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Erkenntnisästhetik
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Die Erkenntnisästhetik geht der Frage nach, welche Eigenschaften die ästhetische Qualität von kognitiven Prozessen und Lernvorgängen bestimmen. Sie umfasst somit zugleich die Ästhetik des Wissens.
In Erkenntnisprozessen spielt ästhetisches Erleben eine maßgebliche Rolle, und zwar unabhängig davon, wie Erkenntnisse gewonnen werden – ob durch Nachdenken, durch persönliche Gespräche, durch Experimente, durch gezieltes Recherchieren, durch Zeitunglesen oder schlicht durch Lebenserfahrung. Auch jede erkenntnisstiftende Tätigkeit – das Halten eines Vortrags, das Redigieren einer Nachrichtensendung, das Unterrichten von Schülern, das Konzipieren einer Ausstellung oder das Trainieren von Sportlern – ist von ästhetischen Erwägungen begleitet: „Wie kann ich meine Botschaft wirkungsvoll vermitteln? Wie kann ich meine Ideen am treffendsten artikulieren? Welche Aspekte sind von Interesse? Welcher (z. B. sprachliche) Stil ist angemessen?“. Die Fragestellung der Erkenntnisästhetik lautet: Welche Erkenntnisse sind „schön“? Und wann ist das Gewinnen von Erkenntnissen „schön“? Wann ist „Lernen“ schön? Diese Fragen betreffen alle Bereiche menschlicher Kommunikation. Insbesondere bilden sie die gemeinsame Basis wissenschaftlicher, journalistischer, pädagogischer und künstlerischer Tätigkeit.
Die Erkenntnisästhetik versteht sich zugleich als eine umfassende Theorie des Schönen, da sie ältere ästhetische Konzepte, die sich meist nur auf bestimmte Ausschnitte ästhetischen Erlebens beschränkten, in ein Gesamtkonzept integriert. Zugleich vereinigt sie experimentalpsychologische Erkenntnisse mit geisteswissenschaftlich-philosophischen Ansätzen.
Wesentliches Merkmal der Erkenntnisästhetik ist der Nachweis, dass es vier Ebenen ästhetischen Erlebens gibt – also vier Arten von Schönheit. Sie unterscheidet dabei aber zwischen allgemeinen ästhetischen „Werten“ und individuellen Vorlieben. Das heißt: Die gleichen ästhetischen Werte können je nach Person zu unterschiedlichen Vorlieben führen. Die Erkenntnisästhetik ist deshalb nicht normativ: Sie beansprucht zwar, das Phänomen Schönheit zu erklären, erlaubt es aber dennoch, dass die Geschmäcker verschieden sind.
Lernen wird von der Erkenntnisästhetik interpretiert als kognitive Sensibilisierung. Vereinfacht ausgedrückt: Mit zunehmender Erfahrung wird man aufmerksamer gegenüber feinen Unterschieden und entsprechend differenzierter im Urteil - das gilt in der Kunst ebenso wie in der Wissenschaft oder in der Politik. Zu den Kernthesen der Erkenntnisästhetik gehört auch die ästhetische Äquivalenz von (z. B. wissenschaftlichen) Themen und (z. B. künstlerischen) Stilen.
Literatur
- Gábor Paál: Was ist schön? Ästhetik und Erkenntnis, Königshausen & Neumann, Würzburg, 2003. ISBN 3-8260-2425-7
- Alexander Piecha: Die Begründbarkeit ästhetischer Werturteile, Mentis, Paderborn, 2002. ISBN 3-89785-098-2
