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Ereigniskorrelierte Potentiale
Aus Kefk.
Als ereigniskorrelierte Potentiale (EKP, engl.: event-related potentials, ERP ) werden Wellenformen im Elektroenzephalogramm (EEG) bezeichnet, die entweder von Sinneswahrnehmungen ausgelöst (evoziert) oder mit kognitiven Prozessen (z. B. Aufmerksamkeit und Sprachverarbeitung) korreliert sind.
Zu den häufigsten Modalitäten gehört die gut nachweisbare P300, eine positive Welle ungefähr 300 ms nach dem Reiz, die dadurch ausgelöst wird, dass ein seltener Zielreiz appliziert wird, zum Beispiel bei auditorischer Reizung ein abweichender Ton oder bei visueller Reizung ein abweichendes Bild.
Um die niedrigamplitudigen EKPs im höheramplitudigen Spontan-EEG überhaupt sichtbar zu machen, müssen viele stimulusbezogene Datenepochen gemittelt werden. Die ereignisunabhängigen Anteile des EEG (das Spontan-EEG) mitteln sich dabei heraus. Darüber hinaus werden alternative Methoden der Signalanalyse entwickelt, mit denen sich z. B. Veränderungen in den Schwingungsstärken (Zeit-Frequenz-Analyse, Wavelet-Analyse), in der Synchronisation oder in der Kohärenz über die Einzelmessungen nachweisen lassen.
Je nachdem, wie lange nach einem Ereignis eine Komponente (v.a. positive oder negative Latenzen) im EEG auftritt, kann man diese verschiedenen Gehirnbereichen zuordnen. Frühe Komponenten (0–10 ms) werden dem Hirnstamm zugeordnet, mittlere Komponenten (bis 100 ms) dem Thalamus und späte oder langsame Komponenten (bis 200 ms) dem Kortex.
EKPs lassen sich nicht nur über das EEG, sondern auch über die Magnetenzephalographie (MEG) gewinnen.
Anwendungen von EKPs finden sich in der Psychophysik und in den Kognitionswissenschaften. In der Psycholinguistik untersucht man EKPs, die von Schwierigkeiten beim Verständnis von Sätzen begleitet werden: So tritt die N400 (eine Spannungsschwankung negativer Polarität 0,4 Sekunden nach einem kritischen Wort) bei semantischen Verarbeitungsproblemen auf, z. B. wenn man den Satz "Hanna trinkt ein Glas Beton" hört oder liest. Die P600 ist eine Positivierung im EEG, die 0,6 Sekunden nach einem kritischen Wort auftritt und von syntaktischen Verarbeitungsschwierigkeiten zeugt, wie sie z. B. der Satz "Hans glaubt, dass der Entdecker von Amerika erzählte" hervorruft, wenn wir "der Entdecker von Amerika" mit "Kolumbus" gleichsetzen und dessen Erzählung erwarten.
Literatur
- Jan Seifert: Ereigniskorrelierte EEG-Aktivität. Lengerich: Pabst, 2005. ISBN 3-89967-236-4
