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Europäische Eibe

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Europäische Eibe
Bild:Eibe.jpg
Blätter und Arillus der Europäischen Eibe (Taxus baccata)
Systematik

Abteilung: Nadelholzgewächse (Pinophyta)
Klasse: Pinopsida
Ordnung: Kiefernähnliche (Pinales)
Familie: Eibengewächse (Taxaceae)
Gattung: Eiben (Taxus)
Art: Europäische Eibe
Wissenschaftlicher Name
Taxus baccata
L. 1753

Die Europäische Eibe (Taxus baccata), auch Gemeine Eibe oder nur Eibe genannt, ist die einzige europäische Art in der Gattung der Eiben (Taxus). Sie ist ein kleiner Baum oder Strauch und kann ein sehr hohes Alter erreichen.

Sie wird häufig in der Gartengestaltung verwendet. Die Europäische Eibe war 1994 der Baum des Jahres.

Inhaltsverzeichnis

Vorkommen

Die Europäische Eibe hat ein Verbreitungsgebiet von Nordwestafrika über Europa, Kleinasien bis in den Kaukasus und Nordiran. Ihr Vorkommen wird durch ihre geringe Frosthärte begrenzt. Sie steigt in den Bayerischen Alpen bis 1.350 m ü. NN, im Wallis bis 1600 Meter NN. Ihre Nordgrenze verläuft bei 62 Grad 30 Minuten in Norwegen und 61 Grad in Schweden etwa auf der Januar-Isotherme von -5 Grad Celsius.

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Taxuswurzel auf einem Felsen in Wakehurst Place, England

Sie bevorzugt frische, nährstoffreiche, oft basische Böden in ozeanischer, feuchter Klimalage. Ihr Niederschlagsoptimum liegt bei über 1000 mm/Jahr. Ihren Wasserbedarf wermag sie aber auch aus nassen oder morigen Sonderstandorten in generell niederschlagsärmeren Gebieten zu decken. In Felsregionen vermag sie ihre Wurzeln in wasserführende Senken und Klüfte zu senken, während sie sich an nackte Felsen klammert.

Die Eibe ist der schattenverträglichste Baum Europas. Bei 20 Grad genügen ihr 300 Lux. Junge Eiben sind obligate Schattenpflanzen, das heißt sie gedeihen nur im Schatten, vor allem im schattigen Unterstand. Später vertragen sie auch volle Sonne. Bei absolut geschlossener Walddecke (insbesondere Fichte) überstehen sie aber nicht. Am besten bekommen ihnen lichte Mischbestände. Ihre letzten Rückzugsorte sind vielfach schattige und steile, auch vom Wild gemiedene Berghänge, die aber wasserzügig sein müssen.

Ohne den heute durch übermäßige Wilddichte vernichtenden Wilddruck kommt die Eibe in Buchen-, Tannen- und Edellaubholzmischwäldern vor. Dabei stellt sie z.B. in den Karpaten 12,4 Prozent der Stammzahl, 13,5 Prozent der Grundfläche und 4 Prozent des Holzvorrates.

Sie findet sich heute wegen früherer Übernutzung und Verfolgung oft nur noch in unzugänglichen Schluchtwäldern und an Steilhängen. Sie wurden oft auch als „Unholz“ und Pferdegift bekämpft . Weitere Gründe für die Seltenheit der Eibe sind die Umstellung der Forstwirtschaft von plenterartigen Eingriffen zur schlagweisen Wirtschaft, die die langsamwachsende, gegen plötzliche Freistellung empfindliche Eibe benachteiligt, und der starke Wildverbiss. In Deutschland steht sie auf der Roten Liste gefährdeter Arten.

Eiben wachsen langsam, ertragen dabei aber viel Schatten (bei weiter verringerter Wuchsleistung). Alter von über 1000 Jahren sind verbürgt, einzelne Exemplare sollen über 2000 Jahre alt sein.

Beschreibung

Die Europäische Eibe erreicht Wuchshöhen von 10 bis 18 Meter und Stammdurchmesser bis 0,5 Meter, selten auch darüber. Sie ist häufig mehrstämmig und die einzelnen Stämme verwachsen oft zu einem Komplexstamm. Sie besitzt eine dünne grau- bis rotbraune Schuppenborke. Die oberseits dunkelgrünen Nadeln sind 1,5 bis 3,5 Zentimeter lang und 2 Millimeter breit; die Unterseite ist hellgrün.

