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Endogene Regionalentwicklung

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Endogene Regionalentwicklung (auch: "Eigenständige Regionalentwicklung") ist ein Konzept der Raumordnung, bei dem die sozioökonomische Entwicklung einer Region nicht vorrangig durch äußere Impulse (staatliche Eingriffe oder Handelsverflechtungen mit anderen Regionen) geschehen soll, sondern durch die Nutzung regionseigener Potentiale. Dabei sind Entwicklungspotentiale im wirtschaftlichen wie auch sozialen Bereich gemeint. Als Schlagwort wird in diesem Zusammenhang gerne "Hilfe zur Selbsthilfe" benutzt.

Die endogene Regionalentwicklung ist ein informelles Instrument der Raumordnung und hat damit keine Rechtsverbindlichkeit.


Inhaltsverzeichnis

Entwicklung

Vor allem in den 1970er Jahren geriet die traditionelle exogene Strategie, die zentral vom Staat gelenkt wurde, in die Kritik. Ein Grund waren die sich ständig veränderten (welt)wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Zunehmend rückten Lösungen in den Vordergrund, die sich den regionalen Eigenheiten widmeten und diese in Konzeptionen aufgriffen. Der dezentrale endogene Ansatz zeigte sich wirksamer darin, die regionalen Ungleichheiten auszugleichen und Wachstum zu erzeugen.


Endogene Regionalentwicklung in Österreich

Die endogene Regionalentwicklung in Österreich hat ihren Ursprung im Jahr 1979, wo vom Bundeskanzleramt die "Sonderaktion für entwicklungsschwache Berggebiete" verabschiedet wurde. In dieser Sonderaktion wurde aber nicht nur auf die rein ökonomischen Maßnahmen eingegangen, sondern auch die Stärkung der lokalen und regionalen Autonomie in allen Lebensbereichen angestrebt. Durch diese Förderungen sollten die regionalen Disparitäten innerhalb Österreichs abgebaut oder zumindest verringert werden.

Die erste Initiative ging aber von den Landwirten selbst aus, welche bereits 1974 die Österreichische Bergbauernvereinigung (ÖBV) gründeten, die eine Alternative zum Bauernbund bilden sollte. 1978 wurde von Mitgliedern der ÖBV gemeinsam mit Experten der Bergland-Aktionsfonds (BAF) gegründet, welcher zur Aktivierung und Projektumsetzung die notwendige organisatorische Basis schaffen sollte. 1979 wurde schließlich die "Förderungsaktion für eigenständige Regionalentwicklung" (FER) unter der Projektbezeichung "Sonderaktion für entwicklungsschwache Berggebiete" begründet. Damit wurde das erste Förderprogramm Österreichs und auch Westeuropas eingeführt, das das Konzept der eigenständigen Regionalentwicklung verfolgte. Diese Sonderaktion wurde nach einer Testphase in den Berggebieten schließlich auf alle Problemgebiete Österreichs ausgeweitet. Von 1986 bis 1990 befand sich das Förderungsprogramm kurzzeitig im Zuständigkeitsbereich des Bundesministeriums für Öffentliche Wirtschaft und Verkehr.

Das besondere war, dass diese Initiativen für die Landwirte von der SPÖ-Alleinregierung gesetzt wurden und damit die traditionelle ÖVP-Agrarpolitik untergraben wurde. Zur Koordinierung der eigenständigen Regionalentwicklung wurde 1983 die Österreichische Arbeitsgemeinschaft für eigenständige Regionalentwicklung (ÖAR) gegründet.

In der Umsetzung der endogenen Regionalentwicklung zeigten sich nun aber deutliche Unterschiede zwischen den politischen Couleurs der jeweiligen Landesregierungen. Während im SPÖ-geprägten Burgenland kaum Aktivitäten zur endogenen Regionalentwicklung gesetzt wurden, wurde in der ÖVP-Hochburg Niederösterreich die endogene Regionalentwicklung mit aller Stärke vorangetrieben. 1990 wurde die Österreichische Arbeitsgemeinschaft für eigenständige Regionalentwicklung aus dem Bundeskanzleramt ausgegliedert und unter dem Namen ÖAR-Regionalberatung Ges.m.b.H. privatisiert. Da durch die Privatisierung die finanziellen Mittel aus dem Bundesbudget radikal gekürzt wurden, musste die ÖAR ihr Beratungsangebot von der kostenlosen Beratung zu einer kostenpflichtigen Projektberatung umstellen, wie dies auch bei privaten Consulting-Unternehmen üblich ist. Dies führte dazu, dass einige Mitglieder diesen "Ökonomisierungsprozess", der sich von den ursprünglichen Ideen der endogenen Regionalentwicklung entfernt hatte, nicht mehr mittragen wollten und aus der ÖAR austraten.

