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Ernst Wimmer

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Ernst Wimmer (* 17. Juni 1924 in Horn, Niederösterreich; † 27. Oktober 1991 in Wien, Österreich) war politischer Journalist, marxistischer Theoretiker und Politiker, Publizist und Aphoristiker.

Inhaltsverzeichnis

Kindheit und Familie

Ernst Wimmer wurde 1924 als zweites Kind eines ehemaligen und hochdekorierten und in den Adelstand erhobenen Offiziers der k.u.k. Armee, in der ländlichen Kleinstadt Horn im Waldviertel, Niederösterreich geboren. Nachdem sein Vater zur Leitung einer Bank-Filiale der Österreichischen Credit-Anstalt nach Wien berufen wurde zog die Familie 1926 nach Wien. Wimmer wuchs in bürgerlichen Verhältnissen in Wien-Hietzing auf.

1947 heiratete er seine Jugendfreundin, die aus einer tradtionsreichen und angesehenen jüdischen Familie kommende Eva Margareta Wimmer, geborene Gans. Ihrer gemeinsamen Ehe entstammten drei Söhne. Die Familie lebte in Wien Döbling, im sogennnten Helmut Qualtinger-Hof.

Erste politische Schritte

Das betont österreichische monarchistisch-katholische Milieu seines Elternhauses prägte seine antifaschistische Einstellung. Ernst Wimmer´s Erzählungen zufolge haben ihn die unmittelbar persönlichen und bewusst erlebten Eindrücke und Erfahrungen der Ereignisse des Bürgerkriegs vom 12. Februar 1934 in der Entwicklung seines politischen Wesens ausschlaggebend und nachhaltig geprägt. Nach der Annexion Österreichs durch den Nazifaschismus bildete er unter anderen auch gemeinsam mit seinem Klassenkameraden dem späteren Schriftsteller Gerhard Fritsch die antifaschistische Widerstandsgruppe "Edelweiss" an seiner Gymnasialschule. Nach Absitzen einer kurzen Haft im Gestapo-Hauptquartier in Wien am Morzinplatz wurde er zur deutschen Wehrmacht eingezogen und zum Funker und Kanonier ausgebildet.

Nach der Befreiung Österreichs durch die Alliierten wurde er Dolmetscher des englischen Stadtkommandanten in Wien. Dadurch kam Wimmer mit vielen, auch namhaften antifaschisten wie z.B. mit Graham Greene in Kontakt und im Besonderen mit aus dem englischen Exil heimkehrenden österreichischen Kommunisten zusammen, namentlich mit Walter Hollitscher.

Diese Kontakte führten ihn zum politischen Journalismus für die erste österreichische und überparteiliche (ÖVP, SPÖ, KPÖ) Nachkriegszeitung "Neues Österreich", den "Der Abend" und die kulturpolitische Zeitung "Tagebuch" sowie schließlich zum Zentralorgan der KPÖ, der "Volksstimme".

Überzeugt von der Sache des Kommunismus, insbesondere durch die tiefe Freundschaft mit Walter Hollitscher wurde Wimmer 1947 gemeinsam mit seiner Ehefrau und Gefährtin Eva Mitglied der Kommunistischen Partei Österreichs.

Politischer Journalismus

Ernst Wimmer begann seine Arbeit in der Redaktion der "Volksstimme" unter dem damaligen Chefredakteur Erwin Zucker-Schilling als Journalist im außenpolitischen Ressort. Unter anderen auch, förderten ihn im Besonderen die namhaften Redakteure Jakob Rosner, Fritz Glaubauf und Bruno Frei auf seinem Weg zum politischen Journalismus. In diesen Jahren widmete sich Wimmer in umfassender Weise seiner Weiterbildung. Im Besonderen in Bezug auf die Klassiker und Kenntnisse des Wissenschaftlichen Sozialismus, sowie in den Bereichen Literatur und Kunst.

