Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.
Esoterik
Aus Kefk.
Esoterik (von griechisch εσωτερικός, esoterikós, „innerlich“), ist, in der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs, die Lehre oder Wissenschaft des Geheimen. Gegensatz: Exoterik (i.S.v. öffentlichem Wissen). Im Allgemeinen ist damit die Lehre über alles nicht-sinnliche, nicht-physikalische bezeichnet, im Gegensatz zur Naturlehre oder Naturwissenschaft, der 'Lehre der Natur'. Der Begriff 'Esoterik' ist heute zumeist ein Sammelbegriff für ein breites Spektrum verschiedenartiger Weltanschauungen, welche die spirituelle Entwicklung des Individuums betonen, jedoch durch keine organisierte Religion oder religiöse Konfession im engeren Sinn als Glaube vertreten werden. Kontemporär wird der Begriff oft synonym zu New Age verwendet.
Den sich teilweise deutlich unterscheidenden oder sogar widersprechenden Lehren, die unter den Begriff "Esoterik" fallen, ist gemeinsam, dass sie die Existenz von Phänomenen außerhalb des wissenschaftlich messbaren postulieren und sowohl naturwissenschaftliche als auch konfessionell religiöse Betrachtungsweisen als nicht ausreichend ansehen, um die Welt vollständig erklären zu können.
Inhaltsverzeichnis |
Wortbedeutung und Etymologie
Wörtlich bedeutet der griechische Begriff mit dem Adjektiv εσωτερική [γνώση] „das innere, innerliche, verborgene, geheime Wissen“ und „zum inneren Kreis gehörig“ (esôteros – das Innere). Das Wort „Esoterik“ bezeichnet traditionell und nach seiner Etymologie demnach eine Geheimlehre, die nur Eingeweihten zugänglich gemacht wird (Arkanprinzip); im Gegensatz dazu bezeichnet der Begriff der Exoterik eine offene und für jeden zugängliche Lehre. Im heutigen Sprachgebrauch wird die Bedeutung des Wortes aber meist übergangen, und das eigentlich Exoterische wird esoterisch genannt.
Esoteriker verstehen meist Esoterik als die auf das Innere bezogene Lehre, also auf seelische, spirituelle Ursachen. Exoterisch sind nach dieser Deutung Betrachtungsweisen, die sich auf die fünf Sinne des Menschen und den Verstand konzentrieren und spirituelle Zusammenhänge eher verneinen.
Geschichte
Allgemein gilt Pythagoras (ca. 570 - 495 v. Chr.) und die von ihm in Crotone gegründete pythagoräische Bruderschaft, welche dem Schweigegelübte verbunden war, als erste historisch erfassbare Erscheinung der (europäischen) Esoterik. Ein weiterer Einfluss war das Verschmelzen der griechischen Philosophie mit der ägyptischen Religion und Magie nach der Eroberung Ägyptens durch Alexander dem Grossen im Jahr 332 v. Chr. Aus dieser Verschmelzung entstand die Hermetik. Die mit der Esoterik assoziierten Praktiken aber lassen sich viel weiter in der Geschichte zurückverfolgen: so geht z.B. die Astrologie auf die mesopotamische Religion zurück und die älteste erhaltene Aufzeichnung der Planetenbahnen, die Venus-Tafel von Ammishaduqa, wird auf ca. 1650 v. Chr datiert. Der Gnostizismus, dessen genaue Ursprünge nicht eindeutig geklährt sind, jedoch zu Beginn der modernen Zeitrechnung in der ganzen antiken Welt zu finden ist und eine synkretische Synthese der Griechischen, zoroastrischen, jüdischen und frühchristlichen Weltanschaung bildet, gilt ebenfalls als wichtiges Standbein der Esoterik, und bis in die Renaissance hinein waren gnostische Sekten die wichtigsten Träger der esoterischen Lehren.
Im späten Mittelalter (12. und 13. Jahrhundert) wurde das mystische und esoterische Denken durch den Einfluss der Kabbala stark geprägt, welche sich, losgelöst vom Judentum, bald mit der hermetischen Weltanschauung verknüpfte.