Eiben sind zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch): männliche und weibliche Blüten befinden sich auf unterschiedlichen Bäumen. Wie alle anderen Arten aus der Familie der Eibengewächse (Taxaceae), aber im Unterschied zu den meisten anderen Nadelgehölzen, bilden sie keine verholzenden Zapfen, sondern ein beerenartiges Gebilde um den Samen herum. Bis auf diesen Samenmantel (Arillus), der becherartig den Samen umgibt, sind alle Pflanzenteile stark giftig.

Die Blütezeit liegt von März bis April; die Samen reifen von August bis Oktober. Die Samen liegen über und keimen erst im zweiten Frühjahr. Die Samenverbreitung erfolgt durch Vögel, die vom süßen Arillus angelockt werden. Um keimfähig zu werden, müssen die Samen einem bestimmten Säuregrad ausgesetzt werden; dies geschieht normal im Vogeldarm, die Samen werden keimfähig ausgeschieden.

Als einzige europäische Nadelholzart besitzt die Eibe ein gutes Ausschlagsvermögen.

Giftigkeit

Bis auf den Samenmantel (Arillus), der becherartig den Samen umgibt, sind alle Pflanzenteile stark giftig. Holz, Rinde, Nadeln und der Samen enthalten verschiedene Alkaloide. Schon 50 bis 100 Milligramm können beim Menschen zu tödlichen Vergiftungen führen! Wiederkäuer dagegen nehmen keinen Schaden durch den Fraß an Eiben: Für das Schalenwild sind Eibennadeln ein wohlschmeckender und ungefährlicher Leckerbissen, doch für Pferde hochgradig giftig und schon in geringen Mengen tödlich!

Nutzung

Holz

Bild:Eibeholz.jpg
Holz der Eibe

Die Europäische Eibe ist ein Kernholzbaum; der schmale Splint ist gelblich-weiß, der Kern weist eine rötlichbraune Farbe auf. Das feinringige Holz ist sehr schwer und hart. Dabei besitzt es eine sehr gute Elastizität und Härte. Es eignet sich daher sehr gut für den Bau von Langbögen und Armbrüsten.

Das Holz wurde bereits von Vorgängern des Homo Sapiens zur Herstellung von Jagdwaffen verwendet. So wurde im niedersächsischen Lehringen im Brustkorb eines Waldelefantenskelettes eine 2,38 m lange Eibenholzlanze gefunden, die den mittelpaläolithischen Neandertalern zugeschrieben wird.

Auch die Reste bronzezeitlicher Pfahlbauten z.B. am Mondsee zeugen von dieser frühen Wertschätzung als Nutzholz.

Eibenholz galt im Mittelalter als das beste Holz für Bögen wegen seiner Härte und Elastizität.

Die außerordentliche Tauglichkeit für die Waffenherstellung führte zu Übernutzung und Vernichtung von Eiben. Besonderst beliebt waren Eibenbögen in England. Jedes Handelschiff, das während des Spätmittelalters in England Handel treiben wollte, musste eine bestimmte Anzahl Eibenrohlinge mit sich führen. Das führte im Endeffekt dazu, dass der Europäische Eibenbestand so stark zurück ging, dass dieser sich bis heute nicht richtig erholt hat. Vor allem während des Spätmittelalters wurden die einst reichen Eibenwälder regelrecht geplündert. Allein zwischen 1531 und 1590 wurden ca. 500.000 Eibenbögen aus Nürnberg und Bamberg über Köln nach Westen exportiert. Jährlich wurden in Süddeutschland über 10.000 Eiben allein für militärische Zwecke gefällt. Dazu kam der örtliche Bedarf an Drechslerholz, Schnitzware und Bauholz für den Wasserbau. Auch Wagner benutzen unter anderem Eibenholz.

Auch beim Lauten<b/>bau wurde das hochelastische Eibenholz für den gewölbten Korpus der Laute bevorzugt verwendet.