Der XX. Parteitag der KPdSU 1956 war weltweit, für alle Kommunistinnen und Kommunisten wie auch für die mit der Sache der Arbeiterbewegung verbundenen Menschen so also auch für Ernst Wimmer ein einschneidendes Erlebnis. "In der Geschichte der revolutionären Bewegung des vergangenen Jahrhunderts gibt es zwei `zehn Tage, die die Welt erschütterten´: die Tage der Oktoberrevolution, die in dem Buch von John Reed mit dem gleichnamigen Buch beschrieben wurden, und der XX. Parteitag der KPdSU (14. - 25. Februar 1956). Beide Ereignisse teilen diese Geschichte abrupt und unwiderruflich in ein `Davor´ und ein `Danach. Ich kenne kein vergleichbares Ereignis in der Geschichte einer bedeutenden weltanschaulichen oder politischen Bewegung. Um es in wenigen einfachen Worten auszudrücken, die Oktoberrevolution schuf eine weltkommunistische Bewegung, der XX. Parteitag zerstörte sie." Eric Hobsbawm, Gefährliche Zeiten. Ein Leben im 20. Jahrhundert. Carl Hanser Verlag, München, Wien 2003. S. 234. Alles was nun folgte (Ungarn, China, Prag, ...) verlangte danach, konsequent Position zu beziehen und von diesen Positionen ausgehend die ideologischen wie auch politisch-ideologischen Auseinandersetzungen zu führen um seine eigentliche Arbeit machen zu können, als Kommunist unter kapitalistischen Verhältnissen zielorientiert zu wirken. Ernst Wimmer hielt es mit der Sache der Revolution, des Kommunismus und nicht mit dem Opportunismus welcher Spielart auch immer, sein Leben lang. Das hinderte ihn nicht zu differenzieren, im Gegenteil, er war von nun an erst wirklich in seinem Element. Die politisch-administrative Antwort der Parteiführung auf die politische Kritik Ernst Wimmer´s gipfelte in einer repressiven Maßnahme: Wimmer wurde im Jänner 1964 dass außenpolitische Ressort entzogen. Ernst Wimmer arbeitete von nun an in der Kulturredaktion. Seinem politischen Selbstverständnis entsprechend verstand er diesen Arbeitsbereich ebenso als Kampffeld für eine revolutionäre Partei und handelte entsprechend der politischen Situation.

Die Parteikrise 1968 - 1970

Der Einmarsch eines Teils der Warschauer Pakt Staaten in Prag im August 1968 war ein Kulminationspunkt der seit vielen Jahren ohne Entscheidung anhaltenden ideologischen Auseinandersetzungen in der Weltbewegung wie auch in der KPÖ um die Frage des politisch-ideologischen Charakters der Kommunistischen Parteien der einer Vielzahl von verschiedenen politischen Momenten und Veränderungen geschuldet war. Die politisch-ideologischen Auseinandersetzungen spitzten sich nach dem Sommer 1968 zwischen den Revisionisten und den Marxisten-Leninisten, so auch in der KPÖ gerade in der Frage der Haltung zur Sowjetunion dramatisch zu. Die Antwort der Marxisten-Leninisten in der KPÖ auf die Vorherrschaft der Revisionisten um Ernst Fischer, Franz Marek, Egon Kodicek, und andere auf die Parteimedien war die Schaffung eines neuen Parteiorgans unter dem Namen Neue Politik. Diese politische Plattform im Kampf um eine Partei revolutionären Charakters wurde von 30 Mitgliedern des ZK – Zentralkomitees unterstützt. Gemeinsam mit Walter Hollitscher war Wimmer der führende Kopf des Redaktionskollegiums der "Neuen Politik". Im Zuge des Siegs der Marxisten-Leninisten im Fraktionskampf in der KPÖ erfolgte eine komplette Neugestaltung der Zeitschrift Weg und Ziel. Wimmer wurde Mitglied des fünfköpfigen Redaktionskollegiums des "WuZ" unter der Chefredaktion von Walter Hollitscher.

Die KPÖ als politische Kraft

Zwischen 1970 und 1974 erfolgte eine politisch-ideologische Neuausrichtung der KPÖ. Wimmer trug als marxistischer Theoretiker und politischer Journalist in einer großen Vielzahl an Publikationen in den verschiedenen Organen der KPÖ, wie auch als Organisator einer Reihe an „Theoretischen Konferenzen“, sowie mit seinen rhetorischen Fähigkeiten in unzähligen Diskussionsveranstaltungen entscheidend dazu bei, die KPÖ auf den Boden des Wissenschaftlichen Sozialismus zu positionieren. Am 21. Parteitag der KPÖ im Mai 1970 wurde Wimmer in das ZK - Zentralkomitee gewählt.

KPÖ und die Perestroika

Die Perestroika hatte die Tendenzen zum politischen Revisionismus innerhalb jener Parteien, so auch in der KPÖ massiv gestärkt die sich zum Marxismus-Leninismus bekannten. Der spektakuläre Zusammenbruch der realsozialistischen Staaten im Jahr 1989 sprengte den Konsens innerhalb der bis dahin marxistisch-leninistisch gebliebenen kommunistischen Parteien in Westeuropa über deren ideologischen Grundlagen. Der Marxismus-Leninismus als Ideologie, mit all seinen politischen und organisatorischen Implikationen stand nun zur Gänze zur Disposition. In dieser historisch einmaligen Situation bezog Ernst Wimmer die Position um die Aufrechterhaltung einer Partei mit dem programmatischen Ziel den Kapitalismus zu überwinden. Um die real bestehenden, gesellschaftlichen Widersprüche praktisch nutzbar machen zu können stellte Wimmer die Verteidigung des wissenschaftlichen Sozialismus, die Analyse des Kapitalismus ins Zentrum der von ihm betrieben Politik in Wort und Schrift.