Auf der Homepage der ÖAR beschreibt sie sich folgendermaßen: "Die ÖAR-Regionalberatung G.m.b.H. ist ein Team von Beraterinnen und Beratern, für die Regionalentwicklung weit mehr als nur ein Job ist. Wir initiieren, unterstützen und begleiten Lern- und Entwicklungsprozesse von Projekten und Unternehmen. Die Chancengleichheit von Frauen und Männern ist uns in allen Projekten ein besonderes Anliegen. Wir finden in einer professionellen Partnerschaft gemeinsam mit unseren KundInnen die beste Lösung. Wir arbeiten

  • fachlich kompetent
  • methodisch innovativ
  • praxisnah und spürbar engagiert
  • mit einer ganzheitlichen Perspektive
  • lokal - regional - international
  • mit der Erfahrung von mehr als 3000 Projekten seit 1983"

Während in weiten Teilen Österreichs die eigenständige Regionalentwicklung heute einen relativ niedrigen Stellenwert einnimmt, wird speziell in Niederösterreich durch die Dorferneuerung die Idee der endogenen Regionalentwicklung weiter fortgesetzt. Wichtig ist es nämlich, die Schaffung eines Regionalbewusstseins und die Kommunikation innerhalb der Dörfer wieder zu fördern bzw. Räume für die Kommunikation der Dorfbewohner zu schaffen: Zum Beispiel am Kirchenvorplatz keine Parkplätze anlegen, sondern eine freie Fläche, wo die Leute miteinander reden können. In einer Diplomarbeit aus dem Jahr 1989 wurde bereits darauf hingewiesen, dass sich zu viele Erstprojekte mit der Platzgestaltung auseinandersetzen. Die Diplomandin hielt aber auch fest, dass bei diesen Einstiegsprojekten vor allem der Vorzeigecharakter besonders wichtig sei, um den Aufbruch zu signalisieren.

Eigenständige Entwicklungsansätze in Niederösterreich

Das Bundesland Niederösterreich stellt trotz seiner relativ geringen Größe ein Gebiet mit großen Unterschieden dar. Zum einen gibt es die peripheren Räume an der ehemaligen "Ostblock"-Grenze und die Problemgebiete im Süden den Bundeslandes, zum anderen kann die Achse St. Pölten - Wien - Wr. Neustadt durchaus als Aktivraum betrachtet werden. Durch diese gravierenden regionalen Disparitäten gab es in Niederösterreich schon sehr zeitig Initiativen, um diesen Ungleichheiten zu begegnen. Ein Beispiel ist die vorhin erwähnte Dorferneuerung, mit der bereits 1984 begonnen wurde. Das Modell der Dorferneuerung in Niederösterreich ist stark mit dem heutigen Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll verbunden, der über den Österreichischen Bauernbund in die niederösterreichische Landesregierung kam und dort Mitinitiator der Dorferneuerung war. Auf der Homepage der niederösterreichischen Landesregierung findet sich u.a. folgende Definition der Dorferneuerung:

  • "Vom Zuschauer zum Mitspieler....
  • Vom Betroffenen zum Beteiligten.....
  • Orte beleben.......
  • Talente entdecken und entwickeln....
  • Schule der Demokratie.........
  • Natürliche Lebensgrundlagen schützen.....
  • Offen für die Herausforderungen der Zeit

Was will die NÖ Dorferneuerung? Die Aktion &sbquoNÖ Dorferneuerung' will die Ortsbewohner und Ortsbewohnerinnen ermutigen, Mitverantwortung für ihren unmittelbaren Lebensraum zu übernehmen und an dessen Gestaltung und Entwicklung gemeinsam mitzuarbeiten. Ortsbewohner setzen sich mit Stärken und Schwächen ihres Heimatortes auseinander und arbeiten gemeinsam an Veränderungen: Nachdenken, diskutieren, gemeinsam planen, aber auch Ärmel aufkrempeln und selbst Hand anlegen. Betreuerinnen und Betreuer des Verbandes &sbquoNÖ Dorf- und Stadterneuerung' begleiten sie dabei, das Land NÖ und die EU bieten finanzielle Unterstützung."

Die lokalen Entwicklungsinitiativen können im Waldviertel auf eine lange Tradition verweisen. Seit der Grenzöffnung 1989 beschränken sich diese Initiativen nicht mehr nur auf den österreichischen Raum, sondern werden großteils grenzüberschreitend durchgeführt.