In der Renaissance, in der man sich auf die Antike zurückbesann, erlebte auch die Esoterik einen Aufschwung. Die Rosenkreuzer traten in Erscheinung und lieferten die Grundlage für die späteren Logen und Initiationsorden. Mit dem Rosenkreuzertum wurde die Alchemie zur beherrschenden esoterischen Lehre. Auch der Tarot entstammt dieser Zeit. Die Renaissance war auch die Zeit, in der zum ersten Mal in großem Umfang esoterische Schriften veröffentlicht wurden. Viele Denker der Renaissance gelten noch heute als wichtige Quelle esoterischen Wissens, unter anderem Jakob Böhme, Heinrich Khunrath, Guillaume Postel, vor allem aber Paracelsus.
Das Zeitalter der Aufklährung war in der Esoterik geprägt durch das Ausbilden von Geheimen Bruderschaften, Orden und Logen, vor allem in Frankreich und England.
Im viktorianischen Zeitalter erlebten Okkultismus und verschiedenste Formen von Orakeln eine Blütezeit. Etwas gemäßigter war demgegenüber die Bewegung des Spiritualismus, die auch eine Brücke zu den fernöstlichen Religionen schlug.
In den letzten 150 Jahren hat sich die Esoterik inhaltlich zu einer Weltanschauung gewandelt, deren Anhänger sie oft als allumfassend, universalreligiös und als Vereinigung der "inneren Lehren" aller Religionen sehen (Theosophie, Neugeist-Bewegung). Seit den 1930er und in einer zweiten großen Welle seit den 1980er Jahren ist die Esoterik – insbesondere im westlichen Kulturkreis – zu einer Massenbewegung mit Breitenwirkung geworden, die viele, teilweise widersprüchliche, Teilströmungen umfasst.
Esoterische Weltanschauung
Da es sich, im Gegensatz zur Spiritualität, bei der Esoterik nicht unbedingt um ein persönliches religiöses Erleben handelt, sondern um eine Vielzahl einzelner Angebote und Wege zur Realisation einer individuellen religiösen Erfahrung, lässt sie sich kulturell und soziologisch nur sehr beschränkt festlegen.
Die traditionelle Aufteilung in eine öffentliche und eine geheime Lehre, wie sie zum Beispiel von den Rosenkreuzern praktiziert wird, gilt für die heutige Esoterik meist nicht mehr. Allerdings wird von vielen Esoterikern behauptet, man könne esoterische Lehren nur nach langjährigem Studium verstehen und beurteilen.
Verbreitung heute
Esoterik ist der Überbegriff für eine Reihe unterschiedlicher Lehren und Traditionen, die von der Naturwissenschaft nicht anerkannt sind, jedoch als Ausdruck individueller Spiritualität gesellschaftlich teilweise akzeptiert sind. Eine gewisse Bedeutung für die Entwicklung in der Nachkriegszeit hatte hier die Vereinigung OARCA (Omnia Arkana), die Zeitschrift esotera sowie die Veröffentlichungen der Psychotherapeuten Thorwald Dethlefsen und Rüdiger Dahlke. In der Schweiz üben das Medium Oskar Rudolf Schlag, der Ex-Pfarrer Hans-Dieter Leuenberger sowie die Zeitschrift Spuren mit dem Herausgeber Martin Frischknecht Einfluss aus. Esoterik ist nicht unbedingt deckungsgleich mit einer Parawissenschaft, da die verschiedenen Disziplinen üblicherweise keinen wissenschaftlichen Anspruch erheben (strenge experimentelle Richtlinien etc.) und nur über gewisse weltanschauliche Gemeinsamkeiten verfügen. Viele esoterische Angebote wie beispielsweise die Astrologie sind von stark pseudowissenschaftlichem Charakter geprägt. Einzelne esoterische Heilmethoden werden auch als Erfahrungswissenschaften bezeichnet. Gesondert, aber dem Begriffe nach inhaltlich und formell verbunden, wird in der Wissenschaft der esoterische Buddhismus (z. B. Mikkyo und hier insbes. z. B. die Shingon-shū) betrachtet.
Richtungen und Praktiken
Es gibt zahlreiche unterschiedliche Strömungen der heutigen Esoterik, die sich teilweise überlappen, teilweise nicht viel miteinander zu tun haben. Nicht alle von ihnen können vollständig zur Esoterik gerechnet werden. Die meisten esoterischen Richtungen betonen eine spirituelle Entwicklung des Menschen.
Esoterische Weltanschauungen beziehen sich meist auf fünf Bereiche:
- Praktische Entscheidungshilfen für die Lebensplanung, teilweise auch für Alltagsentscheidungen: In diesen Bereich fallen vor allem Techniken wie Astrologie, Tarot, Pendeln oder Handlesen.
