reinheit und Kraft, Variationen und Trillern. Das erwies sich in einem von Porpora für den Jungen geschriebenen Obligato in einer der Arien und erregte weithin Enthusiasmus.
Im Jahr 1724 erschien er in Wien, und im folgenden Jahr in Venedig, worauf er nach Neapel zurückkehrte. In Mailand sang er 1726 und in Bologna 1727. Dort traf er das erste Mal den Sänger Antonio Bernacchi (geboren 1690) und musste sich ihm geschlagen geben; seinem Unterricht verdankte er viel. Mit stetig steigendem Erfolg trat Farinelli in fast allen großen Städten Italiens auf, so erstmals 1729 in Venedig, und kehrte 1731 ein drittes Mal nach Wien zurück.
Er änderte nun seinen Stil – wie es heißt, auf den Rat von Karl VI. – von der bloßen Bravour der Porpora-Schule zu mehr Pathos und Schlichtheit. Darin wurde er u.a. bestärkt von seinem Freund Pietro Metastasio. Er besuchte 1734 London gerade rechtzeitig, um die einflussreiche Partei der Händel-Gegner zu unterstützen, die mit Porpora als Komponisten und Senesino als erstem Sänger eine konkurrierende Oper gegründet hatte. Aber selbst seine mächtige Hilfe konnte dem Unternehmen nicht zum Erfolg verhelfen.
Sein erster Auftritt am Theater Lincoln's Inn Fields erfolgte in der Oper Artaserse, deren Musik größtenteils von seinem Bruder Riccardo Broschi stammte. Er erntete triumphalen Erfolg und der Prinz von Wales sowie der Hof überschütteten ihn mit Wohlwollen und Geschenken. Nach drei Jahren, 1737 verließ er England, um nach Spanien zu reisen. Auf dem Weg verbrachte er einige Monate in Frankreich, wo er vor Ludwig XV. sang. In Spanien, wo er ursprünglich nur fünf Monate hatte bleiben wollen, blieb er schließlich fast fünfundzwanzig Jahre (1737 - 1759).
Seine Stimme wurde von der Königin eingesetzt, um die Schwermut von Philipp V. von Spanien zu kurieren. Damit erlangte er einen Einfluss auf den Prinzen, der ihm die Macht – wenn auch nicht das Amt – eines Premierministers verlieh. Er war klug und bescheiden genug, diese Macht nur diskret einzusetzen.
Zehn Jahre lang musste er dem König Nacht für Nacht stets die gleichen sechs Lieder vorsingen und nie etwas Anderes. Unter Ferdinand VI. hatte er eine ähnliche Position inne und wurde 1750 mit dem Kreuz von Calatrava ausgezeichnet. Er nutzte seinen Einfluss auf den König dazu aus, um eine italienische Oper zu etablieren. Als Karl III. von Spanien den Thron bestieg, setzte sich Farinelli mit seinem angehäuften Vermögen in Bologna zur Ruhe und verbrachte den Rest seiner Tage in melancholischer Pracht.
Der Umfang seiner Stimme reichte über das Vermögen gewöhnlicher Sänger um sieben bis acht Töne hinaus; sie war klangvoll, gleichmäßig und klar; dazu verfügte er über reiche musikalische Kenntnisse.
Nachwelt
1964 wurde in München Schwabing die Farinelli-Grundschule gegründet.
1994 drehte der belgische Regisseur Gérard Corbiau einen Film über die Lebensgeschichte Farinellis mit Stefano Dionisi in der Titelrolle. Der vielgelobte Streifen wurde mit dem Golden Globe als „Bester nicht-englischsprachiger Film“ ausgezeichnet und auch für den Oscar in dieser Kategorie nominiert.
Im Jahre 1998 öffnete in Bologna das Farinelli Studienzentrum seine Tore, gewidmet der geschichtlichen Erinnerung an die Figur des berühmten Kastraten, welcher in Bologna von 1761 bis 1782 lebte und auch dort verstarb. Die Kernprojekte des Zentrums beinhalten die Restaurierung des Grabmals Farinellis in der Certosa von Bologna (2000) und die Graböffnung Farinellis (2006). Die Graböffnung wurde durch den florentinischen Antiquitätenhändler Alberto Bruschi und durch Luigi Verdi, Sekretär des Farinelli Studienzentrums, ermöglicht. Die Antropologin Maria Giovanna Belcastro von der Universität von Bologna, der Paleoantropologe Gino Fornaciari von der Universität von Pisa und der Ingenieur David Howard von der Universität von York zeichnen als Wissenschaftler verantwortlich für die Analyse der sterblichen Überreste Farinellis. Die Exhumierung Farinellis fand am 12. Juli 2006, statt. Ziel der Ausgrabungen ist es, Erkenntnisse über mögliche Krankheiten oder Fehlbildungen des Sängers und deren Auswirkungen auf seine Stimme zu gewinnen.
Weblinks
- Literatur von und über Farinelli im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Farinelli - Nicht nur ein Sänger. Musikwissenschaftliche Arbeit von Ingo Hanné Juli 2002
- Farinelli: il castrato in der Internet Movie Database
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Farinelli |
| ALTERNATIVNAMEN | Broschi, Carlo |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Sänger (Kastrat) des 18. Jahrhunderts |
| GEBURTSDATUM | 24. Januar 1705 |
| GEBURTSORT | Neapel |
| STERBEDATUM | 15. Juli 1782 |
| STERBEORT | Bologna |
Kategorien: Mann | Kastrat | Italiener | Opernsänger | Geboren 1705 | Gestorben 1782