  • Als Beispiel sei hier die Idee der "Ökoregion Waldviertel - Südböhmen" aus dem Jahren 1993 bis 1995 angeführt. Obwohl dieses Projekt von der EU letztendlich nicht bewilligt wurde, können die durch diese Zusammenarbeit aufgebauten Kontakte weiterhin genutzt werden.
  • 1998 schlossen sich sechs Gemeinden des Bezirks Waidhofen an der Thaya in der Kleinregion Thayaland zusammen, um gemeinsam die Probleme der Region zu lösen. Es war bald klar, dass eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit notwendig ist, und so wurde auch die Umsetzung des Aktionsprogramms InterregIIIA/PhareCBC angestrebt. Wichtig ist für die Verantwortlichen, dass nicht nur einige wenige in die Arbeit eingebunden sind, sondern die gesamte Bevölkerung ist dazu eingeladen, mitzuarbeiten. Zur besseren Koordination wurde nun mit der Planung eines "Grenzüberschreitenden Impulszentrums Thayaland" im Dobersberg begonnen. Durch die Einrichtung eines Büros in Slavonice (Zlabings) wird der Grundstein für eine problemlose grenzüberschreitende Kooperation gelegt. Für das "Grenzüberschreitende Impulszentrum Thayaland" stehen in den nächsten drei Jahren EU-Mittel in der Höhe von 1 Mio. Schilling jährlich zur Verfügung. Auch für die Zeit nach den EU-Förderungen wurden bereits Vorkehrungen getroffen. Der Weiterbestand soll durch Beteiligungen von Gewerbebetrieben und Gemeinden gesichert sein.
  • Eine weitere Waldviertler Initiative ist der regionale Internet-Provider WVNET [1], welcher 1993 gegründet wurde. WVNET ist eine 100prozentige Tochterfirma des Telehauses Waldviertel, an dem 150 Mitglieder aus dem Waldviertel beteiligt sind. Seit März 1996 war es durch den lokalen Internet-Provider möglich, im gesamten Waldviertel zum Ortstarif der damaligen Post und Telekom Austria Zugang zum Internet zu bekommen. Bis dahin mussten die damals noch sehr hohen Gebühren für die Fernzone nach Wien bezahlt werden. Dadurch konnten zumindest in diesem Bereich die Disparitäten zwischen dem Waldviertel und den Ballungszentren Wien und St. Pölten-Krems beseitigt werden und das Waldviertel entwickelte sich in den letzten Jahren zu einer Telematik-Vorzeigeregion. Dadurch konnte die Abwanderung in manchen Regionen deutlich reduziert werden, genaue Zahlen werden aber erst die Ergebnisse der Volkszählung 2001 bringen.

siehe auch

Regionalcluster

Quellen

Zur Einführung

Schätzl, Ludwig (1992): Theorien der endogenen Entwicklung. In: (ders.): Wirtschaftsgeographie 1. Theorie. S. 148-151. (UTB 782). Paderborn/ München/ Wien/ Zürich: Schöningh.

Hahne, Ulf (1985): Regionalentwicklung intraregionaler Potentiale. Zu den Chancen "endogener" Entwicklungsstrategien. (= Schriften des Instituts für Regionalforschung der Universität Kiel, Bd. 8). Kiel.


Zur Vertiefung

Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft Waidhofen a. d. Thaya. 118. Jahrgang (2001) Nr. 10, S. 2

Manfred Greisinger/Josef Mayerhofer, Von der Idee zum Impulszentrum: Waldviertel-Management - Telehaus, Partner einer natürlichen Region. In: Wolfgang Schwarz (Hg.), Perspektiven der Raumforschung, Raumplanung und Regionalpolitik - Raumordnung, Landes- und Regionalentwicklung in Niederösterreich (= Mitteilungen des Arbeitskreises für Regionalforschung, Vol. 26, Wien 1996) S. 218 - 225

Martin Heintel, Einmal Peripherie - immer Peripherie? Szenarien regionaler Entwicklung anhand ausgewählter Fallbeispiele (= Abhandlungen zur Geographie und Regionalforschung Band 5, Wien 1998)

Martin Heintel, Endogene Regionalentwicklung. Eine wirtschafspolitische Alternative - unter der Berücksichtigung didaktischer Fragestellungen - für struktur- und entwicklungsschwache Regionen? (= Mitteilungen des Arbeitskreises für Regionalforschung, Sonderband 5, Wien 1994)

Werner Slupetzky, Dorfzentrierte Erneuerungspersektiven für den ländlichen Raum. In: Wolfgang Schwarz (Hg.), Perspektiven der Raumforschung, Raumplanung und Regionalpolitik - Raumordnung, Landes- und Regionalentwicklung in Niederösterreich (= Mitteilungen des Arbeitskreises für Regionalforschung, Vol. 26, Wien 1996) S. 206 -214

Christian Vielhaber, Entwicklung, Struktur und Wandel peripherer Räume in der österreichischen Ostregion (Vorlesung im SS 2001 am Institut für Geographie und Regionalforschung der Universität Wien)

Weblinks

Persönliche Werkzeuge