- Selbsterkenntnis: Manche Anhänger der Esoterik versuchen, ihren Charakter und ihre Bedürfnisse mit Hilfe esoterischer Welterklärungskonzepte zu bestimmen, vor allem mittels der verschiedenen Varianten der Astrologie.
- Medizinische Hilfe: Mit Techniken der alternativen Medizin wird versucht, das körperliche und seelische Wohlbefinden zu verbessern, zum Beispiel mit Aromatherapie, Bach-Blütentherapie, Reiki, oder Homöopathie. Die Esoterik nimmt sich dabei vor allem Bereichen an, die die klassische Medizin nicht abdeckt (zum Beispiel ‚Hilfe beim Wohlfühlen‘) oder in denen deren Erfolge als unzureichend empfunden werden, wie bei der Behandlung chronischer Schmerzen, aber auch bei akuten Krankheiten.
- Spirituelle Hilfe: Die meisten esoterischen Richtungen postulieren das Vorhandensein einer unsterblichen menschlichen Seele und befassen sich mit Wegen, deren Schicksal zu verbessern. Bei vielen dieser Richtungen kommen Konzepte indischer Religionen wie Karma und Reinkarnation vor. Häufig wird gelehrt, dass eine ‚Reinigung‘ oder eine ‚Erleuchtung‘ des Anhängers nötig sei, um in dieser Welt oder nach dem Tod einen besseren Zustand zu erreichen.
- Verbesserung der Welt insgesamt: Unter manchen esoterischen Richtungen ist die Ansicht verbreitet, dass man durch Verhalten entsprechend esoterischer Lehren die Welt insgesamt grundlegend verändern und somit verbessern könne. Solche Ansichten sind Grundlage der ‚New Age‘-Bewegung, die ein neues Zeitalter, etwa das ‚Wassermannzeitalter‘ angebrochen sieht oder erwartet. Entsprechende Auffassungen vertritt beispielsweise Fritjof Capra.
Zu den esoterischen Richtungen und den zahlreichen Praktiken, die in der Esoterik aufgegriffen werden, gehören unter anderem:
Kritik
| Dieser Artikel oder Abschnitt ist nicht oder unzureichend durch Quellenangaben (Literatur, Webseiten usw.) belegt worden, wodurch den fraglichen Inhalten eine Löschung droht. Bitte hilf der Wikipedia, indem du gute Belege für die Informationen nennst. |
In einigen Religionen, wie im Christentum[1], im Islam oder im Judentum, werden esoterische Ansichten vielfach als Irrglauben abgelehnt. Auch von verstandesbetonten Menschen mit naturwissenschaftlicher Überzeugung oder atheistischer Lebensauffassung wird die Esoterik als rückschrittlich und Irrtum kritisiert, den die Aufklärung und die Wissenschaft eigentlich schon überwunden hätten.
Vertreter der Esoterik weigern sich - anders als Wissenschaftler, die Modelle vertreten - ihre Hypothesen zu explizieren und überprüfbare Bedingungen zu nennen, bei deren Nachweis sie ihre Hypothesen für widerlegt betrachten. Es ist gerade das Charakteristikum von Esoterik, dass sie von Gegenständen handelt, die sich tatsächlich oder vermeintlich jeder Nachprüfbarkeit entziehen. In diesem Sinne ist Esoterik nicht deskriptiv, sondern präskriptiv, wobei ihr das Ziel der empirischen Verifizierung fehlt. Das unterscheidet Esoterik von wissenschaftlichen Hypothesen. Aufgrund dieser Struktur ist Esoterik leicht von erklärungsbezogenen Deutungsmustern abgrenzbar. Die Deutungsmuster der Esoterik sind nämlich nicht auf korrekturbasierte Weiterentwicklung hin angelegt.
Einige Kritiker, aber auch manche Esoteriker selber beklagen auch einen „Supermarkt der Spiritualität“:[2] Verschiedene, teils widersprüchliche spirituelle Traditionen, die über Jahrhunderte in unterschiedlichen Kulturen der Welt entstanden, würden in der Konsumgesellschaft zur Ware, wobei sich verschiedene Trends und Moden schnell abwechselten („gestern Yoga, heute Reiki, morgen Kabbala“), und als Produkt auf dem Markt ihres eigentlichen Inhalts beraubt würden (Lifestyle). Dieser Umgang sei oberflächlich, reduziere Spiritualität auf Klischees und beraube sie ihres eigentlichen Sinns.