Der 27. Parteitag

Der 27. Parteitag der KPÖ im Jänner 1990 manifestierte den spätestens seit dem Frühjahr 1989 sich im Besonderen in Teilen der Parteiführung dynamisch entfaltenden ideologischen Bruch - entlang der Fragen des Klassencharakters und der Rolle der Partei - teils bewusst verdeckt, teils nur bruchstückhaft thematisiert und dort wo offen geführt aus taktischen Überlegugen abgeschwächt und verwaschen. Die politisch-ideologische Auseinandersetzung zwischen den Kräften rund um den neuen Vorsitzenden Walter Silbermayr die das Aufgehen der KPÖ in einer allgemeinen Linken im Auge hatte und auch anstrebten wurden mit den marxistischen Kräften rund um Ernst Wimmer bewusst nicht offen geführt. Anstatt dessen kennzeichnete den 27. Parteitag unter anderem auch der Widerspruch des Parteitagsbeschlusses nach einer politischen Erneuerung der KPÖ auf marxistischer Grundlage, als eine revolutionäre, gesellschaftsverändernden Kraft während der neue Vorsitzende Walter Silbermayr massiv den Kampf gegen den Linksdogmatismus forderte. Kennzeichnend für die Neue Parteiführung unter Silbermayr und Sohn die sich der politischen Mode entsprechend dem "Neuen Denken" verpflichtet gaben war die politisch intendierte und administrativ durchgeführte Enthebung Ernst Wimmers als Ideologe der KPÖ.

Der 28. Parteitag und seine Konsequenzen

Ernst Wimmer am 28. Parteitag der KPÖ im Juni 1991: „Dass es einen Marxismus mit neuen Erkenntnissen, Methoden und Kriterien so lange geben wird, als es Kapitalismus geben wird und darüber hinaus, das steht für mich außer Frage. Aber ob es eine marxistische Partei, eine Partei kommunistischen Typs in den nächsten Jahren geben wird, das ist leider für mich nicht so sicher. Keineswegs deswegen, weil ich wie kleinmütig geworden oder gekränkt der Auffassung wäre, dass eine solche Partei keine Existenzberechtigung mehr hätte, im Gegenteil. Aber ich habe begründete Zweifel daran, dass das, was heute die Partei ausmacht, sich aufraffen und zusammenraufen kann, um Funktionen zu erfüllen, die erst eine Existenzberechtigung ergeben.“

Ernst Wimmer starb in den Abendstunden des 27.Oktober 1991 in Wien in Folge einer Krebserkrankung. Dass weit über die Partei- und Landesgrenzen hinausgehende Ansehen Ernst Wimmers und seine politisch objektive Rolle für die Entwicklung der KPÖ als marxistische Partei der Arbeiterbewegung und sein prägender Einfluss auf wichtige Teile der intellektuellen Linken wie auch der kulturschaffenden Linken in Österreich in den 1970er und 1980er Jahren verlangte trotz massiver ideologischer Differenzen zwischen Ernst Wimmer und der Parteiführung nach einer angemessenen Ehrung, einem Parteibegräbnis durch die offizielle Partei. So wurde Ernst Wimmer am 7. November 1991 im Rahmen eines Parteibegräbnisses und unter großer Anteilnahme mehrerer Hundert Menschen am Döblinger Friedhof in Wien beigesetzt. Die Grabrede hielt keiner der führenden Parteifunktionäre sondern bewusst gewählt, persönliche Freunde Wimmers, der österreichische Dichter Arthur West und der österreichische Bildhauer Alfred Hrdlicka.

Entgegen der noch zu Lebzeiten Wimmer´s mehrfach gemachten Zusage der Parteiführung und trotz eines entsprechenden Parteitagsbeschlusses verschiedentlich Werke Ernst Wimmer´s zu publizieren ist dies aus politischem Kalkül und trickreich bis dato unterblieben. Der äusserst umfangreiche Nachlass Ernst Wimmer´s befindet sich im Besitz seiner Söhne.

Werke

  • Zur Lage der Arbeiterklasse in Österreich KPÖ, Wien 1973
  • Antimonopolistische Demokratie und Sozialismus Globus Verlag, Wien 1974
  • Eurokommunismus - Eine Sammlung von Stellungnahmen (mit Franz Muhri, Erwin Scharf)
  • Der verwirklichte Sozialismus (Gaisch, Willi, Herausgabe Ernst Wimmer) Wien 1977
  • Sozialpartnerschaft aus marxistischer Sicht Globus Verlag, Wien 1979
  • Plädoyers für einen wissenschaftlichen Humanismus ,herausgegeben mit Josef Schleifstein, Globus Verlag, Wien, 1981
  • Staat und Demokratie - Dritter Weg oder Revolution?, Globus Verlag, Wien 1982
  • Sozialismus in Österreichs Farben - Programm der Kommunistischen Partei Österreichs, 1982
  • Antonio Gramsci und die Revolution Globus Verlag, Wien 1984
  • Die Kommunistische Partei Österreichs - Beiträge zu ihrer Geschichte und Politik, Globus Verlag, Wien, 1987
  • 100 Jahre Hainfeld, 70 Jahre KPÖ - Rückblick & Ausblick Globus Verlag, Wien, 1988

Weblinks

Wikipedia
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