Der Baum steht in Deutschland unter Naturschutz und das Holz ist relativ teuer.

Der Holzstaub ist giftig, es ist also gegebenenfalls erforderlich eine Staubschutzmaske zu tragen.

Arillus und Samen

Der rote Samenmantel (Arillus) ist der einzige ungiftige Teil der Pflanze, schmeckt süß und lässt sich gut zu Marmelade einkochen. Früher gingen Frauen durch das Dorf, pflückten die Samenmäntel und kochten diese ein. Während die „Eibenmarmelade“ bei uns kaum noch gegessen wird, gilt sie heute noch in Ost- und Nordeuropa als Morgenschmaus. Das der Samen sehr giftig ist, muss der Arillus sorgfältig abgetrennt werden.

Die Verbreitung der Eibensamen erfolgt durch folgende Vogelarten die den Arillus verzehren, damit den Samen aufnehmen und später wieder ausscheiden: Drosseln, Gartenrotschwanz, Mönchsgrasmücke, Grünfink, Seidenschwanz und gelegentlich Eichelhäher, Tauben, Teichhühner. Für Verbreitung auf die gleiche Art sorgen folgende Säugetiere: Marder, Eichhörnchen, Fuchs, Bär. In Neusohl der Slowakei fanden sich die dichtesten Eibengebüsche um die Winterquartiere von Bären.

Kleiber und Kernbeißer fressen die Samen ebenfalls sehr gern, knacken dabei aber die Samen.

Gartenbau

Bild:Labirinth schonbrunn.JPG
Labyrinth von Schloss Schönbrunn

Als einzige europäische Nadelholzart besitzt die Eibe ein gutes Ausschlagsvermögen. Diese Schnittverträglichkeit und der dichte Wuchs führt dazu, dass Eiben sehr gerne als dichte Sichtschutzhecken verwendet wurden und werden. Eiben eignen sich auch ganz ausgezeichnet für geometrische oder figürliche Formschnitte. Als solche waren sie besonders in Barockgärten sehr beliebt. In England werden gerne begehbare Labyrinthe aus Eibenhecken gestaltet. Den 114 Meter lange und 52 Meter breite Irrgarten von Longleat House säumen 16.180 Eiben. [1]

Pflanzenheilkunde

Die Europäische Eibe wird in der Pflanzenheilkunde zur Herstellung des Krebsmittels Paclitaxel verwendet. Eigentlich stammt Paclitaxel aus der Pazifischen Eibe (Taxus brevifolia). Da aber deren Bestand zu gering ist, um die nötige Menge Paclitaxel herzustellen, wird der Arzneistoff durch Partialsynthese aus der europäischen Eibe gewonnen.

Bild:Eibe Burg-Hornberg.jpg
Diese Eibe aus dem 15.Jahrhundert auf Burg Hornberg sah schon Götz von Berlichingen
Bild:Eibe1.jpg
Eibenstämme
Bild:Eiben2.jpg
Eibengruppe

Sehenswerte Eibenbestände

Deutschland

In der Nähe von Klöstern besteht heute die größte Aussicht, noch alte Eibenbestände zu finden.

Schweiz

  • Schweizer Alpenvorland, (C. Leuthold: Die ökologische und pfanzensoziologische Stellung der Eibe Taxus baccata) in der Schweiz. Veröffentlichung des Geobotanischen Instituts der ETH Zürich, Stiftung Rübel, Heft 67, 1980)

Europäisches Ausland

  • Die „Fortingall Yew“ gilt als Europas ältester Baum; sie steht im Dorf Fortingall in Perth and Kinross in Schottland; ihr Alter wird auf 3.000 bis 5.000 Jahre geschätzt.
  • Zwei sehenswerte Eiben umrahmen das Nordportal der Kirche St. Edward in Stow-on-the-world in den Cotswolds in England.
  • Eine Reihe sehr alter Eiben ist in den normannischen Départements Orne, Calvados und Eure (Frankreich) zu finden. Dort schmücken sie die Kirchhöfe vieler Dörfer. So findet sich beispielsweise in La Haye-de-Routot eine Eibe, in deren hohlen Stamm eine durch eine Tür geschlossene Kapelle eingebaut ist. Auf dem Friedhof von Le Mesnil Ciboult ist eine Eibe mit einem Stammumfang von 12,5 Meter zu bewundern.
  • Harmanec, Slowakei (S. Korpel, L. Paule: Die Eibenvorkomme in der Umgebung von Harmanec, Slowakei, Archiv Naturschutz, Landschaftsf. 16, S. 123-139, 1976
  • Bakonywald, Ungarn