Trotz Berufung auf ein „gemeinsames Urwissen“ werden einzelne Begriffe von einzelnen esoterischen Strömungen oft sehr unterschiedlich gebraucht“[3]. Einige Esoterikgegner kritisieren, dass Hilfs- und Beratungsangebote, die auf esoterischen Grundlagen beruhen, unrealistische Erwartungen wecken oder Versprechungen machen.
Quellen
- ↑ http://www.vatican.va/archive/DEU0035/__P7L.HTM
- ↑ Lau, Kimberley J. 2001. New Age Capitalism. Philadelphia: Univ of Pennsylvania Press.
- ↑ Thiede, Werner: Theologie und Esoterik, Leipzig 2007
Literatur
- Claudia Barth: Über alles in der Welt - Esoterik und Leitkultur Alibri Verlag Gunnar Schedel, 2002, ISBN 3932710363
- Margit und Rüdiger Dahlke: Die spirituelle Herausforderung. Eine Einführung in die zeitgenössische Esoterik. München, Heyne, 1990, ISBN 3453069382
- Thorwald Dethlefsen: Schicksal als Chance, (Esoterische Psychologie - das Urwissen zur Vollkommenheit des Menschen), erstmalig erschienen 1979 bei Bertelsmann
- Antoine Faivre: Esoterik im Überblick - Geheime Geschichte des abendländischen Denkens. Freiburg im Breisgau, Herder, 2001. ISBN 3-451-04961-9
- Georg Feuerstein: Heilige Narren - Über die Weisheit ungewöhnlicher Lehrer. Frankfurt 1996. ISBN 381050632X
- Colin Goldner: Die Psycho-Szene. Aschaffenburg, Alibri Verlag, 2000, ISBN 3-932710-25-8
- Marcus Hammerschmitt: Instant Nirwana Alibri, 2005, ISBN 386569005X
- Wouter J[acobus] Hanegraaff in collaboration with Antoine Faivre, Roelof van den Broek and Jean-Pierre Brach (Ed.): Dictionary of Gnosis & Western Esotericism. Vol. 1/ 2. Brill, Leiden, Boston 2005, ISBN 9004141871
- Gerhard Kern, Lee Traynor: Die esoterische Verführung – Angriffe auf die Vernunft und Freiheit. Aschaffenburg, IBDK, 1995. ISBN 3-922601-24-3
- Thomas Körbel: Hermeneutik der Esoterik. Eine Phänomenologie des Kartenspiels Tarot als Beitrag zum Verständnis von Parareligiosität. Reihe: Religion und Biographie Bd. 6, Münster; Lit, 2001; 456 S. ISBN 3825853780
- Martin Lambeck: Irrt die Physik? Über alternative Medizin und Esoterik, Beck, 2003, ISBN 3406494692
- Hans-Dieter Leuenberger: Das ist Esoterik, ISBN 3762607222
- Marc Roberts: Das neue Lexikon der Esoterik. München, Goldmann, 1995, ISBN 3442126657
- Kocku von Stuckrad: Was ist Esoterik? - Kleine Geschichte des geheimen Wissens. München, C.H.Beck, 2004. ISBN 3406521738
- Helmut Werner: Lexikon der Esoterik. Wiesbaden, Fourier, 1991, ISBN 3925037578
- Wolfram Frietsch: Newtons Geheimnis: Wissenschaft und Esoterik – Zwei Seiten einer Medaille. Gaggenau, scientia-nova, 2006. Mit einem Vorwort von Ruediger Dahlke. ISBN 9783935164047
- Religionsgeschichte der Neuzeit. Profile und Perspektivenzeitenblicke. Themenheft der Zeitschrift zeitenblicke, 5. Jg. 2006, Nr. 1, mit mehreren Beiträgen zur Esoterikgeschichte (alle Artikel im Volltext)
- Werner Thiede: Theologie und Esoterik. Eine gegenseitige Herausforderung, Leipzig 2007, ISBN: 978-3-374-02481-0
Siehe auch
| Bild:Portal.svg | Portal: Esoterik – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Esoterik |
Weblinks
| Wiktionary: Esoterik – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen |
- Informationen zur Esoterik von Relinfo
- Literaturliste der Gesellschaft für Anomalistik zu Esoterik und neuen religiösen Bewegungen
- GWUP - Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften
- Brennpunkt Esoterik: Okkultismus, Satanismus und Rechtsradikalismus, Broschüre der Arbeitsgruppe Scientology der Hamburger Behörde für Inneres (PDF, 852 KB)
| Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Esoterik, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. |
