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Erklärung der Hochschullehrer des Deutschen Reiches
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Die Erklärung der Hochschullehrer des Deutschen Reiches bezeichnet eine von dem Fachgelehrten der Philologie Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff verfassten Denkschrift deutscher Akademiker für den Kriegseinsatz im Ersten Weltkrieg, die 3016 Unterschriften erhielt, und am 8. Juli 1915 durch Professor Reinhold Seeberg dem Reichskanzler Theobald von Bethmann-Hollweg zugestellt wurde. Der Sieg des preußisch-deutschen Militarismus, dessen Identität mit dem Geiste der deutschen Wissenschaft behauptet wird, soll für die Kultur des gesamten Europas Heil und Segen bringen.
Die Initiative zu dieser Denkschrift ging von Professor Dietrich Schäfer, Mitglied des Hauptvorstandes des Alldeutschen Verbandes, aus. Ein Vorbereitender Ausschuß, dem neben Schäfer und Seeberg u.a. Andreas Gildemeister, Admiral Ferdinand Grumme-Douglas und Emil Kirdorf angehörten, betrieb die Vorbereitung der Denkschrift, die zum Programm des Unabhängigen Ausschuß für einen deutschen Frieden wurde, in dem sich der Vorbereitende Ausschuß am 29. Juli 1915 umbildete.
Die Kriegszielforderungen der Denkschrift waren weitgehnds identisch mit denen der Denkschrift der Wirtschaftsverbände vom 20. Mai 1915. Die Denkschrift ist eines der charakteristischen Dokumente für den starken Einfluss, den der Alldeutsche Verband ausübte.
Die Denkschrift im Originaltext (1):
Erklärung der Hochschullehrer des Deutschen Reiches
(16. Oktober 1914)
Wir Lehrer an Deutschlands Universitäten und Hochschulen dienen der Wissenschaft und treiben ein Werk des Friedens. Aber es erfüllt uns mit Entrüstung, daß die Feinde Deutschlands, England an der Spitze, angeblich zu unseren Gunsten einen Gegensatz machen wollen zwischen dem Geiste der deutschen Wissenschaft und dem, was sie den preußischen Militarismus nennen. In dem deutschen Heere ist kein anderer Geist als in dem deutschen Volke, denn beide sind eins, und wir gehören auch dazu.
Unser Heer pflegt auch die Wissenschaft und dankt ihr nicht zum wenigsten seine Leistungen. Der Dienst im Heer macht unsere Jugend tüchtig auch für alle Werke des Friedens, auch für die Wissenschaft. Denn er erzieht sie zu selbstentsagender Pflichttreue und verleiht ihr das Selbstbewußtsein und das Ehrgefühl des wahrhaft freien Mannes, der sich willig dem Ganzen unterordnet. Dieser Geist lebt nicht nur in Preußen, sondern ist derselbe in allen Ländern des Deutschen Reiches.
Es ist der gleiche in Krieg und Frieden. Jetzt steht unser Heer im Kampfe für Deutschlands
Freiheit und damit für alle Güter des Friedens und der Gesittung nicht nur in Deutschland.
Unser Glaube ist, daß für die ganze Kultur Europas das Heil an dem Siege hängt, den der
deutsche 'Militarismus' erkämpfen wird, die Manneszucht, die Treue, der Opfermut des
einträchtigen freien Volkes.
siehe auch An die Kulturwelt
Literatur
- (1) Aufrufe und Reden deutscher Professoren im Ersten Weltkrieg, Stuttgart 1975, ISBN 3-15-009787-8