Sorten

Es wurde eine Vielzahl von Sorten gezüchtet, die viel häufiger als der Typ in Gärten und als Hecken gepflanzt werden. Hier eine kleine Auswahl:

  • 'Adpressa': Diese 1838 entstandene Form ist häufiger in Gärten anzutreffen. Sie wächst als (nur weiblicher) Busch mit kleinen, teils überhängenden Zweigen. Die Nadeln sind länglich-elliptisch und spitz zulaufend; sie sind nur 1 cm lang. Es gibt auch eine gelbbunte Form.
  • 'Dovastoniana': Diese 1777 erstbeschriebene Form ist nur seltener in Kultur; sie wird etwa 5 m hoch und wächst einstämmig. Die Äste stehen waagrecht ab; die Spitzen und kleinere Seitenzweige sind überhängend.
  • 'Fastigiata': Diese ursprünglich 1780 in Irland gefundene Sorte (Säuleneibe) ist in Parks, Gärten und auf Friedhöfen weit verbreitet. Sie wächst sehr straff säulenförmig aufrecht. Die Nadeln sind sehr dunkelgrün und stehen spiralig um die Zweige. Der Gipfel wächst meist vieltriebig; dadurch wird die Krone im Alter oben breiter. Auf den britischen Inseln wird die Säuleneibe bis 15 m hoch, in Deutschland erreicht sie dagegen kaum 5 m.
  • 'Fastigiata Aurea': Wuchs wie bei 'Fastigiata', jedoch mit gelben Nadeln.
  • 'Fructo-luteo': Diese 1817 in Irland gefundene Sorte ist selten zu sehen. Sie wächst als breiter Busch und hat sehr dunkelgrüne Nadeln. Die reifen Samenmäntel sind nicht rot wie beim Typ, sondern gelb.

Siehe auch

Literatur

Bücher

  • Thomas Scheeder: Die Eibe (Taxus baccata L.). Hoffnung für ein fast verschwundenes Waldvolk. IHW-Verlag, Eching 1994, ISBN 3-9301-6706-9
  • Christoph Leuthold: Die ökologische und pflanzensoziologische Stellung der Eibe (Taxus baccata) in der Schweiz. Veröffentlichungen des Geobotanischen Institutes der ETH, Stiftung Rübel, Zürich, Nr. 67. Geobotanisches Institut der ETH, Stiftung Rübel, Zürich 1980
  • Markus Kölbel, Olaf Schmidt (Red.) et al.: Beiträge zur Eibe. Berichte aus der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Nr. 10. Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Freising 1996
  • Hugo Conwentz: Die Eibe in Westpreußen, ein aussterbender Waldbaum. Bertling, Danzig 1892
  • Angelika Haschler-Böckle: Magie des Eibenwaldes. Neue Erde, Saarbrücken 2005, ISBN 3-8906-0084-0
  • Schön, M. (1998): Forstwirtschaft und Gefäßpflanzen der Roten Liste. Arten - Standorte - Flächennutzung. 2. Aufl. ISBN 3896753754

Zeitschrift

  • Der Eibenfreund. Informationsschrift für die Mitglieder der Eibenfreunde f.V. und sonst an der Eibe Interessierte. Herausgeber: Cambiarare e.V. für die Eibenfreunde f.V., Sierke, Göttingen (Erscheinungsweise jährlich, seit 1995)

Weblinks

<imagemap>-Fehler: Bild ist ungültig oder nicht vorhanden Commons: Europäische Eibe – Bilder, Videos und/oder Audiodateien
  • Taxus baccata in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2006. Eingestellt von: Conifer Specialist Group, 1998. Version vom 12. Mai 2006pms:Taxus baccata
Wikipedia
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